NICHT AUFGENOMMENE TÖTUNGEN

Wie bereits in der Einleitung hervorgehoben, macht die vorliegende

Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst habe ich

natürlich alle Körperverletzungen weggelassen, die nicht tödlich

ausgingen, wie z. B. den Ueberfall auf _von Gerlach_, Dr. Magnus

_Hirschfeld_, die Attentate auf den Abgeordneten _Auer_, auf

_Scheidemann_, _Harden_ usw., bei denen der Mordversuch offenkundig war.

Ferner habe ich in die Sammlung nicht aufgenommen:

1. Die Opfer von Demonstrationen, Straßenkämpfen und von Lynchungen

durch eine erregte Menge, wie sie vielfach z. B. während der Märzunruhen

in Berlin, während des Kapp-Putsches und im Rheinland vorgekommen sind.

Während des Kapp-Putsches wurden Hunderte von Arbeitern durch die

meuternden Truppen und auch manche Soldaten durch Arbeiter erschossen.

So fiel z. B. Hauptmann _Bertold_ im Straßenkampf gegen die Arbeiter von

Harburg. Von anderen Opfern von Unruhen seien kurz erwähnt: die 20 in

Königshütte am 2. Januar 1919 erschossenen streikenden Arbeiter, die 5

durch die Garde-Kav.-Schützendivision in der Weinmeisterstraße im

Februar 1919 Erschossenen, die 34 in der Köpenicker Straße in Berlin im

März 1919 erschossenen Kommunisten, die 5 Reichswehrsoldaten, die durch

die Baltikumer in Soest im Juni 1920 erschossen wurden. Zuletzt die 2

durch die auf Borkum stationierte Küstenwehr am 31. Dezember 1920

Erschossenen. Von der linken Seite stehen dem u. a. eine Reihe von

Lynchungen gegenüber, die durch eine erregte Menge vorgenommen wurden,

z. B. der Fall des sächsischen Kriegsministers _Neuring_ und des

Oberstleutnants _v. Klüber_ in Halle, die Fälle am Wasserturm in Essen,

am Rathaus in Schöneberg usw.

2. Alle Fälle, wo die erschießende Partei behauptet, daß sie von der

Menge angegriffen wurde, gleichgültig, ob dies nachweisbar ist oder

nicht. Daher habe ich nicht behandelt: die Erschießung von 17

Arbeitslosen in Breslau am 13. Februar 1919, die Erschießung des

Arbeiters Hermann _Mark_ in der Müllerstraße in Berlin am 3. Oktober

1919, die Erschießung eines Kriegsbeschädigten in Spandau am 12.

Dezember 1919, die Erschießungen von 42 Demonstranten vor dem Reichstag

am 13. Januar 1920, die Erschießung des Arbeiters _Jusselbeck_ bei einer

Versammlung in Oberhausen am 16. Februar 1920.

3. Alle Ermordungen, denen keine deutschen innerpolitischen Motive

zugrunde liegen, also alle Erschießungen in Oberschlesien, ferner die

Ermordung des französischen Sergeanten _Mannheim_, die Ermordung eines

polnischen Kommunisten _Körner_ (Rozenblum) durch einen anderen Polen in

der Petersburgerstraße in Berlin, und von verschiedenen Türken durch

Armenier. Endlich alle Fälle, wo es sich wahrscheinlich um einen

persönlichen Racheakt handelte, wie die Ermordung des Abgeordneten

_Haase_ durch _Voß_ und die Ermordung des Studenten _Kahn_ in

Baden-Baden.

4. Alle Fälle, wo die Erschießung auf Grund eines kriegsgerichtlichen

Urteils erfolgte, weil hierbei meistens wenigstens das formale Recht

gewahrt blieb. Daher ist die Erschießung von _Leviné_ nicht aufgenommen.

Dagegen habe ich die Erschießungen in Köpenick gebracht, da es sich hier

meines Erachtens um Justizmorde handelt. Natürlich habe ich auch

diejenigen Fälle erwähnt, wo »standrechtliche Erschießungen« durch

meuternde Truppen auf Grund der Verordnungen Kapps vorgenommen wurden.

5. Alle Fälle, in denen es mir nicht gelungen ist, genügend Material zu

bekommen. Hierunter fällt die Erschießung eines Sanitäters Hans _Müller_

in der Neuenburger Straße in Berlin am 11. Januar 1919, die Erschießung

von _Pieser_ in Spandau am 11. Januar 1919, des Kommunisten _Meseberg_

in Halle am 24. März 1919, die Erschießung des Arbeiters _Pludra_ im

März 1919 in Halle a. S. durch den Freiwilligen Hans _Haneling_ auf

Befehl des Oberleutnants _Kornalewski_ (Feld-Art.-Reg. 45) und des

Führers der 2. Streifkompagnie des Freikorps Halle _Huberti_ alias

_Roth_, ungefähr 50 willkürliche Erschießungen während der Märzunruhen

in Berlin, z. B. die des Soldaten _Neese_ am 12. März 1919, die

Erschießung des Willi _Bressert_ in Kottbus am 2. August 1919, die

Erschießung des Kommunisten _Hammer_ in Remscheid im September 1919, die

Erschießung des 20 jährigen August _Kluwig_ durch den Vizefeldwebel

_Moeßmann_ (6. Kompagnie des Freikorps Schütz) bei Hamborn im März 1920,

die Erschießung des 19 jährigen Wilhelm _Bölke_ in Adlershof am 19. März

1920, die Erschießung der Arbeiter Paul _Reinke_ und Emil _Dagner_ am

22. März 1920 auf Befehl des Major _Kloß_ durch den Leutnant _Schefler_

in Wesel, die Ermordung von Arbeitern durch Reichswehrsoldaten in

Schallenberg und Tunzenhausen im März 1920, die Erschießung eines

Arbeiters in Parin bei Grevesmühlen am 20. März 1920 auf Befehl des

Wirtschafters des Gutes Oberhof, eine Reihe von Ermordungen von Bürgern

bei Halle im März 1920, nämlich des Bergrats Dr. _Vogelsang_ in Eisleben

am 16. März, des Bürgermeisters von Osterfeld, des Rittergutsbesitzers

_Barth_ in Poserna, des Pastors _Niehus_ in Burg Liebenau am 20. März,

des Landesjägers _Herr_ in Teutschenthal, des Schriftstellers _Schott_

in Langenberg-Reuß, des Freiherrn _von Knigge_ in Endorf, die Ermordung

des Bürgermeisters _Jaeckel_ in Osterfeld durch Kommunisten, die

Erschießung des bolschewistischen Kuriers Paul _de Mott_ am 5. April

1920 im Gefängnis Wesel durch den ihn bewachenden Gefreiten

_Getischorek_ »auf der Flucht« und die Ermordung des Arbeiters Karl

_Schluck_ am 15. April 1920 in Altenbochum durch Angehörige des

Freikorps Epp; ferner die Erschießung des Arbeiters Otto _Haase_ am 9.

Juni 1921 in Berlin.

Selbst nach dieser scharfen Auswahl sind noch die geschilderten Fälle

übrig geblieben.

Vier Jahre Politischer Mord · 第 75 / 146 题