8) Reserve-Augen, =§. 25=.

1.

Zum Weinbau schickliche Oerter.

Wenn man Weinstöcke an einem Gebäude oder an einer Wand anpflanzen will,

so muß man die Morgen- oder Mittags-Seite dazu wählen. In warmen Sommern

und Herbsten gedeihen sie auch auf der Abend-Seite; bei sehr günstiger

Witterung sogar auch auf der Nacht-Seite, zumal wenn man den Stock mit

seinen Wurzeln auf die Morgen-Seite setzt, und die Reben nachher um die

Ecken des Gebäudes herum auf die Nacht-Seite zieht. Bringt man aber die

Wurzeln auf die Nacht-Seite, so ist’s gut, wenn man den Erdboden, wo die

Wurzeln liegen, oben 2 Finger breit mit Pferdemist oder Sand bedeckt;

beides hält die Kälte ab und vermehrt die Wärme des Bodens; und darauf

kommt es beim Weine vorzüglich an, daß der Boden, wo die Wurzeln liegen,

recht erwärmt wird; es fördert sein Wachsthum und bringt ihn zeitig zur

Reife, obschon der obere Theil des Stockes nicht so viel Sonne hat. Auch

muß man beim Setzen der Stöcke auf der Nacht-Seite die Erde, womit die

Wurzeln bedeckt werden, reichlich mit Sand vermischen, und den obern

Theil des Bodens so einrichten, daß nicht zu viel Wasser darauf stehen

bleibt. Es läßt sich aber leicht denken, daß die Nacht-Seite eines

solchen Gebäudes auch ganz frei seyn muß, und daß sowohl in der Nähe

als auch selbst in weiterer Entfernung kein Baum oder sonst ein anderer

Gegenstand stehen darf, welche den früh und Abends dahin fallenden

Sonnenstrahlen den Zugang verhindern, und den Weinstöcken Licht und

Wärme entziehen würden, die dieselben hier noch weniger als auf der

Morgen-, Mittags- und Abend-Seite entbehren können. Jedoch muß man von

den, auf der Nacht-Seite stehenden Stöcken nie den großen Nutzen

erwarten, welchen man sich von den auf den andern Seiten stehenden

Stöcken versprechen kann.

2.

Anpflanzung der Schnittlinge.

Kann man keine Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, bekommen, so nimmt

man Schnittlinge, d. h. die im Herbste beim Beschneiden vom Stocke

abgeschnittenen überflüssigen Ruthen, schneidet davon die schwachen

Spitzen oben ab, so daß der Schnittling ohngefähr eine Elle lang bleibt.

Sollte die Ruthe mehr, als eine Elle gutes starkes Holz haben, so kann

man aus derselben zwei und mehr Schnittlinge machen. Es können diese

Schnittlinge auch 5 bis 6 Viertel Elle lang seyn; länger aber nicht,

weil sonst das Einlegen in die Erde unbequem ist, und viel Raum

erfordert. Auch können sie kürzer seyn, als eine Elle. Ich habe welche

gelegt, die nur zwei Augen hatten, wovon das eine in die Erde kam und

die Wurzeln trieb, das andere über der Erde stand, aus welchem die Ruthe

emporschoß. Je kürzer sie aber sind, desto sparsamer wachsen sie.

3.

Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen.

Diese Schnittlinge kann man nun gleich im Herbste, sobald sie vom Stocke

abgeschnitten sind, in die Erde bringen, dahin, wo der aus denselben

entstehende Stock künftig seinen Platz haben soll. Sie können aber auch

an einem kühlen, feuchten Orte, z. B. im Grase, mit etwas Gras, Heu oder

Stroh bedeckt, mehrere Wochen lang aufbewahrt, und dann von Zeit zu Zeit

gesteckt werden. Man kann sie auch bis zum Frühjahre aufbewahren, und

dann an Ort und Stelle legen. Dann müssen sie aber in ein Bund zusammen

gebunden, eine halbe Elle tief in die Erde gelegt und ganz mit Erde

bedeckt werden. Im Frühjahre muß man sie aber zeitig heraus nehmen und

verpflanzen, ehe die Augen anfangen zu treiben, sonst kann man dieselben

leicht verletzen, und sie erleiden auch durch das Herausnehmen und

Weiterpflanzen eine nachtheilige Störung im Wachsthume. Deßhalb ist es

am Besten, sie gleich im Herbste einzeln an Ort und Stelle zu bringen.

Manche rathen an, diese Schnittlinge erst 8 bis 14 Tage in laues Wasser

zu werfen, ehe man sie pflanzt. Ich habe das mit einigen gethan, mit

andern nicht, und es wuchs die eine Art so gut, wie die andere.

4.

Art des Legens der Schnittlinge.

Zum Legen der Schnittlinge mache man eine Grube oder einen Graben längs

des Gebäudes, eine halbe Elle breit und eben so tief, in der Richtung,

daß nachher das vom Dache herabfließende Regen-Wasser gerade auf die

Grube fällt. In diese Grube lege man nun die Schnittlinge, und beuge das

obere Ende aufwärts, daß es mit einem Auge aus der Erde hervorragt, wenn

die Grube zugeschüttet ist, und die obere Spitze des Schnittlings nach

dem Gebäude schräg hin zeigt. Man muß die empor gebogene Spitze mit

einem in die Erde gesteckten Häkchen oder einer Gabel befestigen, damit

sie ihre Richtung behält. Das zweite Auge muß so zu stehen kommen, daß

beim Zuschütten der Grube einen bis zwei Finger breit Erde darauf zu

liegen kommt. Sollte das obere Auge zu Schaden kommen, so schafft man

die wenige Erde vom zweiten hinweg, daß dieses die Ruthe treiben kann.

Bleibt aber das obere Auge unverletzt, so läßt man das zweite in der

Erde, damit es die Wurzel vermehren hilft; denn alle in der Erde

liegende Augen treiben Wurzeln. Sollte das zweite Auge aus der Erde

emportreiben, so kann man es wachsen lassen; man bekommt alsdann zwei

Ruthen an diesem Stocke. Ich lasse es aber gewöhnlich nicht zu, sondern

beuge es sanft um und bedecke es mit Erde, daß es unter- oder seit-wärts

gehen und Wurzeln treiben muß; die eine Ruthe wird alsdann kräftiger.

Nur muß man sie wohl in Acht nehmen; denn wird sie abgebrochen, so ist

leicht der Stock verloren, da sie nur selten noch einmal und nie so

stark wieder treibt. In dieser Hinsicht wäre es freilich besser, zwei

Ruthen zu lassen. Wenn dann die eine verloren ginge, so bliebe doch noch

die andere. Man thut dieß aber bei Schnittlingen nicht gern, weil sie

noch zu wenig Kraft zur Ernährung zweier Ruthen haben. Man verwahrt

lieber die eine Ruthe so, daß sie nicht beschädigt werden kann.

5.

Raum der Schnittlinge.

Eine Spanne weit von der empor gebogenen Spitze des ersten Schnittlings

kann nun schon wieder der zweite eingelegt werden, dessen oberes Ende

man wieder eben so umbeugt, und mit einem Haken befestigt, und eine

Spanne von diesem der dritte, und so fort der vierte, fünfte u. s. w.,

bis der ganze Graben der Länge nach voll ist. Auf diese Weise kommen die

Stöcke eine bis zwei Ellen weit zu stehen. -- Ich weiß wohl, daß Manche

sagen, dieß sey zu enge, ein Weinstock brauche einen Raum von 8 Ellen.

Allein es können 10 Jahre vergehen, ehe er diesen Raum gebraucht, und

während dieser Zeit wird dann ein großer Theil des Spaliers kahl; da

hingegen nach meiner Art zu pflanzen gleich in den ersten zwei Jahren

das ganze Spalier grün wird, und im dritten und in den folgenden Jahren

überall Trauben hat. Auch lassen sich die dicht stehenden Stöcke, wenn

sie größer werden, so behandeln, daß sie alle am Spaliere Raum haben.

Ich lasse nämlich von den vielen Stöcken gleich vom Anfange an den einen

höher gehen, als den andern. Auf welche Art ich dieß bewirke, werde ich

in der Folge zeigen. Freilich dürfte diese Behandlungsweise nur an hohen

Spalieren, bei übersetzten Gebäuden anwendbar seyn; an niederen nicht

so gut; an solchen müßte man sie allerdings etwas weiter auseinander

pflanzen. Da nun die Weinstöcke, gleich allen anderen Bäumen, von Jahr

zu Jahr höher gehen, so daß das alte kahle Holz unten immer länger wird

und die Ruthen immer weiter hinauf kommen, so geschieht es, daß bei

Stöcken, welche zu weit auseinander stehen, unten am Spaliere bloß

kahles, blätterloses Holz zu sehen ist. Ich bedecke dieses jedesmal mit

den niedrig stehenden Ruthen der kurz gehaltenen Stöcke, von denen der

eine länger ist, als der andere, und so geschieht es, daß mein Spalier

von unten bis oben grün aussieht und Trauben trägt, wodurch natürlich

die Anzahl derselben bedeutend vermehrt wird. -- Man macht zwar auch den

Einwurf, es hätten diese dichtstehenden Stöcke mit ihren Wurzeln in der

Erde nicht Raum und Frucht genug. Allein meine dichtstehenden Stöcke

tragen eine Menge Trauben, wie man sie selten an einem Stocke findet,

und müssen daher Raum und Frucht genug haben. Sollten sie ja nach

Verlauf mehrerer Jahre wegen ihrer Größe nicht mehr Raum genug haben, so

ist’s ja auch noch Zeit, einige wieder heraus zu nehmen und weiter zu

verpflanzen.

6.

Vom Begießen und Düngen des Weinstockes.

Man muß nur gleich beim Legen der Weinstöcke dafür sorgen, daß solche

Frucht haben können. Deßhalb mache ich den Graben zum Einlegen nicht

ganz dicht au das Gebäude, sondern ½, auch ¾ Elle weit davon ab, so daß

die Traufe mitten auf den Graben, und also auf die Stelle fallen muß, wo

die Wurzeln liegen. Beim Zuschütten des Grabens mache ich nach dem

Gebäude zu auf die frei gelassene halbe Elle festen Bodens ein schräges

Dämmchen, welches das Wasser vom Gebäude ableitet und auf die Wurzeln

führt. Auf diese Weise bleibt es an der Wand immer trocken, und wird

wenigstens nicht so naß, daß es dem Gebäude schaden könnte. In dieses

schräge Dämmchen beuge ich nun gleich beim Legen die Spitzen der

Schnittlinge, so daß die Stöcke dicht am Gebäude zu stehen scheinen und

an demselben in die Höhe gehen können. -- Auf der andern Seite der Grube

mache ich gleich beim Zuschütten ein eben so schräges Dämmchen, daß aber

natürlich seine hohe Seite nach Außen haben muß, und so entsteht auf der

eine halbe Elle breiten Grube eine Vertiefung, in welcher das

Regenwasser und alle andere Flüssigkeiten, die man zur Beförderung des

Wachsthums dahin gießt, stehen bleiben und auf die Wurzeln eindringen

müssen. Es ist sehr gut, wenn diese Vertiefung um das ganze Gebäude

herum wagerecht ist; denn auf diese Weise bekommen alle Stöcke gleiche

Frucht. Nur von den Seiten des Gebäudes nach den Giebeln zu mache ich

die Vertiefung etwas schräg, damit die sonst an den Seiten sich

vermehrende Traufe nach den Giebeln fließt, wo gewöhnlich, besonders am

Morgengiebel, weniger Regen hinkommt. Sollte bei anhaltendem Regen des

Wassers in der Vertiefung zu viel werden, so darf man nur in das

Dämmchen an der Außenseite eine kleine Oeffnung machen, um es abfließen

zu lassen. Stehen aber die Stöcke auf trockenem sandigen Boden und ist

kein Teich oder sonstiger Wasserbehälter in der Nähe, aus welchem sie

Frucht ziehen können, so bekommen sie auch nicht leicht zu viel Nässe.

-- Ich habe in trockenen Sommern einem Weinspaliere von 24 Ellen Länge

jeden Mittwoch und jeden Sonnabend 100 Eimer Wasser gegeben;

vorausgesetzt, das solches auf trockenem, sandigen Boden stand. Auf

feuchten Boden dürfte natürlich nicht so viel nöthig sein. Bei Stöcken

auf solchem Boden bedurfte ich noch nicht der Hälfte Wasser, und dennoch

wurden die Trauben eben so gut, als jene. Es kommt auch viel auf das

Alter des Stockes an. Ein solcher, der seine Wurzeln schon in der Länge

und Tiefe weit ausgebreitet hat, gedeihet oft mit seinen Ruthen und

Trauben auch auf sandigem Boden, ohne begossen zu werden. Wenn der Stock

an den Spitzen der Ruthen welk wird, nicht mehr treibt, und sogar die

Trauben anfangen zu welken, dann ist’s hohe Zeit, ihn zu begießen;

besser aber ist’s, man läßt es so weit nicht kommen. Es war dieß bei

meinen Stöcken einige Mal der Fall; ich begoß, und sah binnen 24

Stunden, daß die schon ganz hingewelkten Trauben alle wieder frisch

wurden. Unterläßt man nun das Gießen nie, so erleidet der Stock keine

Störung, und die Trauben kommen zeitig zur Reife. Folgen häufige Regen,

so ist natürlich das Gießen nicht nöthig. -- Am liebsten begieße ich mit

dem von der Sonne erwärmten Teich- oder Pfützenwasser, besonders

solchem, welches recht schlammig ist; denn dadurch erhalten die Stöcke

zugleich eine herrliche Düngung; keinen andern Dünger, als solches

Schlammwasser gebe ich meinen Stöcken, und sie gedeihen dabei

vortrefflich. Mistjauche halte ich für zu scharf. Auch Waschwasser,

welches mit Lauge vermischt ist, taugt nichts; wohl aber das Wasser, in

welchem die Wäsche gespühlt worden ist, das zwar Seife, doch keine zu

starke Lauge enthält. In Ermangelung solchen Wassers habe ich aber auch

bei großer Trockenheit meine Stöcke mit kaltem Brunnenwasser begossen,

um zu sehen, ob es ihnen schaden würde; habe aber keinen Nachtheil

gefunden. Doch ist ihnen jenes dienlicher, als dieses. Beim öfteren

Begießen geschieht es nun, daß die Grube verschlämmt, und nicht mehr die

gehörige wagerechte Richtung behält; diese muß man dann immer wieder

herzustellen suchen. Weil nun in der Grube zwar die Wurzeln des Stockes

liegen, er selbst aber nicht aus derselben hervorragt, sondern in das

Dämmchen an der Wand geleitet ist, so läßt sich dieses auch mit einer

Schippe ganz bequem machen; denn so breit ist gewöhnlich an meinen

Weinspalieren die Grube, daß ich mit einer solchen darin hinfahren kann,

so daß sie einem glatten Fußsteige ähnlich sieht, auf welchem man sehr

bequem um das Spalier herumgehen kann. Was aus der Grube geräumt wird,

werfe ich auf das Dämmchen an der Mauer; dadurch wird es in gutem Stande

erhalten und die in demselben liegenden Thauwurzeln bekommen zugleich

eine herrliche Düngung, denn es ist ja größtentheils hineingespühlter

Schlamm. Häuft sich derselbe zu sehr an, so verstärke ich damit auch

das Dämmchen an der Außenseite. Außerdem aber bediene ich mich zur

Verstärkung desselben anderer Erde, wenn es nöthig seyn sollte.

