Dritter Aufzug

Gemach in Merenbergs Schlosse.

Der alte Merenberg (steht am offenen Fenster, die Mütze zwischen den

gefalteten Händen).

Die Sonne steigt empor. Hab Dank, o Gott,

Des Greisen Dank, für diesen neuen Tag!

Und für den Tag, den du geschenkt dem Lande,

Da du hervorriefst aus des Dunkels Schoß

Mildglänzend Habsburgs leuchtendes Gestirn,

Das wieder grün macht die zerstampften Auen

Und wieder lau die frostdurchschnittne Luft.

O gib, daß wir, der Deutschen Äußerste,

Teilnehmen an dem Heil, das dort entstand;

Daß alle, die wir Österreicher sind,

Entnommen aus des Fremden harter Zucht,

Wie Brüder kehren in der Eltern Haus,

Von eines Vaters Auge fromm bewacht.

Amen, so soll's geschehn!--Wer klopft?

Frau (von außen).

Ich, Alter!

Merenberg.

Ei, nur herein!

Frau (tritt ein mit einer Schüssel und Wein).

Ich bringe dir das Frühstück.

Merenberg.

Setz immer hin! Wer spricht im Schloßhof unten?

Frau.

Zwei Reiter, die nach dir verlangten.

Merenberg.

Nun?

Warum bringt man sie nicht?

Frau.

Ich dachte--

Merenberg.

Was denn?

Bin ich in Fehde denn mit meinen Nachbarn?

Liebt man den Merenberg nicht rings im Land,

Daß vor zwei Reitern ich mich scheuen sollte?

Wer weiß, was Wicht'ges sie zu melden kommen?

Vielleicht von meinem Sohn! Führ sie herauf!

(Frau ab.)

Das hieße sich noch gar verdächtig machen,

Verschlöss' ich mich vor Botschaft und Besuch.

Ob freilich zwar der böse Zeitenlauf

Zur Vorsicht rät und leicht wohl gar zu Mißtraun;

Doch sind mir zwanzig Knechte ja im Schloß!

(Herbott von Füllenstein und Ortolf von Windischgrätz treten, von Merenbergs

Frau geführt, ein. Beide ganz gerüstet und mit geschlossenem Visier.)

Merenberg.

Ei, Gott zum Gruß, ihr Herrn! Frau, bring noch Wein!

(Frau ab.)

Was führt euch her zu mir? Zwar, eh' ihr sprecht,

Setzt euch an Tisch und nehmt mit mir vorlieb;

So ist es Sitt' in unserm Steierland.

(Sie setzen sich.)

Beliebt's euch nicht, den Helm vom Haupt zu nehmen?

(Beide schütteln verneinend die Häupter.)

Verbietet's ein Gelübd'?--Doch wie ihr wollt!

Ihr zieht dem Heer des Königes wohl zu?--

Des Königs Ottokar?--Er lagert an der Donau

Seitwärts Korneuburg, weit bis Tulln hinab

Am linken Ufer, war , mir angesagt.

Und Kaiser Rudolf--nu, den Habsburg mein ich--

Am rechten Ufer hält er Wien belagert.

Den Fluß zu übersetzen scheuen beide.

Allein ihr sprecht nicht, und ihr eßt auch nicht!

Beide (aufstehend).

Wir essen mit Verrätern nicht!

Merenberg (springt auf).

Daß Gott!

Füllenstein (der das Schwert zieht und sich vor die Türe stellt, das

Visier öffnend).

Erkennst du mich?

Merenberg.

Herbott von Füllenstein,

(Der andre hat auch das Visier aufgeschlagen.)

Ortolf von Windischgrätz!--Was tut ihr, Herren?

(Ortolf von Windischgrätz ist ans Fenster getreten und stößt ins Horn.)

Füllenstein.

Im Namen unsers Königs Ottokar

Nehm ich dich in Verhaft als Hochverräter.

Merenberg.

Warum?

Füllenstein.

Hast du nicht deinen Sohn gesandt

Mit Klagen an die Fürsten und das Reich?

Merenberg.

Der Unvorsichtige!--Mit Klagen nicht,

Mit Bitten nur für Königin Margrethe

Und ihres angestammten Rechtes Schutz.

Füllenstein.

Dient nicht dein Sohn jetzt in des Kaisers Heer?

Merenberg.

Ich bin verloren!

Füllenstein.

Ja, das bist du! Folge!

Merenberg.

Wohin?

Füllenstein.

Dahin, wo man dich pressen wird,

Bis deiner Ränke letzter dir entgeht.

Von außen.

Macht auf! macht auf!

Füllenstein.

Ortolf, bewach die Tür!

Außen.

Um Gottes willen, öffnet!

Ortolf.

's ist dein Knecht,

Der Duxer, Füllenstein!

Füllenstein.

Was will denn der?

(Windischgrätz öffnet die Türe, Knecht tritt ein.)

Knecht.

Herr, Kaiserliche streifen in der Nähe!

Füllenstein.

Verdammt!

Knecht.

Sie haben, heißt es, Gräz genommen,

Des Königs Hauptmann; Milota, gefangen,

Und wenden alles Land dem Kaiser zu.

Füllenstein.

Wie mag das sein?

Knecht.

Ja, Meinhard Graf von Götz

Soll beigetreten sein der Deutschen Sache,

Und der haust also übel hier im Land.

Merenberg.

Nun, Gott sei Dank!

Füllenstein.

Euch soll's nicht helfen, Herr!

Nur fort mit ihm! Ihr wendet eure Schwerter

Auf seine Brust, und wagen's die im Schloßhof

Sich nur zu regen, stoßt ihr stracks ihn nieder!

Die Pfade kenn ich hier herum, ich leit euch!

Merenberg (der abgeführt wird).

Mein Sohn ist frei, die Königin geborgen;

Was liegt an mir? Da wird der Himmel sorgen!

(Alle ab.)

