1. Der Beweis aus dem Mangel aller Beweise.

Da nun alle urkundlichen Zeugnisse irgend eines Zusammenhanges

zwischen Bacon und Shakespeare gänzlich fehlen, so haben die

Baconianer, wie man sie nennt, aus der Noth eine Tugend gemacht und

den völligen Mangel aller sachlichen Beweise für den Beweis der Sache

ausgegeben: so geflissentlich und so gründlich habe Bacon alle Spuren

vertilgt, die seine Autorschaft hätten verrathen können! Da er von

einer gleichzeitigen Größe, wie Shakespeare, hätte reden müssen,

nirgends aber geredet hat, so habe er absichtlich aus tief versteckten

Gründen geschwiegen, welche letztere sich der eindringenden

Nachforschung daraus erklären, aber auch nur daraus: daß er selbst

Shakespeare war! Alle urkundlichen Gegenbeweise aber, deren es viele

und unumstößliche giebt, gelten für Schliche und Machinationen, um die

Autorschaft Bacons zu verbergen und die Welt zu dupiren.

Niemals, solange es eine historische Kritik giebt, hat man dem Mangel

aller Urkunden und Zeugnisse eine solche Beweiskraft zugeschrieben.

Ueber Bacon, den Dichter der Shakespeare-Dramen, herrscht ein

absolutes Schweigen, er ist in den Schleier des tiefsten Geheimnisses

gehüllt: darin besteht das Bacon-Geheimniß. Wo sich aber ein Mysterium

findet, da werden wohl auch die Mythen nicht ausbleiben.

Shakespeare und die Bacon-Mythen · 第 12 / 42 题