DIE CHINESEN.

Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen,

den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden,

da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues

kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von

jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen,

weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote

seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien

vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei

seetüchtigsten Provinzen China's musste schon früh den Verkehr

zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als

N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen

können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die

Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft

unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt,

dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu

verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft

selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den

Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass

der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln

des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er

die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes

Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten,

dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man

ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie

nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljährlich in grosser

Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker,

Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren

die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier

unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten,

die sie früher betrieben hatten (Morga).

Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen

auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden

letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen

Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich

wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden

»deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum

zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen

Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen

bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte. [279]

Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende

Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze

frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr.

Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie

nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte

ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter

dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich

von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer

sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die

Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das

Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen;

Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten

sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an,

unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000,

nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss

getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus

dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila

hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise,

wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des

Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile.

Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der

Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern

Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder

so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschränkt, »denn

diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als

Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns

gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8

Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach

Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000

niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den

grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen

dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.« [281]

Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke

wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den

chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot

und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die

Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die

Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch

gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird

in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige

stürzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhängen sich; eine

grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709

hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass

sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit

Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste

der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller

preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande

des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und

rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so

betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat

klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt

hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des

Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück.

Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von

den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches

Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der

von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen,

den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr

theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt

nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte

nach Manila zu führen.

1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur

Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen

Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der

Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so

»strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei«

und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche

Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda [284], »dass alle

Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen,

welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«. [285] Die letzte

grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im

Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu

haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der

Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.

Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den

chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des

Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders

gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl

zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.

Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila

binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian

einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll

ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die

ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar,

Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen

aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.

1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die

Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen

lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen

Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der

General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen,

indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der

Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand

um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald

dem Handel zu.

In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen

geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit

durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen

Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12

bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung

der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher

fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).

Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen,

ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur

äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen

Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen

sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien,

sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten,

fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.

Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt,

scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit

ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss,

Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit

in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie

allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen

sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und

mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und

erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.

Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat

kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie

sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder

des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen,

die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.

Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen

Archipel, in den Südstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt,

mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare

Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.

In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen

begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen

Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.

Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser

Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika

knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu

werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden

grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale

ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch

ihre thatkräftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit

Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt

die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht

gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg,

die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen

Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene

Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung

stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich

von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die

Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit

und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging,

ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die

einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869

in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch

keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und

zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden

Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie

ausführbar. [288]

Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht

der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen

Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben,

scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte

sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit

entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos

wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.

Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische

Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und

politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich

fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse

üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den

andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich

mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche

Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die

Zustände in China üben?

Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können,

hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and

Asia London 1870 behandelt.

Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia,

Guvernör der Philippinen.

»An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung

gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen,

um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden

sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht

und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen,

die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft

werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen

Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist

ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit

Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen,

um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er

fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König)

diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge

Gerechtigkeit die in China geübt wird.

Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und

sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen,

und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der

Angelegenheit Tioneg's übersenden und besagten Tioneg sammt den

Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten

Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg

gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte,

dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier

den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie

deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten;

und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten

Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl

er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und

die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine

Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er

befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer

andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von

Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache

für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden

so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir

an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu

bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König

geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe,

die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so

solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu

gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen

und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich

die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen

gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben,

wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft

empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt

diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner

Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des

Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was

Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon

wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird,

welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte;

und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen,

welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu

Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden,

und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die

von Luzon von Hörensagen wohl wissen.

Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge

Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele

von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu

stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten:

das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und

war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil

(seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen

dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich

so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet,

indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre

Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist,

warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen,

und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen

grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König

über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns,

da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus

drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg

zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit

langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite

Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die

Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund,

weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes

Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und

Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China

zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte,

aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig,

dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu

schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China

ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit,

denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine

Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg's

bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind,

wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen

umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und

milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die

Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die

vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld

erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen

worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und

jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht,

so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im

Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen,

mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den

übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und

sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf

wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut

an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór

am zwölften des zweiten Monats.«

Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief

des Herrschers von Japan:

Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernör Don

Pedro de Acuña im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit

zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend

dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus

Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In früheren

Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen dürften,

und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer

gewährte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter

den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist,

welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war

eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschätzung für

mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden

möchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben

E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt

und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so

wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches

bedeutet »den Götzen geweiht«, die seit unsern Vorfahren bis heut

mit höchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich

allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es

in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre)

verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten

will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das

was ich will, und das was mir nicht gefällt, das thue sie niemals.

Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte,

verdorbene Menschen, die in jenes Königreich gehn und viele

Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurückkehren, welches

meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von

jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe

mitkomme, welches hierher geht und in den übrigen Dingen wolle

E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art,

dass sie fortan nicht mein Missfallen errege.

Reisen in den Philippinen · 第 64 / 95 题