VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFÄSSE. --
TROPFSTEINHÖHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. --
BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. --
HÜTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER.
Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmánan (Ligmanan), der
Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte
und taufte hübsche Käfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten
kleine Sonette. Er erzählte mir Folgendes:
1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmánan,
an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4'
Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen
(C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehörigen
Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewässern vorkommt und
namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich häufig
ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2
Fuss zahlreiche Ueberreste früherer Bewohner: Schädel, Gerippe,
Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in
einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schön
geformte Schüsseln und Gefässe, zum Theil bemalt, wahrscheinlich
chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbänder aus einem weichen
gypsartigen kupferrothen Gestein, glänzend, als wären sie gefirnisst
[151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengeräth, mehrere in
der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil
aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die
an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle dürfte,
bei planmässig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante
Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet,
wurde an Ort und Stelle vernichtet, das übrige verzettelt. Trotz
aller Bemühungen gelang es mir nur durch die Güte des Herrn Fociños
in Naga, ein kleines Gefäss zu erhalten. An der Mündung des Bígajo,
nicht weit von Libmánan sollen in eben solchem Muschellager ähnliche
Reste früherer Bewohner, und an der Mündung des Pérlos, westlich
von Sítio de Póro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet
gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers
niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit
einigen Jahren in den Pfahldörfern gemachten Entdeckungen geläufig,
sonst wären diese Aufzeichnungen wohl ausführlicher, vielleicht aber
weniger unbefangen ausgefallen.
Mr. W. A. Franks, der die Güte hatte das Gefäss zu untersuchen,
ist geneigt es für chinesisch zu halten und erklärt es für
sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu können
(ähnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen
Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stück, nämlich ein von Kämpfer
aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von
noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse
(Craquelés) genau mit dem meinigen übereinstimmen. Nach Kämpfer
fanden die Japanesen dergleichen Krüge im Meer, und schätzten
sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren.
Morga (f. 135) meldet: »Auf dieser Insel Luzon, besonders in
den Provinzen Manila, Pampánga, Pangasinán und Ylócos finden
sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrüge von dunkelbrauner
Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grösse,
und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht
anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit;
denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den
Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schätzen dieselben,
denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches
sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als
grosse Delikatesse und Arznei, bei den Königen und Herren in
Japan, sich nicht hält und konservirt ausser in diesen Krügen,
die in ganz Japan so hoch geschätzt werden, dass es die grössten
Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein
solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit
feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie
in Futterale von Brokat, und es giebt Krüge die auf 2000 Tael zu
11 Realen, geschätzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen
dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie können,
und bemühen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich
jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie
aufgesucht hat.«
Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden
auf Befehl des Guvernörs sämmtliche Personen an Bord sorgfältig
untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu
verheimlichen suchten »gewisse irdene Gefässe, die von den
Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden
pflegen,« da der König sie alle kaufen wollte . . . »Dergleichen
Gefässe gelten bis fünf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das
Stück, während man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo)
schätzen möchte.« -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von
Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte,
er habe einen der Könige von Japan 130,000 Scudi für ein solches
Gefäss zahlen sehn -- seine Gefährten bestätigten es. -- Auch
Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, »dass sich das Blatt
Cia oder Thee, dessen Güte mit dem Alter zunähme, in jenen Krügen
besser konservire als in allen andern Gefässen. Die Japanesen
erkennen diese Gefässe sogleich an gewissen Schriftzeichen
und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen
nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern
benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn würde man sie auf drei oder
vier Quatrini (ein paar Dreier) schätzen ... es ist durchaus wahr,
dass der König und die Fürsten jenes Reiches eine sehr grosse
Zahl dieser Gefässe besitzen und sie als ihren köstlichsten
Schatz, höher als andere Kostbarkeiten schätzen -- dass sie mit
deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge
derartiger Gefässe die sie besitzen zu überbieten suchen.« [153]
Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen
Reisenden Krüge erwähnt, die aus abergläubischen Ursachen sehr
übertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschätzt werden.
