Auf dem Spaziergang

Dem bleichen Himmel und den dürren Zweigen

Sind unsere hellen Kleider nur zum Spott,

Die mit vergnügten Mienen keck und flott

Sich bauschen und sich leicht beflügelt zeigen.

Des Windes Atem kräuselt still den Teich,

Der Sonne zarter Strahl fällt durch die Linden,

Die Schatten werden schwächer und sie schwinden

Im fahlen Licht ersterbend blau und bleich.

Wir losen Schönen, wir geschmeidigen Ritter,

Mit Herzen, zärtlich zwar, doch niemals treu,

Wir plaudern und wir scherzen ohne Scheu,

Und unsere Liebe ist nur Tand und Flitter.

Es fällt wohl auch einmal von Zeit zu Zeit

Ein leichter Schlag zur Abwehr, darauf müssen

Die Herren schnell den kleinen Finger küssen,

Ganz vorn am letzten Glied. Geht man zu weit,

Dann wehe! wehe! dann ist's kein Vergnügen,

Dann zuckt ein Blick, vernichtend, scharf und kalt,

Jedoch das kleine Mäulchen straft gar bald

In gnadenreicher Huld das Auge Lügen.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 75 / 211 题