Der Polizeiagent Blau

_Blau_ war Agent und Lockspitzel der politischen Polizei. Er gehörte

im Aufstand vom Januar 1919 zur Besatzung der Büxensteindruckerei

und hatte auch ein Auto beschlagnahmt. Nach dem Sturz der

Räterepublik war er in München tätig und gab sich dort als flüchtiger,

unterstützungsbedürftiger Kommunist aus. (Dritter und vierter

Verhandlungstag.) Er wurde erkannt und nach Berlin gelockt. Dort wurde

er in einer Kommunistenversammlung am 1. August 1919 als Spitzel

festgestellt; wollte jedoch einen Gegenbeweis antreten. Er übernachtete

mit _Hoppe_ bei einem gewissen Pohl. Dort erschien dann nach Angabe

Hoppes ein nicht ermittelter Polizeiagent und bot Hoppe Gift an, um Blau

umzubringen. (Dritter Verhandlungstag.) Am nächsten Tag übernachteten

Blau und Hoppe in der Wohnung _Winklers_. Dort erschienen nach Angabe

Hoppes drei Leute, darunter wahrscheinlich der Polizeiagent Schreiber,

boten ihm dieselbe Flasche Morphium an und forderten, man müsse mit Blau

Schluß machen. Daraufhin habe er die Wohnung verlassen, sei jedoch

zurückgekehrt. Unterdessen sei Blau ermordet worden. Die Leiche wurde

dann in den Kanal geworfen. Dort wurde sie am 7. August gefesselt

gefunden.

Am 24. Juni 1920 begann der Prozeß. _Fichtmann_ und Hoppe waren wegen

Mordes, Winkler wegen Beihilfe angeklagt. Fichtmann trat einen

Alibibeweis an. Der Hauptbelastungszeuge Toifl sagte aus, es gebe eine

organisierte Terroristengruppe. Doch mußte er sich sagen lassen, er sei

der Anführer bei einem Raubüberfall auf den Diamantenhändler Orlowski

gewesen und habe hierzu Waffen von der Reichswehr besorgt. Seine

Behörde habe ihm sogar am Schluß noch gestattet, das geraubte Geld zu

behalten. Ueber alle diese Dinge befragt, verweigerte er die Auskunft.

Er gab zu, versucht zu haben, eine militärpolitische Abteilung

der Kommunistischen Partei zu gründen und Befehle zu Ueberfällen auf

Druckereien weitergegeben zu haben. (Sechster und siebenter

Verhandlungstag.) Nach Aussage des Wachtmeisters Henke hatte die

Garde-Kavallerie-Schützendivision allein 110 Spitzel. (Dritter

Verhandlungstag.)

Am 5. Juli wurde Fichtmann freigesprochen. Hoppe bekam wegen Beihilfe

zum Totschlag unter Ablehnung mildernder Umstände 6 Jahre Zuchthaus,

Winkler wegen Beihilfe 3 Jahre Gefängnis. Gegen die stark belasteten

Polizeispitzel Schreiber und Toifl wurde kein Verfahren eingeleitet.

(Eingehende Prozeßberichte in allen Berliner Zeitungen.)

Vier Jahre Politischer Mord · 第 44 / 146 题