Tanzliedchen.
Zwei Takte geschritten,
Zwei Takte im Sprung,
Die blonden Stubbezöpfchen,
Sind alle, alle, all’ im Schwung.
Zwei Takte gesprungen,
Zwei Takte im Schritt,
Die Schuhe, die Röckchen,
Tanzen alle, alle, alle mit.
Zwei Takte im Schatten,
Zwei Takte im Licht,
Bloß der kleine dicke Plumpsack
Kanns lange, lange, lang’ noch nicht!
Carl Ferdinands.
Tanzliedchen.
Hinter dem Müllersteg
Steht ’n kleins Häusle:
Drinnen rund um und um
Hupfen die Mäusle.
Hinter dem Müllersteg
Steht ’n kleins Häusle:
Draußen rund um und um
Hupfen die Geißle.
Hinter dem Müllersteg
Steht ’n kleins Häusle:
Droben rund um und um
Hupfen die Zeisle,
Mäusle und Geißle und Zeisle —
Rundum.
Friedrich Güll.
Tanzlied.
Schnickschnack, Dudelsack,
Unser Kind will tanzen;
Spielt mir einen schönen Tanz:
Aennchen, Gretchen, Fritz und Franz
Wollen lustig tanzen.
Spielt der Brummbaß brumm, brumm, brumm,
Dreh’n wir uns im Kreis herum,
Daß die Röckchen fliegen;
Spielt die Fiedel dideldumdei,
Geht es lustig eins, zwei drei,
Bis im Gras wir liegen.
Tanz mit mir.
Tanz mit mir,
Tanz mit mir,
Auf der grünen Wiese.
Eins, zwei, drei,
Eins, zwei, drei,
Rühre flink die Füße!
Hopp, hopp, hopp
Im Galopp,
Immer froh und heiter.
Rechts herum,
Links herum,
G’radaus und so weiter.
Immer zu,
Ohne Ruh’,
Daß die Zöpfchen fliegen.
Juchheidi,
ha, ha, ha,
Ist das ein Vergnügen!
Lina Sommer.
Tanzliedchen.
Mein Mädchen, das will tanzen;
Wer macht die Tanzmusik?
Spielhansel mit dem Ranzen
Ist da im Augenblick.
Dideldum, schon streicht und zupft er
Die Saiten alle vier,
Dideldum; schon geigt und hupft er
Und schreit: „Herr Wirt, mein Bier!“
Und mit der Zunge schnalzen
Tut er vor Lust dazu. —
Nun woll’n wir aber walzen,
Bis durch die Strümpf’ und Schuh’.
Friedrich Güll.
Kinderreigen.
So geht’s auf unsere Weise,
So ist es Kinderbrauch:
Wir drehn uns um im Kreise
Und tanzen auch —
Immer herum,
Bum bidibum! Bum!
Wir brauchen keine Geigen
Und brauchen keinen Baß,
Wir spielen uns zum Reigen
Schon selber was.
Immer herum,
Bum bidibum! Bum!
Und ist ein Tanz zu Ende,
Gleich fängt ein anderer an,
Wir reichen uns die Hände
Und tanzen dann
Immer herum,
Bum bidibum! Bum!
Hoffmann v. Fallersleben.
Kletterbüblein.
Steigt das Büblein auf den Baum,
Ei, wie hoch, man sieht es kaum!
Hüpft von Ast zu Aestchen,
Hüpft zum Vogelnestchen.
Ui! da kracht es —
Plumps, da liegt es drunten.
Friedrich Güll.
Köchin.
Was soll ich denn kochen?
’s ist alles zerbrochen.
Das Maß und die Pfanne,
Das Glas und die Kanne —
Und will ich was kaufen,
Es kost’t einen Haufen:
Der Weck und der Fladen,
Der Speck und der Braten,
Das Salz und das Mehl,
Und das Schmalz und das Oel,
Und die Eier und Feuer
Sind heuer so teuer!
Und krieg keinen Lohn —
Ich lauf’ noch davon!
Friedrich Güll.
Puppenlappen.