7.

Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen.

Die oben erwähnten Schnittlinge können auch noch auf eine andere Art

gesteckt werden. Wenn man nämlich einen Ort hat, wo man nicht gern einen

solchen Graben machen will und kann, und der Boden an sich schon nicht

zu fest ist, so nimmt man einen Pfahl oder ein Pfahl-Eisen, stößt damit

ein Loch senkrecht so tief, als der Schnittling lang ist, stellt alsdann

denselben hinein, doch so, daß das obere Auge heraussteht und das andere

einen bis zwei Finger breit tief in die Erde kommt. Sind es mehrere

Schnittlinge, die ein längeres Spalier bilden sollen, so kann man auch

den Löchern gleich mit dem Pfahle oder Pfahl-Eisen oben eine schräge

Richtung, nach dem innern Dämmchen zu, geben, um nachher beim Setzen das

obere Ende des Schnittlings eben dieser Richtung fähig zu machen. Auch

hier versteht sich das Anheften mit einem Häkchen von selbst. Nun nimmt

man gute klare Erde, und reibt dieselbe langsam zwischen beiden Händen

über dem Loche, bis dasselbe mit Erde angefüllt ist. Ein Andrücken

derselben ist hier nicht nöthig, könnte sogar den sämmtlich aufwärts

stehenden Augen schädlich werden; es wird dieselbe durch das nachherige

Begießen von selbst fest, und man muß, wenn es mit der Zeit oben an Erde

fehlen sollte, etwas nachfüllen. Die auf diese Art gepflanzten Stöcke

halten bei trockener Witterung lange aus, da ihre unteren Wurzeln tief

in die feuchte Erde hinunter treiben. Bei ganz hartem festen Boden

dürfte jedoch diese Art der Anpflanzung nicht anwendbar seyn. Daß auch

hier des Begießens wegen oben an den Stöcken eine mit Dämmchen umgebene

Vertiefung bleiben muß, versteht sich von selbst. Ich kann diese Art der

Anpflanzung um so mehr empfehlen, da ich sie mehrere Jahre lang erprobt

und gut befunden habe.

8.

Vom Begießen und ersten Beschneiden der Schnittlinge.

Eine Hauptsache ist nun, daß solche Schnittlinge, sie mögen auf diese

oder jene Art gepflanzt worden seyn, besonders im ersten Sommer,

immerwährend feucht gehalten werden; alsdann treiben die mehresten schon

im ersten Jahre eine Ruthe von 1 bis 2 Ellen. Unterläßt man das

Begießen, oder fährt damit nicht regelmäßig fort, so daß sie bald zu

naß, bald wieder zu trocken stehen, so wird, besonders wenn wenig Regen

fallen sollte, selten einer davon fortkommen. Wer, wegen Mangel an Zeit,

nicht oft genug nach seinen Schnittlingen sehen kann, thut wohl, wenn er

die an denselben angebrachte Vertiefung zwischen den Dämmchen mit

strohigem Kuhmiste, in welchem jedoch wenig Koth hängen darf, anfüllt;

unter demselben halt sich natürlich die Feuchtigkeit länger. Es kann

derselbe den ganzen Sommer durch liegen bleiben, und immer wieder darauf

gegossen werden. Nur muß man vorher erst untersuchen, ob der Boden

darunter trocken und also das Begießen nöthig ist. Denn oft ist der

obere Theil des Mistes trocken und der untere ist immer noch feucht. Man

kann diese Befeuchtungs-Methode überhaupt auch bei allen

frischgepflanzten Weinstöcken anwenden. Die Ruthe nun, welche die

Schnittlinge im ersten Sommer getrieben haben, muß im nächsten Herbste

bis auf 2, höchstens 3 Augen weggeschnitten werden, und das über

derselben stehende alte Holz wird ebenfalls glatt und dicht über der

Ruthe weggeschnitten. Sollte man einem Schnittlinge zwei Ruthen gelassen

haben, so wird die schwächere, wenn sie zu schwach ist, ganz

weggeschnitten; im anderen Falle kann man ihr ein Auge lassen, mehr aber

nicht.

9.

Vom Anpflanzen der Wurzlinge.

Wenn man Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, pflanzen will, so wähle

man solche, die nicht zu langes, altes Holz haben, sonst hat man

unbequemes Stecken, indem dasselbe bis auf eine Viertel-Elle in die Erde

gelegt werden muß; die Stöcke kommen außerdem nicht gut fort, und wenn

es auch geschähe, so wachsen sie sparsam, und haben ~mit~ demselben ein

schlechtes Ansehen, sind auch in wenigen Jahren über das Spalier

hinausgewachsen. Die beste Zeit zur Anpflanzung derselben ist, wie bei

den Schnittlingen, der Herbst; doch kann es auch im Frühjahre

geschehen, aber nur zeitig, ehe die Augen anfangen zu schwellen. Ist die

Erde nicht gefroren, so kann man den ganzen Winter über pflanzen. Das an

den Wurzlingen befindliche junge Holz, die Ruthe, muß bis auf 2,

höchstens 3 Augen, und zwar 2 bis 3 Finger breit über dem dritten Auge,

weggeschnitten werden. Sind mehr Ruthen daran, so werden diese ganz

dicht am alten Holze weggeschnitten; der Stock hat sonst mehr zu

treiben, als er Kraft besitzt, weil er im ersten Jahre mit dem Anwurzeln

zu thun hat. Auch die zu langen Wurzeln muß man abkürzen, und

beschädigte bis an den Schaden wegschneiden. Sollte der Wurzling mehrere

Zweige von altem Holze haben, so zieht man sie auseinander, so daß sie

ohngefähr eine bis anderthalb Elle weit von einander zu stehen kommen.

Auf diese Weise werden aus einem Stocke zwei bis drei, oft noch mehr,

wenn genug kurze und lange Zweige daran sind, daß sie in gehöriger Weite

von einander entfernt werden können, und diese Stöcke hängen dann in der

Erde an einer gemeinschaftlichen Wurzel, welche sich aber noch dadurch

vermehrt, daß alles in der Erde liegende alte Holz Wurzeln treibt,

wodurch schon im ersten Sommer jeder Stock seine eigenen Wurzeln

bekommt. Man kann auch, wenn der Wurzling zu langes altes Holz haben

sollte, dasselbe so weit wegschneiden, daß es nur eine Viertel-Elle aus

der Erde hervorragt. Auch dieses alte Holz, ohne eine Ruthe mit Augen,

schlägt aus, wiewohl etwas später. Ich habe sogar den unteren Theil des

Senkers, an dem ich einige Wurzeln ließ, gesteckt, und mit dem Ende, wo

ich den Senker vom Stocke abgeschnitten hatte, aus der Erde hervorgehen

lassen, also den Stock verkehrt gesteckt, und die auf diese Art

gepflanzten Stöcke wuchsen eben so gut, als die anderen. Die Grube zu

den Wurzlingen wird eben so gemacht, wie bei den Schnittlingen. Sollten

die Wurzeln groß seyn, so muß dieselbe natürlich etwas breiter werden,

wenn nämlich diese so gewachsen und so stark sind, daß man sie nicht gut

in der Grube lang hin ziehen kann. Dieß kann leicht der Fall werden,

wenn der Wurzling mehrere Zweige an der Stelle hat, wo die Haupt-Wurzel

hin zu liegen kommt. Die Wurzeln macht man mit den Händen recht

sorgfältig aus einander, und drückt die zuerst darauf geworfene wenige

klare Erde etwas mit der Hand und den ausgebreiteten Fingern an sie an,

nicht aber mit dem Fuße fest getreten; dieß verwandelt diese lockere

weiche Erde leicht in einen, den zarten Wurzeln schädlichen Kloß. Die

übrige, zur Ausfüllung der Grube nöthige Erde braucht gar nicht fest

getreten zu werden, sie senkt sich mit der Zeit von selbst. Auch bei

diesen Wurzlingen muß beim Zuschütten der Grube ebenso verfahren werden,

wie bei den Schnittlingen. Es muß nämlich oben auf der Grube eben eine

solche Vertiefung bleiben, damit das Wasser stehen bleiben kann. Und

auch diese müssen, sowie die Schnittlinge, im ersten Sommer immer feucht

gehalten, doch nicht zu häufig begossen werden. Auch müssen sie, gleich

jenen, mit den aus der Erde hervorragenden Enden in das an der Mauer

gemachte Dämmchen geleitet seyn, damit sie beim Reinigen der Vertiefung

kein Hinderniß verursachen. Alle auf diese Art gepflanzten und

gepflegten Stöcke wachsen gewiß. Mir ist von mehreren Hunderten, die ich

bereits pflanzte, auch nicht ein Einziger eingegangen. Nur Einer fing

einst an zu kränkeln und nicht ~ein~ Auge kam zum Aufbrechen. Ich ließ

ihm Zeit bis nach Pfingsten, begoß fleißig, aber er kam nicht. Nun nahm

ich denselben wieder heraus, und fand, daß solcher durch zu vieles

Begießen gelitten hatte, denn seine Wurzeln standen gleichsam im

Schlamme. Ich schüttelte die nasse Erde von den Wurzeln ab, räumte die

Schlamm-Erde aus der Grube heraus und setzte denselben wieder in lockere

bloß frische Erde ein. Nach 3 Tagen schwollen die Augen, und er trieb

noch in denselben Sommer schöne kräftige Ruthen. -- Dieß möge Jedermann

zur Belehrung dienen.

10.

Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge.

Die an diesen Wurzlingen im ersten Sommer gewachsenen Ruthen müssen im

nächsten Herbste, die schwächsten dicht am Stocke, die stärkeren bis auf

1, die noch stärkeren bis auf 2, und die stärksten bis auf 3 Augen

weggeschnitten werden. Dieß ist durchaus nöthig; denn läßt man alles im

ersten Sommer gewachsene Holz stehen, so treiben im nächsten Jahre alle

daran befindliche Augen nur schwache Ruthen, weil die noch zu geringe

Kraft des Stockes sich zu sehr vertheilt; derselbe würde dann in kurzer

Zeit einem Dornenbüschchen ähnlich sehen, nie Trauben bringen und wohl

gar erkranken und eingehen. Schneidet man aber das überflüssige Holz auf

die hier beschriebene Weise ab, so geht im nächsten Jahre die ganze

Kraft des Stockes in die wenigen Augen, und treibt einige schöne, starke

Ruthen.

11.

Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer Weinstöcke

überhaupt.

Die im Herbste gepflanzten Schnittlinge, Wurzlinge und alle andere

Weinstöcke müssen nun, ehe der Winter kommt, zugedeckt werden, damit sie

nicht erfrieren. Es geschieht dieß zwar nicht jeden Winter; wenn die

Kälte nicht zu heftig wird, so halten sie aus. Da man dieß aber nicht

vorher wissen kann, so ist es besser, man unterzieht sich der kleinen

Mühe; und wenn auch die ~Wurzeln~, wie bekannt, nicht erfrieren, so

würden doch dadurch die Stöcke um 3 Jahre zurückgesetzt werden. -- Bei

den Schnittlingen ist das Zudecken sehr leicht. Man stecke um jeden

Schnittling einige Stückchen Holz die etwas höher sind, als der

Schnittling selbst, so daß um ihn herum gleichsam ein kleiner Zaun, etwa

eine Spanne im Durchmesser, entsteht. Diesen Raum fülle man mit

trockenem Laube, Heu oder klarem Stroh aus, und der Schnittling wird

nicht erfrieren, wenn es auch noch so kalt würde. Den Wurzling, wenn er

zu hoch seyn sollte, beuge man auf die Erde, befestige ihn mit einem

Haken an dieselbe, und umstecke und bedecke ihn eben so. Das

Niederbeugen und Umstecken muß gleich beim Beschneiden geschehen, weil

man da noch in die Erde kann und der Stock sich gut beugen läßt; das

Zudecken aber wird dann erst nöthig, wenn es anfängt, zu frieren. Denn

so lange es nicht friert, ist es für jeden Weinstock besser, wenn er

unbedeckt liegt. Ich lege deßhalb alle meine Stöcke im Herbste, nachdem

sie beschnitten und vielleicht von einem Regen durchnäßt worden sind,

zwar auf die Erde nieder, decke sie aber erst dann zu, wenn es zu

frieren anfängt. Zum Bedecken nehme ich auch hier nur die oben genannten

Gegenstände. Mit Mist darf man durchaus nicht zudecken; derselbe

verursacht zu viel Wärme, durch welche Fäulniß entsteht; und von Erde,

welche von Vielen für die beste Decke gehalten wird, werden die Stöcke

unansehnlich; auch verfaulen bei gelinden Wintern leicht mehrere Augen,

und die Mäuse können ungehindert den Stöcken großen Schaden zufügen,

weil man nicht so leicht nach denselben sehen und die Mäuse vertreiben

kann. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Weinstöcke nur einer ganz

leichten Decke bedürfen, um nicht zu erfrieren. Früher bediente ich mich

des schlechten unbrauchbaren Heues zu denselben. In Ermangelung dessen

nahm ich im vergangenen Winter langes Roggenstroh, mit welchem es sich

noch bequemer machte. Man setzt es mit den Sturzen auf die Erde, lehnt

die in die Höhe stehenden Aehren an die Mauer und schiebt sie unter die

erste oder zweite Stange des Spaliers. Sollte es ein langes Spalier

seyn, so muß man eine Querstange anzubringen suchen, damit es von einem

etwanigen Sturmwinde nicht mit fortgeführt werden kann. Der von der

Traufe herabfallende Regen gleitet recht gut daran hernieder in die

Gußrinne zwischen den Dämmchen, giebt den Wurzeln die Winterfrucht und

der Stock selbst bleibt unter dem Strohe trocken; denn dadurch, daß

solches schräg steht, können bei warmen Wintertagen die Sonnenstrahlen

recht gut wirken; auch kann die Luft das unter dem geraden Strohe hohle

Weinlager recht durchstreichen, welches beides die Fäulniß verhindert

und den Mäusen die Gelegenheit entzieht, ihre Winternester darin zu

bauen. Ueberdieß hat mich auch noch die Erfahrung gelehrt, daß das

Stroh, wie an andern Gewächsen, also auch hier, gleichsam ein

Frostableiter ist. Drei Finger breit Stroh ist zu den Decken

hinreichend. Wo wegen Mangel an Raum das Herunterlegen und Zudecken mit

Stroh nicht möglich ist, muß man sich freilich blos des Umwindens mit

Stroh bedienen, das aber mühsamer ist. Wo das Zudecken mit Stroh

unbequemer ist als mit Erde, da möchte ich lieber Sand für Erde

anrathen. Ich habe es versucht, und solchen besser befunden als Erde.