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Böhmisches Lager am linken Donauufer. Zelt des Königs. Ein Tisch mit

einem Aufriß der Gegend im Vorgrunde.

Ottokar tritt auf, der Kanzler und mehrere hinter ihm.

Ottokar (im Auftreten zu seinen Begleitern).

Ist er geflohn, so laßt den Schurken hängen!

Man hängt ja täglich Diebe. Gottes Donner!

Ein Feiger dünkt mich schlechter als ein Dieb!

(Er kommt in den Vorgrund, der Kanzler folgt ihm.)

Verfolgt Ihr mich denn übrall hin, Herr Kanzler?

Kanzler.

Ja, überall, mein König und mein Herr,

Bis Ihr mich anhört und mir Antwort gönnt.

Herr, es steht schlimm!

Ottokar (auf und nieder gehend).

Es steht sehr gut!

Kanzler.

O Gott!

Die Krankheit herrscht, der Mangel herrscht im Lager.

Ottokar.

Die Krankheit: Furcht, und Mangel wohl an Mut,

Doch nur bei wenigen, so will ich hoffen,

Und von den wenigen hängt einer drauß'!

Hat man jetzt Zeit, um krank zu sein? Und Hunger?

Ich hungre nur nach einem: nach dem Sieg!

Kanzler.

Aus Böhmen seit fünf Tagen keine Nachricht,

Und man besorgt--

Ottokar.

Wahrscheinlich bin ich dort

So schlecht bedient als hier!

Kanzler.

Hier seid Ihr gut,

(auf seine Brust schlagend)

Hier mindstens seid Ihr gut bedient, mein König!

Ottokar.

Mag sein! mag sein!

Kanzler.

Von Östreich die, von Steier,

Allnächtlich fliehn sie haufenweis zum Feind.

Ottokar (stehenbleibend).

Ich will sie treffen!--All dies weite Land,

Zur menschenleeren Wüste will ich's machen,

Daß drin die Füchse hausen und die Wölfe,

Und nach Jahrhunderten der müß'ge Wandrer

Sich streiten soll, wo Neuburg stand und Wien.

Kanzler.

Am linken Ufer schon, auf unsrer Seite,

Will Feinde man sogar gesehen haben.

Ottokar.

Beinahe glaub ich, daß es mancher wollte;

Doch ist's nicht wahr!

Kanzler.

Allein die Wachen sahn's.

Ottokar.

Schickt einen Mutigen, der sieht wohl nichts!

Kanzler.

Bei Wolkersdorf--

Ottokar.

Ich sag Euch: Nein! Ich weiß!

Die Mährer sind's, wenn sich dort Haufen zeigen!

(Er steht am Tisch bei der Karte.)

So war's im Plan! Die Mährer dort von oben,

Im Rücken Milota aus Steiermark,

Und wir, wie Schleien durch die Donau und

Wie Löwen jenseits raus; und dann: (Mit der Hand auf den Tisch

schlagend.) Schlag tot!

Ich habe sie!

(Er geht wieder auf und nieder.)

Kanzler.

Du allgerechter Gott!

Ich sinne nach, wie wir uns retten möchten,

Und Ihr sprecht nur von Sieg!--Aus Steiermark

Hört ab und zu man wunderbare Dinge.

Ottokar.

Ei, wundert Euch soviel Ihr wollt, Herr Kanzler!

Dort ist der Milota; ein tücht'ger Mann!

Kein Kopf, doch eine Faust von Stein und Stahl.

Der schlägt Euch zwanzigmal auf einen Fleck

Und frägt nicht, wie's getan.

Kanzler.

Nun denn, so sei's!

Ich habe mich verwahrt! Als ich Euch sagte:

Herr, traut dem Baier nicht! Ihr trautet doch:

Und nun ließ er den Kaiser durch sein Land.

Ottokar.

Furcht hat 'ne feine Nase für die Furcht;

Den Baier habt Ihr trefflich ausgewittert!

Kanzler.

Der Grafenbund in Schwaben ist zerstreut.

Ottokar.

Der hielt wohl niemals allzufest beisammen!

Kanzler.

Mit einem Wort. Der Kaiser Rudolf, Herr--

Ottokar.

Was Kaiser!

Kanzler.

Nu, der Habsburg also denn!

Er ist der Mann nicht, den wir sonst ihn glaubten.

Ottokar.

Mir sollte leid tun, wenn er schlimmer wäre!

Ein Krieger und ein Mann vielleicht; kein König.

Kanzler.

So dachte mancher, der ihn wählen half;

Doch hat sich's anders, unverhofft bewährt.

In Aachen schon, als man die Lehen gab

Und sich kein Szepter fand--man wollt' ihn stören!--

Da trat er hin und nahm vom Hochaltar

Ein Kruzifix--

Ottokar.

Und gab die Lehn damit?

Wer geben will, der findet leicht ein Werkzeug;

Zum Nehmen rüst' er kräftiger sich aus!

Kanzler.

Die Ruh' ist hergestellt im weiten Deutschland,

Die Räuber sind bestraft, die Fehden ruhn.

Durch kluge Heirat und durch kräft'ges Wort

Die Fürsten einig und ihm eng verbunden;

Der Papst für ihn. Im Land nur eine Stimme,

Ihn preisend, benedeiend als den Retter.

Als auf der Donau nur allsamt dem Heer

Nach Wien er niederfuhr mit lautem Schall,

Da tönte Glockenklang von beiden Ufern,

Von beiden Ufern tönte Jubelruf

Der Menge, die dort kam und staunt' und kniete,

Wie sie den Kaiser sahn im grauen Röcklein

Am Vorderteil des Schiffes stehn allein

Und freundlich grüßend mit des Hauptes Neigen.

Herr, nennt ihn Kaiser, denn fürwahr er ist's!

Ottokar.

Sprichst du so warm für ihn?

Kanzler.

Für Euch wohl wärmer.

