Gut, gut, ich sehe den Ausgang dieser Waffen; ich muß es bekennen,
es ist nicht in meiner Macht, ihn zu verhindern; aber könnte ich's,
bey dem der mich erschaffen hat! ihr solltet mir alle gebunden und
in den Staub gebükt, euer verwürktes Leben von der königlichen
Gnade erflehen! Nun, da ich ohne Kräfte bin, so wisset, daß ich
soviel als neutral bleiben werde. Und hiemit gehabt euch wohl; es
wäre dann, daß es euch beliebte, in dieses Schloß zu kommen, und
die Nacht da auszuruhen.
Bolingbroke.
Ein Anerbieten, mein Oheim, das wir annehmen wollen; aber wir
müssen Euer Gnaden erbitten, mit uns nach Bristol-Castle zu gehen,
worinn, wie man sagt, Buschy, Bagot, und ihre Mitschuldigen sich
halten, diese Raupen des gemeinen Wesens, die ich auszureuten
geschworen habe.
York.
Es mag seyn, ich will gehen--Doch nein, laßt mich ruhig bleiben;
ich will nicht von denen seyn, die die Geseze meines Vaterlands
brechen. Weder Feinde noch Freunde, seyd ihr mir willkommen; und
Dinge, denen nicht mehr zu helfen ist, sollen mich auch nicht mehr
bekümmern.
(Sie gehen ab.)
Eilfte Scene.
(In Wales.)
(Salisbury und ein Officier treten auf.)
Officier.
Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die gröste
Mühe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber
noch immer keine Nachrichten von dem König erhalten, so wollen wir
wieder auseinander gehen. Lebet wohl!
Salisbury.
Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner
Welschmann; der König sezt all sein Vertrauen in dich.
Officier.
Man glaubt, der König sey todt; wir warten nicht länger. Die
Lorbeer-Bäume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen
schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig
auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare
Veränderung. Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und
Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren
was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und
Zerrüttung zu gewinnen. Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der
Könige ankündigen--Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder
auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, daß König
Richard todt sey.
(Er geht ab.)
Salisbury.
Ach! Richard! ach! mit thränenbeladnen Augen seh' ich deinen
Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken.
Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Stürme,
Unruhen und Unglük. Deine Freunde sind zu deinen Feinden
übergegangen, und alle Umstände vereinigen sich zu deinem Verderben.
(Er geht ab.)
Dritter Aufzug.
Erste Scene.
(Bolingbroks Lager zu Bristoll.)
(Bolingbroke, York, Northumberland, Roß, Percy, Willoughby, mit
Buschy, und Green, als Gefangnen treten auf.)
Bolingbroke.
Bringt diese Männer näher herbey--Buschy, und Green, ich will eure
Seelen da es nun an dem ist, daß sie von ihren Leibern scheiden
müssen, nicht mit so harten Vorwürfen ängstigen, als euer
verderbliches Leben verdient hat, denn das wäre Unbarmherzigkeit;
aber um euer Blut von meinen Händen zu waschen, will ich hier, vor
dieser Versammlung, einige Ursachen eures Todes entfalten. Ihr
habt einen Fürsten, den seine Geburt und sein angebohrner Edelmuth
zu einem grossen und glüklichen Könige bestimmte, mißgeleitet,
verderbt und unglüklich gemacht. Ihr habt ihn durch die
Ausschweiffungen, wozu ihr ihn reiztet, in gewissem Sinn von seiner
Königin geschieden, die geheiligten Rechte eines königlichen
Ehbettes geschmälert, und die schönen Wangen einer liebenswürdigen
Fürstin durch die Thränen beflekt, die eure Beleidigungen aus ihren
Augen erpreßten. Ich selbst, durch das Glük meiner Geburt, ein
Prinz vom königlichen Geblüte, und von dem König, meinem
Blutsverwandten, werth gehalten, bis ihr durch giftige Eingebungen
mich ihm verdächtig gemacht; ich selbst habe meinen Naken unter
euern Verfolgungen beugen müssen, und, das bittre Brodt der
Verbannung essend, meinen Engländischen Athem in ausländische
Wolken verseufzt; indeß, daß ihr meine Herrschaften aufgezehrt,
meine Waldungen und Lusthayne ausgehauen, mein Wappen von meinen
Thoren abgerissen, und mir kein andres Zeichen übrig gelassen habt,
wodurch ich der Welt zeigen kan, daß ich ein Edelmann bin, als die
Meynung der Leute und das Blut in meinen Adern: Dieses und viel
mehr, viel mehr als zweymal so viel, verurtheilt euch zum Tode.