Die Stöcke halten sich darunter trockner und reinlicher, und ein

Verfaulen der Augen ist dabei nicht so leicht zu befürchten.

12.

Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre.

Im Frühjahre decke man dieselben nicht zu zeitig auf; späte Fröste

können leicht den schon aufgeschwollenen und im Aufbrechen stehenden

Augen schaden. Man lasse aber auch die Decke nicht zu lange liegen,

sonst bringt die dadurch entstehende Wärme die Augen eher zum Treiben,

als es ihrer Natur nach geschehen kann, und man ist beim Anbinden nicht

im Stande, die weichen Triebe alle vor Verletzung zu bewahren. Auch sind

dieselben nun nicht an die natürliche Luft gewöhnt, und können daher

leicht durch Frost Schaden leiden. Wären diese Nachtheile nicht zu

befürchten, so würde ich rathen, die Decke lange darauf liegen zu

lassen, solche nach und nach zu verschwächern, und endlich ganz

wegzunehmen. -- Durch das Stroh wirkt am Tage die warme Frühjahrs-Sonne,

und des Nachts schützt dasselbe die Stöcke vor den kalten

Frühlingslüften. Die Augen kommen dadurch zeitiger zum Treiben und die

Trauben erscheinen früher. Freilich würde man sich dann beim Anbinden

sehr in Acht nehmen müssen; auch dürfte diese Behandlungsweise bei

großen, holzreichen Stöcken nicht so gut anwendbar seyn, als bei

kleineren.

13.

Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer.

Alle Ruthen, die im zweiten Sommer an den Schnitt- und Wurzlingen

gewachsen sind, läßt man ungestört treiben, heftet und henkelt sie

gehörig an, daß sie bei Sturm und Regen oder durch ihre eigene Schwere

nicht abbrechen können; kneipt aber nicht wie Einige zu thun pflegen,

die an den Blättern heraustreibenden Seitenruthen, den sogenannten

Geiz, ab, sondern schneidet dieselben erst im Herbste beim Beschneiden

dicht weg, doch so, daß man das dabei stehende Auge nicht verletzt.

Einige meinen zwar, diese Seitenruthen raubten der Hauptruthe die Kraft;

dieß ist aber nicht der Fall, sondern sie führen derselben vielmehr

Nahrung zu und schützen und nähren besonders das Auge, an welchem sie

stehen. Sollten an diesen jungen Stöcken außer den aus den Augen

treibenden Ruthen auch noch mehrere aus dem alten Holze kommen, was bei

gut bewurzelten Stöcken und auf gutem Boden wohl manchmal der Fall seyn

könnte, so daß ihrer zu viel würden; so kann man wohl dem

allerschwächsten die Spitze nehmen, die stärkern aber lasse man gehen.

Sie rauben den Hauptruthen nicht zu viel Kraft, sondern bleiben von

selbst zurück, und im Herbste lassen sie sich oft, wie ich in der Folge

zeigen werde, zur Vergrößerung des Stockes gut benutzen, besonders wenn

derselbe gleich von unten an erweitert werden soll. Durch das richtige

Beschneiden im ersten Herbste sind die Stöcke schon in einen solchen

Zustand versetzt, daß sie nicht leicht mehr Ruthen treiben, als sie

ernähren können. Einige Schnitt- und Wurzlinge jedoch, die mir im

zweiten Sommer zu lange und schwache Ruthen und Seitenruthen trieben,

brachten mich auf den Gedanken, einen Versuch zu machen, ob man sie

nicht durch Abkneipen der Spitzen zwingen könnte, sich unten mehr zu

verstärken. Ich nahm nun von den Ruthen so viel weg, daß sie bloß noch

von einer halben bis höchstens zu einer Elle lang blieben, und die

Seitenruthen drei bis vier Blätter behielten, und der Erfolg entsprach

ganz meiner Erwartung. Die Ruthen wurden stärker und kräftiger und die

Seitenruthen nahmen nun nicht so viel Raum weg.

14.

Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste.

Ganz schwachen Wuchs schneidet man dicht am Stocke weg; Stummel dürfen

nicht stehen bleiben, sie vertrocknen mit der Zeit und machen den Stock

unansehnlich. Bei glatt weggeschnittenen aber verwächset die Wunde.

Etwas stärkere Ruthen schneidet man weg bis auf 1 Auge, noch stärkere

bis auf 2 und 3 Augen. Man nennt dieß Zapfen. Die allerstärksten Ruthen

werden nicht länger, als eine Viertel-, höchstens eine halbe Elle lang

gelassen, und diese nennt man Schenkel, wenn nämlich die Augen so dicht

stehen, daß auf der angegebenen Länge sich mehr als 3 Augen befinden.

Bei Ruthen, wo die Augen weitläuftig stehen, müßte man sich allerdings

nach denselben richten, und ihrer 4, 5 bis 6 stehen lassen, obschon

dadurch der Schenkel nun länger würde, als eine Viertel- oder eine halbe

Elle. Es müßte eine sehr gute, starke und kräftige Ruthe seyn, wenn man

sie im zweiten Jahre schon eine bis anderthalb Elle lang lassen sollte,

so daß sich an ihr mehr, als 6 Augen befänden; denn diese nennt man

nicht mehr Schenkel, sondern Reben, und solche Reben läßt man gewöhnlich

erst im dritten Jahre stehen. Es ist ein Hauptfehler, wenn man in dem

zweiten Jahre die Ruthen zu lang läßt, oder wohl gar nicht abschneidet.

Der Stock bekommt dann im nächsten Jahre eine Menge schwachen Wuchs, den

er nicht gehörig ernähren kann, und Trauben bringt er selten. Da

hingegen die kurzen Schenkel in dem folgenden dritten Jahre schon

Trauben bringen. Auch wird der Stock durch das Nichtbeschneiden in

wenigen Jahren zu schnell hoch und behält unten schwaches Holz, da er

hingegen beim Kurz-Beschneiden sich nach und nach gleich von unten an

verstärkt, kräftige Wurzeln treibt, und mit den Jahren erst seine

gehörige kraftvolle Höhe und Stärke erreicht. Es ist sehr wohlgethan,

wenn man auch die Stöcke auf diese Art erzieht, die eigentlich später

ihre größere Ausbreitung am zweiten Stockwerke des Gebäudes erhalten

sollen, weil, z. B. in Städten, am ersten Stockwerke, wegen der Fenster,

kein Raum dazu vorhanden ist. Sie erhalten dadurch einige niedere Zweige

oder Aeste, mit denen man ja auch hier den Raum unter und neben den

Fenstern bekleiden kann. Zum Schlusse dieses Kapitels muß ich nochmals

ausführlich wiederholen, was schon im 9. §. kürzlich gesagt worden ist.

Alle Schnitte am jungen Holze müssen 3 bis 4 Finger, wohl oft eine Hand

breit über dem Auge geschehen. Dieses Holz über dem Auge vertrocknet im

nächsten Sommer und wird im folgenden Herbste dicht über der aus diesem

Auge entstandenen Ruthe weggeschnitten. Schneidet man aber zu dicht über

dem Auge, so vertrocknet dasselbe leicht, und die aus demselben zu

erwartende Ruthe mit den Trauben ist verloren.

15.

Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer.

Im dritten Sommer treiben nun die Zapfen und Schenkel schöne kräftige

Ruthen, die Schenkel an denselben auch zugleich Trauben. Die Zapfen

bringen gewöhnlich hier, sowie auch an älteren und größeren Stöcken,

keine Trauben, sondern treiben bloß gute Ruthen. Es müßte ein sehr

kräftiger, auf sehr gutem Boden stehender Stock seyn, wenn er auch an

den Zapfen Trauben haben sollte. Bei einigen von meinen, auf solchem

Boden stehenden Stöcken ist dieß schon oft geschehen. Bisweilen kann

sich’s aber auch zutragen, daß ein Zapfen den Erwartungen nicht

entspricht, sondern statt einer starken, eine schwache Ruthe treibt,

wohl gar schlecht wächst oder vertrocknet. Geschieht dieß, so wird er im

nächsten Herbste entweder glatt weg, oder wieder zum Zapfen geschnitten.

Ich habe Fälle erlebt, daß aus dem wieder zum Zapfen geschnittenen

Zapfen erst im nächsten Jahre die kräftigere Ruthe kam. Auch muß ich zur

Belehrung Anderer hier noch eine Erfahrung anführen, die ich einst an

einem Stocke gemacht habe. Es trieb derselbe im ersten Sommer sehr

schwache Ruthen, obschon es ein Wurzling war. Ich schnitt zwei derselben

zu Zapfen, die dritte ganz weg; sie trieben im 2ten Jahre wieder

schwache Ruthen, die zu keinem Schenkel zu gebrauchen waren. Ich schnitt

alle bis auf zwei weg, aus denen ich wieder Zapfen machte. Im 3ten Jahre

wurde eine Ruthe so stark daß sie im Herbste einen leidlichen Schenkel

gab, die übrigen wurden wieder nur Zapfen. Aber alle zeigten im 4ten

Jahre schwachen Wuchs, und gaben keine Trauben. Ich schnitt nochmals

Alles zu Zapfen. Im 5ten Jahre trieb der Weinstock die schönsten Ruthen,

aus welchen ich im Herbste Zapfen, Schenkel und Reben machen konnte, die

das folgende 6ste Jahr Trauben brachten. Jetzt ist es ein kräftiger

Stock, der viel Trauben trägt, aber noch nicht höher, als etwas über 2

Ellen, weil er bei dieser Behandlungsweise nur allmählig steigen, aber

sich desto besser bewurzeln konnte. Hätte ich ihn nach den gewöhnlichen

Regeln schneller in die Höhe wachsen lassen, so würde er wahrscheinlich

am Ende eingegangen seyn. Die Ursache seines langsamen Vorrückens war

Schwäche der Wurzeln und ein unfruchtbarer Boden, der sich nicht gut

verbessern ließ. Nachdem aber dieselben durch das immerwährende scharfe

Beschneiden sich verlängert und verstärkt hatten, und also ihre Nahrung

nun weiter herholen konnten, war er in den Stand gesetzt, Früchte zu

tragen. Dieß Beispiel zur Belehrung für denjenigen, dem es vielleicht

einmal eben so ergehen könnte. -- An den in diesem Sommer wachsenden

Ruthen wird nun ebenfalls, wie im vorigen Sommer, weiter nichts gethan,

als daß sie gehörig angeheftet werden, damit sie Sturm und Regen oder

die eigene Schwere nicht niederbeugen und zerbrechen können. Sollten

aber auch hier wieder einige zu schwachen und langen Wuchs machen, so

kann man sie ebenfalls nach der zu Ende des =13. §.= gegebenen Regel

behandeln.

16.

Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Herbste.

Im nächsten Herbste wird nun ebenfalls wieder so beschnitten, wie im

vorigen. Alle schwachen Ruthen schneidet man dicht am Stocke ganz weg,

die stärkeren bis auf 1, 2 oder 3 Augen zu Zapfen; die noch stärkeren

bis auf ¼, ½ oder ¾ Elle zu Schenkeln, die allerstärksten hingegen, von

1 Elle an, bis auf 5, 6, 7 Viertel, höchstens bis auf 2 Ellen lang zu

Reben. Länger darf keine Rebe seyn. Wenn es auch die allerschönste,

stärkste und kräftigste Ruthe wäre, so darf doch nicht mehr, als

höchstens 2 Ellen lang davon stehen bleiben. Was daraus wird, wenn man

sie länger, oder vielleicht gar so lang läßt, als sie gewachsen sind,

weiß ich aus Erfahrung. Die untersten Augen bleiben ganz weg, die

folgenden treiben schwache Rüthchen ohne Trauben, und die noch höheren

schwache Ruthen mit kleinen, magern Träubchen. Erst dann, je weiter es

nach oben kommt, sieht man starke Ruthen mit schönen Trauben, und man

hat den Nachtheil, daß der Stock in wenigen Jahren langes, altes, kahles

Holz hat, eine unförmliche Höhe erreicht, und an den Spalieren keinen

Platz findet. Schneidet man sie aber nach der hier vorgeschriebenen Art,

so treibt jedes Auge eine Ruthe, und jede derselben bringt eine, zwei

bis drei, auch vier Trauben, je nachdem die Art ist. Zwar sind auch hier

gewöhnlich die untersten Ruthen mit ihren Trauben etwas magerer als die

obersten; aber es ist doch keine fruchtlos. Es giebt indeß einige

Weinsorten, die hiervon eine Ausnahme machen, und auch an langen Reben

von unten an bis oben aus starke Ruthen mit Trauben bringen. Solche

lassen eine Ausnahme zu und man kann dieselben länger machen.

17.

Vom Verbrechen oder Kappen.