St. John [154] erzählt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis
im Werth von fast 700 £ für einen Krug hergab, und dass derselbe
Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth besässe, dieses
Gefäss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrün. Der Datu füllt
beide Krüge mit Wasser, setzt Kräuter und Blumen dazu, und debitirt
es an alle Kranke der Umgegend. Der berühmteste Krug in Borneo
ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle
schätzbaren Eigenschaften der übrigen Krüge besitzt, sondern sogar
sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach
verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwürdiger Mann, erzählte ihm
aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode
seiner ersten Frau kläglich geheult habe und bei bevorstehenden
Unglücksfällen ähnliche Töne von sich gäbe. St. John ist geneigt
die räthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthümlichen
Form der Mündung des Gefässes zu erklären, in welcher die darüber
hinstreichende Zugluft ähnlich wie bei der Aeolsharfe in tönende
Schwingungen versetzt wird. Gewöhnlich ist das Gefäss in Goldbrokat
eingewickelt und wird nur enthüllt, wenn es befragt werden soll,
daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit
spricht. St. John berichtet noch, dass früher sogar die Bisayer dem
Sultan Geschenke brachten und dafür etwas Wasser aus dem heiligen
Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch
reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen
Krug wohl um 20,000 £ hergeben würde, antwortete er, dass kein
Gebot in der Welt ihn veranlassen könne sich davon zu trennen.
Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefäss von Libmánan
noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem
ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes
Gefäss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von
gefälliger Form, aus vielen Bruchstücken zusammengekittet, die
Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art
Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Töpfe, selbst einheimischen
Ursprungs noch heut in Japan geschätzt werden, zeigt das von einem
Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben:
»Dieses irdene Gefäss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka
in der Landschaft Odori, im südlichen Idzumi gefunden, und ist
ein zu den tausend Gräbern gehöriger Gegenstand . . . dasselbe ist
von Giogiboosat (berühmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und
nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den
Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhügeln mit
einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre
her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre
in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefäss. Ich
brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut
darüber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er
starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich
nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war
mir, als wäre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war
meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hände, und so
oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen
ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb
habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut
gewahrt. Fudji Kuz Dodjin«.
Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung:
Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefässe legen, beruht
auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften
»Cha-no-yu«. Ueber den Ursprung dieser, den Europäern fast noch gar
nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre
Hauptblüthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama,
der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei
Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einführte. Seine Zwecke
waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden
Religions- und Bürgerkriege war das ganze Volk entartet und
verwildert, aller Sinn für Künste und Wissenschaft untergegangen,
nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte
das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die
rohen Gemüther besänftigen, sie wieder an die Künste des Friedens
gewöhnen müsse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen
Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er
die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte
die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebräuche um sich.
Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflüssen des ihn
umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das
Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung
zu stimmen; sämmtliche Gebräuche des Cha-no-yu sind auf dieses
Ziel gerichtet.
In luftige reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich
die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm,
nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens für
diese Versammlungen hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht
aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die
Gedanken abziehn könnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine
mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur spärlich beleuchtet,
und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die
Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten,
werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen,
und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder
Unterschied des Ranges hört auf. Nun werden die alten Gefässe
unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhüllungen
hervorgeholt, begrüsst und bewundert; mit eben so feierlichen
genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu
bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefässen entnommen, und
in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grünen zu Staub
zerriebenen jungen Blättern des Theestrauchs, und wirkt sehr
aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, während
Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz »toko« brennt. Nachdem
sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich
aber nur auf abstrakte Gegenstände erstrecken darf (Politik soll
indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei
diesen Versammlungen verwendeten Gefässe ist sehr bedeutend,
und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemälden nicht
nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen
alten Gefässen, statt mit Ländereien, wie sonst üblich. Auch nach
der jüngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios
(Fürsten) vom Mikado dafür, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen
verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefässen belohnt. Die besten, die
ich gesehn, waren nicht schön, es waren alte, verwitterte, schwarze
oder dunkelbraune Krüge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren
des Thees, hohe Tassen aus Craquelé-Porzellan oder Steingut zum
Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehälter, und alte
verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles
höchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe
eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den
Schätzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln
werden unter den höchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefässe
mit Dokumenten über ihre Herkunft aufbewahrt.
