Die entflohenen Weiber

Vor langer Zeit zankten sich zwei schwangere Frauen mit ihren Männern und

verließen ihre Familien und Freunde, um allein zu leben. Nachdem sie weit

gewandert waren, kamen sie an einen Platz, Igdluqdjuaq genannt, wo sie zu

bleiben beschlossen. Es war Sommer als sie ankamen. Sie fanden viel Rasen

und Torf und große Walrippen, die am Strande bleichten. Sie errichteten ein

festes Gerüst aus Knochen und füllten die Zwischenräume mit Rasen und

Torfstücken aus. So hatten sie bald ein gutes Haus, in dem sie leben

konnten. Um Felle zu bekommen, machten sie Fallen, in denen sie genug

Füchse fingen, um sich daraus Kleider zu machen. Manchmal fanden sie die

Leichen gestrandeter Seehunde oder Wale, die an die Küste gespült waren;

von diesen aßen sie das Fleisch und verbrannten den Speck. In der Nähe der

Hütte war auch ein tiefer, schmaler Renntiersteig; über diesen spannten sie

einen Strick, und wenn die Tiere vorübereilten, verwickelten sie sich darin

und erwürgten sich selbst. Außerdem war noch ein Bach mit Fischen in der

Nähe des Hauses und so waren sie mit reichlicher Nahrung versehen.

Im Winter kamen die Väter der Frauen auf der Suche nach den verlorenen

Töchtern. Als diese den Schlitten herankommen sahen, fingen sie an zu

schreien, daß sie durchaus nicht gesonnen seien zu ihren Gatten

zurückzukehren. Die Männer waren froh sie wohlauf zu finden und nachdem sie

zwei Nächte im Haus ihrer Töchter geblieben waren, kehrten sie heim, wo sie

die ganz merkwürdige Geschichte erzählten, daß zwei Frauen, ohne jegliche

männliche Gesellschaft allein leben und nie Mangel leiden.

Obwohl das schon vor langer Zeit geschehen, kann man das Haus noch sehen

und daher ist der Ort auch Igdluqdjuaq -- das reiche Haus -- benannt.

Eskimomärchen · 第 35 / 110 题