Des Toten Bitte

Halt, Wanderer, ein Wort! Wenn je Dein froher Mut

Nach Kypsela Dich führt am Hebrosstrand, so frage

Dem greisen Hyllos nach, er soll die Totenklage

Dem Erben weihn, der nie mehr an des Herdes Glut

Sich wärmen wird. Zernagt vom Wolf und seiner Brut

Vermodert der erschlagne Leib im finstern Hage,

Vergebens harrt, daß ihn das Boot hinüber trage,

Am Styx der Schatten. Rache heischt vergossenes Blut.

Jetzt geh. Des Abends, wenn der Sonne Strahlen bleichen,

Siehst Du vielleicht ein Weib zu einem Denkmal schleichen,

Der schwarze Schleier hüllt das weiße Haupt ihr ein.

Daß nächtigen Spuk die Ärmste treibt, darfst Du nicht wähnen,

Es ist mein Mütterchen. Sie beugt sich auf den Stein

Und füllt die leere Urne nur mit ihren Tränen.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 123 / 211 题