Einige lehren nun, man solle alle diese Ruthen, sobald die letzte Traube

da sey, zwei Blätter weit über dieser Traube, verbrechen oder abkneipen,

(kappen, nach dem gewöhnlichen Winzer- oder Gärtner-Ausdruck). Nur

~eine~ davon, welche man zur Zugruthe für das nächste Jahr brauchen und

deshalb im Herbste aus derselben eine Rebe machen wollte, solle man

wachsen lassen, und zwar an jedem Zapfen, jedem Schenkel und jeder Rebe

die unterste. Im Herbste solle man dann, dicht an dieser Zugruthe, alles

über derselben stehende Holz mit den verbrochenen und nun von Trauben

entledigten Fruchtruthen wegschneiden. Durch das Verbrechen der obern

Ruthen ginge nun die Kraft in die Trauben und in die unterste Ruthe, und

diese würde um desto stärker. Allerdings wäre dieß sehr gut, wenn es so

ginge. Bei einigen Weinsorten kann dieß auch der Fall seyn, und wo es so

ist, da rathe ich, auch so zu verfahren. Allein ich habe es an meinen

und andern Stöcken versucht, und es ging nicht so; ich fand vielmehr,

daß der Weinstock, sowie fast alle andere Gewächse seine Kraft nach oben

wirft, und da die stärksten Ruthen und Trauben treibt. Ich verbrach die

obern starken Ruthen alle und ließ nur die unterste schwächste Ruthe zur

Zugruthe unverbrochen, in der Hoffnung, es sollte, wie man mir ja gesagt

und versichert hatte, nun die Kraft zurück in die unterste Ruthe gehen;

allein es geschah nicht, sie blieb schwach und die obersten verbrochenen

fingen immer wieder an, an den Spitzen neue Ruthen anzusetzen und zu

treiben. Ich brach nach der gegebenen Regel auch diese wieder weg, um

so, wie man mir gelehrt hatte, den Stock gleichsam zu zwingen, seine

Kraft nach unten zu werfen; aber es geschah nicht, die unterste blieb

schwach, und die obern fingen durch das beständige Stören im Wachsthume

sogar an, zu kränkeln. Im nächsten Herbste empfand ich erst den großen

Nachtheil, der aus dieser Behandlungsweise entstanden war. Ich hatte gar

keine Zugruthe, aus der ich eine kräftige Rebe hätte machen können. Die

unterste, dazu bestimmte, war zu schwach, und die obersten waren zu kurz

und durch das beständige Stören erkrankt, so daß mir nichts übrig blieb,

als elende Zapfen und ganz kurze Schenkel. Auch habe ich eben nicht

bemerkt, daß durch das Verbrechen die Trauben kräftiger geworden wären.

Es blieb vielmehr bei den nun einmal angeschaffenen Eigenschaften dieses

Gewächses; unten schwächere Ruthen mit kleineren Trauben, und nach oben

zu immer stärkere Ruthen mit immer größern Trauben. Ich entschloß mich

daher, in den folgenden Jahren auch gar nichts zu verbrechen, und habe

gefunden, daß dieß weit besser ist, und daß man auch dadurch des

wirklich langweiligen und mühsamen Geschäfts des Verbrechens überhoben

wird. Ich that nun weiter nichts, als daß ich die treibenden Ruthen von

Zeit zu Zeit anheftete, damit sie nicht von Sturm und Regen umgebrochen

werden konnten. Nun bemerkte ich, daß an jedem Zapfen, Schenkel und

jeder Rebe allemal die untersten Ruthen die schwächsten waren und

blieben, die höhern stärker wurden und die obersten am stärksten waren.

So erhielten auf diese Weise der Zapfen eine, der Schenkel zwei und die

Rebe drei starke Ruthen an seinem obern Ende. Die Trauben waren eben so

gut, wie im vorigen Jahre, wo ich verbrochen hatte, und zwar richteten

sie sich nach der Ruthe; je stärker diese war, desto größer waren auch

die Trauben. Die obersten starken, langen, unverbrochenen Ruthen hatten

die schönsten Trauben. Es war also durch das Forttreiben der Ruthen

keine Kraft verloren gegangen. Wenn der Stock richtig beschnitten worden

ist, und er in trockenen Sommern gehörig begossen wird, so treibt er

schöne lange Ruthen und nährt auch seine vielen Trauben.

18.

Natürliche Ursachen des Nachtheils vom allzufrühen Verbrechen.

Daß das allzufrühe Verbrechen Schaden bringt, ist nach meinen wiederholt

gemachten Beobachtungen und Erfahrungen unverkennbar. Denn Schaden muß

es thun, weil man ja der Natur dadurch geradezu entgegen arbeitet. Es

zeigt sich an dem starken, fetten, flüchtigen Wuchse, den der Weinstock

im Frühlinge macht, ganz deutlich, daß es ihm jetzt vorzüglich darum zu

thun ist, seinen Kindern, (den Trauben), die er nebenbei mit erzeugt,

eine dauerhafte, feste Wohnung, (haltbare Ruthen), zu erbauen. Das

langsame Vorrücken und Verstärken der Trauben in dieser Zeit ist ein

klarer Beweis, daß der Stock sich jetzt weniger um sie, mehr aber um die

Ruthen bemüht. Ist die Zeit der Blüthe vorüber, so bemerkt man ein

schnelles Wachsthum der Trauben und ein langsames Treiben der Ruthen.

Bei meinem blauen Weine hört der Trieb der Fruchtruthen um diese Zeit

gänzlich auf; nur die Zugruthen treiben langsam fort. Das Haus ist nun

fertig; jetzt bemüht er sich um Erziehung der Kinder, die es bewohnen

sollen. Breche ich nun den zarten, fetten Wuchs gleich nach dem

Erscheinen der letzten Traube zwei Blätter weit über derselben weg, so

hindere ich den Stock gewaltsam in seinem Wirken und zwinge ihn, etwas

anderes zu thun, als er jetzt thun will. Davon zeugen auch die kräftigen

Triebe, die immer wieder aus den verbrochenen Ruthen empor schießen. Der

Stock streitet gegen seinen Verderber. Des Nachtheils noch nicht einmal

zu gedenken, daß man sich dadurch mancher Traube beraubt. Ich habe

solche Spätlingskinder oft genug an meinen Weinstöcken gesehen, die ich

im vorigen Jahre durch allzu frühes Verbrechen in der Erzeugung erstickt

hatte. Soll es nun einmal verbrochen seyn, so kann ich dasselbe nicht

eher anrathen, als einige Wochen nach der Blüthenzeit, wenn die Beeren

bereits schon die Größe einer Erbse erlangt haben, und man ganz gewiß

ist, daß nun keine Traube weiter kommt; auch nicht etwa dicht über den

Trauben, sondern bloß an den äußersten Spitzen der Ruthen, die im

Herbste beim Beschneiden einmal weggeschnitten werden müssen, so daß die

Ruthe ohngefähr so lang bleibt, als ich sie im nächsten Herbste zu

brauchen gedenke. Ich winde diese Spitzen zuweilen, zur Befestigung der

Ruthen, um das Spalier oder um das alte Holz des Stockes. Jetzt werde

ich auch nicht so viel zu verbrechen finden, denn die meisten Ruthen

haben schon im Wachsthume nachgelassen. Nur die Zugruthen, die gar nicht

verbrochen werden dürfen, schießen fort. Eine um diese Zeit verbrochene

Ruthe wird auch selten wieder einen neuen Trieb an der Spitze ansetzen,

Beweis genug, daß ihr Wachsthum zu Ende ist, es müßte denn ein Stock auf

gar zu fetten Boden stehen. An diesem kann man dann mit dem Verbrechen

etwas strenger verfahren; aber ebenfalls nur an den äußersten Spitzen.

Solche zu zeitig verbrochene Ruthen fangen auch oft an, zu kränkeln, und

sterben nebst ihren Trauben bald ab oder bleiben wenigstens elend. Man

will den Stock zwingen, seine Kraft in die Trauben zu werfen; er will

aber das jetzt noch nicht. Man lasse ihm deßhalb seinen Willen; er wird

allein schon thun, was man erzwingen will, wenn seine Zeit gekommen seyn

wird. Man verbricht ja die Ruthen auch an den Bäumen nicht, und sie

ernähren doch beides, ihre Früchte und Ruthen. -- Dieß ist meine, auf

Erfahrung gegründete Ansicht in dieser Sache. Wer mich eines Bessern

belehren kann, dem will ich für seinen Unterricht danken und seiner

Belehrung folgen.

19.

Nutzen des Nichtverbrechens oder Kappens.

In den letztern Jahren nun, in welchen ich meine Weinstöcke gar nicht,

oder doch nur wenig und spät verbrochen habe, hatte ich im Herbste gutes

Beschneiden, denn es fehlte mir nicht an Ruthen, aus denen sich etwas

Gutes machen ließ. Nun schnitt ich, wie ich schon mehrmals gesagt habe,

an jedem Zapfen, Schenkel und jeder Rebe die untersten schwachen Ruthen

ganz weg, die folgenden machte ich zu Zapfen, die nächsten zu Schenkeln,

und die obersten zu Reben. Und so haben meine Stöcke immer schöne und

starke Reben, denn die stärksten Ruthen werden dazu benutzt. Auf diese

Weise erhält gewöhnlich jeder Zapfen eine Rebe von der Ruthe des

obersten Auges; denn die beiden untern Augen, wenn er deren drei gehabt

hat, haben gewöhnlich schwachen Wuchs, welcher ganz weggeschnitten wird.

Es trifft auch zuweilen, daß ein Zapfen lauter schwachen Wuchs hat. Dann

schneidet man solchen entweder wieder zu Zapfen, oder man schneidet, wie

schon einmal gesagt worden ist, den ganzen Zapfen mit allen seinen

schwachen Ruthen weg. An den Schenkeln finde ich nun nach meiner

Behandlungsweise unten einige schwache Ruthen. Diese schneide ich ganz

weg, die folgende stärkere giebt einen Zapfen, die nächste einen

Schenkel von einer Viertel-Elle, die folgende einen von einer halben

Elle und darüber, und die oberste oder die beiden obersten geben eine

oder zwei Reben von einer Elle und darüber, so daß ein solcher Schenkel

nun, wenn er von mittler Länge ist, nach dem Beschneiden einen Zapfen,

zwei Schenkel von verschiedener Länge und zwei Reben, ebenfalls von

verschiedener Länge hat. An der Rebe habe ich nun die meisten Ruthen.

Die untersten schwächsten werden ebenfalls ganz weggeschnitten. Aus den

nächsten mache ich ein, auch zwei Zapfen; aus den folgenden einen, zwei

bis drei Schenkel, und aus den obersten stärksten, deren gewöhnlich drei

sind, drei Reben, alle von verschiedener Länge. Denn das muß ich

überhaupt bemerken, daß nicht alle Zapfen, Schenkel und Reben gleiche

Länge haben dürfen. Darum habe ich auch gleich im Anfange gesagt, ein

Zapfen kann ein, zwei, auch drei Augen haben, die Schenkel können ¼, ½,

¾ Elle lang seyn, und die Reben können aus einer Länge von einer Elle,

5, 6, 7 Viertel- bis 2 Ellen bestehen. Je nachdem die Ruthe stark oder

schwach ist, macht man auch Zapfen, Schenkel und Reben lang oder kurz.

Zuweilen trifft es sich auch, daß an einem Schenkel oder einer Rebe die

oberste, oder zwei der obersten Ruthen verkrüppeln und schwächer

bleiben, als die unter ihnen stehenden; ja durch das Treiben mehrerer

kleinen Seiten- und Wasserruthen des dabei stehenden alten Holzes

gleichsam zu einem Strauche werden. Ist dieß der Fall, so schneidet man

das obere alte Holz mit seinen verkrüppelten, schwache Ruthen ganz weg

und bestimmt die unter ihm stehenden zu Reben, Schenkeln oder Zapfen,

wozu sie, vermöge ihrer Stärke am tauglichsten sind. Und sollte einmal,

was auch geschehen kann, an einem Schenkel oder einer Rebe Alles

verkrüppeln, so wird er im Herbste ganz weggeschnitten. Dasselbe kann

und muß auch geschehen, wenn der Stock mit den Jahren des Holzes zu viel

bekommen sollte. Man schneidet dann natürlich die schlechtesten weg.

Davon wird aber in einem der nächsten Kapitel beim Untersetzen ein

Mehreres gesagt werden.

20.

Regelmäßiges Verlängern der Weinstöcke.

Aus dem bisher Gesagten wird nun Jeder leicht einsehen können, daß nach

meiner Behandlungsweise die Stöcke von Jahr zu Jahr regelmäßig höher

steigen. Es hat demnach ein nach meiner Art gepflanzter Weinstock im

ersten Herbste, wenn er gesteckt wird, eine Höhe von ¼ bis ½ Elle. Im

zweiten Herbste, nach dem erstmaligen Beschneiden, ist er kaum einige

Zoll länger, weil der Wuchs des ersten Jahres bei dem ersten Beschneiden

jedesmal zu Zapfen geschnitten wird. Im dritten Herbste, nach dem

zweiten Beschneiden, ist er ohngefähr 1 Elle hoch. Im vierten Herbste,

nach dem dritten Beschneiden, hat er eine Länge von 2 Ellen und so kommt

er in jedem folgenden Jahre allemal um 2 Ellen höher. Hierbei richte ich

es nun gleich in den erstern Jahren und jedem folgenden beim Beschneiden

so ein, daß von meinen dichtstehenden Stöcken immer einer früher in die

Höhe kommen muß, als der andere. Dieß geschieht dadurch, daß ich die

Zapfen, Schenkel und Reben an dem einen immer etwas länger mache, als an

dem andern. Auf diese Weise bekomme ich jedes Jahr in der Tiefe, Mitte

und Höhe junges Holz, mit dem ich das alte bedecken kann. Und deßhalb

sieht mein ganzes Spalier von unten an bis oben grün aus, und trägt von

der Erde bis in die äußerste Spitze hinauf Trauben.

21.

Umzäunung der Weinstöcke.

Freilich müssen solche Stöcke aber auch gegen Vieh und andere Feinde

durch eine Umzäunung geschützt seyn, und diese wird sich wohl an den

meisten Orten anbringen lassen, da sie nicht breiter, als höchstens 2

Ellen zu seyn braucht, so daß man darinnen gehen kann. Sollte nicht so

viel Raum vorhanden seyn, so ist eine Elle breit hinreichend. Man muß

aber die Umzäunung alsdann so einrichten, daß sie, gleich den

Thorflügeln aufgemacht werden kann, wenn es an dem Stocke etwas zu thun

giebt. Diese Art dürfte auch in Städten anwendbar seyn, denn ich kann

nicht einsehen, warum man nicht auch hier den Weinstock gleich von der

Erde an sollte benutzen können. Welch’ ein schöner, breiter und oft auch

hoher Raum ist da nicht oft von der Erde an bis an die untersten

Fenster, und selbst zwischen denselben giebt es oft sehr breite Stellen,

an welchen man Reben in die Höhe ziehen könnte, die dann mit ihren

Ruthen und Trauben dem Bewohner durch die Fenster begrüßen, den Zimmern

in heißen Sommertagen eine wohlthätige Kühlung gewähren, zur Zeit der

Blüthe einen erquickenden Geruch verbreiten, und zur Zeit der

Traubenreife bei geöffneten Fenstern freundlich zum Genusse einladen

dürften. Einige, denen ich diesen Vorschlag einstens machte, äußerten

zwar die Bedenklichkeit, es würde der Wein an diesen niedern Stellen

wohl vor räuberischen Thieren, schwerlich aber vor diebischen

Menschenhänden zu schützen seyn. Mit dieser Furcht suchte man mich

freilich auch zu erfüllen, als ich meine, mitten in dem Dorfe stehende

Schulwohnung mit Weinstöcken umpflanzte; aber ich muß es den Bewohnern

meines Ortes öffentlich zum Ruhme nachsagen, sie haben mir nichts

entwendet. In Städten aber, wo Fenster bei Fenster und Tag und Nacht

weit mehr reges Leben auf den Gassen ist, als auf dem Lande, dürfte ja

der Dieb wohl noch viel weniger Gelegenheit haben. Laßt uns nur Alle

jeden schicklichen Ort mit Weinstöcken bepflanzen und jede müßige Stunde

dazu benutzen, so wird Niemand mehr nöthig haben, zu stehlen; denn Jeder

hat dann selbst genug für sich und -- den Dürftigen, die keine

Gelegenheit zur Anpflanzung haben, wird man gern eine Traube mittheilen.

