II.

Ihr hochgepriesenen Meister gabt

Ein reiches Leben jenen Leibern,

Den saft- und kraftgeschwellten Weibern,

Die Ihr geliebt, bewundert habt.

Chlorosen mochtet Ihr nicht schildern,

Nie haben Fratzen fahl und bleich

Wie Mondesschein im tiefen Teich

Herumgespukt auf Euren Bildern,

Mit Stirnen, düster wie die Nacht,

Wie Klagelieder müd und traurig,

Mit Augen, daraus flackernd, schaurig

Das Siechtum, die Verzweiflung lacht,

Die Grazien, mit erlognen, ekeln,

Gefälschten Reizen, die geziert,

Im Morgenkleide, parfümiert

Und schlaff sich auf dem Sofa räkeln.

Nie habt Ihr mit der Lust gespielt!

Ihr, die Ihr keine Freude scheutet,

Habt nie das Laster angedeutet,

Das frech und lüstern blinzelnd schielt.

Ihr zeigtet nie im Schmutz der Gasse

Frau Venus, die spazieren geht,

Nie habt durchs Fenster Ihr gespäht,

Ob nacktes Fleisch sich sehen lasse.

Wie Ohnmacht sich hysterisch spreizt,

Der Schäferin verbuhlte Künste,

Des Schlafgemaches schwere Dünste,

Sie haben niemals Euch gereizt.

Nein! Eure Frauen, die im festen,

Im großen Schritt, im leichten Tanz

Sich frei bewegten, die im Glanz

Gethront, in schimmernden Palästen,

Sie waren anders anzuschauen,

Sie führten, von Gesundheit strotzend,

Mit königlicher Miene, trotzend,

Am Narrenseil den geilen Faun.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 168 / 211 题