Sehet, daß ihr Urtheil an ihnen vollzogen werde.
Buschy.
Willkommner ist mir der Streich des Todes, als Bolingbroke England
ist--Milords, gehabt euch wohl.
Green.
Mein Trost ist, daß der Himmel unsre Seelen aufnehmen, und die
Ungerechtigkeit mit den Qualen der Hölle straffen wird.
Bolingbroke.
Milord von Northumberland, sehet, daß sie abgethan werden--Mein
Oheim, ihr sagtet, die Königin befinde sich in ihrem Hause; um des
Himmels willen, sorget davor, daß ihr geziemend begegnet werde;
sagt ihr, daß ich sie meiner Ehrfurcht und Ergebenheit versichre;
traget ja Sorge dafür, daß ihr mein Gruß überbracht werde.
York.
Ich habe einen von meinen Edelleuten mit Briefen abgeschikt, worinn
eure freundschaftliche Gesinnungen ausführlich erklärt sind.
Bolingbroke.
Ich danke euch, mein gütiger Oheim, kommt, Milords, kommt, zum
Gefecht mit Glendower und seinen Anhängern; noch eine Weile Arbeit,
und dann Feyer-Abend.
(Sie gehen ab.)
Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in eine Küste von Wales.)
(Trummeln und Trompeten.
König Richard, Aumerle, der Bischoff von Carlisle, und Soldaten
treten auf.)
König Richard.
Barkloughly-Castle nennt ihr jenes dort?
Aumerle.
Ja, Gnädigster Herr; wie findet Eure Majestät die Landluft, nach
den Beschwerlichkeiten der See?
König Richard.
Sie muß mir wol angenehm seyn--Freuden-Thränen erfüllen meine Augen,
da ich noch einmal wieder den Boden meines Königreichs betrete.
Theure Erde, ich umarme dich, obgleich Aufrührer dich mit den Hufen
ihrer Pferde verwunden. Wie eine lang von ihrem Kinde getrennte
Mutter, beym Wiedersehn lächelnd in zärtliche Thränen zerfließt, so
grüß' ich dich, zugleich weinend und lächelnd, meine Erde, und
drüke dich an meine Königliche Brust. O, nähre nicht deines Königs
Feind, holde Erde, und labe nicht mit deinen Erquikungen seinen
raubgierigen Muth: Sende die Schlangen, die deinen Gift in sich
saugen, und schwellende Kröten in ihren Weg, ihre verräthrischen
Füsse zu verwunden, die mit gewaltthätigen Tritten dich stampfen;
und wenn sie eine Blume von deinem Busen pflüken wollen, so
bewaffne sie, ich bitte dich, mit einer laurenden Natter, deren
zweygespizte Zunge den Tod in die Adern der Feinde deines Herrn
sprize. Spottet nicht, Milords, daß ich leblose Dinge beschwöre;
diese Erde wird ein Gefühl haben, und diese Steine werden zu
bewaffneten Kriegern werden, eh ihr gebohrner König unter den
Waffen schändlicher Empörer fallen soll.
Bischoff.
Fürchtet euch nicht, Gnädigster Herr; diese Gewalt, die euch zum
Könige schuf, hat Macht genug, euch troz aller Welt als König zu
erhalten. Aber wir müssen die Mittel ergreiffen, die uns der
Himmel anbietet.
Aumerle.
Seine Meynung ist, daß wir zu schläfrig sind, Gnädigster Herr, und
dem Bolingbroke Zeit lassen, durch unsre Sicherheit immer stärker
zu werden.
König Richard.