Es ist in der That Unrecht, daß man die schönen hohen Wohnungen,

Scheunen und Stallgebäude in den Städten und auf dem Lande nicht

überall, wo es irgend geht, mit diesem herrlichen Grün bekleidet.

Freilich macht der Anfang eine kleine Mühe und in der Folge alle Jahr

ein wenig Arbeit; allein, wer diese scheuet, den möchte man wohl an das

allbekannte Sprüchlein erinnern: Wer nicht will arbeiten, (am

Weinstocke), der soll auch nicht essen (von den Trauben).

22.

Vom Untersetzen der Weinstöcke.

Hierbei kommt es darauf an, wie hoch man wegen der Höhe des Spaliers die

Stöcke ziehen kann und will. Hat der zuerst emporkommende Stock die Höhe

des Spaliers erreicht, so daß man im nächsten Jahre dessen über das

Spalier hinausgehende Reben nicht mehr anheften könnte, so muß er nun

untersetzt oder abgeschnitten werden. Abschneiden kann man ihn gleich

unten, etwa eine Viertel-Elle über der Erde. Auch dieses alte Holz ohne

Augen schlägt wieder aus. Man nennt diese Ruthen, sowie überhaupt alle

Ruthen, die aus dem alten Holze kommen, Wasserruthen. Ich thue das aber

beim Untersetzen gewöhnlich nicht, sondern gehe an jedem Zweige oder

Aste des Stockes von der Erde an in die Höhe, bis dahin, wo ein jeder

Zweig oder Ast junges Holz, d. h. eine Ruthe, hat. Gerade über dieser

Ruthe schneide ich weg und die Ruthe selbst schneide ich zum Zapfen. So

behält der untersetzte Stock mehrere Zweige oder Aeste von verschiedener

Länge; diese treiben im nächsten Sommer schöne, starke Ruthen, haben

aber selten Trauben, weil der Stock in diesem Jahre zu sehr mit neuem

Wuchse beschäftigt ist. Im folgenden Jahre bringen sie jedoch der

Trauben viele. Ein so untersetzter Stock dient nun wieder zur untern

oder mittlern Bekleidung des Spaliers, je nachdem er länger oder kürzer

gemacht worden ist. Ist an einer Stelle zur niedrigsten Bekleidung

keiner mehr vorhanden, so muß man in dieser Gegend Einen auf vorhin

beschriebene Art eine Viertel-Elle über der Erde wegschneiden. Während

dessen kommt wieder ein anderer in die Höhe, bei dem dann wieder in

einem andern Jahre das Untersetzen nöthig ist. Und so habe ich fast

jedes Jahr Stöcke zu untersetzen. Auf diese Weise fehlt es nun meinem

Spaliere an keinem Orte, und in keinem Jahre weder an Reben, noch

Trauben. Auch glaube ich, es nun so deutlich dargelegt zu haben, daß

mich ein Jeder wird verstehen können. Da man beim Beschneiden, wenn es

ordentlich werden soll, viel gegen den Daumen schneiden muß, so ist es

nöthig, denselben durch einen Ueberzug von starkem, festen Leder zu

schützen. Auch ist ein spitziges Messer beim Beschneiden das beste, weil

man damit bequem in alle Winkel kann.

23.

Vom Verjüngen der Weinstöcke.

Man kann die alten Stöcke auch noch auf eine andere Weise verkürzen,

nämlich durch das Verjüngen oder Jungmachen. Dazu gehört aber, wie sich

gleich zeigen wird, mehr Raum und Mühe. Man nimmt nämlich das alte,

lange Holz vom Spaliere herunter, legt es von demselben ab- oder

seitwärts in einen oder einige dazu gemachte, eine halbe Elle tiefe und

breite Graben, beugt es in einiger Entfernung wieder um, nach dem

Spaliere zu, so daß das ganze alte Holz in die Erde kommt, und nur die

äußersten Enden, mit dem zu einem Zapfen geschnittenen jungen Holze am

Spaliere wieder aus derselben hervorragen. Auf diese Weise werden aber

oft aus einem Stocke sehr viele; so viel er nämlich Zweige oder Aeste

hat. Man müßte denn einige, für die kein Raum vorhanden wäre,

abschneiden. Bei weniger Raum ist natürlich das Untersetzen besser, als

das Verjüngen. Ich habe dasselbe bei einigen meiner Bekannten, die mich

baten, ihre in Unordnung gerathenen Weinstöcke in Augenschein zu nehmen,

an einem ganzen am Giebel eines Hauses angebrachten Spaliere anwenden

müssen. Zum Verjüngen war hier nicht der geringste Raum. Die Stöcke

selbst aber hatten eine solche Menge altes, langes Holz mit schwachen

Ruthen, daß dieselben von der Erde an bis in die äußerste Spitze des

Hauses einer durch und durch verwachsenen dicken Dornenhecke glichen, an

welchem von unten an bis an den Bodenraum gar kein junger Wuchs mehr zu

finden war. Ich legte Hand an das Werk, und als ich fertig war, reichten

sämmtliche Stöcke kaum bis an das Fenster, was höchstens eine Elle hoch

war. Und im nächsten Sommer trieben diese alten kraftvollen Stöcke so

viel schöne starke Wasserruthen, sogar mit Trauben, (was in diesem Jahre

eigentlich noch nicht zu erwarten war, aber durch die starke Kraft der

Stöcke bewirkt wurde,) daß mehrere verbrochen werden mußten, weil sie

nicht alle Raum hatten. Im nächsten Herbste wurde wieder gehörig

beschnitten, nämlich Zapfen, Schenkel und Reben nicht länger gelassen,

als ich es schon angegeben habe. Im darauf folgenden Jahre ging die

Zahl der Trauben weit in die Hunderte, und nach Verlauf von 4 Jahren, in

die Tausende.

So verfährt man mit alten, in Unordnung gerathenen Stöcken durch das

Untersetzen, wenn das Verjüngen wegen Mangels an Raum nicht möglich ist.

Durch das Verjüngen aber kann man sich, wenn Raum genug vorhanden ist,

auch noch andere Vortheile verschaffen. Man kann nämlich von einigen

alten langen Zweigen oder Aesten ein Gegenspalier anlegen, das man so

weit vom Hauptspaliere entfernen kann, als die Aeste des Stockes lang

sind. Auch kann man dadurch ferner eine Menge Stöcke erzeugen; diese

stehen aber nicht in gleicher Linie, sondern zerstreut durch einander,

und bilden gleichsam einen Weinberg. Dieß geschieht nämlich, wenn man

jeden vom Hauptstocke abgenommenen Zweig oder Ast, so lang er ist, in

die Erde legt, und nur das äußerste Ende desselben mit dem daran

befindlichen Zapfen hervorragen läßt. Auch ist das Verjüngen sehr

anwendbar, wenn ein Gebäude, woran Weinstöcke stehen, vergrößert werden

soll. Man braucht nämlich dann solche nicht heraus zu nehmen und weiter

zu pflanzen; wenn nur sonst die Erweiterung des Gebäudes nicht länger

ist, als die Zweige oder Aeste der Stöcke sind, sondern man legt sie so

lang in die Erde, daß sie an der Außenseite der neu aufzuführenden Mauer

wieder hervorragen. Man kann sie auch dadurch noch verlängern, daß man

die oberen Ruthen recht lang läßt, und nur die äußerste schwache Spitze

wegnimmt. Von diesen lang gelassenen und nachher mit in die Erde

gelegten Ruthen brauchen nur ein, zwei oder drei Augen hervorzustehen;

sie bilden dann wieder einen neuen Stock. Dadurch kommt nun die

Hauptwurzel des Stockes mit denjenigen, welche in Zukunft an den in die

Erde gelegten Zweigen oder Aesten entstehen, unter das Gebäude, und

haben, wenn es eine Stube ist, ein sehr warmes, und ist es ein Stall,

ein sehr fruchtbares Lager, und die Wurzeln, die der Stock außerhalb der

Mauer treibt, bekommen ihr Lager wieder in der am Gebäude hin unter der

Traufe zum Begießen befindlichen Vertiefung. -- Alle durchs Verjüngen

erniedrigten Stöcke haben einen vorzüglichen starken Trieb, wegen der

vielen zerstreut liegenden Wurzeln, die aus allen Richtungen dem Stocke

Frucht zuführen. Das Untersetzen muß wegen des Verblutens durchaus im

Herbste geschehen. Das Verjüngen aber kann außerdem auch im Frühjahre,

ja sogar mitten im Sommer, wenn die Menge der Ruthen nicht daran

hindert, vorgenommen werden. Wenn Umstände es im Sommer nöthig machen

sollten, so müßte man die Ruthen, welche ihr Lager in der Erde bekommen

würden, zu Zapfen schneiden, und nur die äußerste oder zwei derselben,

jedoch unverbrochen, aus der Erde hervorgehen lassen. Wäre der Stock

nicht zu weit zu leiten, so daß nur sein unteres altes, kahles Holz in

die Erde käme, so kann man alle daran befindliche Ruthen mit ihren

Trauben unverändert lassen. Sie gedeihen an der neuen Stelle eben so

gut, oft noch besser, indem der Stock, obgleich er neue Wurzeln treibt,

doch durch das Einlegen zugleich auch neue Nahrung bekommt. Ich fand

einst bei einem Bekannten zu Johannis einen alten, im Grase hin und her

liegenden Stock. Ich ließ das Gras abhauen, dann den Boden umgraben,

legte das alte Holz in die Erde und ließ nur die Spitzen der schwachen

elenden Ruthen an der Wand hin aus der Erde hervorragen. Es sah aus wie

eine Reihe zarter Nelkensenker. Binnen vier Wochen waren sie gegen 3

Ellen lang, und jetzt, nach Verlauf von ohngefähr sechs Jahren, ist es

ein Spalier, an welchem jährlich 2 bis 3000 Trauben hängen. Auf diese

Weise kann man also auch verdorbene Weinstöcke wieder in Ordnung

bringen.

24.

Vom ersten Anbinden oder Heften im Frühlinge.

Eine Hauptsache beim Weinbau ist nun ferner das Anbinden oder Heften im

Frühjahre. Am besten ist hierzu der Bast von Linden oder Rüstern.

Bindfaden und andere ihm ähnliche Bänder taugen nicht dazu, weil sie

Einschnitte in das Holz machen. Ich habe in Ermangelung des Linden- und

Rüstern-Bastes, es auch mit dem weidenen und fichtenen versucht, und es

gelang vortrefflich. Ich schälte nämlich meine im Winter gehauenen

weidenen 3 Ellen langen Brennholzstücke und einige zum Bauen bestimmte

Fichten ab. Dieß gab Streifen mitunter von einer Hand breit und noch

breitere. Von diesen ließ ich die obere graue Schale mit einem Messer

abstreifen, alsdann ließen sich die den breiten Lederriemen ähnlich

sehenden Stücke in mehrere lange schwache Faden reißen. Dieß macht man,

wenn man es gleich verbrauchen will. Ist dieß nicht der Fall, so läßt

man diese breiten Streifen, um sie vor dem Verstocken zu sichern,

trocknen. Sie werden hierdurch freilich so hart, daß sie oft bei der

geringsten Berührung brechen; allein man darf sie nur eine Stunde vor

ihrem Gebrauche in das Wasser werfen, so werden sie wieder so

geschmeidig, als ob sie eben vom Baume geschält wären. Freilich muß man

sie während der Arbeit in einem Gefäße mit Wasser liegen haben, und nur

immer so viel heraus nehmen, als man für die erste Viertel-Stunde

gebraucht. Sobald der Wein damit angebunden ist, wird der Bast freilich

wieder trocken, aber er reißt nicht mehr. Auf diese Weise hat man also

nicht nöthig, des Bastes wegen grünende und wachsende Bäume zu

beschädigen. Beim Anbinden selbst nun muß man die Aeste des Stockes mit

ihren Zapfen, Schenkeln und Reben so weit auseinander bringen, als es

nur immer möglich ist. Das alte Holz der Aeste kann zwar dicht neben und

über einander liegen; die Schenkel und Reben selbst aber dürfen nicht

dichter zusammen kommen, als eine Viertel-Elle. Hat man Raum genug, so

kann man sie auch noch weiter von einander bringen. Sowohl das junge,

als das alte Holz muß nicht durchaus gerade in die Höhe gezogen werden,

sondern beides kann seitwärts schräge zu liegen kommen, je nachdem es

sich schickt. Fangen später die Augen an zu treiben, so hat jede Ruthe

gehörigen Raum und Sonne.

25.

Von den Reserve-Augen und ihren Ruthen.

Bisweilen trifft es sich auch, daß zwei Ruthen an einer Stelle

entstehen, besonders bei starken, auf gutem Boden stehenden Stöcken. Es

befindet sich nämlich hinter jedem Auge noch eins, oft zwei; man nennt

sie Reserve-Augen. Diese Reserve-Augen fangen gewöhnlich im Frühjahre

mit den Haupt-Augen zugleich an, zu treiben. Sind nun die Stöcke noch

jung und schwach und haben magern Boden, so bleibt endlich das

Reserve-Auge sitzen. Haben aber, wie gesagt, die Stöcke Kraft und guten

Boden, so treiben diese Reserve-Augen mit den Haupt-Augen zugleich fort,

und auch diese aus den Reserve-Augen entstandenen Reserve-Ruthen bringen

ihre Trauben. Ich habe einmal in einem guten Weinjahre an den meisten

Hauptruthen drei und an den Reserve-Ruthen zwei, und also fünf Trauben

auf einer Stelle gehabt. An einigen Stöcken hatten sogar die Hauptruthen

4 und die Reserve-Ruthen 3 Trauben.

26.

Vom zweiten, dritten und vierten Anbinden oder Heften.

