Des Nachts -- im Grabesschweigen herrscht ja immer Nacht --
Ist plötzlich um die Geisterstunde er erwacht.
Seltsame Schatten sieht er durch das Dunkel irren,
Ein schrilles Lachen hört er durch die Halle schwirren,
Er richtet schreckensbleich sich auf in seiner Gruft,
O Grausen ... eine wohlbekannte Stimme ruft:
Steh auf jetzt! Moskau, Waterloo und alle Leiden
St. Helenas, und was Du fühltest, als im Scheiden
Am Sterbebett Du Albions höhnendes Gesicht
Erblicktest, das ist nichts. Jetzt erst naht das Gericht.
Hart klang die Stimme, zischend, schneidend und zersetzend,
Sarkastisch finster war der Ton, ironisch ätzend,
Ein bitteres, scharfes Lachen, eines Halbgotts Hohn.
Sire, sie schleppen Dich aus Deinem Pantheon,
Sire, sie holen von der Säule Dich herunter,
Blick um Dich! Räuberpack, ein widerlicher bunter
Schwarm von Zigeunern, die am Aase sich geletzt,
Die haben Dich, und Du bist ihr Gefangener jetzt.
Sie winden sich um Deines Fußes Erz, die Schlangen!
Stolz wie die Sonne bist Du unter einst gegangen,
Napoleon der Große, in der wilden See,
Jetzt stehst Du auf als Clown im Cirkus Beauharnais.
Sie putzen Dich, Du bist, wenn sie die Leute locken,
Der Große, doch ein Narr, wenn sie zusammenhocken.
Der Degen rasselt auf dem Pflaster laut und scharf,
Die Bande kann ihn auch verschlucken nach Bedarf.
Sie laden alle ein, die vor der Bude stehen:
Hereinspaziert, hier ist ein Kaiserreich zu sehen,
Der Papst ist engagiert ..! Ihr zweifelt? es ist wahr,
Und etwas feines noch, es tritt auch auf der Zar!
Doch der ist ein Sergeant, der Papst ist nur ein Bonze,
Als Extranummer haben wir den Mann von Bronze!
Fould und Magnan sieht man beliebig sich verwandeln,
Und Automaten, die wie ein Senat verhandeln,
Wir sind vom großen Kaiser die berühmten Neffen ...!
Hörst Du das Diebsgesindel schrein, hörst Du sie kläffen?
Der Kaiseradler, der sich in die Lüfte froh
Geschwungen einst, der ist jetzt ausgestopft mit Stroh,
Er, der das Schlachtfeld hat geschaut mit freien Blicken,
Sieht auf dem Jahrmarkt Deinen Thron zusammenflicken.
Sie haben Frankreich ausgeraubt, die feige Brut,
Du siehst ja, ihre Lumpen sind noch voller Blut,
Im Weihekessel wäscht den Trödelkram der Pfaffe,
Du, Löwe, folgst als Knecht, ihr Meister ist der Affe.
Dein Name ist ihr Bett, sie nutzen ihn mit List,
Sie düngen Austerlitz sogar mit ihrem Mist.
Dein Ruhm, Napoleon, ist Wein für ihre Schande,
Den grauen Mantel probt der Häuptling dieser Bande,
Sie sammeln Bettelgroschen in dem kleinen Hut,
Dein stolzes Banner ist zum Tischtuch grade gut.
Und an dem Spieltisch, wo die Gauner alle lauern,
Da säuft das Bettelpack und plündert frech die Bauern;
Du stehst Gevatter bei dem schnöden Beutezug,
Die Hand, die einst bei Lodi die Standarte trug,
Die Blitz und Donner hielt, die Hand, o Bonaparte,
Betrügt beim Würfelspiel und mischt die falsche Karte.
Mit ihnen mußt Du zechen, und sie stoßen dann
Dich höchst gemütlich mit dem Ellenbogen an.
Pietri duzt Deine Majestät, der Jammerlappen,
Herr Maupas darf vertraulich auf den Bauch Dich tappen.
Falschmünzer, Mörder, Schufte, Räuber ... jeder denkt,
Es wird, wie Dir, was er verbrach, ihm nicht geschenkt,
Doch vorher hoffen sie den Becher noch zu leeren,
Poissy trinkt auf St. Helena, um Dich zu ehren!
Ein ewiger Sonntag, Bälle, Feste früh und spät,
Der Pöbel stößt und drängt, der vor dem Cirkus steht.
Du steigst auf das Gerüst, um das die bunte Menge
Sich dreht, sie schreit und johlt im lärmenden Gedränge,
Laut klingelt neben Dir Rouher, der Hampelmann -- --
So endet bei Callot, was bei Homer begann,
O welche Epopoe, o welches Schlußkapitel ...!
Troplong, der Hanswurst im gestreiften Narrenkittel,
Ist obenauf. Vor dieser Bude, wo ein Wicht
Den Cäsar spielt mit schlecht gewaschenem Gesicht,
Mit einem Schnurrbart, wie ihn die Banditen tragen,
Mußt Du, Gespenst im Hermelin, die Pauke schlagen!
Die gräßliche Vision verstummte und versank.
Der Kaiser taumelte, ein lauter Angstschrei drang
Aus seiner Brust, der Blick war starr. Verstohlen tauschten
Die Siegesgöttinnen, die an der Pforte lauschten,
Und heimlich Winke aus, da sie ihn zittern sahn.
In blasser Furcht erhob die Hände der Titan,
Dumpf klang sein Stöhnen in den grauen Finsternissen.
Verzweifelnd schrie er auf: Wer bist Du, laß mich's wissen,
Der Du mir ewig folgst, den nie geschaut mein Blick! --
Ich ....? Dein Verbrechen bin ich, tönte es zurück.
Ein geisterhaftes Licht war ringsum ausgebreitet,
So klar, wie Gott, wenn er den Pfad der Rache schreitet,
Und eine Flammenschrift hob hell sich von der Wand,
Wie einst sie lohend vor Belsazars Auge stand,
Er las sie. Kalt und starr fiel er zurück ins Leere,
Geschrieben stand: Ich bin der achtzehnte Brumaire.