Untröstlicher Vetter, weißst du nicht, daß wenn das forschende Auge
des Himmels hinter unsrer Halbkugel verborgen ist und der Unterwelt
leuchtet, daß dann Diebe und Mörder ungesehn herumschleichen und
Räubereyen und blutige Gewalt verüben; aber sobald die
wiederkehrende Sonne die stolzen Gipfel der östlichen Hügel glühen
macht, und ihr Licht durch jede verbrecherische Gruft blizt, daß
dann Mord und Verrath und jede schändliche Sünde, aus der
Finsterniß schwarzem Mantel hervorgezogen, bloß und nakend da stehn,
und über sich selbst erzittern? So, wenn dieser Räuber, dieser
verräthrische Bolingbroke, der während dieser ganzen Nacht, da wir
unsern Lauf bey den Antipoden vollbrachten, ungestört
herumschwärmte, uns unsern Thron im Osten besteigen sehen wird,
werden seine Verräthereyen, in seinem schaamglühenden Angesicht
enthüllt, den Tag nicht ertragen können, der sie vor ihrer eignen
grauenvollen Gestalt erzittern machen wird. Alle Wasser der
ungestümen See sind nicht fähig, das geheiligte Öl von einem
gesalbten Könige wegzuwaschen; und der Athem sterblicher Menschen
kan denjenigen nicht entsezen, den der Herr zu seinem Statthalter
ernannt hat. Für einen jeden Mann, den Bolingbroke aufgetrieben
hat, sein Schwerdt gegen unsre Crone zu ziehen, hat der Himmel für
seinen Richard einen glorreichen Engel in himmlischem Sold, und wo
Engel fechten, da müssen schwache Menschen fallen.--
Dritte Scene.
(Salisbury zu den Vorigen.)
König Richard.
--Willkommen, Milord, wie weit ist eure Macht entfernt?
Salisbury.
Weder näher noch ferner als dieser schwache Arm, mein Gnädigster
Herr. Ich habe trostlose Zeitungen zu bringen. Ein einziger Tag
zu spät, hat alle deine glüklichen Tage auf Erden umwölkt. O ruffe
den gestrigen Tag zurük, befiehl der Zeit zurük zu kehren, und du
wirst zwölftausend streitbare Männer haben. Dieser Tag, dieser
einzige unglükselige Tag zu spät, vernichtet deine Freuden, deine
Freunde, dein Glük und deinen Stand. Alle Welschen, haben, auf die
Zeitung von deinem Tode, sich zerstreut, oder sind zu Bolingbroke
übergegangen.
Aumerle.
Fasset Muth, Gnädigster Herr, warum seht ihr so blaß aus?
König Richard.
Nur noch vor einem Augenblik triumphierte das Blut von
zwanzigtausend Mann in meinem Gesicht, und nun sind sie
verschwunden; und bis wieder so viel Blut dahin zurük kommt, hab'
ich nicht Ursach bleich und todtenhaft auszusehen? Die Zeit hat
meinen Stolz zuschanden gemacht, und wer seine Seele retten will,
flieht von meiner Seite.
Aumerle.
Beruhiget euch, Gnädigster Herr, erinnert euch, wer ihr seyd.
König Richard.
Ich hatte mich selbst vergessen: Bin ich nicht ein König? Erwache,
du schüchterne Majestät, du schläfst! Ist nicht des Königs Name
soviel als vierzigtausend Namen? Rüste, rüste dich, mein Name; ein
elender Unterthan dräuet deiner glänzenden Majestät. Seht nicht so
auf den Boden, ihr Günstlinge eines Königs! Sind wir nicht hoch?
Laßt es uns wenigstens in Gedanken seyn. Ich weiß, mein Oheim York
hat ein ansehnliches Heer zu unserm Dienst aufgebracht. Aber wer
kommt hier?
Vierte Scene.
(Scroop zu den Vorigen.)
Scroop.
Ein besseres Glük falle meinem Könige zu, als meine kummerbeladne
Zunge ihm ankündigen muß.
König Richard.
Mein Ohr ist offen, und mein Herz gerüstet; das schlimmste was du
sagen kanst, ist nur zeitlicher Verlust. Sagst du, mein Königreich
sey verlohren? Nun dann, es war meine Sorge; was für ein Verlust
ist es, seiner Sorgen entlediget zu werden? Strebt Bolingbroke so
groß zu werden als wir? Grösser kan er nicht werden; und wenn er
doch immer ein Unterthan des Himmels bleibt, so bin ich das auch,
und so bleibt er meines gleichen. Empören sich unsre Unterthanen?