Hab ich ihm denn geschworen, so wie Euch?

Doch, daß zwei Herrn, so hoch, so würdevoll,

Sich gegenüberstehn, da's nur ein Wort,

Ein Wort nur brauchte, um sie auszusöhnen--

Ja, Herr, es ist gesagt! Es sei gesagt!

Und mögt Ihr zürnen, melden muß ich's Euch:

Der Kaiser hat gesendet einen Herold

Und lädt Euch ein zu gütlichem Gespräch.

Ottokar.

Schweig still!

Kanzler.

Die Insel Kaumberg ward ersehn;

Von beiden Teilen werde sie besetzt.

Nicht Ihr zu ihm, nicht er zu Euch,

Auf gleichgeteilten Boden sollt Ihr kommen

Und dort verhandeln, was uns allen nützt.

Ottokar.

Bei meinem Zorn--!

Kanzler.

Herr, selbst bei Eurem Zorn!

Nicht schweig ich da, wo reden meine Pflicht!

(Zawisch von Rosenberg kommt.)

Ottokar.

Du kommst zurecht; beschwicht'ge diesen Raben!

Zawisch.

Was will er denn?

Ottokar.

Er spricht mir von Vergleich.

Zawisch.

Wie? Von Vergleich? der kindisch schwache Greis!

Nur eben hat sich eine Schar Kumanen

Durch eine Furt dem Lager angenaht;

Allein ich ging hinaus mit meinen Böhmen,

Und, wie sie flohn, den Rückweg fand wohl keiner!

Ottokar (zum Kanzler).

Seht Ihr?

Kanzler.

Ein einzler Fall entscheidet nicht!

Zawisch.

Doch viele Fälle fällen doch zuletzt!

Die Axt ist an der Wurzel, losgeschlagen!

(Zum Kanzler.)

Habt Ihr ein Heer wie unsers je gesehn?

Voll Kraft und Mut und Zuversicht und Stolz

Auf sich und auf den Führer, der es leitet.

Kanzler.

Ihr wißt wohl, Zawisch, daß es anders ist.

Zawisch (fortfahrend).

Und Ihr könnt von Vergleich und Frieden sprechen?

Sind ihrer viel; wir sind wohl gleicher Zahl!

Sind tapfer sie; wer nimmt es auf mit uns?

Führt sie ein Kaiser; hier steht Deutschlands Kaiser!

Noch diese Schlacht, und, Kanzler, glaubt, er ist's.

Kanzler.

O Rosenberg, Ihr spielt ein falsches Spiel!

Ich glaub, Ihr seid nicht wahrhaft, Rosenberg!

Ein altes Unrecht, Eurem Haus getan

Von unserm sonst gerechten, gnäd'gen Herrn,

Ich fürcht, es wurzelt tief in Eurem Herzen

Und läßt Euch also sprechen, wie Ihr sprecht.

Glaubt mir, mein gnäd'ger Herr, ich mein es redlich.

Zawisch.

Die Feinde sind im Nachteil, das ist klar!

Ottokar.

Das ist nicht klar. Die Waage steht für sie.

Der einz'ge Vorteil--doch der soll entscheiden!--

Ist, daß Euch Ottokar, und jene Habsburg führt.

(Er tritt an den Tisch und, mit der rechten Hand daraufgestemmt,

betrachtet er die vor sich liegende Karte.)

Zawisch.

Der Sieg ist unser, glaubt mir das, Herr Kanzler!

Kanzler.

Und wenn auch! was ist noch damit gewonnen?

Ihr schlagt den Kaiser heut, und übers Jahr

Kommt er herab mit einem neuen Heer.

Die Lande sind nun einmal mißvergnügt,

Bereit zu Aufstand und zu Meuterei,

Sie rufen Euch die Deutschen, eh' Ihr's denkt.

Und stirbt auch Rudolf, fällt er in der Schlacht;

Ein andrer Kaiser fodert Euch dasselbe,

Und ewig währt der Unfried' mit dem Reich.

Zawisch.

Was mehr?

Zawisch.

Was mehr?

Kanzler.

Was mehr?--Und rechnet Ihr für nichts

Das Unheil und die Greuel in dem Land?

Die Saat zerstampft, die Wohnungen verbrannt,

Die Menschen hingeschlachtet wie--daß Gott!

Schämt Euch, Herr Rosenberg, daß Ihr so sprecht!

Hat darum unser König Gold und Gut

Daran gesetzt, sein Böhmen aufzubringen?

Es geht der Pflug, der Weber sitzt am Werk,

Der Spinner dreht, der Berg gibt seinen Schatz;

Und soll er nun mit eigner Fürstenhand

Das all zerstören, was er selbst gebaut?

Ei geht, Ihr wißt nicht, was Ihr sprecht, Herr Zawisch!

Der König kennt das besser, als Ihr glaubt!

Ottokar (vor sich hin).

Im Grunde waren sie's, die mir den Antrag taten!

Kanzler.

Wohl waren sie's!

Ottokar (wieder auf und nieder gehend).

Ist Schmach dabei, trifft sie's!

Kanzler (mit dankend gefalteten Händen).

Er überlegt!

Ottokar.

Die Schwäche macht versöhnlich!

Herr Kanzler, um das Kaisertum der Welt

Hätt' ich ihm nicht das erste Wort gegönnt!

Kanzler.

Die Ehre bleibt; verdoppelt wird der Ruhm.

Ottokar.

Dem Feind verzeihen; gut! Doch nach der Strafe!

Die Schwäche macht versöhnlich!

Kanzler.

Gnäd'ger Herr--!

Ottokar.

Und wahrlich, Zawisch, sehen möcht' ich ihn!

Wie er sich nimmt, dem Ottokar genüber,

Der arme Habsburg in dem Kaiserkleid?

Was er entgegnet, wenn im selben Ton,

Mit dem ich ihm bei Kroissenbrunn befahl:

»Herr Graf, greift an« ich Östreich nun und Steier

Und all die Lehen von dem Reich begehre?