Von Libmánan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Yámtik (Amtik, Hantu)
[155], der aus Kalk besteht und viele Höhlen enthält. Flussaufwärts
6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen
von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bícal, von wo man im Bett
eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Höhle emporsteigt,
in welcher Schaaren von Fledermäusen und grosse langarmige Spinnen
von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156]
Ein dicker, queer über den Weg liegender Baumstamm war von
einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen
zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur
schüchtern die Höhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen
Calapnitan zu beobachtenden Rücksichten eingeschärft. [157] Eine
der Hauptregeln war, in der Höhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne
hinzuzufügen: »Herrn Calapnitan's«, also nicht schlechtweg: Flinte,
Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon
liegt eine andre Höhle »San Vicente«, welche dieselben Insekten,
aber eine andre Art Fledermäuse enthält. Beide Höhlen waren nur von
geringer Ausdehnung, in Libmánan hatte man mir aber von einer sehr
grossen Tropfsteinhöhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller
beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen
musste. Die Führer stellten sich unwissend. Erst nach zweitägigem
Herumirren und vielen Erörterungen entschlossen sie sich, da ich
auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu
meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Höhle zurück, von welcher
eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der
allerprachtvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt führt. Ihr Boden ist
überall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie läuft in viele
Zweige aus, deren Gesammtlänge wahrscheinlich über eine Meile beträgt,
und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Königssälen
und Kathedralen mit Säulen, Kanzeln und Altären enthalte, nicht zu
Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine
Absicht später mit Arbeitern zurückzukehren um planmässig nachzugraben
kam nicht zur Ausführung.
Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein
soll, »wo käme sonst das Wasser her?« gelang mir nicht. Zwei Tage
versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten
durch den dichten Wald zu dringen, der Führer, der in Libmánan
dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklärte jetzt das
Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen
Theil des Gepäcks tragen, an der nächsten Wendung des Pfades aber warf
er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In
diesen Wäldern sind Hirsche und Wildschweine sehr häufig. Sie bildeten
den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang
unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in
den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer für
mich suchten.
Bei meiner Abreise aus Darága hatte ich einen muntern kleinen Jungen
mitgenommen, der »Beruf zum Naturforscher« fühlte. In Libmánan kam er
plötzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlüssel. Alles Suchen
war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs
Vorzeigen der entwendeten Schlüssel legitimirt, vom Mayordomo meines
Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit
verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel
bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross für ihn gewesen.
Anfang März hatte ich das Vergnügen den Administrador von Camarínes
und einen spanischen Oberst, die über Daet und Mauban zur Hauptstadt
reisten, nach Nord-Camarínes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir
Butúngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Falúa von 12
Rudern, mit einem Sechspfünder und zwei Vierpfündern ausgerüstet, von
Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabusáo, am Ausfluss des Bícol,
bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Falúa gehörte der
Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl
des Alkalden, die Nordküste der Provinz gegen Schmuggler und Seeräuber
zu schützen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay
von San Miguél herum zu liegen pflegen. Zwei ähnliche Kanonenboote
versahn den Dienst an der Südküste der Provinz.
Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen
sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die
schönen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog.
Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach
zweistündigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz
Nord-Camarínes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten
Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe,
der auch die Gäste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen
mit angelernter unhöflicher Geberde den Rücken und ging auf die Thür
zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen
giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurück
und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn.
Abends war Ball, es waren aber keine Tänzer vorhanden, einige
eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schüchtern an einem
Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert
wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern
Ende unterhielten.
Nachdem Festlichkeiten und Regengüsse die Abreise um zwei Tage
verzögert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen
Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisáy, in einer
andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frühstück bereit standen. Bisher
hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers
getroffen; bei Nordeuropäern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bäder
als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht
werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche für nicht
gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich häufiges Baden
für ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne
Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme;
dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden
des Hauses zusammen in geräumigen Verschlägen Flussbäder zu nehmen.