Das können wir nicht ändern; sie brechen ihre Treue gegen Gott eben
sowol als gegen uns. Ruffe immerhin Weh, Jammer, Verwüstung, Fall,
Untergang; das schlimmste ist der Tod, und der Tod hat seinen
unvermeidlichen Tag.
Scroop.
Es erfreut mich, daß Eure Majestät so gerüstet ist, unglükliche
Nachrichten zu ertragen. Wie ein ungestümer stürmischer Tag, der
die Silberströme so hoch über ihre Ufer schwellen macht, als ob die
ganze Welt in Thränen zerflossen wäre: So hoch über alle Schranken
schwellt Bolingbroks Wuth, und bedekt euer geschrektes Land mit
hartem schimmerndem Stahl, und mehr als stählernen Herzen. Weisse
Bärte haben ihre nakten dünnbehaarten Schädel gegen deine Majestät
bewaffnet; Knaben mit Weiber-Stimmen bemühen sich grob zu reden,
und schmiegen ihre weiblichen Gelenke in unbiegsam Waffen gegen
deine Crone; ja selbst Kunkel-Weiber schwingen rostige Hellebarden.
Alte und Junge stehen gegen deinen Thron auf, und alles geht
schlimmer, als ich es auszusprechen vermag.
König Richard.
O nur zu gut, zu gut erzählst du eine so böse Geschichte. Wo ist
der Graf von Wiltschire? Was ist aus Buschy worden? Wo ist Green?
Daß sie den Feind so ruhig sich über unsre Grenzen haben
ausbreiten lassen? Wenn wir die Oberhand erhalten, so sollen ihre
Köpfe davor bezahlen. Ich zweifle nicht, sie haben ihren Frieden
mit Bolingbroke gemacht.
Scroop.
Sie haben Frieden mit ihm gemacht, in der That, Gnädigster Herr.
König Richard.
O Bösewichter, Vipern, verdammte Verräther! Hunde, die sich leicht
gewinnen lassen, einem jeden liebzukosen! Schlangen, die ich in
meinem Busen erwärmte, und die nun mein Herz durchstechen! Drey
Judasse, jeder dreymal ärger als Judas! Haben sie Frieden gemacht?
Die flammende Hölle bekriege ihre beflekten Seelen für diese
Schandthat!
Scroop.
Die süsseste Liebe wird, wie ich sehe, wenn sie ihre Natur ändert,
zu bitterstem und tödtlichstem Haß. Entlasset ihre Seelen wieder
euers Fluchs; sie haben ihren Frieden mit Köpfen gemacht, nicht mit
Händen; diejenigen, denen ihr fluchet, haben des Todes
gewaltthätige Hand gefühlt, und ligen tief in geweihtem Grund.
Aumerle.
Ist Buschy, Green, und der Graf von Wiltschire todt?
Scroop.
Ja, alle drey verlohren zu Bristol ihre Köpfe.
Aumerle.
Wo ist denn der Herzog, mein Vater, mit seinen Völkern?
König Richard.