Das hieße siegen, ohne Heer, allein!

Zawisch.

Dagegen aber, wenn er schlau und listig--

Ottokar.

Topp, Kanzler, Euren Vorschlag nehm ich an!

Kanzler.

O tausend Dank!

Ottokar.

Ei, dankt nicht allzufrüh!

Nicht ganz in Eurem Sinn ist's, daß ich gehe!

Wenn er so dasteht und nach Worten sucht

Und ich ihm sage: Euren Kaisermantel

Begehr ich nicht, Ihr mögt ihn ruhig tragen!

Doch an mein Land sollt Ihr mir, Herr, nicht rühren;

Und so gehabt Euch wohl und zieht in Frieden!

Aufs höchste gibt man ihm ein Fleckchen Grund,

Daß er daheim sich brüsten mag und sagen:

Das haben wir erobert für das Reich!

Die Freude gönn ich ihm. Glück auf, Herr Kanzler,

Wir ziehen aus auf Frieden und Vergleich;

Da seid Ihr Führer, wir gehorchen Euch!

Und was sich regt im Lager, groß und klein--

(gegen den Eingang gewendet, einige treten herein)

Das sei bereit und rüste sich in Pracht.

Von Gold und Silber laßt die Rüstung starren;

Und weh dem Edelknecht, des Wams und Mantel

Nicht hundertmal den deutschen Kaiser aussticht.

(Ab, die andern folgen ihm.)

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Insel Kaumberg in der Donau. Lager der Kaiserlichen. Im Hintergrunde,

auf einigen Stufen erhöht, ein kostbares Zelt, mit dem Reichsadler

geschmückt.

Ein Hauptmann tritt auf; hinter ihm mehrere Wappner, die mit gekreuzten

Hallbarten das nachdringende Volk abzuhalten bemüht sind.

Hauptmann.

Laßt sie nur ein, der Kaiser hat's befohlen!

(Volk strömt herein.)

Erster Bürger (der sich mit seinem Nachbar durch die Menge in den

Vorgrund gearbeitet hat).

Hier ist ein guter Platz, hier laßt uns bleiben!

Zweiter Bürger.

Wenn er nur vorkommt, daß wir ihn auch sehn.

Frau (zu ihrem Kinde).

Halt dich zu mir und nimm da deine Blumen!

Schweizersoldat.

Wo ist der Rudi? Herr, ich bin sein Landsmann

Und hab was anzubringen bei dem Kaiser!

Hauptmann.

Geduldet euch! Doch seht, man öffnet schon.

(Das Zelt öffnet sich. Kaiser Rudolf sitzt im ledernen Unterkleide an

einem Feldtische. Er hat einen Helm vor sich, an dem er mit einem Hammer

die Beulen ausklopft. Vollendend und zufrieden seine Arbeit beschauend.)

Rudolf.

Nun hält das lange wieder, ab und zu.

(Er sieht sich um.)

Schon Leute da?--He, Georg, hilf einmal!

(Ein Diener hilft ihm, er zieht den Rock an.)

Erster Bürger (im Vorgrunde).

Gevatter Grobschmied, saht Ihr wohl? Der Kaiser,

Den Hammer in der Hand! Vivat Rudolphus!

Zweiter Bürger.

Sei still, sei still! Er tritt schon auf uns zu!

(Der Kaiser kommt die Stufen herab.)

Seyfried von Merenberg (tut einen Fußfall).

Erlauchter Herr!

Rudolf.

Ei, Merenberg? Nicht wahr?

Seid ruhig, Euer Vater wird befreit,

Des geb ich Euch mein Wort. Im weiten Reich

Hat Gottes Hilfe hergestellt die Ruh',

So wird's auch hier in Eurem Osterland.

Der Fürst von Böhmen kommt heut zum Gespräch;

Vor allem will ich Eurer da gedenken!

(Merenberg tritt zurück.)

(Ein Kind mit einem Blumenstrauß läuft auf den Kaiser zu.)

Rudolf.

Wem ist das Kind? Wie heißt du?

Eine Frau.

Katharina,

Kathrina Fröhlich, Bürgerskind aus Wien.

Rudolf.

Fall nicht, Kathrina! Ei, was ist sie hübsch!

Wie fromm sie aus den braunen Augen blickt,

Und schelmisch doch. Zierst du dich auch schon, Kröte?

Was wollt Ihr, gute Frau?

Frau.

Ach Gott, Eu'r Hoheit!

Die Böhmen haben unser Haus verbrannt,

Mein Mann liegt krank vor Kummer und Verdruß.

Rudolf (zu einem seiner Begleiter).

Schreibt Euch den Namen auf und sehet zu!

(Zur Frau.)

Worin zu helfen ist, da wird man helfen!

Schweizersoldat (tritt vor, hinter ihm noch drei oder vier andere).

Mit Gunst und Urlaub, gnädiger Herr Landsmann!

Rudolf.

Ei, Walter Stüssi aus Luzern? Was willst du?

(Zum Kinde.)

Geh nur zu deiner Mutter, Katharina,

Dem Vater wird geholfen, sag ihr das!

(Das Kind läuft zur Mutter.)

Schweizer.

Ich und die andern da vom Lande Schweiz,

Wir kommen her, ob Ihr die Gutheit hättet

Und gäbt uns etwas Geld!

Rudolf.

Ja Geld, mein Freund,

Geld ist ein gutes Ding, wenn man nur hat.

Schweizer.

So habt Ihr keins? Ja so!--Und führt doch Krieg?

Rudolf.

Sieh Freund, du weißt wohl noch von Hause her,

Gar manchmal hat ein Landwirt auf gespeichert

An Frucht und Futter für den Winter gnug,

Bis voll zur Frühlingszeit. Allein der Frühling

Anstatt im Märzen kommt er erst im Mai,

Und Schnee liegt dort, wo sonst wohl Saaten standen;

Wenn da der Vorrat aufgeht, schmähst du ihn

Als einen schlechten Wirt?

