Auch hier

„Zeichnet mich kein Knieband aus,

Doch ist der Pferdefuß hier ehrenvoll zu Haus."

Um unter diesem, gemeinen Gelichter mich recht zu zeigen, tanze ich

mit einer alten Hexe und unterhalte mich mit ihr in Zoten, die man nur

durch Gedankenstriche

„Der, hatt' ein-----

So--es war, gefiel mir's doch"

anzudeuten wagt.

Ich bin selbst in Fausts Augen ein widerwärtiger, hämischer Geselle,

der

„--------kalt und frech

Ihn vor sich selbst erniedrigt."--

Ich bin ohne Zweifel von häßlicher, unangenehmer Gestalt und Gesicht,

was man, mit mildem Ausdruck markiert, intrigant, und im gemeinen

Leben einen abgefeimten Spitzbuben zu nennen pflegt.

Daher sagt Gretchen von mir:

„Der Mensch, den du da bei dir hast,

Ist mir in tiefer innrer Seel' verhaßt.

Es hat mir in meinem Leben

So nichts einen Stich ins Herz gegeben

Als des Menschen widrig Gesicht.--

Seine Gegenwart bewegt mir das Blut,

Ich hab' vor dem Menschen ein heimlich Grauen.--

--Kommt er einmal zur Tür herein,

Sieht er immer so spöttisch drein

Und halb ergrimmt.--

Es steht ihm an der Stirn geschrieben,

Daß er nicht mag eine Seele lieben" &c.

Daher sage ich auch naher:

„Und die Physiognomie versteht sie meisterlich,

In meiner Gegenwart wird ihr, sie weiß nicht wie;

Mein M ä s k c h e n da weissagt verborgnen Sinn,

Sie fühlt, daß ich ganz sicher ein Genie,

Vielleicht wohl gar der Teufel bin."

Soll dies bei Gretchen Ahnung sein? Ist sie befangen in der Nähe eines

Wesens, das, wie man sagt, ihren Gott verleugnet? Ist es etwa ein

unangenehmer Geruch, eine schwüle Luft, die ihr meine Nähe ängstlich

macht? Ist es kindlicher Sinn, der den Teufel früher ahnet als der

schon gefallene Mensch, wie Hunde und Pferde vor nächtlichem Spuk

scheuen, wenn sie ihn auch nicht sehen? Nein--es ist nur allein mein

Gesicht, das sie ängstlich macht, so ängstlich, daß sie sagt:

„--Wo er nur mag zu uns treten,

Mein' ich sogar, ich liebte dich nicht mehr."--

Wozu nun dies? Warum soll der Teufel ein Gesicht schneiden, das

jedermann Mißtrauen einflößt, das zurückschreckt, statt daß die Sünde,

nach den gewöhnlichen Begriffen, sich lockend, reizend sehen läßt.

Wer hat nicht die herrlichen Umrisse über Goethes Faust von dem

genialen Retsch gesehen! Gewiß, selbst der Teufel muß an einem solchen

Kunstwerk Freude haben. Ein paar Striche, ein paar Pünktchen bilden

das liebliche, sinnige Gesicht des kindlichen, keuschen Gretchens,

Faust in der vollendeten Blüte des Mannes steht neben ihr; welche

Würde noch in dem gefallenen Göttersohn!

Aber der Maler folgt der Idee des Dichters, und siehe, ein Scheusal in

Menschengestalt steht neben jenen lieblichen Bildern.

Die unangenehmen Formen des dürren Körpers, das ausgedorrte Gesicht,

die häßliche Nase, die tiefliegenden Augen, die verzerrten Mundwinkel--

hinweg von diesem Bild, das mich schon so oft geärgert hat. [Fußnote:

Man erlaube mir hier eine kleine Anmerkung. Wenn ich nicht irre, so

ertappt man hier den Satan auf einer größern Eitelkeit, als man ihm

fast zutrauen sollte; gewiß hat ihn nichts anderes gegen jenen

verehrten Dichter aufgebracht, als daß er ihn mit etwas lebhaften

Farben als häßlich darstellt; diese Bemerkung wird um so

wahrscheinlicher, wenn man sich erinnert, daß er oben in dem zweiten

Abschnitt selbst gesteht, daß durch seine Inkarnation einige Eitelkeit

in ihn gefahren sei; Meister Urian gibt sich übrigens durch den

übertriebenen Eifer, mit welchem er seine Mißgestalt rügt, eine Blöße,

die ihm nicht hätte beigehen sollen.].

Und warum diese häßliche Gestalt? frage ich noch einmal. Darum,

antworte ich, weil Goethe, der so hoch über seinem Werk schwebende

Dichter, seinen Satan anthropomorphosiert; um den gefallenen E n g e l

würdig genug darzustellen, kleidet er ihn in die Gestalt eines tief

gefallenen M e n s c h e n. Die Sünde hat seinen Körper häßlich,

mager, unangenehm gemacht. In seinem Gesicht haben alle Leidenschaften

gewühlt und es zur Fratze entstellt; aus dem hohlen Auge sprüht die

grünliche Flamme des Neides, der Gier; der Mund ist widrig, hämisch

wie der eines Elenden, der alles Schöne der Erde schon gekostet hat

und jetzt aus Übersättigung den Mund darüber rümpft; der Unschuld ist

es nicht wohl in seiner befleckenden Nähe, weil ihr vor diesen Zügen

schaudert.

So hat der Dichter, weil er einen schlechten Menschen vor Augen hatte,

einen schlechten Teufel gemalt.

Oder steht etwa in der Mythologie des Herrn von Goethe, der Teufel

könne nun einmal nicht anders aussehen, er k ö n n e sein Gesicht,

seine Gestalt nicht v e r w a n d e l n? Nein, man lese:

„Auch die Kultur, die alle Welt beleckt,

Hat auf den Teufel sich erstreckt;

Das nordische Phantom ist nun nicht mehr zu schauen,

Wo siehst du Hörner, Schweif und Klauen?

Du nennst mich Herr Baron, so ist die Sache gut,

Ich bin ein Kavalier wie andre Kavaliere."

Und an einem andern Ort läßt er mich mein Gesicht ein „Mäskchen"

nennen; folglich kann er sich eine Maske geben, kann sich verwandeln;

aber, wie gesagt, der Dichter hat sich begnügt, das n o r d i s c h e

P h a n t o m dennoch beizubehalten, nur daß er mich von „H ö r n e r

n, S c h w e i f u n d K l a u e n" dispensiert.

Dies ist das Bild des Mephistopheles, dies ist Goethes Teufel, jenes

nordische Phantom soll mich vorstellen. Darf nun ein vom Dichter so

hochgestellter Mensch durch eine so niedrige Kreatur, die sich schon

durch ihre Maske verdächtig macht, ins Verderben geführt werden? Darf

jener große Geist, der noch in seinem Falle die übrigen hoch überragt,

darf er durch einen gewöhnlichen „Bruder Liederlich", als welchen

sich Mephisto ausweist, herabgezogen werden? Und--muß nicht d i e s e

Maske der Würde jener Tragödie Eintrag tun?

Doch ich schweige. An geschehenen Dingen ist nichts zu ändern, und

meine verehrte Großmutter würde über diesen Gegenstand zu mir sagen:

„Söhnchen! Diabole! Bedenke, daß ein großer Dichter ein großes

Publikum haben und um ein großes Publikum zu bekommen, so populär als

möglich sein muß."

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Mitteilungen aus den Memoiren des Satan — Band 1 · 第 27 / 31 题