Allegorie

Ein alter Tempel, dessen Bau schon weicht,

Der vormals stolz von sonniger Höhe ragte,

Schaut wie ein König, den der Feind verjagte,

Sein Bild im Strom, der träg vorüber schleicht.

Mit einer Weidengerte züchtigt leicht

Den Faun, der lüstern sie zu necken wagte,

Die schläfrige Najade, die betagte,

Er lacht des Zorns, der ihn mit Ruten streicht.

Der fade Vorwurf bringt mich um die Laune.

Welch Dichter schuf dies Werk, das ich bestaune,

Welch düsterer Stümper dachte dich nur aus,

Verblichenes, zerschlissenes Gewebe?

Wie ein Theatervorhang blöd -- --, und kraus,

Ach, wie das Leben, das ich ärmster lebe!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 106 / 211 题