O! Frage nicht wo er ist; und niemand rede mehr von Trost! Von
Gräbern laßt uns reden, von Würmern und Grabschriften; laßt uns den
Staub zu unserm Papier machen, und mit regnenden Augen unsern
Jammer auf den Busen der Erde schreiben. Laßt uns von Testamenten
reden, und unsre Ausrichter erwählen--doch nein--Was können wir
vermachen, als unsre abgelegte Leiber der Erde? Unsre Länder,
unser Leben, alles ist Bolingbroks, und wir können nichts unser
nennen als den Tod, und dieses Bißchen Erde, das unsre Gebeine
deken wird. Ums Himmels willen! laßt uns hier auf den Boden
niedersizen, und einander melancholische Geschichten vom Tod der
Könige erzählen; wie einige entsezt, andre im Krieg erschlagen
worden; andre von den Geistern derjenigen verfolgt, so sie aus dem
Wege geräumt hatten; andre von ihren Weibern vergiftet, andre im
Schlaf umgebracht, alle ermordet!--denn in der holen Crone, die
eines Königs sterbliche Schläfe umfaßt, hält der Tod seinen Hof; da
sizt das groteske Ungeheuer und spottet mit grinsendem Lächeln
seines Pomps, erlaubt ihm einen Athem-Zug, eine kleine Scene lang
zu herrschen, gefürchtet zu werden, und mit Bliken zu tödten,
lispelt ihm eitle schwülstige Gedanken ein, als ob das Fleisch,
worinn sein Leben eingeschlossen ist, unzerstörbares Metall sey;
und wann er ihn so bethört hat, kommt er zulezt, durchbort mit
einer kleinen Steknadel seine Schläfe, und gute Nacht König!--
Bedekt eure Häupter, und verspottet nicht Fleisch und Blut mit
feyrlicher Ehrerbietung; werfet Ehrfurcht, Titel, Ceremoniel, und
alle diese Zeichen der Unterwürfigkeit weg; ihr habt mich diese
ganze Zeit her mißkannt. Ich lebe von Athem wie ihr, ich habe
Bedürfnisse wie ihr, fühle Schmerzen, habe Freunde vonnöthen, wie
ihr; so abhängig, wie ich also bin, wie könnt ihr mir sagen: ich
sey ein König?
Bischoff.
Gnädigster Herr, weise Männer bejammern niemals ihre gegenwärtigen
Übel, sondern kommen gegenwärtig den Übeln zuvor, die sie künftig
bejammern müßten. Den Feind fürchten, giebt, da die Furcht die
Stärke schwächt, dem Feind einen Zuwachs von Stärke in unsrer
Schwäche, und so haben wir an unsrer eignen Thorheit einen Feind
mehr. Fürchtet euch, so seyd ihr geschlagen; kan es euch schlimmer
gehen, wenn ihr euch wehret? Fechtet ihr und kommt um, so sterbt
ihr doch edler, als wenn ihr aus Zagheit umkommt.
Aumerle.
Mein Vater hat Truppen; schiket nach ihm, und lernet aus einem
Gliedmaß einen Leib machen.
König Richard.
Du beschiltst mich mit Recht. Stolzer Bolingbroke, ich komme, um
durch Streiche deinen oder meinen lezten Tag zu entscheiden.
Dieser fiebrische Schauer von Furcht ist vorüber; es ist eine
leichte Arbeit zu gewinnen was unser eigen ist. Sage, Scroop, wo
ligt unser Oheim mit seiner Macht? Antworte etwas besseres, als
deine düstern Blike versprechen.
Scroop.
Wol mögt ihr aus meinen düstern und kummerbeladnen Augen urtheilen,
daß meine Zunge noch eine bösere Zeitung zu erzählen hat, wie man
aus der Beschaffenheit des Himmels auf das heitre oder ungestüme
Ende eines Tages zu schliessen pflegt. Ich mache den Peiniger,
indem ich das ärgste was ich sagen muß, in die Länge ziehe. Euer
Oheim York hat sich mit Bolingbroke vereiniget, alle eure
Nordischen Schlösser sind übergeben, und aller euer südlicher Adel
ist in Waffen auf seiner Parthey.
König Richard.
Du hast genug gesagt. Wehe dir, Vetter, daß du mich von diesem
guten Weg, worauf ich war, in Verzweiflung geführt hast. Was sagt
ihr izt? Was für Hoffnung haben wir nun? Beym Himmel! ich hasse
den auf ewig, der mir zumuthen will, noch etwas zu hoffen. Geht
nach Flint-Castle, dort will ich mich ungestört dem Gefühl meines
Jammers überlassen. Entlasset die Mannschaft die ich noch habe,
laßt sie zu demjenigen gehen, der Hoffnung hat zu steigen. Ich
habe keine mehr. Wende mir niemand etwas gegen diß ein; aller Rath
ist umsonst.
Aumerle.
Nur ein Wort, Gnädigster Herr--
König Richard.
Schmeicheleyen in solchen Umständen worinn ich bin, machen meine
Wunden nur tiefer. Entlaßt meine Leute; laßt sie gehen, laßt sie
aus Richards Nacht in Bolingbroks aufgehenden Tag.
