Die unorganisierten Morde

Es bricht ein Linksaufstand aus oder es wird ein solcher provoziert (Typ

1919). Einwohnerwehr, Studentenkorps und Freiwilligenverbände arbeiten

an seiner Unterwerfung. Bei dieser Gelegenheit murkst man im Zeichen der

»Ruhe und Ordnung« die persönlich oder durch Denunziation guter Freunde

bekannten, ehrlichen Republikaner ab: Das sind Spartakisten. Weg damit!

Die Truppen begehen zum Teil im angetrunkenen Zustand, zum Teil

durch falsche Nachrichten aufgestachelt eine Reihe von weiteren

Scheußlichkeiten. Die Offiziere sind fast immer beteiligt.

Das bürgerliche Publikum, die sogenannte öffentliche Meinung, sieht in

seiner blinden Angst um das heilige Eigentum nur die Gefahr, die ihm in

dem Aufstand von Links droht. Die Verletzung des Rechtes aber, die in

der Ermordung von angeblich am Aufruhr Beteiligten, meistens aber völlig

Unbeteiligten besteht, läßt es kalt. Denn der Satz, daß ein Aufrührer

auch ein Recht auf seinen Richter hat und nicht von einem kleinen

Leutnant umgebracht werden darf, ist ihm keine Realität. Dies ist ein

abstrakter Satz, der nichts mit dem Schutz des Eigentums zu tun hat.

Dieser sozusagen handwerksmäßige Mord ist im kleinen Umkreis wirksam.

Doch nur hier. Unfähig ist er, die großen, bekannten Republikaner zu

erfassen. Hierzu dienen andere, bessere Methoden industrieller Art.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 117 / 146 题