Wenn nun die Ruthen länger werden, so muß man sie anheften, damit sie

sich nicht umbeugen und von Wind- und Regenstürmen abgebrochen werden.

Es ist auch dieses Anheften um der Trauben willen nöthig, weil dieselben

sonst, wenn sie zu groß und schwer werden, mit der Ruthe zugleich

abbrechen können. Daher muß man auch die untern Fruchtruthen anbinden,

ob sie gleich gewöhnlich nicht so lang werden, als die obern Zugruthen,

welche oft mehrere Male angebunden werden müssen. Denn zwar nicht die

Last der Länge, wohl aber die Last der Trauben kann sie später umbeugen

und brechen. Dieses Anheften muß aber durchaus noch vor der Blüthenzeit

geschehen, denn während derselben darf man nicht in den Ruthen

herumstören, weil man sonst den Blüthenstaub abstreift. Auch kann, wenn

die nun immer länger werdenden Ruthen nicht angebunden sind, Sturm und

Wetter dieses Abstreifen verursachen, oder die schwebenden Ruthen

zerbrechen. Bei diesem Heften muß aber mit den noch jungen und fetten

Ruthen sehr vorsichtig umgegangen werden, damit man sie nicht abbricht.

Deßhalb dürfen sie auch nicht etwa dicht an das Spalier oder an die

alten Aeste des Stockes angebunden werden, wie man das beim ersten

Anbinden im Frühjahre thut; es ist auch dieses dichte Anbinden sehr oft

wegen der Fettigkeit und Weichheit der Ruthen nicht möglich und noch

weniger nöthig. Man faßt mit dem Baste eine Stange des Spaliers, oder

einen Ast des alten Holzes, oder einen nahe liegenden Schenkel oder eine

Rebe, und zugleich auch die Ruthe dicht unter der ersten Traube, und

zieht dieselbe nun so weit heran, als es sich thun läßt. Dadurch

geschieht es, daß die Ruthen nun in längere oder kürzere Henkel zu

hangen kommen, wodurch sich dann der ganze Stock nach der Außenseite hin

verbreitet und Ruthen und Trauben mehr Raum bekommen; denn es braucht

durchaus nicht Alles dicht an das Spalier angeschnürt zu seyn. Meine

Stöcke kommen durch dieses Henkeln oft ¼, sogar ½ Elle weit und noch

weiter vom Spaliere und der Mauer ab, und hängen doch nicht abwärts,

sondern stehen und sehen so glatt, als ob sie mit der Zannscheere

beschnitten worden wären. Das dritte Heften erfolgt nach der

Blüthenzeit, wo man Alles, was abwärts hängt, ebenfalls wieder so

anhenkelt, und sollten späterhin wieder Ruthen mit ihren nun länger

gewordenen Spitzen abwärts hängen, so muß man zum vierten Male heften,

was aber selten und nur bei wenigen, nämlich bei den langen Zugruthen

nöthig ist. Jetzt kann man auch, wie schon gesagt, die abermals abwärts

hängenden Spitzen abbrechen oder der Haltbarkeit wegen um einen nahe

liegenden festen Gegenstand winden; denn sie können nun nichts weiter

nützen. In den kürzlich vergangenen Jahren habe ich den Versuch gemacht,

mir das dritte und vierte Heften ohne Nachtheil für den Stock ganz zu

ersparen, und er ist gelungen. Ich fand nämlich bei genauer Beobachtung,

daß einige Wochen nach der Blüthenzeit alle Ruthen ohne Ausnahme ihre

gehörige zum Herbste beim Beschneiden nöthige Länge erreicht hatten,

folglich alles nun noch wachsende Holz überflüßig sey. Jetzt fing ich

an, alle hervorkommenden Spitzen aller Ruthen, sogar die der Zugruthen,

wegzubrechen, und mit allen in der Folgezeit wieder hervorkommenden

Spitzen eben so zu verfahren, und fand, daß diese Behandlungsweise weder

den Trauben noch den Ruthen Schaden brachte. Ich hatte im Herbste beim

Beschneiden nur einen sehr geringen Nachtheil davon, nämlich den, daß

ich keine, oder wenigstens nur sehr wenig Schnittlinge machen konnte:

denn ich fand größtentheils nur so viel junges Holz, als ich brauchte,

und konnte einen Schnittling nur da erlangen, wo wegen zu vieler Ruthen

einige weggeschnitten werden mußten. Das von den stehenbleibenden Ruthen

weggenommene Holz war zu Schnittlingen größtentheils zu kurz. Seitdem

habe ich jedes Jahr wieder so verfahren, und da ich abermals keinen

Nachtheil gespürt habe, werde ich es auch ferner thun, und rathe einem

Jeden, eben so zu handeln. Nur das zu frühe Verbrechen, nämlich vor und

in der Blüthenzeit, kann ich nie und nirgends anrathen.

27.

Das natürliche Anheften vermittelst der Gabeln.

Manche Ruthen heften sich auch selbst an, vermittelst der Gabeln; so

nennt man die an den Ruthen und beiden Trauben hin und wieder

hervortreibenden Ranken, die sich an den Enden in zwei Theile theilen

und sich um das Spalier und Alles, was sie erreichen können, herumwinden

und sehr fest werden. Das Erscheinen der ersten Gabel an einer Ruthe ist

gewöhnlich ein Zeichen, daß nun keine Traube weiter kommt. Einige

meinen, man müsse diese Gabeln abbrechen, denn sie raubten dem Stocke

die Kraft. Dieß ist ein Irrthum, denn man raubt ja auch dadurch den

Ruthen ein herrliches Befestigungsmittel, welches ihnen die Natur sehr

weislich verliehen hat. Denn kein Band kann fester werden, als dieses

Anklammern der Gabeln. Man muß aber dieses Heften oder Anhalten nicht

zuerst den Gabeln überlassen, (denn Wind und Wetter treibt oft die

Ruthen aus der gehörigen Lage, und sie heften sich alsdann da an, wo es

sich nicht schickt), sondern man muß das erste Anbinden der Ruthen

selbst besorgen, damit sie in die richtige Lage kommen, und das

Anklammern der Gabeln für sie nachher ein zweites richtiges und noch

stärkeres Befestigungsmittel wird.

28.

Von der richtigen Lage der Ruthen.

Die richtige Lage der Ruthen ist folgende: Die an jedem Schenkel und

jeder Rebe sich befindenden untern, gewöhnlich schwächern und kürzern

Fruchtruthen leitet man durch das Anbinden einwärts nach der Mauer zu;

die obern längeren und stärkeren Zugruthen aber zieht man, so viel es

sich thun läßt, nach außen, damit sie gutes Licht und Sonne bekommen und

gehörig reifen können. Denn fehlt es diesen Zugruthen an Luft, Licht und

Sonnenwärme, so bleiben sie blaß und weich, verholzen nicht, und man

kann sie zum Herbste nicht gebrauchen, sondern muß sie, so weit sie grün

sind, wegschneiden. Denn die Reife, die sie nach dem Abfallen der

Blätter und den Winter über noch bekommen sollen, ist nicht von

Bedeutung. Und dieses Erziehen der Zugruthen ist eine Hauptsache beim

Weinbau. Es ist die Aussaat für das nächste Jahr. Zieht man im ersten

Jahre keine Zugruthen, so hat man im nächsten Jahre keine Trauben zu

erwarten. Ich habe Weinstöcke gesehen, die viele Trauben hatten, recht

schön angebunden und ganz glatt verbrochen waren, aber nicht eine

einzige Zugruthe hatten. Solche Stöcke lassen sich im Herbste schlecht

beschneiden; man findet an ihnen lauter kurze und schwache Ruthen, und

man muß lauter Zapfen und kurze Schenkel schneiden. Reben werden gar

nicht, und sie bringen natürlich im nächsten Jahre nicht die Trauben,

die sie gebracht haben würden, wenn man ihnen die gehörigen Zugruthen

gelassen hätte. Am Ende fangen sie gar an, zu kränkeln und gehen ein,

weil sie durch das beständige starke und besonders zu frühzeitige

Verbrechen in ihrem Wachsthume zu sehr gestört worden sind.

29.

Von der richtigen Lage der Trauben.

Den kürzeren Fruchtruthen mit ihren Trauben schadet es nicht, wenn sie

hinter die Zugruthe und deren Blätter kommen. Die kurze Ruthe reift doch

wohl, und die Trauben gedeihen hinter den Blättern im Schatten weit

besser und reifen eher, als wenn sie zu viel Sonne haben. Alle der Sonne

zu sehr ausgesetzte Trauben bleiben hart und reifen viel später. Die

Spitzen der kurzen Ruthen nehme ich, wie schon gesagt, gewöhnlich dann,

wenn die Trauben anfangen, schwer zu werden, und winde sie um eine

Stange des Spaliers herum, oder wo es sich sonst thun läßt. Denn eine

solche Ruthe treibt nun schon von selbst nicht mehr, die Kraft bleibt

unten in den Trauben, und durch das Umwinden und Befestigen der Spitzen

bekommt die Ruthe mit ihren Trauben einen sehr guten Halt. Ist aber die

Ruthe mit ihren Trauben schon durch das Heften gehörig befestigt, so

kann man auch jetzt, wie ich nun durch Erfahrung gefunden habe, die

Spitzen ohne Nachtheil für Ruthen und Trauben wegbrechen. Bei dieser

Behandlungsweise, daß ich nämlich vor der Blüthenzeit gar nichts, und

nach derselben nicht zu zeitig verbreche, und die Stöcke auch sehr dicht

stehen, kommt es freilich dahin, daß in den Sommer-Monaten meine

Weinspaliere dicht belaubt sind, viel Ruthen und wenig Trauben zeigen.

Aber was von Ruthen vorn seyn und reifen soll, ist doch vorn, und die

hinter den Blättern steckenden Trauben befinden sich da einstweilen sehr

gut. Man muß nur beim Heften nicht Alles zu eng zusammenschnüren,

sondern lange Henkel machen, damit Raum in dem Dickicht ist. Kommt es

nun gegen den Herbst, die Zeit der Reife, so wirft der Stock seine

größte Kraft schon von Natur auf die Trauben und läßt die Blätter

fahren; einige fallen ganz ab, die meisten bleiben zwar, verlieren aber

ihre Fettigkeit, fangen an, zu welken, fallen und beugen sich zusammen.

Nun bekommen die hinter denselben versteckt gewesenen Trauben so viel

Licht und Wärme, als sie zu ihrer Reife bedürfen. Aber doch nicht so

viel, daß die allzu große Hitze die Beeren verhärten könnte. Wer aber

Alles zu sehr und besonders zu zeitig verbricht und entblättert, dem

hängen um diese Zeit alle Trauben frei in der größten Sonnenhitze. Auf

fettem Boden stehende Stöcke entblättern sich zwar nicht so sehr; ist

aber nur gut gehenkelt und nicht etwa geschnürt, so kann dennoch Alles

gehörig wachsen und reifen. Sollten dieselben gar zu dicht werden, so

kann man durch ein schärferes Abbrechen der Spitzen beim dritten und

vierten Heften etwas Luft machen. Oder, wie schon gesagt worden ist, das

dritte und vierte Heften ganz unterlassen, und alle hervorkommende

Spitzen wegbrechen. Denn ich wiederhole es nochmals: Wo Raum genug ist,

kann man ohne Nachtheil alles wachsen lassen; wo dieser aber mangelt, da

kann man auch hinwiederum ohne Nachtheil alles verbrechen. Nur nicht vor

und in der Blüthenzeit und nicht zu schnell nach derselben.

30.

Vom Abbrechen der Blätter zum Gebrauche.

Aus dem bisher Gesagten gehet nun auch hervor, daß an einem nach meiner

Art richtig beschnittenen Weinstocke nicht ein Blatt übrig ist. Was soll

man aber thun, wenn man Weinblätter verlangt, oder deren selbst bedarf?

-- Von den Zugruthen darf man sie nicht nehmen. An jedem Blatte steht

ein Auge, dieses wird von seinem Blatte geschützt, auch wird durch

dieses Blatt demselben Nahrung zugeführt; denn alles auf dem Blatte

stehen bleibende Thau- und Regenwasser dringt größtentheils durch die in

dem Blatte und dessen Stiele befindlichen kleinen Oeffnungen bis in das

Auge hinein und erquickt und stärkt dasselbe. Nimmt man ihnen nun dieses

Blatt, so zerstört man den Befruchtungs-Kanal, und es wird in seinem

Wachsthume gehindert; und geschieht dieß gleich unten an den Zugruthen,

wo sie die Trauben haben, so beraubt man zugleich auch den Trauben die

Schutz- und Nahrungsmittel. Von den übrigen kürzern Fruchtruthen darf

man sie nun ebenfalls nicht nehmen, denn sie sind auch hier die

Beschützer und Ernährer der daran befindlichen Augen und Trauben. Es

giebt aber oft außer den Zug- und Fruchtruthen noch einige unfruchtbare

Ruthen, die keine Trauben bekommen haben, und zu den Zugruthen zu

schwach sind. Auch kommen oft unten am Stocke oder etwas weiter hinauf

aus dem alten Holze Ruthen heraus, die weder Trauben haben, noch zu

Zugruthen taugen, und allenfalls im Herbste beim Beschneiden einen

Zapfen geben können. Man nennt sie bekanntlich Wasserruthen. Von diesen

beiden, den oben genannten unfruchtbaren und den Wasserruthen, kann man

Blätter nehmen, wenn man welche gebraucht. Hier thut es nicht viel

Schaden, besonders an den obern Enden, die ja ohnedieß im Herbste

weggeschnitten werden. An den obern Enden könnte man allenfalls auch von

den Zug- und Fruchtruthen Blätter wegnehmen, aber nicht eher, als nach

dem dritten und vierten Heften, wo man auch die ganze Spitze wegbrechen

kann. Vor und während der Blüthenzeit aber ist nirgends ein Blatt übrig;

es macht ohnedem das Abbrechen eines solchen fetten Blattes eine Wunde,

die im zeitigen Frühlinge sogar blutet. Braucht man aber die Blätter

nicht nothwendig, so lasse man auch die für entbehrlich erklärten

stehen. Es ist große Thorheit, solche oder wohl gar ganze Ruthen für das

Vieh abzubrechen, ohne vorher überlegt zu haben, ob sie auch wirklich

überflüssig waren oder nicht, und ob es also Nutzen oder Schaden bringen

konnte. Denn, ich wiederhole es nochmals, hat man im Herbste nach meiner

Art richtig beschnitten, so kann man, wo Raum genug ist, vom Frühjahre

an bis zum Herbste, alles daran ungestört und ohne Nachtheil wachsen

lassen. Es kann schon, dem Schnitte gemäß, nicht mehr wachsen, als

nöthig ist. Ich weiß dieß aus mehrjähriger Erfahrung, und freue mich,

diese Entdeckung gemacht zu haben, denn sie überhebt mich der wirklich

schwierigen Arbeit des frühzeitigen Verbrechens, wobei man sich nicht

genug in Acht nehmen kann, daß man den jungen fetten Ruthen und zarten

Träubchen nicht Schaden thut. Dieser Schaden kann aber beim Verbrechen

zur Zeit des dritten und vierten Heftens, spät nach der Blüthenzeit

nicht geschehen. Jetzt können die abgebrochenen überflüssigen Spitzen

zum Futter für’s Vieh benutzt werden.

