Die Spinne

Hochmütig über ihre Künste,

Warf vom durchsichtigen Gespinste

Die Spinne manchen finstern Blick

Auf einen Seidenwurm zurück;

So aufgebläht, wie ein Pedant,

Der itzt, von seinem Wert erhitzet,

In Werken seiner eignen Hand

Bis an den Bart vergraben sitzet,

Und auf den Schüler, der ihn grüßt,

Den Blick mit halben Augen schießt.

Der Seidenwurm, den erst vor wenig Tagen

Der Herr zur Lust mit sich ins Haus getragen,

Sieht dieser Spinne lange zu,

Und fragt zuletzt: "Was webst denn du?"

"Unwissender!" läßt sich die Spinn erbittert hören,

"Du kannst mich noch durch solche Fragen stören?

Ich webe für die Ewigkeit!"

Doch kaum erteilet sie den trotzigen Bescheid:

So reißt die Magd, mit Borsten in den Händen,

Von den noch nicht geputzten Wänden

Die Spinne nebst der Ewigkeit.

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Die Kunst sei noch so groß, die dein Verstand besitzet,

Sie bleibt doch lächerlich, wenn sie der Welt nicht nützet.

Verdient, ruft ein Pedant, mein Fleiß denn keinen Dank?

Nein! Denn er hilft nichts mehr, als andrer Müßiggang.

Fabeln und Erzählungen(#9335) · 第 94 / 109 题