Schweizer.

Behüte Gott!

Das hat wohl mancher schon an sich erfahren!--

Und Ihr?--Ja so! (Zu seinen Landsleuten.) Seht nur, er ist der Landwirt,

Und dau'rt der Winter--heißt: der Krieg--so lang,

Und ist die Brotfrucht aufgezehrt:--das Geld.

Nu Herr, wir warten schon noch etwas zu:

Indessen holt man aus des Landmanns Kasten.

Rudolf.

Wenn ihr nicht bleiben wollt, so geht.

Doch wer sich nicht begnügt mit Lagerzehrung,

Und mir die Hand legt an des Landmanns Gut,

Der hängt, und wär's der Beste!

Schweizer.

Nu, 'ne Frage

Ist wohl erlaubt. Es ist nur, daß man's, weiß.

Wir wollen zusehn noch ein Tage vier,

Vielleicht wird's besser bis dahin.

Rudolf.

Das tut!

Und grüßt mir Rat und Bürger von Luzern.

(Der Kaiser wendet sich zu gehen.)

Ottokar von Hornek (im Vorgrunde tritt aus der Menge).

Erlauchter Herr und Kaiser, hört auch mich!

Rudolf.

Wer seid Ihr?

Hornek.

Ottokar von Hornek, Dienstmann

Des edlen Ritters Ott von Lichtenstein,

Den König Ottokar, samt andern Landherrn,

Ohn Recht und Urteil hält in enger Haft.

O nehmt Euch sein, nehmt Euch des Landes an!

Er ist ein guter Herr, es ist ein gutes Land,

Wohl wert, daß sich ein Fürst sein unterwinde!

Wo habt Ihr dessengleichen schon gesehn?

Schaut rings umher, wohin der Blick sich wendet,

Lacht's wie dem Bräutigam die Braut entgegen!

Mit hellem Wiesengrün und Saatengold,

Von Lein und Safran gelb und blau gestickt,

Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut,

Schweift es in breitgestreckten Tälern hin--

Ein voller Blumenstrauß soweit es reicht,

Vom Silberband der Donau rings umwunden!--

Hebt sich's empor zu Hügeln voller Wein,

Wo auf und auf die goldne Traube hängt

Und schwellend reift in Gottes Sonnenglanze;

Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze.

Und Gottes lauer Hauch schwebt drüber hin

Und wärmt und reift und macht die Pulse schlagen,

Wie nie ein Puls auf kalten Steppen schlägt.

Drum ist der Österreicher froh und frank,

Trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden,

Beneidet nicht, läßt lieber sich beneiden!

Und was er tut, ist frohen Muts getan.

's ist möglich, daß in Sachsen und beim Rhein

Es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen;

Allein, was not tut und was Gott gefällt,

Der klare Blick, der offne, richt'ge Sinn,

Da tritt der Österreicher hin vor jeden,

Denkt sich sein Teil und läßt die andern reden!

O gutes Land! o Vaterland! Inmitten

Dem Kind Italien und dem Manne Deutschland,

Liegst du, der wangenrote Jüngling, da:

Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn

Und mache gut, was andere verdarben!

Rudolf.

Ein wackrer Mann!

Erster Bürger.

Ja Herr, und ein Gelehrter!

Er schreibt 'ne Reimchronik, und Ihr, Herr Kaiser,

Kommt auch drin vor!

Rudolf.

Im Guten, will ich hoffen!

Dein Herr, vertrau! er soll die Freiheit haben.

Und du--Zum Angedenken dieser Stunde, nimm

Die Kette da und schmücke dich damit!

Dem Wissen sei sein Lohn und dem Vollbringen!

(Er nimmt eine Kette vom Hals und hängt sie Horneken um, der niedergekniet

ist. Zu einem der Nebenstehenden.)

Euch, Ritter, scheint die Gunst wohl allzuhoch?

Wenn diesen Mann ich mit dem Schwert berühre,

So steht er auf als Ritter, wie so mancher;

Doch manchen wüßt' ich nicht, womit berühren,

Sollt' er ein Reimwerk schreiben, so wie der.

Doch davon nichts in deine Chronik, Freund!

Das hieße sonst in dir mich selber loben!

Hauptmann (kommt).

Der König naht von Böhmen, gnäd'ger Herr!

Rudolf.

Nun, großer Gott, du hast mich hergeführt;

Vollende nun, was ich mit dir begonnen!

(Man hat rechts im Vorgrunde einen Feldstuhl gesetzt. Der Kaiser setzt

sich, sein Gefolge steht um ihn.)

(König Ottokar kommt in glänzender Rüstung, darüber einen bis auf die

Fersen gebenden reichgestickten Mantel; statt des Helmes die Krone auf

dem Haupt. Hinter ihm der Kanzler und Gefolge.)

Ottokar (vom Hintergrunde her auftretend).

Ich suche nun schon lange rechts und links;

Wo habt ihr euren Kaiser, edle Herrn?

Ihr da, Herr Merenberg? Trifft man Euch hier?

Ich denk Euch schon noch anderswo zu treffen!

Nun, wo ist Rudolf? Ah! (Er erblickt ihn und geht auf ihn zu.) Gott grüß

Euch, Habsburg!

Rudolf (der aufsteht, zu denen, die um ihn stehen).

Warum steht ihr entblößten Hauptes da?

Kommt Ottokar zu Habsburg, Mensch zum Menschen,

So mag auch Hinz und Kunz sein Haupt bedecken,

Ist er doch ihresgleichen: Mensch.--Bedeckt euch!

Doch kommt der Lehensmann zum Lehensherrn,

Der Böhmen pflicht'ger Fürst zu Deutschlands Kaiser,

(Unter sie tretend.)

Dann weh dem, der die Ehrfurcht mir verletzt!

