Die 53 unbewaffneten Russen

Mit welcher Willkür bei diesem »Standrecht« vorgegangen wurde, beweist

der Fall der 53 unbewaffneten Russen in Gräfelfing.

Die Räteregierung hatte die in den Gefangenenlagern befindlichen Russen

befreit und zum Eintritt in die Rote Armee aufgefordert. Am 1. Mai

wurden am Bahnhof Pasing 53 Russen, ohne Waffen, in deutscher Uniform,

die aus München kamen, festgenommen. Sie wurden nach Lochham gebracht

und dort, wie Augenzeugen berichten, schrecklich mißhandelt. Als einer

aus der Reihe treten wollte, um seine Unschuld zu beteuern, wurde er

niedergeschossen. Die andern wurden ins Feuerhaus in Gräfelfing

eingesperrt. Die dort liegende württembergische Sicherheitskompagnie Nr.

21 forderte wütend ihre sofortige Erschießung. Am 2. Mai um 1/2-6 Uhr

morgens wurden alle 52 von einem »Standgericht« auf einmal zum Tode

verurteilt. Die Russen beteuerten, an Kämpfen nicht teilgenommen zu

haben. Den Gegenbeweis hat das Standgericht gar nicht zu führen

versucht. In der ganzen Umgebung war nicht gekämpft worden. Um 1/2-9

Uhr vormittags wurden sie in einer Kiesgrube erschossen. Der Fall wurde

vom Staatsanwalt untersucht, doch fand er keinen Grund einzuschreiten.

(»Der Kampf«, München, 4. Dezember 1919.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 98 / 146 题