Abrechnung

Ich komme zu dir, sagte Ruth. Und seine Augen zitterten. Triumph.

Das ganze Zimmer warf sich ihr entgegen in einer Staubwolke. Verweste

Gedanken. Sie lächelte.

-- Wie ich mich freue, daß du wieder da bist. Er drückte liebenswürdig

ihre Hände. Sie fühlte, daß sie müdbraune Handschuhe hatte. In den

Schaufenstern der Juweliere liegen Diamantarmbänder.

Auf dem unordentlichen Schreibtisch kollern sattgelb Minerale. Wo sind

die Phiolen -- und das scharfgeschliffene Messer -- ist das Thomas'

Messer --

-- Warum hast du die Fenster nicht offen? In den Gärten liegt Flieder.

Doch nein, laß es.

Ruth lächelte, während sie dachte: wozu die wirren Locken -- Er könnte

genau so gut einen braven Scheitel haben wie Norbert.

Und als er mit den großen, zerbrochenen Bewegungen die Zigarre anzündete

-- wie immer -- stürzte das Gleichgewicht der Frühlingsstraßen draußen

in sich zusammen und zwischen den zersplitterten Pflastersteinen tanzte

Bella mit Thomas. Aus Mutters Kommode taumelten Briefe --

-- Du sprichst gar nichts, sagte er. -- Du weißt alles, sagte sie.

Dann schwiegen beide. Aber wie die Dämmerung so weit hereingekrochen

war, daß das steifbeinige Zifferblatt der Uhr verschwimmen mußte, sagte

Ruths Stimme, fremd und hell:

-- Du wartest, daß ich dir erzähle. Was soll ich dir erzählen? Es ist

nichts geschehen. Es ist etwas Ungeheures geschehen. Ich trage bis heute

die ganze Last deines verbrauchten Lebens in mir.

Ich sehe deine weißen, mörderischen Hände. Wenn es auch dunkel ist.

Warum hast du niemals Leberblümchen mit ihnen gepflückt oder Primeln.

Stiefmütterchen, die zwischen den Bahnschwellen liegen. Warum bist du

denn immer hinter den langweiligen Bahnschranken stehen geblieben und

niemals mitgefahren in federnden Kissen. Deine Hände sind auf den weiß

gestrichenen Schranken gelegen. Noch als du ein kleiner Junge warst und

hinauf greifen mußtest. Sie haben sich nicht getraut, eure Kaninchen zu

erwürgen. Obwohl sie es so gerne getan hätten. O, du hättest es tun

sollen --

Aber das Weiße in Mutters Augen ist zerbrochen. Ich weiß es.

Ich weiß jetzt alles. Und ich fühle den Zorn, der deshalb in dir tobt.

Und die blutlechzende Freude, mit der du mich wiederkommen siehst. Denn

ich bin wiedergekommen.

Die Vergiftung · 第 27 / 30 题