(Mit starken Schritten auf ihn losgehend.)

Wie geht's Euch, Ottokar? was führt Euch her?

Ottokar (der betroffen einen Schritt zurückgetreten ist).

Zur--Unterredung hat man mich geladen!

Rudolf.

Ja so, Ihr kommt zu reden in Geschäften?

Ich dacht', es wär' ein freundlicher Besuch!

Zur Sache denn! Wie kömmt's, mein Fürst von Böhmen,

Daß Ihr erst jetzt auf meinen Ruf erscheint?

Ich ließ Euch laden schon zu dreien Malen,

Nach Nürnberg, dann nach Würzburg und nach Augsburg,

Daß Ihr die Lehen nähmt von Eurem Land;

Allein Ihr kamt nicht. Nur das letztemal

Erschien statt Euch der würd'ge Herr von Seckau,

Doch der nicht allzu würdig sich benahm.

Ottokar.

Die Lehn von Böhmen gab mir König Richard.

Rudolf.

Ja, der von Kornwall. Ei, es gab 'ne Zeit,

Wo man in Deutschland für sein bares Geld

Noch mehr erhalten konnt' als Lehn und Land!

Doch damit ist's vorbei! Ich hab's geschworen,

Geschworen meinem großen, gnäd'gen Gott,

Daß Recht soll herrschen und Gerechtigkeit

Im deutschen Land; und so soll's sein und bleiben!

Ihr habt Euch schlecht benommen, Herr von Böhmen,

Als Reichsfürst gegen Kaiser und das Reich!

Dem Erzbischof von Salzburg seid Ihr feindlich

Mit Raub und Mord gefallen in sein Land,

Und Eure Völker haben drin gehaust,

Daß Heiden sich der Greuel scheuen würden.

Ottokar.

Die Fehde ward ihm ehrlich angesagt.

Rudolf.

Hier aber gilt's nicht Fehde; Ruhe, Herr!

Die Lande Österreich und Steiermark,

Mit Kärnten und mit Krain, der Wind'schen Mark,

Als ungerecht dem Reiche vorenthalten,

Gebt wieder Ihr zurück in meine Hand!

Ist hier nicht Feder und Papier? wir wollen

Die Handfest gleich in Ordnung bringen lassen!

Ottokar.

Ha, beim allmächt'gen Gott! wer bin ich denn?

Ist das nicht Ottokar? nicht das sein Schwert?

Daß man in solchem Ton zu sprechen wagt!

Wie aber dann, Herr, wenn, statt aller Antwort,

Der Donau breiten Pfad zurück ich messe

Und weiter frag an meines Heeres Spitze?

Rudolf.

Noch vor zwölf Monden kamt Ihr mir zurecht,

Wenn Ihr der Waffen blut'gen Ausspruch wähltet!

Ihr seid ein kriegserfahrner Fürst, wer zweifelt?

Und Euer Heer, es ist gewohnt zu siegen;

Von Gold und Silber starret Euer Schatz:

Mir fehlt's an manchem, fehlt's an vielem wohl!

Und doch, Herr, seht! bin ich so festen Muts,

Wenn diese mich verließen alle hier,

Der letzte Knecht aus meinem Lager wiche;

Die Krone auf dem Haupt, den Szepter in der Hand

Ging ich allein in Euer trotzend Lager

Und rief Euch zu: Herr, gebet, was des Reichs!

Ich bin nicht der, den Ihr voreinst gekannt!

Nicht Habsburg bin ich, selber Rudolf nicht;

In diesen Adern rollet Deutschlands Blut.

Und Deutschlands Pulsschlag klopft in diesem Herzen.

Was sterblich war, ich hab es ausgezogen

Und bin der Kaiser nur, der niemals stirbt.

Als mich die Stimme der Erhöhung traf,

Als mir, dem nie von solchem Glück geträumt,

Der Herr der Welten auf mein niedrig Haupt

Mit eins gesetzt die Krone seines Reichs,

Als mir das Salböl von der Stirne troff,

Da ward ich tief des Wunders mir bewußt

Und hab gelernt, auf Wunder zu vertraun!

Kein Fürst des Reichs, der mächt'ger nicht als ich;

Und jetzt gehorchen mir des Reiches Fürsten!

Die Friedensstörer wichen meiner Stimme;

Ich konnt' es nicht, doch Gott erschreckte sie!

Fünf Schilling leichtes Geld in meinem Säckel,

Setzt' ich in Ulm zur Heerfahrt mich ins Schiff;

Der Baierherzog trotzte, er erlag;

Mit wenig Kriegern kam ich her ins Land,

Das Land, es sandte selbst mir seine Krieger!

Aus Euren Reihen traten sie zu mir,

Und Österreich bezwingt mir Österreich.

Geschworen hab ich: Ruh' und Recht zu schirmen:

Beim allessehenden, dreiein'gen Gott!

Nicht so viel, sieh! Nicht eines Haares Breite

Sollst du von dem behalten, was nicht dein!

Und so tret ich im Angesicht des Himmels

Vor dich hin, rufend: gib, was du vom Reich!

Ottokar.

Die Lande hier sind mein!

Rudolf.

Sie waren's nie!

Ottokar.

Mein Weib Margrethe brachte sie mir zu!

Rudolf.

Wo ist Margrethe nun?

Ottokar.

Wo immer, gleichviel!

Sie gab mir dies ihr Land!

Rudolf.

Soll ich sie selber

Als Richtrin stellen zwischen uns?--Sie ist im Lager!

Ottokar.

Im Lager, hier?

Rudolf (mit geändertem Tone).

Die Ihr so schwer beleidigt,

An Rechten und an Freuden hart beraubt,

Heut morgens kam sie, milden Sinnes bittend

Um Schonung für den Mann, der ihrer nie geschont!

Ottokar.

Die Mühe konnte sich die Frau ersparen!

Wo Ottokar, da braucht's der Bitten nicht!