In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Kähnen flussabwärts
bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswürdigkeit des
Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten
Wegen dahin gebrachten Pferde. An der öden Barre erhebt sich, von
zwei oder drei Fischerhütten und eben so vielen Casuarinen umgeben,
ein Kastell gegen die Moros, die zum Glück für dasselbe, selten
so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit
Palmenblättern gedeckten Hütte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen
armdicken Stangen. Die dazu gehörigen Kanonen sollen, der Sicherheit
wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem
Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in
voller Blüthe überzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blühende
Sträucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Früchten. Nach einer
Stunde überschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fähre, und kommen
bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg
versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit
Mühe hinüber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen,
dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir
einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fähre über die breite
Mündung des Pulundága, wo ein angenehmer Waldweg über einen abermals
quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangúit uns in 15
Minuten an die Mündung des Paracáli bringt. Die lange Brücke ist so
schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenräume
getrennt, hinüber leiten müssen; jenseits liegt der Ort Paracáli,
von wo meine Gefährten die Reise über Mauban nach Manila fortsetzen.
Paracáli und Mambuláo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort
vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden
Morgen kehrte ich nach Lóngos zurück. Es zählt nur wenige elende
Hütten, von Goldwäschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht
weil sie den grössten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind
aber auch sehr arm.
Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trümmern krystallinischen
Gesteins, reich an Quarzbruchstücken. Die Arbeiter machen Löcher in den
Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter
der Oberfläche fängt das Gestein gewöhnlich an, goldhaltig zu werden,
der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer;
doch sind diese Verhältnisse sehr unzuverlässig, daher viele fruchtlose
Versuche. Das Gestein wird in Körben auf Bambusleitern aus den Löchern
herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist
es aber nicht möglich die Löcher wasserfrei zu halten, da sie am
Bergabhang liegen und sich schneller füllen, als sie ausgeschöpft
werden können; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld,
dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden.
Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen,
deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in
der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4 × 8 × 8 Zoll,
also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines
schlanken Bäumchens befestigt, das schräg in einer Gabel liegt und am
entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt
den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lässt
ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Höhe fahren.
Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines:
Aus der Mitte einer kreisförmigen Unterlage -- aus roh behauenen
Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist,
erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn,
um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwärts
gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Büffel
in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch
Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit
Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den
mexicanischen Goldwäschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen
Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch
Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand
mit Wasser gefüllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite,
jeder Arbeiterin gegenüber, ein schräges nach abwärts geneigtes
Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend
ausgeschnitten, so dass ein sehr dünner Wasserstreifen ununterbrochen
der ganzen Breite nach über das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt
den goldhaltigen Schlamm mit der Hand über das am untern Rande mit
einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen,
es bleibt eine dunkle, hauptsächlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen
bestehende Schicht zurück, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen
Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks
in einer flachen Holzschüssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale,
ausgewaschen wird, wobei sich im glücklichen Fall ein feines gelbes
Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wäsche wird dem Wasser
der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt
darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit
leichter vom Goldpulver trennen. [159]
Es ist noch zu erwähnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am
obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum
Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem
Waschbrett absetzen könne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen
zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Händler kaufen, wird
es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gespült und von
einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine
Frau bläst durch ein enges Bambusrohr auf die entzündeten Kohlen;
in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfältigen
Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht über 1
1/2 r. täglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagúit sieht man
die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens,
eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes
Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus
sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgängen, im Stollen mit Ausnahme der
Quarzbänder fast reine Thonerde mit Sand.
An den Wänden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht
von derselben Art wie in den Höhlen der Südküste von Java. [161] Die
hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich
für chinesische Händler gesammelt, die das Stück angeblich mit 5
Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vögeln, (Collocalia
troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine
so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner
Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass
man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden
noch betrieben, ähnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen
Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das
Gestein wird mit einer Winde herauf gefördert, einem walzenförmigen
Bambusgerippe, das von einem auf einer höheren Bank sitzenden Jungen
mit den Füssen getreten wird.
Zehn Minuten N. vom Dorf Malagúit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz
und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr
zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein über 100' langer Stollen
vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein.