Guten Tag, guten Tag, Frau Schneiderin,
Nach Puppenlappen steht heute mein Sinn;
Wir stückeln unserm Jungen ein Wams zurecht;
Nur Lappen, immer Lappen, gut oder schlecht:
Zwei wollige, zwei warme
Für die beiden Arme,
Einen langen, dicken
Für den Rücken,
Einen blauen, breiten,
Für die Seiten,
Einen goldenen, der wird aufgenäht,
Wo unserem Jungen das Herzlein steht.
Carl Ferdinands.
Topfgucker.
Im Prutzeltopfe kocht das Mus;
Hänschen steht auf einem Fuß,
Hänschen steht auf einem Zeh’,
Reckt sich, streckt sich in die Höh’.
Bläst der Qualm ihm ins Gesicht,
Hänschen steht und fürcht’t sich nicht.
Leckt das Feuer ihm über die Wangen,
Hänschen steht und fühlt kein Bangen;
Hänschen, lieber ohne Kopf,
Als nicht wissen, was kocht im Topf!
Carl Ferdinands.
Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen.
Denk’ an! Das Büblein ist einmal
Spazieren gangen im Wiesental.
Da wurd’s müd gar sehr
Und sagt: „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!“
Da ist das Bächlein geflossen kommen
Und hat’s Büblein mitgenommen,
Das Büblein hat sich aufs Bächlein gesetzt
Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“
Aber was meinst du! Das Bächlein war kalt,
Das hat das Büblein gespürt gar bald;
Es hat gefroren gar sehr,
Und sagt: „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!“
Da ist ein Schifflein geschwommen kommen,
Und hats Büblein mitgenommen.
Da hats Büblein sich aufs Schifflein gesetzt
Und hat gesagt: „Da gefällt mir’s jetzt.“
Aber siehst du? Das Schifflein war schmal.
Das Büblein denkt: „Da fall ich einmal!“
Da fürcht’t es sich gar sehr
Und sagt: „Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!“
Da ist der Reiter geritten gekommen
Und hats Büblein mitgenommen.
Das Büblein hat sich hinten aufs Pferd gesetzt.
Und hat gesagt: „So gefällt mir’s jetzt.“
Aber gib acht! Das ging wie der Wind,
Es ging dem Büblein gar zu geschwind;
Es hopst drauf hin und her
Und schreit: „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!“
Da ist ein Baum ins Haar gekommen
Und hat das Büblein mitgenommen
Er hat’s gehängt an einen Ast gar hoch;
Dort hängt das Büblein und zappelt noch.
Ist denn das Büblein gestorben?
Nein, es zappelt ja noch!
Morgen geh’n wir naus und tun’s ’runter.
Fr. Rückert.
Das Büblein auf dem Eis.
Gefroren hat es heuer,
Noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher,
Und spricht zu sich ganz leis:
„Ich will es einmal wagen,
Das Eis, es muß doch tragen.“
Wer weiß?
Das Büblein stampft und hacket
Mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket
Und krach! Schon bricht’s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt
Als wie ein Krebs und zappelt
Mit Schrei’n:
„O helft, ich muß versinken
In lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muß ertrinken
Im tiefen, tiefen See!“
Wär’ nicht ein Mann gekommen,
Der sich ein Herz genommen,
O weh!
Der packt es bei dem Schopfe
Und zieht es denn heraus,
Vom Fuße bis zum Kopfe
Wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
Der Vater hat’s geklopfet
Zu Haus.
Friedrich Güll.
Die traurige Geschichte vom dummen Hänschen.
Hänschen will ein Tischler werden,
Ist zu schwer der Hobel;
Schornsteinfeger will er werden,
Doch das ist nicht nobel;
Hänschen will ein Bergmann werden,
Mag sich doch nicht bücken;
Hänschen will ein Müller werden,
Doch die Säcke drücken.
Hänschen will ein Weber werden,
Doch das Garn zerreißt er;
Immer, wenn er kaum begonnen,
Jagt ihn fort der Meister.
Hänschen, Hänschen, denke dran,
Was aus dir noch werden kann.
Hänschen will ein Schlosser werden,
Sind zu heiß die Kohlen;
Hänschen will ein Schuster werden,
Sind zu hart die Sohlen;
Hänschen will ein Schneider werden,
Doch die Nadeln stechen;
Hänschen will ein Glaser werden,
Doch die Scheiben brechen;
Hänschen will Buchbinder werden,
Riecht zu sehr der Kleister;
Immer, wenn er kaum begonnen,
Jagt ihn fort der Meister.
