KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN.

Die Philippinen wurden von Magellan am 16. März 1521, dem

S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere

frühere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fünf

Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel für Philipp II. in

Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen

Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebräuchlich; die

Spanier nannten sie hartnäckig die westlichen, islas del poniente

(s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren

gegenwärtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den

später wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290]

Zunächst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs

Jahre später (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden

umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die

Unterwerfung der übrigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei

Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche

wilde Stämme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und

der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhängigkeit bewahrt. Der

Charakter der Bevölkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen

begünstigten die Besitznahme. Es gab kein mächtiges Reich, keine alte

Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu überwältigen, keine

nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrücken. Die Eingeborenen

waren Heiden oder seit Kurzem oberflächlich zum Islam bekehrt und

lebten unter vielen kleinen Häuptlingen, die mit grosser Willkür

herrschten, einander befehdeten und leicht überwunden wurden. Eine

solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch

in sehr veränderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung.

Die Spanier beschränkten die Gewalt der eingeborenen Häuptlinge,

hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen

Dienstadel; sie führten aber alle diese Veränderungen mit Vorsicht,

sehr allmälig aus. [291] Die alten Gebräuche sofern sie nicht

gegen das natürliche Recht verstiessen, blieben zunächst bestehn und

hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches

Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und

der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind,

abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermögen

haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit

bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Häuptlinge zu

Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung

eine Klasse von Eingeborenen, die eine Stütze ihrer Macht sein könnte.

Wenn die vorgefundenen Verhältnisse die Eroberung ausserordentlich

erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernöre und ihre

Begleiter, die der Zeit angehörten, wo Spanien reich an Helden war,

sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass

beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene kühnen

Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone

gewährte, und durch gehofften, zum Glück für das Land aber nicht

bestätigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292],

sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden;

das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darüber schreibe, damit ich

nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwöre als

Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von

der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das förmliche Recht die

von ihnen eroberten Länder auszubeuten. Einige unternahmen solche

Eroberungszüge für eigene Rechnung, andere waren zur Verfügung des

Guvernörs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern

und Benefizien (Encomiéndas, ofícios y aprovechamiéntos) belohnt.

Die Kommenden wurden anfänglich für drei Generationen gewährt

(in Neu-Spanien für vier), aber sehr bald auf zwei Generationen

beschränkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der

Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, »da sich nur wenige bereit

finden Sr. Majestät zu dienen, indem ihre Enkel in das äusserste Elend

gerathen.« Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den

Staat zurück, der Guvernör verfügte von neuem darüber. Das ganze

Land war übrigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden,

deren bei Weitem grössten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer

Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder

weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendéro)

Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues

zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth

erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch

begnügten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern

hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve

des Papstes [294] verboten wurde. »Kaffern- und -Negersklaven, welche

die Portugiesen über Indien einführten«, blieben noch gestattet. [295]

Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rücksichtslos aus. Schon

vom Interims-Guvernör Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115),

dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendéros

zügelte, so dass sie wenigstens während seiner Anwesenheit in ihren

Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasánde's Regierung (1575-80)

bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere

predigen gegen die Bedrückungen der letzteren und berichten darüber

an Philipp II., der König befiehlt die Indier zu schützen, da die

Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken übersteige. Es ward nun

den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura

zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen

Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, »da die Indier ohne

Zwang nicht über das äusserste Bedürfniss arbeiten mochten«.

In Kürze mögen hier noch die Thaten Juán's de Salcédo erwähnt werden,

des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater

Legaspi mit 45 spanischen Soldaten unterstützt, rüstete er auf eigene

Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein,

zog die ganze Westküste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen

Schiffen zugänglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den

Eingeborenen gut aufgenommen. Grösseren Widerstand fand er gewöhnlich,

wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stämme

des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadór

erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwärtig

die Provinzen Zambáles, Pangasinán, Nord- und Süd-Ylócos bilden, die

spanische Herrschaft an. Die Ermüdung seiner Soldaten zwang Salcédo

zur Umkehr. In Bígan, der jetzigen Hauptstadt von Süd-Ylócos, baut

er ein Fort und lässt darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurück, er

selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen

Fahrzeugen. So erreicht er den Cagayánfluss an der Nordküste, und fährt

denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur

Rückkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostküste fortsetzend,

gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay,

dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlägt um

und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorüberfahrende Indier gerettet.

Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die

Regierung führte, erfährt Salcédo kränkende Zurücksetzung. Als er

über seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines

aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach

Ylócos zurück, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm

zufallenden zu übernehmen. Noch mit dem Bau von Bígan beschäftigt,

sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seeräubers Limahón,

der sich der Kolonie bemächtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher

Mannschaft, an der Küste vorüberfahren. Sofort eilt er mit allen

in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhängern nach Manila, wo er

an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber

der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstörten Stadt

vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinán zurück, Salcedo verbrennt

ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen.

Reisen in den Philippinen · 第 66 / 95 题