Rudolf (stark).

Wohl braucht's der Bitten, mein Herr Fürst von Böhmen,

Denn sprech ich nur ein Wort, seid Ihr verloren!

Ottokar.

Verloren?

Rudolf.

Ja! von Böhmen abgeschnitten.

Ottokar.

Indes Ihr Wien belagert, mach ich's frei!

Rudolf.

Herr, Wien ist über!

Ottokar.

Nein!

Rudolf (hinter sich gewendet).

Herr Paltram Vatzo!

Wo ist er? Er begehrte mich zu sprechen;

Der Bürgermeister samt dem Rat von Wien.

(Paltram Vatzo, Bürgermeister von Wien, mit einigen Ratsgliedern kommt,

die Schlüssel der Stadt auf einem Kissen tragend.)

Paltram.

In Unterwürfigkeit, mein Herr und Kaiser,

Bring ich die Schlüssel Euch der Stadt von Wien,

Euch bittend, daß Ihr mir nicht zürnt darob,

Weil ich, dem König treu, dem ich geschworen,

Die Stadt gehalten bis auf diesen Tag;

Sie auch, verzeiht! vielleicht noch länger hielt,

Wenn nicht das Volk die Übergab' erzwungen,

Der langen Sperrung müd und der Entbehrung.

(Er legt knieend die Schlüssel zu des Kaisers Füßen.)

Mein Amt, ich leg es mit den Schlüsseln ab,

Doch sollt als treuen Bürger Ihr mich finden.

(Aufstehend.)

Des Landes Herr ist Paltram Vatzos Herr,

Zugleich mit meinem Land ergeb ich mich!

(Er tritt zurück.)

Ottokar.

Verdammt! O Wiener! Leichtbeweglich Volk!

Hast du für deinen leckern Gaum gezittert?

Doch soll's dich reun! Die Zufuhr sperr ich dir

Aus Klosterneuburg, meiner starken Feste!

Rudolf.

Auch Klosterneuburg ist in meiner Hand,

Und nichts mehr dein am rechten Donauufer!

Herr Friedrich Pettau, kommt!

(Friedrich Pettauer tritt vor mit niedergeschlagenen Augen.)

Ottokar.

Ha, schändlicher Verräter!

So gabst du meine Burg?

Pettauer.

Nicht ich, o Herr!

Ein rascher Überfall, spät gestern abends--

Ottokar.

Genug! Ich weiß, daß ich verraten bin!

Doch triumphiere nicht! Doch spott ich dein!

Aus Steiermark naht mir ein stattlich Heer

Mit Milota, dem treuerprobten Führer;

Im Rücken faßt er deine Mietlingsschar,

Indes, wie Donnerwolken, Ottokar

Von vornehmer die schwachen Halme knickt,

Und kein Entrinnen bleibt als in die Donau!

Rudolf.

O sprich nicht weiter, allzu rascher Fürst!

Ottokar.

Erkennst du nun, wie weit du noch vom Ziel?

Rudolf.

Auf Milota bau deine Hoffnung nicht!

Ottokar.

Mein Grund steht fest; an dir ist's wohl, zu zittern!

In Waffen sehn wir uns. Leb wohl!

Rudolf.

Du gehst?

Du gibst die Lande nicht?

Ottokar (zum Abgehen gewendet).

Ob ich sie geb!

Rudolf.

Nun wohl, so sprich denn selbst mit Milota,

Ob du mit Grund ihm so viel magst vertraun?

(Milota tritt auf in Ketten.)

Rudolf.

So brachten mir die Herren ihn von Steier,

In Ketten, weil er grimmig sie gedrückt.

Nehmt ihm die Fesseln ab!--Hier ist das Banner

Von Steiermark, und hier ist Östreichs Banner,

(Landesherrn von Östreich und Steiermark treten auf des Kaisers Seite vor,

mit Banner und Farben ihres Landes.)

Sie gaben selbst sich in des Reiches Schutz.

Steht nicht so traurig da, mein Fürst von Böhmen!

Schaut um Euch her! Die Wolken sind entflohn,

Und klar seht Ihr nun alles, wie es ist.

Wenn Österreich verloren--

Ottokar.

Ha, noch nicht!

Rudolf.

Täuscht Euch nicht selbst! Ihr fühlt's in Eurem Innern,

Daß es verloren ist; und zwar auf immer!

Ihr wart ein mächt'ger Fürst, ein großer König,

Eh' die Gelegenheit des Mehrbesitzes

In Euch entzündet auch den Wunsch dazu;

Ihr werdet's bleiben, mächtig, reich und groß,

Wenn auch verloren, was nicht halten konnte.

Denn Gott verhüte, daß ich einen Finger

Ausstreckte nach dem Gut, das Euch gehört.

Auch könnt' ich's nicht! Euch bleibt ein mächtig Heer,

Zu aller Art des Streites wohlgerüstet,

Und zweifelhaft ist aller Schlachten Glück.

Allein, tut's nicht! Verkennt nicht Gottes Hand,

Die Euch gewiesen, was sein heil'ger Wille.

Mich hat, wie Euch, der eitle Drang der Ehre

Mit sich geführt in meiner ersten Zeit.

An Fremden und Verwandten, Freund und Feind

Übt' ich der raschen Tatkraft jungen Arm,

Als wär' die Welt ein weiter Schauplatz nur

Für Rudolf und sein Schwert. In Bann gefallen,

Zog ich mit Euch in Preußens Heidenkrieg,

Focht ich die Ungarschlacht an Eurer Seite,

Doch murrt' ich innerlich ob jener Schranken,

Die Reich und Kirche allzu ängstlich setzten

Dem raschen Mut, der größern Spielraums wert.

Da nahm mich Gott mit seiner starken Hand

Und setzte mich auf jene Thronesstufen,

Die aufgerichtet stehn ob einer Welt.