31.

Einrichtungen zur Erleichterung des mühsam scheinenden Begießens.

Ich erwähne diesen Gegenstand nochmals, um zu zeigen, welch’ eine

wesentliche Arbeit dieß beim Weinbau ist. Ich habe es in dem vergangenen

trockenen Sommer an einem Spaliere absichtlich unterlassen, um dessen

Nutzbarkeit nochmals zu erproben, und sie zeigt sich nun mehr, als zu

deutlich. Dieß Spalier hat magere Träubchen, die wohl schwerlich zur

Reife gelangen werden. Die begossenen Spaliere aber prangen mit fettem

Wuchs und schönen Trauben, die eine zeitige Reife versprechen. Damit nun

aber auch das Begießen gehörig nützen kann, so muß man die Vertiefung

und die Dämmchen unten am Spaliere bei den Wurzeln immer in gutem Stande

erhalten. Thut man dieß nicht, so darf man sich nicht wundern, wenn auch

bei fleißigem Begießen die Weinstöcke nicht gedeihen. So ging es einem

meiner Bekannten. Ich besah seine Stöcke, und fand sie auf einer festen

Erhöhung von Erde stehend, von der jeder Tropfen Wasser augenblicklich

wieder ablaufen mußte. Das hieß nun, Wasser auf eine umgekehrte Schüssel

gießen und sich dabei wundern, daß es nicht eindringen will; oder dem

Durstigen den Trank über den Kopf gießen, und es sich befremden lassen,

daß er dabei noch immer über Durst klagt. Ich machte nun am Stocke unten

die gehörige Vertiefung nebst den zwei Dämmchen, vermehrte die Stöcke

durch das Verjüngen einiger niedern Aeste und ließ die Vertiefung alle 8

Tage voll Wasser gießen. In Zeit von 4 Wochen hatten die Ruthen 2 Ellen

hoch getrieben, und jetzt, nach Verlauf von 5 Jahren, bekleiden diese

Stöcke den ganzen Giebel des Hauses und bringen Trauben im Ueberfluß.

Deßhalb muß auch ein Weinstock, wie schon gesagt, eine bis zwei Ellen

breit vom Spaliere ab gehörig umzäunt seyn, damit kein Vieh hinzugehen

und die Vertiefung nebst den Dämmchen verderben kann. Um sich des

mühsamen Hintragens des Wassers bis an das Spalier zu erleichtern, suche

man sich einige hölzerne Wasserrinnen zu verschaffen, die von einem

Brunnen oder einem nahen Wasserbehälter bis an das Spalier reichen. Dann

ist das Begießen, zumal bei einer Pumpe, ein Geschäft für ein Kind, das

auf diese Art binnen einer Stunde einige hundert Eimer Wasser

hinschaffen kann, und die geringen Kosten der Rinnen bringt eine einzige

Traubenlese wieder ein. Freilich muß aber auch, wie gesagt, die

Vertiefung gehörig wagerecht seyn, damit ein Stock so viel bekommt, wie

der andere.

32.

Reinigung des Weingartens.

So nenne ich den eine bis zwei Ellen breiten Raum von der Mauer bis an

die Umzäunung. Diese Stelle muß immer rein gehalten und nichts weiter

darauf gepflanzt werden. Es darf deßhalb dieses Weingärtchen nicht

zugleich den Blumen-, Petersilien- und Pflanzengarten mit ausmachen.

Auch muß man darinnen kein Gras oder Unkraut aufkommen lassen. Wo dieß

geschieht, oder wo wohl gar dicht an den Stöcken Hühner, Hunde und

Katzen ihr Faulbettchen aufschlagen, und die Weiber diesen Ort zu einer

Niederlage von Bouteillen, Aeschen, Schüsseln, alten Töpfen und dergl.

gebrauchen, auch wohl den Herbst und Winter über Kraut und Rüben

daselbst aufbewahren, da kann freilich der Weinstock nicht gut

gedeihen.

„Welche Mühe und Arbeit machen Sie sich mit Ihren Weinstöcken!” sagte

oft der Eine oder der Andere zu mir. „Der und Jener dort thut gar nichts

an seinen Stöcken, und hat eben so viel, wohl noch mehr Trauben, als

Sie.” Dieß kann der Fall seyn; denn das weiß ich auch, daß alte, tief

eingewurzelte Stöcke auf gutem Boden oft einige Jahre lang ohne

regelmäßige Behandlung dennoch gedeihen und Früchte tragen können. Man

lasse das aber so fortgehen, so werden nach mehreren Jahren diese Stöcke

einer wild verwachsenen Dornenhecke gleichen, wie ich einen solchen

gesehen und oben schon beschrieben habe. Kommt nun ein kalter Winter, in

welchem glücklicherweise das ganze Dornengestrüppe bis auf die Wurzeln

erfriert, so daß er rein abgeschnitten also untersetzt werden muß, und

folglich nun wieder einige Jahre ohne regelmäßige Behandlung gut treiben

und viele Trauben bringen kann: dann wird der unwissende Besitzer seinen

Irrthum nicht gewahr, sieht es nicht ein, daß ihm die Natur zu Hülfe

gekommen ist, welche seinen verwilderten, der gänzlichen Unfruchtbarkeit

sich nahenden Weinstock durch den Frost untersetzt hat, was an ihm hätte

geschehen müssen, wenn er nicht erfroren wäre und noch länger hätte

Trauben bringen sollen. Denn wenn solche Stöcke, an denen gar nichts

gethan wird, nicht einmal erfrieren, so sehen sie am Ende sehr elend aus

und haben unten eine Menge altes, kahles, verwachsenes Holz und oben an

der Spitze des Daches einige Ruthen mit Trauben. Stünde ein solcher

Stock an einem Kirchthurme, er würde bald, wenn ihn kein Frost

untersetzte, mit seinen Ruthen und Trauben die Fahne erreichen und vor

Diebstahl ziemlich gesichert seyn.

33.

Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im Frühjahre.

Wenn im Frühjahre die Augen aufbrechen und die Ruthen anfangen zu

treiben, so trifft es sich oft, daß einige stark und fett treibende

Ruthen mit den Spitzen an eine Stange des Spaliers, an altes Holz oder

an die Mauer anstoßen, sich umbeugen und abbrechen. Da hat man nun

fleißig nachzusehen, und wo man dieses bemerkt, den fetten Wuchs sanft

abwärts zu beugen; wenn er dieß aber vielleicht nicht aushalten könnte,

so muß man den Schenkel oder die Rebe, woran er sich befindet,

losschneiden, und so anbinden, daß die Ruthe frei wachsen kann. Auf

diese Weise habe ich oft ein Schock Trauben gerettet, die sonst verloren

gegangen wären. Denn kaum ist die Ruthe einen Zoll lang, so zeigt sich

auch schon die erste Traube und bald auch die zweite, ehe noch die

Blätter sich gehörig entfaltet haben. Läßt man nun die Ruthen in ihrem

Entstehen verderben, so verderben damit auch zugleich die Trauben.

Werden die Ruthen länger und entfalten sich die zarten Blätter, so steht

gewöhnlich die erste Traube am dritten, vierten oder fünften Blatte, je

nachdem die Art ist. Am nächsten Blatte kommt die zweite Traube zum

Vorschein, ein, auch zwei Blätter über dieser die dritte, und bei

manchen Sorten in derselben Entfernung auch die vierte. Mehr habe ich

aber noch an keiner gesehen. Meine weißen und gelben Sorten sind von der

Art, die blauen aber haben nicht an jeder Ruthe zwei, vielmehr an

einigen sogar nur eine Traube. Dagegen sind aber ihre Trauben

größtenteils eine Viertel-, oft beinahe eine halbe Elle lang, haben am

obern Ende viele kleine Nebentrauben, und die Beeren sind von der Größe

einer Herzkirsche.

34.

Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen.

Wenn man Weinstöcke ins Freie oder an Bäumen, Lauben, Pyramiden und

dergl. anpflanzen will, so werden sie eben so behandelt, wie bisher

beschrieben worden ist. Sie gedeihen daselbst auch eben so gut, als an

Gebäuden und Mauern, nur daß die Trauben später reifen und die Fröste im

Mai ihnen leicht schaden können, weil sie dem Luftzuge mehr ausgesetzt

sind. Hohe Bäume, mit langen, kahlen, weit ausgebreiteten Aesten, sind

natürlich hierzu am besten. Niedere hingegen, mit vielen buschichten

Zweigen, sind gar nicht dazu tauglich. Sie rauben den Stöcken zu viel

Sonne und ihre Ruthen haben keinen Raum unter den dicht belaubten

Zweigen des Baumes. Ueberhaupt thut man wohl, besonders wenn die Wurzeln

des Baumes etwas hoch liegen, wenn man den Stock nicht zu dicht an

denselben, sondern eine bis zwei Ellen weit davon entfernt steckt, und

einen langen Ast oder eine Rebe in der Erde hin in einer schmalen Rinne

bis an den Baum leitet. Befestigen kann man die Ruthen des Stockes hier

leicht, wenn man in einer Entfernung von einer halben Elle starke

Bastbänder um den Stamm des Baumes bindet, und an dieselben nun mit

schwächern Bändern die Ruthen befestigt. Steht er ganz im Freien, so muß

man ihn mit in die Erde geschlagenen Pfählen und daran befestigten

Querstangen befestigen. Eine Weinlaube muß etwas hoch und

pyramidenähnlich gebauet seyn, oder von zwei Seiten ein recht steiles

Dach oder Sparrwerk haben. Will man die Trauben eines im Freien

stehenden langen Weinspalieres zeitig zur Reife bringen, so muß man

hinter dasselbe auf der Nachtseite starke lange Pfähle setzen, und an

dieselben vermittelst einiger Haken von starkem Drahte eine aus starkem

Papiere oder schwacher Pappe gemachte schwarzgefirnißte Hängewand

befestigen. Es läßt sich dieselbe, wenn sie gut aufbewahrt wird, viele

Jahre lang gebrauchen.

35.

Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni.

Gegen diese Feinde des Weinstocks, nämlich die späten Fröste im Mai,

(Pancratius und Servatius &c.), giebt es freilich wenige ganz sichere

Schutzmittel. Weil man eines Theils nicht gewiß weiß, wann ein solcher

Frost kommen wird, und wenn man es auch wüßte, die schon mit Ruthen und

Trauben besetzten Stöcke nicht herunterlegen und zudecken kann, ohne

sie bedeutend zu beschädigen. Das beste Mittel wäre freilich, den Abend

vorher, an welchem man aus der kühlen Abendluft oder andern Kennzeichen

einen solchen Frost vermuthet, die Spaliere mit einer Decke von grober

Leinwand, welche auf der, dem Stock zugekehrten Seite mit Löschpapier

überzogen wäre, zu bedecken. Diese Decke müßte dann mit Nägeln und

Henkeln behutsam an das Gebäude angeheftet werden. Freilich wäre dieß

sowohl kostspielig, als mühsam, besonders bei großen Spalieren; jedoch

wäre dieses Schutzmittel gegen den Frost um diese Zeit schon

hinreichend. Bei wenigen, besonders niedrigen Stöcken dürfte beides,

Aufwand und Mühe, nicht so bedeutend, der Nutzen aber groß seyn; denn

man verliert durch einen solchen Frost nicht allein die Trauben für dieß

Jahr, sondern bekommt auch schwache Ruthen, die im folgenden Herbste

bloß zu Zapfen und kurzen Schenkeln geschnitten werden können, und also

im folgenden Jahre entweder gar keine oder nur sehr wenige, magere

Trauben bringen. Denn obschon die erfrornen Stöcke bald wieder

ausschlagen, so haben sie doch kein rechtes Gedeihen, und man thut wohl,

wenn man vor dem Herbste nichts daran thut, sondern das Erfrorne nach

und nach von selbst abfallen und abwelken läßt. Einige rathen auch, am

Abend vorher, wenn man einen solchen Frost vermuthet, Fässer und Wannen

mit kaltem Brunnenwasser dicht unten an das Weinspalier zu setzen; es

soll den Frost von demselben ab- und an sich ziehen; noch besser soll es

seyn, wenn man Strohseile oben an das Spalier bindet, mir den untern

Enden in die Wassergefäße legt, und daselbst mit darauf gelegten Steinen

befestiget. Am mühsamsten wäre wohl das Räuchern, d. h. mit einem Becken

voll glühender und dampfender Kohlen die ganze Nacht am Spaliere hin und

her gehen, was man zuweilen in Weinbergen zu thun pflegt.

36.

Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke.