(Sie gehen ab.)
Fünfte Scene.
(Bolingbroks Lager bey Flint.)
(Ein Aufzug mit Trummeln und Fahnen, Bolingbroke, York,
Northumberland und Gefolge treten auf.)
Bolingbroke.
Diese Nachricht belehrt uns also, daß die Welschen zerstreut sind,
und daß Salisbury dem Könige entgegengegangen ist, der mit einer
kleinen Anzahl von Freunden kürzlich an dieser Küste angeländet ist.
Northumberland.
Die Zeitung ist schön und gut, Milord; Richard hat sein Haupt nicht
weit von hier verborgen.
York.
Es würde dem Lord Northumberland nicht übel anstehen, zu sagen,
König Richard. O! des unglüklichen Tags, da ein geheiligter König
sein Haupt verbergen muß!
Northumberland.
Euer Gnaden nimmt mir's anders auf als es gemeynt war; ich ließ
seinen Titel nur aus, um kürzer zu seyn.
York.
Es war eine Zeit, wo ich es euch nicht gerathen haben wollte, so
kurz mit ihm zu seyn, wenn es euch nicht gleichgültig gewesen, daß
er es so sehr mit euch sey, um euch eure ganze Kopfslänge kürzer zu
machen.
Bolingbroke.
Nehmet seinen Ausdruk nicht übler auf als recht ist, mein Oheim.
York.
Und nehmet ihr nicht mehr als recht ist, mein guter Neffe; oder ihr
vergeßt zulezt, daß der Himmel über euerm Haupt ist.
Bolingbroke.
Ich weiß es, mein Oheim, und widerseze mich seinem Willen nicht.
Wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.) Willkommen, Harry! Wie?
Will sich dieses Schloß noch nicht ergeben?
Percy.
Das Schloß ist gegen euern Einzug königlich bemannt, Milord.
Bolingbroke.
Königlich? Wie, enthält es denn einen König?
Percy.
Ja, Milord, es enthält einen König; König Richard ligt innert dem
Bezirk von jenem Leim und Stein, und bey ihm Lord Aumerle, Lord
Salisbury, Sir Stephan Scroop, und noch ein Geistlicher von
heiligem und ehrfurchtwürdigem Ansehn, dessen Name ich nicht
erfahren konnte.
Northumberland.
Vermuthlich der Bischoff von Carlisle.
Bolingbroke (zu Northumberland.)
Mein edler Lord, geht vor die Mauren dieses alten Schlosses,
fordert durch die eherne Stimme der Trompete eine Unterredung, und
sprecht so: Heinrich von Bolingbroke küsse auf seinen Knien König
Richards Hand, und sende ihm die Versicherung seiner
Unterthänigkeit und aufrichtigen Treue gegen seine Königliche
Person; sagt ihm, ich sey in dem nemlichen Augenblik bereit, meine
Waffen und Völker zu seinen Füssen niederzulegen, in welchem er mir
die Widerruffung meiner Landes-Verweisung und die Wieder-Einsezung
in meine Güter freywillig garantiren wolle; wo nicht, so werde ich
mich des Vortheils meiner Macht bedienen, und den Sommer-Staub mit
Regen von Blut legen, die aus den Wunden erschlagner Engländer sich
ergiessen sollen. Wie entfernt aber von Bolingbroks Herzen der
Gedanke sey, daß ein solch blutiges Ungewitter den frischen grünen
Schooß von König Richards Land überschwemmen solle, davon könne ihn
meine Mäßigung und Entfernung von allem pflichtwidrigen Gebrauch
meiner Obermacht überzeugen. Geht, erklärt ihm dieses, indessen
daß wir ohne das Getöse drohender Trummeln über diese Ebne
fortziehen, damit unser Betragen, von den zerfallnen Zinnen dieses
Schlosses beobachtet, die Wahrheit unsrer Erklärung bekräftige.