Und gleich dem Waller, der den Berg erklommen

Und nun hinabsieht in die weite Gegend

Und auf die Mauern, die ihn sonst gedrückt;

So fiel's wie Schuppen ab von meinen Augen

Und all mein Ehrgeiz war mit eins geheilt.

Die Welt ist da, damit wir alle leben,

Und groß ist nur der ein' allein'ge Gott!

Der Jugendtraum der Erde ist geträumt,

Und mit den Riesen, mit den Drachen ist

Der Helden, der Gewalt'gen Zeit dahin.

Nicht Völker stürzen sich wie Berglawinen

Auf Völker mehr, die Gärung scheidet sich,

Und nach den Zeichen sollt' es fast mich dünken

Wir stehn am Eingang einer neuen Zeit.

Der Bauer folgt in Frieden seinem Pflug,

Es rührt sich in der Stadt der fleiß'ge Bürger,

Gewerb' und Innung hebt das Haupt empor,

In Schwaben, in der Schweiz denkt man auf Bünde,

Und raschen Schiffes strebt die muntre Hansa

Nach Nord und Ost um Handel und Gewinn.

Ihr habt der Euren Vorteil stets gewollt;

Gönnt ihnen Ruh', Ihr könnt nichts Beßres geben!

O Ottokar, es war 'ne schöne Zeit,

Als wir, aus Preußen rückgekommen, saßen

Im Söller Eures Schlosses am Hradschin,

Von künft'gen Tagen, künft'gen Taten sprachen!

Bei uns saß damals Königin Margrethe--

Wollt Ihr sie sehn? Margrethen sehen?

Ottokar.

Herr!

Rudolf.

Daß Ihr den Friedensengel von Euch stießt,

Der sanft versöhnend ob Euch wartete,

Die rasche Glut mit Segenswort besprach

Und treulich, eine liebe Schwester, sorgte!

Mit ihr habt Ihr das Glück von Euch verbannt.--

Ihr seid in Eurem Haus nicht glücklich, Ottokar!--

Wollt Ihr Margrethen sehn? sie ist im Lager!

Ottokar.

Nein, Herr! Allein die Lehen will ich nehmen.

Rudolf.

Von Böhmen und von Mähren?

Ottokar.

Ja, Herr Kaiser!

Rudolf.

Dem Reich erstatten--?

Ottokar.

Östreich, Steiermark,

Was ich vom Reich; was sich von mir getrennt.

Ich habe viel für sie getan! Der Undank,

Der Menschen Schlechtheit ekelt tief mich an.

Rudolf.

So kommt ins Zelt!

Ottokar.

Warum nicht hier?

Rudolf.

Es werden

Des Reiches Lehen knieend nur genommen!

Ottokar.

Ich knien?

Rudolf.

Das Zelt verbirgt uns jedem Auge.

Dort sollt Ihr knien vor Gott und vor dem Reich,

Vor keinem, der ein Sterblicher, wie wir.

Ottokar.

Wohlan!

Rudolf.

Ihr wollt? Gesegnet sei die Stunde!

Geht Ihr voran, ich folg Euch freudig nach.

Wir beide feiern einen großen Sieg!

(Sie gehen ins Zelt, die Vorhänge fallen zu.)

Milota (der zu den Seinigen hinübergeht).

Nun, Gott sei Dank! Das macht mich wieder frei!

Der letzten Zeit will ich mein Tage denken.

(Zawisch von Rosenberg kommt.)

Zawisch.

Wo ist der König?

Milota.

In des Kaisers Zelt;

Er nimmt die Lehn!

Zawisch.

Ho, ho! und so verborgen?

Das müssen alle sehn, die treuen Herzens sind.

(Er haut mit dem Schwert die Zeltschnüre ab; die Vorhänge fallen, und

man sieht Ottokarn vor Rudolf knien, der ihn eben mit dem Schwert mit

Böhmen belehnt hat.)

Zawisch.

Der König kniet!

Die Böhmen (unter sich).

Der König kniet!

Ottokar.

Ha, Schmach!

(Er springt auf und eilt in den Vorgrund.)

(Der Kaiser, der ihm folgt, mit der Fahne von Mähren in der Hand.)

Rudolf.

Wollt Ihr die Lehn nicht auch auf Mähren nehmen?

(Ottokar läßt sich auf ein Knie nieder.)

Rudolf (indem er ihm die Fahne von Mähren gibt).

So leih ich Euch die Markgrafschaft von Mähren

Und nehm Euch in des Reiches Eid und Pflicht

Im Namen Gottes und durch meine Macht.

Steht auf, Herr König, und mit diesem Kuß

Begrüß ich Euch als Lehnsmann und als Bruder.

Ihr aber, die ihr Östreich angehört

Und Lehen tragt von seines Landes Fürsten,

Kommt mit nach Wien, um dort den Eid der Treue,

Den Lehenseid in unsre Hand zu leisten!

Ihr folgt uns doch, geehrter Herr und König?

(Ottokar neigt sich.)

Nun, ich erwart Euch, wenn's Euch wohlgefällt.

Ihr schwingt die Fahnen, laßt den Jubel tönen,

Dem blutlos-schönen Sieg der holden Eintracht!

(Ab mit den Seinigen.)

(Ottokar steht noch immer mit gesenktem Haupte da.)

(Merenberg, der zurückgeblieben ist, tritt nach einigem Zögern ihn an mit

bittenden Gebärden.)

Merenberg.

Erlauchter Herr, ich wollt' Euch bitten!

Ottokar (fährt empor und sieht ihn mit einem grimmigen Blicke an; dann

zerreißt er mit einer Hand die Spange des Mantels, daß er fällt; mit der

andern reißt er von hinten die Krone vom Haupte und stürzt fort, ausrufend:)

Fort!

(Indem alle ihm folgen, fällt der Vorhang.)

König Ottokars Glück und Ende Trauerspiel in fünf Aufzügen · 第 5 / 7 题