In der westlichen Spitze der Insel Rügen in der Ostsee an der
Feldscheide der Dörfer Rothenkirchen und Götemitz, etwa eine
Viertelmeile von dem Kirchdorfe Rambin, liegen auf flachem Felde neun
kleine Hügel oder Hünengräber, welche gewöhnlich die Neun Berge oder
die Neun Berge bei Rambin genannt werden, und von welchen das Volk
allerlei Märchen erzählt. Diese entstanden weiland durch die
Kühnheit eines Riesen, und seitdem die Riesen tot sind, treiben die
Zwerge darin ihr Wesen.
Vor langer Zeit lebte auf Rügen ein gewaltiger Riese (ich glaube, er
hieß Balderich), den verdroß es, daß das Land eine Insel war und daß
er immer durch das Meer waten mußte, wenn er nach Pommern auf das
feste Land wollte. Er ließ sich also eine ungeheure Schürze machen,
band sie um seine Hüften und füllte sie mit Erde; denn er wollte sich
einen Erddamm aufführen von der Insel bis zur Feste. Als er mit
seiner Tracht bis über Rothenkirchen gekommen war, riß ein Loch in
die Schürze, und aus der Erde, die herausfiel, wurden die Neun Berge.
Er stopfte das Loch zu und ging weiter; aber als er bis Gustow
gekommen war, riß wieder ein Loch in die Schürze, und es fielen
dreizehn kleine Berge heraus. Mit der noch übrigen Erde ging er ans
Meer und goß sie hinein. Da ward der Prosnitzer Hafen und die
niedliche Halbinsel Drigge. Aber es blieb noch ein schmaler
Zwischenraum zwischen Rügen und Pommern, und der Riese ärgerte sich
darüber so sehr, daß er plötzlich von einem Schlagfluß hinstürzte und
starb. Und so ist denn sein Damm leider nie fertig geworden.
Von demselben Riesen Balderich erzählt man ein Kraftstück, das er bei
Putbus bewiesen hat. Er hatte schon mehrmals mit Ärger gesehen, daß
dem Christengotte zu Vilmnitz, eine halbe Meile von Putbus, eine
Kirche erbaut ward, und da hat er bei sich gesprochen: "Laß die
Würmer ihren Ameisenhaufen nur aufbauen; den werfe ich nieder, wann
er fertig ist." Als nun die Kirche fertig und der Turm aufgeführt war,
nahm der Riese einen gewaltigen Stein, stellte sich auf dem
Putbusser Tannenberge hin und schleuderte ihn mit so ungeheurer
Gewalt, daß der Stein wohl eine Viertelmeile über die Kirche wegflog
und bei Nadelitz niederfiel, wo er noch diesen Tag liegt am Wege, wo
man nach Posewald fährt, und der Riesenstein genannt wird.