Mich däucht, König Richard und ich sollten uns mit nicht mindern
Schreknissen begegnen, als die Elemente des Feuers und des Wassers,
wenn ihr donnernder Zusammenstoß die bewölkten Wangen des Himmels
mit Thränen badet. Ist er das Feuer, so will ich das nachgiebige
Wasser seyn; er mag rasen, indeß daß ich meine Wasser auf die Erde
regne; auf die Erde, nicht auf ihn. Nähert euch den Mauren--Milord,
und beobachtet die Fassung des Königs genau.
Sechste Scene.
(Aufforderung von aussen, Antwort von innen; Trompeten-Klang,
König Richard, Bischoff von Carlisle, Aumerle, Scroop und Salisbury
kommen auf die Mauren.)
York.
Seht, seht, der König tritt selbst hervor, gleich dem von Unmuth
erröthenden Phöbus, wenn er, aus der glühenden Pforte des Morgens
hervorgehend, neidische Wolken gewahr wird, die sich vereiniget
haben, seinen Glanz zu verhüllen, und die Pracht seines
schimmernden Zugs nach Westen zu verdunkeln. Und doch sieht er wie
ein König; seht, wie sein Auge, glänzend wie eines Adlers,
herrschende Majestät um sich her blizt. O beweinenswürdig, daß
eine so schöne Gestalt durch irgend einen Unfall entstellt werden
soll.
König Richard (zu Northumberland.)
Wir befremden uns, und stehen schon lange hier, auf die
ehrfurchtvolle Beugung deiner Knie zu warten, indem wir uns selbst
für deinen gesezmäßigen König hielten; und sind wir's, wie dürfen
sich deine Gelenke vergessen, den schuldigen Tribut der
Unterthänigkeit unsrer Gegenwart zu bezahlen? Sind wir's aber
nicht, so zeige uns die Hand Gottes, die uns unsrer
Statthalterschaft entlassen hat. Denn das wissen wir, daß keine
Hand von Blut und Knochen, ohne Entweihung, Diebstal und Verrath,
nach unserm geheiligten Scepter greiffen kan. Und ob ihr gleich
denkt daß alle von uns abgefallen, und wir allein und von Freunden
entblößt gelassen seyen, so sollt ihr doch wissen, der Allmächtige,
mein Herr, mustert um euertwillen Heere von Plagen in seinen Wolken,
die euch treffen werden, euch, die ihre Vasallen-Hände gegen mich
aufgehoben und der Majestät meiner Crone gedräuet haben, euch, und
eure noch ungebohrnen Kinder. Sagt dem Bolingbroke, (denn dort,
däucht mich, ist er,) daß ein jeder Schritt den er in meinem Lande
macht, Hochverrath ist--Er ist gekommen, das purpurne Testament des
blutigen Kriegs zu öffnen; aber eh die Crone, nach der er strebt,
ruhig auf sein Haupt herabsteigen wird, sollen zehentausend blutige
Cronen von Mutter-Söhnen die Blume von Englands Antliz entstellen,
die Farbe ihres jungfräulich-blassen Friedens in feurigen Grimm
verwandeln, und ihre fetten Weiden mit getreuem Englischem Blut
bethauen.
Northumberland.
Der König des Himmels verwehre, daß unser Herr, der König, so mit
bürgerlichen und unbürgerlichen Waffen angefallen werden solle!
Nein, dein edler Vetter, Heinrich von Bolingbroke, küßt voll
Ehrfurcht deine Hand, und schwört, bey dem ehrenvollen Grabmal, das
auf euers beydseitigen Ahnherrn königlichen Gebeinen ruht, bey der
geheiligten Quelle euers gemeinschaftlichen Bluts, und bey der
Helden-Hand seines verstorbnen Vaters, und bey seiner eignen Würde
und Ehre schwört er, daß seine Ankunft keinen andern Zwek hat, als
die Besiznehmung von seinen eignen Gerechtsamen und Gütern, deren
Zurükgab er auf seinen Knien erbittet. Wird bey euerm Königlichen
Wort ihm nur dieses zugestanden, so will er seine blinkenden Waffen
dem Rost überlassen, seine langmähnichten Rosse den Ställen, und
sein Herz dem getreuen Dienst Eurer Majestät. Diß schwört er, so
wahr er ein Prinz ist, und so wahr ich ein Edelmann bin, glaub' ich
seinen Schwur.