Hänschen, Hänschen, denke dran,
Was aus dir noch werden kann.
Hänschen hat noch viel begonnen,
Brachte nichts zu Ende;
Drüber ist die Zeit verronnen,
Schwach sind seine Hände.
Hänschen ist nun Hans geworden,
Und er sitzt voll Sorgen,
Hungert, bettelt, weint und klaget
Abends und am Morgen:
Warum war ich nicht, ich Dummer,
In der Jugend fleißig?
Was ich immer auch beginne,
Dummer Hans nur heiß’ ich.
Ach, nun glaub ich selbst daran,
Daß aus mir nichts werden kann.
Rudolf Löwenstein.
Mutiges Lied.
Mutter hat mir ’nen Säbel gekauft,
Ein Steckenpferd zum Reiten;
Nun wird geritten, nun wird gerauft,
Es kommen herrliche Zeiten!
Ich werde General oder auch Korporal,
Und das ist ganz egal, hurra!
Ich nehme den Säbel wohl in die Hand
Und tu’ aufs Roß mich schwingen.
So geht’s gradaus ins feindliche Land,
Und alle Leute singen:
Er ist ein General oder auch Korporal,
Und das ist ganz egal, hurra!
Und reit’ ich heim dann meinen Weg,
Heim von der Siegesparade,
Sperrt Nachbars Gretelchen mir den Weg
Und schenkt mir ein Stück Schokolade!
Denn ich bin General oder auch Korporal,
Und das ist ganz egal, hurra!
Oskar Wiener.
Kinderszene.
„Wie finden Sie das liebe Kind?“ —
„Sie hat eben immer noch stark Fieber;
Das ist der böse Nordostwind,
Doch scheint die größte Gefahr vorüber.“
„Wie war der Appetit indessen?“ —
„Seit gestern hat sie nichts gegessen.
Mein Bruder bracht’ ihr heute früh
Dies Törtchen mit, das möchte sie;
Ich wollt’ es aber doch nicht wagen,
Ohne Herrn Hofrat erst zu fragen.“ —
„Es ist nur immer bei dem Zeug
Zu viel Gewürz und Butterteig.
Mit Erlaubnis — ich will es versuchen. —
Hm, eine Art Mandelkuchen!“
„Herr Hofrat, Sie vergessen sich,
Sie essen ja ganz fürchterlich.
Alle Achtung vor Ihrem großen Hut!
Aber Sie haben besondere Manieren!“ —
„Pardon! Das Törtchen war zu gut.
(Nachdem er sich geräuspert und der Patientin nochmals den Puls
gefühlt):
Lassen Sie nun eben das Mixtürchen repetieren!
Wir sehen ein paar Tage zu,
Ihr Diener!“ — „Gute Nacht!“ —
„Recht angenehme Ruh’!“
Mörike.
Große Sorge.
Puppenmutter:
„Ich bitte dich,
Beeile dich,
Koch’ eine Wassersuppe,
Ganz ohne Salz
Und ohne Schmalz
Für meine kranke Puppe!
Wie sieht sie aus,
Die arme Maus,
Nein, da ist nicht zu spaßen.
Ich will doch schnell
Und auf der Stell’
Den Doktor holen lassen.“
Bruder Doktor:
„Zu allererst,
Es ist das best’,
Behorch’ ich Herz und Lunge:
Nun, Gott sei Dank,
Die sind nicht krank.
Jetzt zeig mir mal die Zunge!
Ei, ei, sieh’ da,
Ich dacht’ mir’s ja,
Den Magen überladen,
Mit Marzipan
Und solchem Kram,
Da haben wir den Schaden!
Nur kein Geschrei!
Hier die Arznei,
’nen Löffel all’ zwei Stunden.
Und’s Kindlein hier,
Ich garantier’,
Das wird wohl bald gesunden!
Ja, gnäd’ge Frau,
Ich seh’s genau,
Sie machen sich doch Sorgen —
Nur ruhig Blut,
’s wird alles gut,
Ich komme nochmal morgen!“