Auf der Kuppe dieses selben Hügels, N. 30° W. vom Dorf, sind die
berühmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestürzt,
vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung
im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem
darauf wachsenden Gestrüpp einige kleine Bruchstücke zu finden, auf
denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitän Sabino,
der ehemalige Gobernadorcillo von Paracáli, ein wohlunterrichteter
Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber
vor einigen Jahren graben lassen um Probestücke für einen Spekulanten
zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu
gründen beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht
abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der
Madrider Börse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser
einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden,
bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch
Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet.
Auf diesem Hügel kommt eine besonders schöne Fächerpalme vor; ihr
Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll
breiten weissen Ringen in Abständen von 4 Zoll; und in gleichen
Zwischenräumen kronenartige Bänder von 2 Zoll langen schwarzen
Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun
der gebrannten Sienna über.
Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt
abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3 1/2 Stunde nach
Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte
mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen
verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine
Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht,
wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht,
sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen
Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich
begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks:
»tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr
verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu
haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu
haben. (Vergl. S. 130.)
1/4 Legua NNO. stösst man auf die Ruinen einer andern
Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren
eingefallen und dicht bewachsen; von den beträchtlichen Gebäuden
standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier
beschäftigt auf ihre Weise einige Goldkörnchen zusammen zu lesen. Das
bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend
Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an.
1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Diniánan. Auch
hier waren alle Werke eingestürzt, zugeschlämmt, bewachsen. Erst nach
langem Suchen wurden wenige Bruchstücke mit Spuren von Rothbleierz
aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer
Stelle sehr schöner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer.
1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im
dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84'
tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren
Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht
von Lúyang nördlich der Enseñada de Patág, in Caramúan.
Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen kommen bei Mancayán,
im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayán
und Ilócos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer
Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint
indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein
beträchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzöfen und hydraulische
Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem
wegen der örtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels,
nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163]
1869 hörte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach
den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionäre haben aber
nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von
1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schönredenden Spanier sagen,
einen dividendo pasivo.
Was den Europäern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen
die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit
Jahrhunderten mit Erfolg und in verhältnissmässig grosser Ausdehnung
betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem
Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa
nur durch umständliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet
werden könnten.
Man schätzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel
gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jährlich
300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und
die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange
bestehenden beträchtlichen Betrieb.
Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stämmen angefertigten
kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum
befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den
Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hämmern von
Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitäns
der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2
Fuss Durchmesser befunden, der für nur 3 Dollar gekauft worden,
woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in
grossen Massen vorkommen müsse, vielleicht sogar gediegen, denn wie
sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu
schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernör noch
unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Geräthschaften
nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernörs (von 1833) schon
seit zwei Jahrhunderten in Manila gebräuchlich waren. Jetzt weiss
man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind
und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere,
metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor
Ankunft der Spanier übten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den
Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingeniör Santos [164] und mit
ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen
oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszüge
(mehrere Reisende erwähnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten),
seine Götzen und einige seiner Gebräuche, sondern auch die Kunst
Kupfer zu bereiten herleite.
Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge
lebendes Volk in der Hüttenkunde soweit vorgeschritten sei, von so
grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos
(im wesentlichen nur eine Wiederholung einer früheren von Hernandez,
in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird.
Das gegenwärtig von der erwähnten Aktiengesellschaft, Sociedad
minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene
erzführende Gebiet war bei den Ygorroten in grössere oder kleinere
Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften
eingetheilt deren Grenzen eifersüchtig gehütet wurden. Das
Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte
Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den
Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung des Erzes bedienten
sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer
anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen
erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu
zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen
selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und höhete
den Boden auf, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme
der Holzstösse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit
des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden
häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze wurden in reiche
und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen,
diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung unterworfen,
wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's
verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und
Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln an
der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum grössten Theil
abgelöst werden konnten. [165]
Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer
runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30
Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung
stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)
von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
unteren Enden zweier ausgehöhlten Fichtenstämme eingepasst waren,
in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn
bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die für
das Schmelzen erforderliche Luft zuführten.
Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen
hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes
aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen
zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen
hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder
gerösteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen über
20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse also dem Luftzuge
ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die
aus losen zur Höhe von 0m50 übereinander geschichteten Steinen
bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene
Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe,
weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflüchtigung des
Schwefels Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach
Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige
Säure bildete, und die Hitze den höchsten, bei diesem Verfahren
möglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das
Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke
oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstücken selbst, die wegen
des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung
des Schwefelmetalls in eine poröse Masse verwandelten (und sich
nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten,
weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach);
ferner aus einem sehr unreinen »Stein« von 4 bis 5 Kg. Gewicht
und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt.
Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in
starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser
Theil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben
Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und zwar
ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen
dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem
sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein
Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen »Stein«
von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben
abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkühlungsflächen
benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr
oder weniger entschwefelt war, eine grössere oder geringere Menge
(stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück.
Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine
wurden abermals geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte,
damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer
von den Unreinigkeiten befreit hatte.
Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die
bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in
demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel
versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine
Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte,
das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt
in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94%
Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe
gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und
das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche entstandene Oxyd,
das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel,
die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit grünen Zweigen zu
peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen
und anderem häuslichen Geräth oder Schmuck dienen sollte, die
von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld
ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozess unterworfen,
der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass
man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in
dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende näherte, was
die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur
Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst
bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus
der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken
oder porösen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurückblieben.
Es war schwierig zur Rückreise nach Paracáli die nöthigen
Transportmittel für mein Gepäck zu erlangen, da die Wege durch
anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben
mochte. In Mambuláo ist der Einfluss der westlich angrenzenden
Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol
verstanden; unter der Bevölkerung macht sich das tagalische Element
durch hübsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und
Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf
und führen dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold
ist in der Regel 15 bis 16 karätig; der Strich entscheidet über
den Feingehalt. Die Händler zahlen durchschnittlich für die Unze 11
Dollar, wenn es aber wie gewöhnlich, in geringeren Mengen als eine
Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wägen mit kleinen
römischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit.
Nord-Camarínes ist spärlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat
die Bevölkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel
künstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die
Goldwäscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen
fortwährend auf reiche Funde, die nur äusserst selten vorkommen
und dann gewöhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch
Champagner und andre Luxusgegenstände in den Läden der sehr ärmlichen
Dörfer.
Malagúit und Matángo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen
ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpfütze,
in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften.
In Lábo, einem Dörfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der
dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben
mehrfach geschilderten Verhältnisse: schnellverschwindende Spuren
der Werke früherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von
Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden
worden, aber Gold und besonders »Platina«, das sich aber durch
Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo
scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus
Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm
watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold
von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die
mehrfach erwähnte Weise gewonnen wurde.
Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila näheres über
die Geschichte der vielen verunglückten Bergbauunternehmungen
zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von
Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit genügenden Mitteln
sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die
Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten.
Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen
Golde, liefert Nord-Camarínes jetzt kein Metall. Anfänglich erhob
der König von Spanien ein Fünftel, dann einen Zehnten vom Golde,
später hörte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten
durchschnittlich 10,000 Doll. (»denn viel wird verheimlicht«), die
Ausbeute also über 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom
Guvernör von Manila, dass jährlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne
Hülfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracáli
besonders goldreich sei. Zur Schätzung der gegenwärtigen Erträge fehlen
mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen
keine Erwähnung. Sehr gering sind die Erträge jedenfalls, sowohl
wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbeständigkeit der
Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt.
In einem Nachen kehrte ich stromabwärts nach Indang zurück, einem
verhältnissmässig blühenden Ort, mit geringerer Bevölkerung, aber
bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzüglich aus
Abaca, die Einfuhr aus Reis.
Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an
dieser Küste fährt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap
Engaño, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis März der Nordost,
hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer
Dauer sind und bald in NO. übergehn; im Januar und Februar treten
Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die stärksten Regen fallen
von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie
fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind,
dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- März, April,
mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun,
die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am
trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November,
am häufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig,
in der Mitte des NO.-Monsuns hört alle Schifffahrt an der Ostküste
auf. In der Umgegend von Balér wird der Reis im Oktober gesäet,
im März oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut.