«Nein, warum? Ich bin ja nicht verheiratet.»
«Sie sagten doch . . .»
«Ein Scherz.»
«Aber das falsche Auge ist doch wenigstens _echt_, wie?»
«Völlig echt, meine Gnädige.»
«Darf ich es mal sehen?»
«Mit Vergnügen.»
Der Herr reicht der Dame das echte falsche Auge. Die Dame nimmt es in die
linke Hand.
Sie faßt das Auge scharf ins Auge und spricht:
«Es ist täuschend imitiert. Besser als diese meine linke Hand.»
«Was ist mit der Hand?»
«Sie ist künstlich. Aus Marmor.»
«Seltsam. Ein falsches Auge in falscher Hand!»
«Ich finde das weniger seltsam, als wenn ein echtes Auge in einer echten
Hand läge.»
«So? Wäre das seltsamer?»
«Es wäre nicht nur seltsamer, es wäre _unmöglich_.»
«Es ist nicht unmöglich. -- Mein Auge ist kein Glasauge. -- Das Auge ist
mein wirkliches, echtes Auge.»
Die Dame läßt erschreckt das Auge fallen.
Das Auge blickt die Dame wehmutig an.
Die Dame greift gerührt mit ihrer Linken nach dem Auge -- -- -- die Hand
füllt sich mit Leben, Blut durchrinnt sie, Puls klopft auf.
Das Auge zwinkert bedeutsam.
Der Herr sieht die marmornen Finger der Dame sich regen; «Ihre Hand,
Gnädige, scheint lebend zu sein!»
Die Dame krümmt die Finger -- und ist selbst betroffen über die
Verwandlung.
Sie streicht mit der Rechten über das Auge in ihrer Linken, und das Auge
schläft ein.
Der Herr nimmt es und steckt es in seine Höhle zurück.
Die Dame kann nicht anders, sie drückt einen Kuß auf das Auge.
Der Herr küßt der Dame die linke Hand.
Das Auge öffnet sich und blickt dankbar.
Die Linke der Dame streichelt die Wange des Herrn.
«_Danzig_ --!»