Vor den Winterfrösten kann man die Stöcke, wie gesagt, am besten durch

das Niederlegen und Zudecken schützen, oder, wenn kein Raum dazu

vorhanden ist, durch das Verbinden und Umwinden mit Stroh, oder Behängen

des Spaliers mit solchen Nadel- und Laubholzsträuchen, die im Winter

Laub und Nadeln nicht verlieren. Es ist immer besser, diese kleine Mühe

nicht zu scheuen, als den Stock erfrieren zu lassen. Er schlägt zwar im

nächsten Jahre wieder aus, wird aber erst nach Verlauf von 3 bis 4

Jahren wieder das, was er gewesen ist. Manche schneiden, wenn der Stock

erfroren ist, gleich im Frühjahre alles erfrorne Holz bis auf die Erde

weg. Dieses Verfahren ist nicht ganz gut; denn der Stock verblutet sich

durch die daraus entstandenen vielen und großen Wunden zu sehr. Ich

würde in dieser Lage um diese Zeit nur das obere schwache Holz

wegnehmen, von welchem wegen gänzlicher Erstorbenheit keine Verblutung

zu befürchten ist. Denn im Frühjahre muß überhaupt, besonders an

gesunden Stöcken, gar nicht geschnitten werden. Besser ist es auch den

erfrornen Stock erst wieder ausschlagen zu lassen, und das übrige alte,

starke, erfrorne Holz erst dann abzuschneiden, wenn er nicht mehr

blutet; nämlich zu Johanni. Freilich muß man sich dann in Acht nehmen,

daß man bei diesem schwierigen Geschäfte den jungen, fetten Wuchs nicht

verdirbt. Hat man aber das meiste schwache Holz schon im Frühjahre

weggenommen, so macht es sich leichter. Es muß auch das zu Johanni

abgeschnittene alte, erfrorne Holz nicht gleich weggenommen werden,

sondern man läßt es, wenn es fest hängt, und die jungen, daran

geklammerten Ruthen sich nicht gut davon lösen, hinter und unter

demselben stehen bis zum Herbste. Von den jungen Wasserruthen eines

solchen Stockes, deren gewöhnlich sehr viele sind, und welche in diesem

Jahre selten Trauben haben, schneidet man nun im nächsten Herbste die

schwächsten ganz weg, die stärkeren zu Zapfen, die noch stärkeren zu

Schenkeln, und die stärksten zu Reben. Sie dürfen aber auch hier nicht

länger seyn, als schon gesagt worden ist. Man verdirbt den ganzen Stock

auch hier gleich in seinem neuen Entstehen wieder, wenn man sich durch

die freilich schönen, langen Ruthen, die ein solcher Stock treibt,

verleiten läßt, mehr davon stehen zu lassen, als nöthig ist. Es müßte

denn eine Sorte seyn, die auch an langen Reben von unten an bis oben

hinauf gute Ruthen und Trauben brächte; da könnte man allerdings von der

Regel eine kleine Ausnahme machen. Im folgenden Jahre bringen nun solche

Stöcke wieder reichliche und gute Trauben.

37.

Vom Senken oder Vermehren der Stöcke.

Das Senken, als ein Vermehrungsmittel der Weinstöcke und Verlängerung

des Spaliers verdient nun noch einer besondern Erwähnung. Hat man schon

einen Weinstock von guter Art an einem Gebäude oder sonst wo stehen, und

rechts und links neben demselben noch Raum zu mehreren, so nimmt man von

beiden Seiten längere und kürzere Aeste, oder lange Ruthen, die dicht an

der Erde unten, oder wenigstens nicht weit davon aus dem Stocke

gewachsen sind, herunter, und macht eine eine halbe Elle tiefe aber

etwas breitere Grube längs des Spaliers auf beiden Seiten desselben. In

diese legt man die eben genannten kürzeren und längeren Aeste so, daß

sie sich in der Grube nicht berühren, damit ein jeder für sich Raum

behalte, seine Wurzeln zu treiben, und läßt die äußersten Enden

derselben, an welchem aber nur Zapfen sich befinden dürfen, eine

Viertel-Elle lang aus der Erde hervorragen. Sie können auch ganz bis an

die Zapfen in die Erde kommen, so daß sich blos 2 bis 3 Augen zeigen.

Diese bilden nun neue Stöcke; die kürzeren zunächst beim Hauptstocke,

die längeren weiter davon entfernt. Theilt sich der herabgenommene Ast

nach seinem Ende zu nach und nach in mehrere Aeste, so ist es desto

besser; man kann alsdann aus diesen Seiten-Aesten oder auch Ruthen

mehrere Stöcke machen, dadurch, daß man einen jeden mit seinem äußersten

Ende und den daran befindlichen Zapfen da aus der Erde hervorragen

läßt, wohin er reicht. Doch dürfen diese Senker nicht dichter, als eine

Elle neben einander zu stehen kommen. Sollten etwa im nächsten Jahre

zwischen den eine Elle weit stehenden Senkern noch Ruthen aus der Erde

hervor schießen, so muß man diese wegbrechen, sonst entstehen der Stöcke

zu viele. Denn noch dichter, als eine Elle, darf man sie nicht aufkommen

lassen. Man kann dazu auch junge, aus dem alten Holze unten getriebene

Wasserruthen benutzen. Diese dürfen aber nur mit 2, höchstens 3 Augen

aus der Erde hervorstehen; es ist, wie bekannt, auch eins schon

hinreichend, wenn es vor dem Verderben hinlänglich gesichert werden

kann. Dieß ist es, was man Senken nennt, und man kann dasselbe auch im

Frühjahre noch vornehmen; besser ist es aber auch hier im Herbste, und

zwar gleich nach dem Beschneiden, oder den Winter über, wenn Frost und

Schnee nicht daran hindern. Solche Senker treiben im ersten Sommer schon

sehr starke Ruthen, oft sogar Trauben und können im nächsten Herbste,

wenn sie auf der Stelle stehen sollen, die schwächern zu Zapfen, die

stärkern zu ½- bis ¾elligen Schenkeln, auch wohl zu Reben von einer Elle

lang geschnitten werden. Im zweiten Sommer bringen sie schon mehrere

schöne Trauben. Ich habe auf diese Weise von einem einzigen Stocke ein

Spalier von 14 Ellen lang angelegt, welches mir nun seit 7 Jahren alle

Jahr eine große Menge Trauben geliefert hat. Es ist nicht nöthig, diese

Senker im folgenden oder einem der nächsten Herbste vom Stocke

abzuschneiden, besonders wenn sie sich ganz unten an demselben

befinden, und von da aus gleich mit Erde so überdeckt sind, daß man das

Senken gar nicht bemerkt. Ein anderes ist es, wenn sie höher am Stocke

stehen. Da würde man allerdings wohlthun, sie in einem der nächsten

Herbste abzuschneiden; denn sie bilden sonst unförmliche Bogen. Oft

treiben diese Wasserruthen; soll nun der Senker am Stocke bleiben, so

muß man solche gleich bei ihrem Entstehen verbrechen, oder gleich ganz

vernichten, denn sie können nichts nützen, weil der Bogen im Herbste

weggeschnitten wird, und rauben also dem Stocke und dem Senker nur die

Nahrung. Doch habe ich auch einmal, theils um Erfahrung zu machen,

theils noch leeren Raum am Spaliers auszufüllen, das Gegentheil

versucht, und es gelang. Ich ließ nämlich die an einem Bogen treibenden

drei Wasserruthen stehen, und düngte und begoß den Senker und den

Hauptstock den ganzen Sommer durch mit Schlammwasser, habe aber nicht

bemerkt, daß eins von allen dreien Schaden gelitten hätte. Der Senker

trieb gut und hatte sogar Trauben, die sehr schön wurden. An den Ruthen

und Trauben des Hauptstockes mangelte nichts, und die drei am Bogen

befindlichen Ruthen wurden so kräftig, daß ich im nächsten Herbste die

schwächere zu einem Zapfen, die stärkere zu einem halbelligen Schenkel,

und die stärkste zu einer Rebe von einer Elle schneiden konnte. Jetzt

schnitt ich nun den Bogen nicht am Hauptstocke, sondern am andern Ende

über der letzten Ruthe ab, bog den noch übrigen am Senker hängenden

Theil des alten Holzes in die Erde, um dadurch dessen Wurzeln noch zu

vermehren. Den Bogen selbst aber bog ich nun wieder in die Höhe nach dem

Hauptstocke zu. Er bildete jetzt wieder einen niedrig stehenden Ast,

diente zur untern Bekleidung einer noch kahlen Stelle, und brachte im

nächsten Jahre schöne Trauben. Auf gutem Boden und bei recht guter

Abwartung kann ich dieses Verfahren anrathen; unter andern Umständen

möchte es wohl mißlingen.

38.

Vom Verpflanzen der Senker.

Sollen nun die Senker nicht am Hauptstocke bleiben, sondern im nächsten

Herbste weiter verpflanzt werden, was allerdings im Herbste geschehen

muß, weil sonst, wenn man es im Frühjahre thun wollte, der Hauptstock

und Senker an der bedeutenden, beim Abschneiden verursachten Wunde sich

verbluten würde, so kann man die an den Bogen wachsenden Ruthen stehen

lassen und sehr gut benutzen. Sollten sie auch auf magerm Boden nebst

den Ruthen des Senkers gerade nicht so lang und kräftig werden, so sind

sie ja im nächsten Herbste doch einmal bloß zu Zapfen bestimmt. Um diese

Zeit schneidet man nun den Bogen, woran der Senker hängt, dicht am

Hauptstocke weg, damit die dadurch an demselben entstehende bedeutende

Wunde gut verwachsen kann, nimmt ihn aus der Erde, und hat nun einen

Senker, der an beiden Enden Ruthen und in der Mitte Wurzeln hat. Die

Ruthen werden dann an beiden Enden, die stärkeren zu Zapfen, die

schwächeren aber ganz weggeschnitten. Es dürfen aber von den stärkeren

nur 2, höchstens 3 bleiben, im Fall er mehr getrieben haben sollte. Mann

kann dieses Beschneiden auch vornehmen, ehe man den Senker aus der Erde

nimmt; es geht sich dann besser damit um. In der Mitte, wo die Wurzeln

sind, schneidet man nun so durch, daß jeder Theil Wurzeln behält, und so

hat man zwei Senker oder Wurzlinge. Man kann das Ganze aber auch

beisammen lassen und beide Enden mit ihren Zapfen an dem Orte, wohin sie

verpflanzt sind, aus der Erde hervorgehen lassen; so giebt dieß zwei

Stöcke, die in der Erde gemeinschaftliche Wurzeln haben. Ich habe aber

auch solche Bogen mit Wurzeln abgeschnitten und gesteckt, ob sie schon

keine Zapfen mit Augen hatten und sie trieben im ersten Sommer aus dem

alten Holze schöne Wasserruthen. Hieraus geht hervor, daß man auch alte

Stöcke mit ihren mehrsten Wurzeln herausgraben und weiter pflanzen kann,

ob man gleich dabei alles Holz bis auf eine Viertel- oder halbe Elle

wegschneiden muß. Sie treiben auch ohne Augen wieder Ruthen und wachsen

fort, wenn man sie nur im ersten Sommer gehörig abwartet. Unnöthiger

Weise muß man aber keine Senker machen; denn vieles und öfteres Senken

ist dem Hauptstocke nicht zuträglich, sondern beraubt ihn nach und nach

seiner natürlichen Kraft. Ist man aber in der Lage, daß man gern viele

Senker für sich und Andere haben will und muß, so thut man besser, wenn

man sich von allen den Sorten, von denen man senken will, einen Stock an

einem Ort, besonders pflanzt, wo ringsumher viel Raum ist, und von

diesem Stocke jeden Herbst die meisten Ruthen zu Senkern einlegt. Der

Stock, wenn er nicht zu kraftlos ist und guten Boden hat, pflegt seine

Senker und treibt auch dabei wieder Wasserruthen, die im folgenden

Herbste zu Senkern benutzt werden können. Ich habe einen solchen Stock

mehrere Jahre dazu benutzt, und deshalb bloß den Mutterstock genannt. Er

ist bei alledem aber so kraftvoll, daß er nicht allein fette Ruthen

treibt, sondern an demselben sogar auch Trauben bringt. Freilich ist es

ein 15jähriger kräftiger Stock, welcher auf gutem Boden steht.

* * * * *

Dieß, lieber Leser, sind nun meine im Weinbau gesammelten, und auf

Erfahrung gegründeten Beobachtungen. Habe ich dem Einen und dem Andern

damit genützt, so soll es mich sehr erfreuen. Kann mich irgend Einer auf

einen Irrthum aufmerksam machen, der ja bei allem menschlichen Thun so

häufig vorkommt, so will ich es mit Dank annehmen und der bessern

Belehrung gern Beifall geben. Und sollten sachkundige Männer auch die

zweite Auflage dieser kleinen Schrift als eine wirklich verbesserte, und

wegen ihrer Brauchbarkeit empfehlungswerth anerkennen, so wird mir dieß

ein mächtiger Antrieb zu herzlich demüthigen Danke und neuer stärkerer

Thätigkeit seyn.

Druck von ~Joh. Friedr. Glück~ in Leipzig.

Bei dem Verleger dieses Buches sind noch folgende empfehlenswerthe

Bücher erschienen:

~Die Aufsicht des Geistlichen über die Volksschule~, nach den

Grundsätzen des deutschen Schulrechtes. Ein Beitrag zur

Pastoralklugheit von K. ~Kirsch~, Diaconus und ersten Mädchenlehrer zu

Königsbrück. gr. 8. 30½ Bogen. Preis 2 Thaler.

Die Aufsicht über die Volksschule, dieser höchst wichtige Theil der

geistlichen Amtsführung, wird in den Lehrbüchern der Pastoralklugheit

meistens nur sehr oberflächlich behandelt; desto willkommner muß jedem

Schulinspector ein Buch sein, welches, wie das oben angekündigte, sich

über ~alle Gegenstände der Schulaufsicht~ verbreitet. Die Brauchbarkeit

des Werkes wird dadurch erhöht, daß es auf ~die Gesetzgebung aller

deutschen Länder~ Rücksicht nimmt.

Als ein Anhang zu diesem Buche ist von demselben Verfasser erschienen:

„Entwurf eines Unterichtsplanes für Volksschulen”

gr. 8. 11 Bogen. Preis ⅔ Thlr.

und verdient besonders auch von Schullehrern benutzt zu werden.

* * * * *

~Predigtbuch~ auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres von _Dr._

~A. L. G. Krehl~, Universitätsprediger und der prakt. Theologie

ordentlicher Professor zu Leipzig. 2 Bände. ~Zweite~ durch viele neue

Predigten vermehrte und verbesserte Auflage. 88 Bogen in gr. 8. Preis

3½ Thaler.

Der Verf. übergiebt dem größern Publikum in dieser vollständigen das

ganze Kirchenjahr umfassenden Predigtsammlung ein Erbauungsbuch, in

welcher alle Hauptlehren der christl. Wahrheit deutlich entwickelt, in

die engste Beziehung zur Gegenwart gesetzt, und wo es nöthig schien,

vertheidigend behandelt sind. Die Darstellung verbindet Klarheit mit

Würde und Kraft.

* * * * *

~Sachsens große Erinnerungen.~ Ein Kreis von Gedichten von ~Bruno

Lindner~. 13 Bogen in 8. geheft. Preis 1 Thaler.

Es war die Absicht des Verfassers bei dieser Sammlung von Gedichten,

seinem sächsischen Volke die reiche Geschichte des Vaterlandes in

einzelnen Bildern vor’s Auge zu führen. Dem Landmann wie dem Bürger,

namentlich der heranwachsenden Jugend sollten die erhebendsten

Thatsachen, die edeln Züge der sächsischen Fürsten und Helden in

einfacher dichterischer Behandlung zur Belebung des volksthümlichen

Geistes dargestellt werden.

Anweisung zum Weinbau an Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen Herausgegeben zu Ermunterung der Kinder zu edler Thätigkeit · 第 5 / 5 题