nicht naß werden solle. Der Hauptgrund liegt darin, daß Landleute
insbesondere mit dem notwendigen Abtrocknen es nicht genau nehmen und
so sich leicht ein Übel zuziehen. Im übrigen zählt gerade der besonders
bei Männern jeder Witterung ausgesetzte Kopf zu den abgehärtetsten
Teilen.
[12] Kurze Haare haben für die Gesundheit, z. B. bei Anlage zu
Kopfleiden, auch bezüglich der Kopfhautpflege, große Vorteile. Langes
Haar ist ein schöner Schmuck, eine schöne Beigabe des Schöpfers; aber
sie sollen recht gut gepflegt, reinlich gehalten und Haarbürste und
Kamm nicht geschont werden. Die Nachteile kennt jede Hausmutter.
[13] Statt der beiden Holzstäbe genügt ein in der Mitte etwas zum
Auflegen der Füße bereitetes Holzstück (~b~, Fig. 10), dessen Enden
so bearbeitet und in die Öhren eingefügt werden, daß ein Drehen des
Holzstückes und ein Ausgleiten der Füße unmöglich ist. Einfacher
vielleicht stellt man in das mit heißem Wasser gefüllte Gefäß ein
kleines, bis zum Rande desselben reichendes Fußschemelchen.
[14] Wer lange, fast bis zur Erde reichende Kleidung hat, umhülle damit
das dampfende Holzgefäß. Dieses ist die einfachste und leichteste Art
der Vornahme des Fußdampfes. Nur muß man sich nachher neu bekleiden.
[15] An dieser Stelle muß ich doch ein Wort sagen über das +Trinken
bei Tisch+, hauptsächlich +während des Mittagessens+. Bei +Landleuten+
kommt es kaum oder wenigstens nicht in ausgedehntem Maße vor. Die
Sache betrifft mehr die +Stadt-+ und +Herrenleute+. „Unter das Essen
hineintrinken“ wie man sagt, ist nicht gut. Ich kenne manche Ärzte,
besonders der älteren Schule, welche den Gesunden dieses abraten und
ihren Kranken solches entschieden verbieten. Wer ein Auge hat und etwas
Erfahrung, weiß, daß alle, welche während des Essens viel Wasser, Bier
oder anderes genießen, mit einem Worte, daß alle Vieltrinker stets über
Mangel an Verdauung klagen.
Es kann gar nichts anderes sein. Wieso?
Während man die Speise im Munde kaut, wird sie oder soll sie gemischt,
ganz durchdrungen werden von Speichel, der ja zu diesem Zwecke von
eigenen Organen, den Speicheldrüsen, bereitet wird. Es wäre unklug,
irgend etwas Festes zu schlucken, d. i. es in den Magen, diese lederne
Maschinerie, zu bringen, bevor jene erste wichtige Vorarbeit der
Verkleinerung und Erweichung gut und recht getan ist. -- Im Magen
werden sodann die also vorbereiteten Speisen mit dem Magensafte
getränkt. +Je reiner+, +je besser+, +je ursprünglicher+, +d. i. je
unvermischter+ dieser wichtige Saft, desto besser die Verdauung und
ihre Resultate, d. h. desto besser auch die durch die Verdauung
bereiteten und der Natur zur Ausarbeitung und Vervollkommnung der
verschiedenen Bestandteile des Körpers vorgelegten Säfte und Nährstoffe.
Wenn jemand nun eine Speise ißt und das Genossene mit fremder
Flüssigkeit, sei es Wasser, Wein oder Bier, übergießt, so wird diese
Speise schon nicht mehr von reinem Magensafte durchdrungen, sie wird,
zum Teile wenigstens, durchtränkt von dem zugeschütteten Wasser, Bier
und Wein.
Wer während einer Mahlzeit das besagte Überschütten sechs- bis
achtmal vornimmt, verdünnt einmal den Magensaft derart, daß er als
Verdauungsessenz nicht mehr dient, und bewirkt sodann, daß sein Magen
von einem auf sechs- bis achtfache Art gemischten Speisebräu erfüllt,
vielmehr gequält ist. Wer will da noch klagen, daß der arme Magen Ach
und Weh schreit; daß die Verdauung eine schlechte ist, wie so oft die
Klage lautet!
+Wie soll man demnach sein Trinken einrichten?+
Wer vor dem Essen Durst hat, der trinke! Durch den Durst zeigt sich die
Dürftigkeit der Säfte an; die Magensäfte sind zudem dick und erleiden
eine Verdünnung.
Bei Tisch soll womöglich nicht oder sehr wenig getrunken werden,
damit der reinste Magensaft auch noch den letzten Bissen tränke und
durchdringe.
Ist eine längere Zeit nach dem Essen vorüber, verlangt der Speisebrei
zu seiner weiteren Verarbeitung vom Magensafte wieder Flüssiges, mit
anderen Worten, stellt sich nach 1, 2, 3 Stunden wieder Durst ein, dann
kann mäßig auch wieder getrunken werden.
Ich habe mit manchem tüchtigen Arzte gerade über diesen Punkt eingehend
gesprochen. Alle teilten vollkommen meine Ansicht und schrieben
die Unzahl der Magenleiden zum großen Teil den diesbezüglichen
Überschreitungen der Menge zu.
[16] Das Rezept des Ausscheidungsöles allein, welches in einzelnen
Fällen zum +äußerlichen+ (+niemals innerlichen+) Gebrauche angewendet
wird, habe ich um Mißbräuchen vorzubeugen, mir vorbehalten. Und selbst
wenn ich es bekannt geben würde, hätte davon das Volk keinen Nutzen,
weil die Apotheke ohne jedesmaliges Vorlegen desselben das Öl nicht
abliefern darf; und von mir kann und darf es nicht versendet werden,
weil ich weder Arzt noch Apotheker bin.
[17] Es gibt viele Patienten, welche meinen, recht viele Medizin und
Pillen u. a. müssen gesund machen. Ich erinnere mich gut an einen
sehr tüchtigen Arzt, der möglichst wenig verschrieb und oft über die
Unvernunft der Leute klagte, welche trotz des ärztlichen Ausspruches
stets nach Medikamenten schreien. „Wenn mir solche unausstehliche
Toren kamen und nicht Ruhe gaben,“ sagte er einst, „dann gab ich ihnen
Brotpillen mit einer kleinen, gleichgültigen Mischung, welche den --
Apothekengeruch brachte. Sie nahmen die Pillen, und wenn ich wieder
kam, so hatten diese „besten Pillen, die sie im Leben genommen,“ fast
regelmäßig geholfen!“
[18] Hier ein Wort über die +Süßigkeiten+ und +Schleckereien+. Wenn
ich von Männern höre, die derlei Kindereien treiben, so ärgere ich
mich; wenn ich von Kindern solches höre, so bemitleide ich die Armen
und bedauere die Kurzsichtigkeit oder die mangelhafte Wachsamkeit der
Eltern.[19] +Absolut und entschieden spreche ich mich gegen all diese
Schleckereien aus+, mögen dieselben was immer für einen Namen und
Ruf haben, aus was immer für einer Apotheke kommen und für Katarrhe,
Husten, Magenleiden, alles Denkbare und Undenkbare, Mögliche und
Unmögliche angepriesen werden. Man kann damit +gründlich+ den Magen und
anderes verderben.
[19] Kranken derlei Zeug zu reichen, wäre ein unverantwortlicher Frevel.
[20] Bei jedem einzelnen Heilmittel steht auch genau, in welchen Formen
es gebraucht werden kann, ob als Extrakt, Pulver, Tee, Öl usw.
[21] Sämtliche Kräuter, Beeren usw., die zu Extrakten dienen, können
auch in Wein angesetzt werden, wie dieses an Ort und Stelle stets
bemerkt ist. Dieser Wein dient indessen nur zum sofortigen, wenigstens
ziemlich schnellen Gebrauche, nicht zum Aufbewahren.
[22] Zur Erleichterung des Aufsuchens der in diesem Abschnitte
aufgeführten Heilpflanzen hat die Verlagshandlung einen „Pflanzen-Atlas
zu Seb. Kneipp’s Wasser-Kur“ in drei verschiedenen Ausgaben
veröffentlicht: man vergleiche hierüber die bezüglichen Ankündigungen
in den Prospekten und der sog. Gratis-„Kneipp-Broschüre“.
[23] Patienten, die schon Wasserheilanstalten besucht haben, behaupten,
man erblicke im Erscheinen eines Ausschlages ein sicheres Zeichen vom
guten Gelingen der ganzen Kur.
[24] Das darf nicht befremden. Bekannt ist ja auch oder dürfte es sein,
daß z. B. in den Schalen (schwäbisch „Schelfen“) der Äpfel, Birnen etc.
mehr Kraft steckt als in dem Fleisch der Früchte selbst. Die Essigprobe
(aus den Früchten oder den Schalen) wird meine Behauptung sicherlich
nicht im Stiche lassen.
[25] Siehe auch „Kreidemehl“ unten Seite 140.
[26] Siehe auch „Knochenmehl“ oben Seite 138.
[27] Wer bei größerem Verbrauche von Kleienbrot sich eine der extra
hierzu bestehenden +Schrotmaschinen+ kaufen kann, ist am besten daran,
er kann nie betrogen werden. -- Ich kannte in Tirol einen Professor,
welcher ein schweres Magenleiden hatte. Da er die wenigsten Speisen
vertragen konnte, kamen seine Kräfte sehr herunter. Man riet ihm das
Kleienbrot und eine solche kleinere Maschine. Alsbald ließ er diese von
Wien kommen und machte in den Stunden der Handarbeit selbst den Müller
und den Treibesel. Er hat sich sein Mehl selbst gemahlen, und seine
Frau hat ihm das Brot gebacken. Er wurde so gesund und sein Magen mit
ihm, daß dieser fortan bei keiner Speise mehr den Dienst verweigerte.
[28] Diese Anwendungen darf sich nicht jeder zu machen erlauben, der
an Atembeschwerden leidet; sie könnten manchen zu stark sein. Im
allgemeinen warne ich vor zu vielen Anwendungen.
[29] Dem wildesten Stier wird die Kraft gebrochen durch den kleinen
Ring, den man in seine Nüstern bringt. Man kann ihn führen, wohin man
will. Die gelindeste Anwendung ist der Ring, den ich der gefährlichsten
Krankheit sozusagen in die Nüstern schlage.
[30] Der +Fenchel+, in Milch gesotten, wirkt außerordentlich bei Kolik
und choleraartigen Anfällen; er erwärmt, leitet die Gase aus und ist
zugleich Nahrungs- und Kräftigungsmittel.
[31] Wer im Frühjahre oder Herbst, fast zu jeder Jahreszeit,
die Zeitungen durchgeht, sieht, welche Rolle die Frühjahrs- und
Herbst-Blutreinigungs-Pillen, -Kräuter usw. spielen. Nie werde ich
zu so etwas raten. Wer absolut einnehmen will (es gibt einmal solche
Leute), der nehme in der Woche den einen oder anderen Tag 5-6 Stunden
lang jede halbe Stunde einen Eßlöffel voll frischen Brunnenwassers ein.
Das unterstützt die Natur, das andere kann sie verderben.
[32] Es liegt mir eben ein Brief vor, worin ein Patient klagt und die
Gifte aufzählt, die er in verschiedenen Krankheiten hat verschlucken
müssen. Ich will die Aufzählung auf ein andermal versparen.
[33] Meine 35jährige Erfahrung und Praxis berechtigt mich zu dieser
Behauptung. Jeder, der die Prießnitzschen Umschläge die ganze Nacht
über liegen läßt, wird schon die unliebe Probe gemacht haben, daß am
Morgen statt Besserung eine Verschlimmerung eingetreten ist. „Es war
eben nicht recht zugebunden,“ lautet die fade Entschuldigung, die man
gleich bei der Hand hat. Nein, der Grund ist meistens ein ganz anderer
und liegt tiefer. Das Nähere lese man beim Halswickel!
[34] +Geronnene+ (gestockte) Milch wird auf den warmen Herd gestellt,
die Masse scheidet sich in Festes und Flüssiges. Das Flüssige bildet
das Topfenwasser, das Feste den Topfen, auch Topfenkäs (Zieger) genannt.
[35] „~Mens sana in corpore sano~“ sagten die Alten. Ein +gesunder
Geist+ kann +nur+ wohnen +in einem gesunden Körper+. Man mag hier
beherzigen, welchen großen Einfluß das Land auf die Leute, der Palast
oder die feuchte, nasse Hütte auf deren Inwohner ausübt. Sollte es bei
Leib und Seele anders sein, zumal beide so innig zusammenhängen und
zusammen nur +ein Ganzes+ bilden?
[36] Die +gleiche Torheit+ ist es, wenn man jederzeit von Korpulenz
auf das Vielessen und Vieltrinken (bekanntlich sind solche hart genug
Gepeinigte die genügsamsten Menschen), wie von dem guten Aussehen
geistesgestörter Individuen auf gute Beschaffenheit ihres Geistes und
nur auf Gesundheitsskrupel schließen will.
[37] Siehe auch „Entzündungen“ oben S. 208 ff. und „Knochengeschwüre“
unten S. 276.
[38] Das Zubinden hält warm und erwärmt noch mehr. Der Blutzufluß zur
entzündeten Stelle wird dadurch gefördert, und es dauert lange, bis
alles sozusagen an dem Brandorte hängengebliebene Blut vereitert ist.
[39] Ich gebe vier +Sorten+ an, von denen zum mindesten +eine+
jedermann leicht zu Gebote steht.
[40] Manche verstehen unter den +blinden+ Hämorrhoiden +die nicht
fließenden+, unter den +sehenden die fließenden+.
[41] Mir ist ein Fall bekannt, in dem einem Unglücklichen die
Hämorrhoiden zollweit aus dem After hingen; er mußte, um Brand zu
verhüten, sie stets in kühlendes Wasser halten. Da ist freilich guter
Rat teuer und kommen meine Anwendungen zu spät.
[42] Was ich betreffs der +Vernachlässigung des Katarrhs+ gesagt habe,
lese man in dem einleitenden Teile über die Augen.
[43] Der Arme bereitet sich eine Bettflasche sehr leicht also: Er macht
einen +Ziegelstein+ heiß und wickelt ihn in eine Wolldecke oder in ein
Tuch ein. -- Jedermann kennt auch die +Mineralwasserkrüge von Steingut+
(die sogenannten „steinernen Schlegel“); man fülle einen solchen mit
heißem Wasser und verhülle ihn, und die vortrefflichste Wärmeflasche
ist fertig.
[44] Auch +Fichtennadelextrakt+ wäre gut. Mir und jedem Landwirt und
jedem Armen ist das naheliegende, unverkünstelte Fichtenreis selbst
ganz ausreichend.
[45] +Zahllose Versuche+ haben stets zu +denselben Resultaten+ geführt:
man kann lindern, den Zustand erleichtern, aber nicht helfen. Hier
siegt immer der Sensenmann.
[46] Heublumen werden mit siedendem Wasser angeschwellt, gut
ausgedrückt und auf ein Tuch gebreitet; darauf legt der Patient die
Hand, und diese wird so umbunden, daß sie mitten in die feuchtwarmen
Heublumen zu liegen kommt.
[47] Mehrere Kalender, auch Zeitungen und Zeitschriften der letzten
Jahre brachten Verzeichnisse von und Warnungen vor Hunderten solcher
Mittel. Viele derselben sind als Schwindel gebrandmarkt, die den
Käufern beziehungsweise Betrogenen vielfach teuer zu stehen kommen an
Geld und an der Gesundheit.
[48] Als +Hausmittel+ gelten Wacholderbeeren, gesotten und wie Tee
getrunken. Dieser Tee wirkt gut, aber stets zu schwach. Die Wirkungen
der Attichwurzel sind viel kräftiger und nachhaltiger.