1. Bacon als Verfasser des Promus.

In einer Sammlung von Manuscripten, die im Brittischen Museum

aufbewahrt werden, finden sich etwa 50 Folioseiten unter dem Titel

"Vorrath musterhafter und anmuthiger Redewendungen (_Promus of

formularies and elegancies_)", in Gruppen gesondert, als da sind

Begrüßungsformen, Gleichnisse, Metaphern, Sprichwörter &c. Ein Theil

dieses Promus ist nach Speddings Ansicht, der dem Ganzen keinen

irgendwie bedeutsamen Werth zuschreibt, von Bacons Hand, weshalb er

einige wenige Auszüge daraus in seine Gesammtausgabe der Werke

aufgenommen hat. Dies geschah schon 1861. [Fußnote: _Works_ VII,

p. 187-213.]

Einige Jahrzehnte später hat eine englische Dame, Mrs. Henry Pott, den

Promus vollständig herausgegeben (1883) und nach einer angeblichen

Durchmusterung von mehreren tausend Büchern an 1655 Redewendungen

nachweisen wollen, daß sie in der vorbaconischen Litteratur nicht, in

der gleichzeitigen aber nur bei Shakespeare sich finden, welche

sprachgeschichtliche Behauptung von sachkundiger Seite bestritten und

widerlegt worden ist. Sie hat im "Promus" die Keime zu entdecken

gemeint, woraus sowohl die Sonette, als auch die Dramen Shakespeares

erwachsen seien, weshalb diese Dichtungen insgesammt nicht von

Shakespeare, sondern nur von Bacon herrühren können. Diesen Beweis der

Bacon-Theorie nennt sie den ersten aus einleuchtenden inneren Gründen

(_internal evidence_). [Fußnote: _The promus of formularies and

elegancies [being private notes, circ. 1594, hitherto unpublished] by

_Francis Bacon_, illustrated and elucidated by passages from

_Shakespeare_ by Mrs. Henry Pott with preface by E. A. Abbot,

London 1883._ Mit Appendix und Index zählt das Buch 658 Seiten,

während Speddings Auszüge nur 13 Seiten betragen und von den auf Romeo

und Julia bezogenen nichts enthalten.]

Shakespeare und die Bacon-Mythen · 第 26 / 42 题