Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am
Fusse verletzt, dass ich über einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter
solchen Umständen war es sehr angenehm eine geräumige bequeme
Wohnung zu haben. Mein Häuschen lag an einem klaren Bach von einem
Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas
in üppiger Fülle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele überreife
Cacaofrüchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln,
rösten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine
Kunst, die hier in jeder grösseren Haushaltung verstanden wird; denn
Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's
und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen
starken Gebrauch davon.
Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23°
N. bis 20° S. (von 30° N. bis 30° S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber
nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er
bei einer mittleren Temperatur von unter 23°.3 C. schon keine Frucht
mehr an, von allen Kulturfrüchten verlangt er die grösste Wärmemenge.
In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingeführt, entweder
nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas,
oder nach Samar, unter Salcédo's Regierung (1663-1668) durch die
Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich über einen grossen Theil der Inseln
verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist
seine Frucht doch von vorzüglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay
steht, wenn man den im Lande dafür gezahlten Preis als Maassstab gelten
lässt, dem Carácas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang
behauptet und wegen seines hohen Preises gewöhnlich zu drei Vierteln
mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch
meist nur in kleinen Gärten, in unmittelbarer Nähe der Häuser, und
so gross ist die Trägheit der Indier, dass sie die Früchte häufig
verfaulen lassen, ohne die köstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der
einheimische Cacao höher im Preise steht als der eingeführte. Auf
Cebú und Négros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend
für den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewöhnlich von Ternate
und Mindanao einführt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt
die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben,
gewöhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar
bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter).
Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewöhnlich einzeln
mit etwas Erde in dütenförmig gefaltete Blätter und hängt sie unter
seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung
des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander
(6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben,
dass sich die Pflanzen nur zu Sträuchern von 8 bis 10 Fuss Höhe
entwickeln, während sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten
selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich
kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse
Cacaobäume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im
3ten oder 4ten Jahre die ersten Früchte trägt, vom 5ten oder 6ten
Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben
bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Käufer findet. [86] Der
Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher höchst
beträchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum
im Grossen einzubürgern. Es heisst die ökonomische Gesellschaft habe
eine erhebliche Geldprämie für Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung
von 10,000 tragenden Bäumen aufweisen könnte, nur ein Einziger, der
verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz
der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht über die
Thätigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prämie nicht erwähnt.)
Das Haupthinderniss scheint in den fast alljährlich wiederkehrenden
gewaltigen Stürmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine
ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bäumchen zerstören. 1856
soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der
Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung
hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die
steuerfreie Einführung von Cacao gestattet und man konnte den von
Guayaquíl für 15 Doll. den Quintál kaufen, während der einheimische
mehr als das doppelte galt.
Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch
eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von
andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in
solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte
vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen
Reisenden als sehr schön geschildert. In den Philippinen, wenigstens
in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlässigte, von Flechten
bedeckte Baum schon früh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer
ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Blätter hängen vereinzelt
an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blüthen sind sehr
unscheinbar, nicht grösser als Lindenblüthen, röthlich gelb,
und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Büscheln
unmittelbar aus dem Stamm oder den stärkeren Aesten hervor. Die
Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer
sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei
Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89]
Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm säuerlich,
und enthält in fünf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so
gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem
kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, geröstet und fein
gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewöhnlich auch mit
Gewürzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete
fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst,
nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen
oft gerösteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet,
die Chocolade nach europäischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz
zur Chocolade in den örtlichen Provinzen sind geröstete Pilikerne. [90]
Die Europäer lernten das aus dem Cacao bereitete Getränk zuerst
in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit
Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum
Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den
Azteken die Stelle des Geldes, Montezúma empfing darin einen Theil
seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die
Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen
Werthes der Bohne als Münze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch
heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemünze,
weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermünze aber
1/2 Real beträgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am
Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wälder geben, die fast ganz
aus wilden Cacaobäumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Früchte wird
auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und für
sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, können sie nicht
mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflückt und getrocknet werden und
verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wälder.
Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen
in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen
Produktionsländern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr
abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei
geringer Mühe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische
Kultur, so sind auch dort die Ernten, die überdies erst nach 5 oder
6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher,
die Kultur eignet sich daher nur für grössere Kapitalisten oder
ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Gärten ziehen. Die grossen
Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall
gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam.
In Europa mundete die ursprüngliche Chocolade nicht allgemein;
sie fand erst später durch Zusatz von Zucker grössern Anklang. Das
übertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch
der Gegner des neuen Getränks hervor, auch regten sich bei den
Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao
als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort,
wo das Getränk in Spanien zum allgemeinen Bedürfniss wurde. [94] In
Spanien wurde der Cacao 1520 eingeführt, die Chocolade zuerst heimlich
bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort
schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579
ein englischer Kapitän eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte
(Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich
wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das
erste Chocoladenhaus eröffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95]
Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem
Cacao. Der Strauch gedeiht vorzüglich, seine Frucht ist von so
ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java
bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen höchst
unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwähnung. Nach
dem Berichte eines Engländers von 1828 [96] war der Kaffeestrauch
vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in
den Gärten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt,
vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers
(Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Früchte nascht und
die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die
Sociedad economica bemühte sich ihrerseits durch Ertheilung von
Preisen zur Anlage grösserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837
gewährte sie P. de la Gironnière eine Prämie von 1000 Doll., weil er
über 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen
konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prämien an Andre für
dieselbe Leistung. Aber sobald die Prämien gewonnen waren, liess
man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn,
dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und künstlich
gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewährten.
Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt
die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger
Erleichterung des Verkehrs allmälig zu bewirken: 1856 betrug die
Kaffeeausfuhr nicht über 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370
Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass für die Zunahme
der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen
Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine höhere Ausfuhr
erwartet werden. Aber selbst diese dürfte nicht als Maassstab für die
Leistungsfähigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europäisches Kapital
grössere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden
die Philippinen den gebührenden Rang unter den Kaffee erzeugenden
Ländern einnehmen.
Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagúna, Batángas und Cavíte,
den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlässiger
Behandlung sehr unrein, enthält viele schwarze Bohnen beigemischt. Die
Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), während die von Lagúna
grünlich und fast um die Hälfte kleiner sind als jene.
Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschätzt und stets
entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon
und manche andre sorgfältiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es
bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf,
fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einführte, davon aber für
1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In
London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewürdigt und nicht besser
als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er
dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf
für den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt,
einräumen wird.
Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden,
ein vortrefflicher Kunde der für gute Waare gern ermunternde
Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr
geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50
C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt
die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20
c. (etwa 3 1/2 Doll. für den Pikul).
Wie unbedeutend die oben angeführte Kaffeeproduktion im Verhältniss
zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem
Vergleich mit der Ausfuhr anderer Länder. Nach Scherzer, Fachmännische
Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000
Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr.
In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion
in Java unter dem »Kultursystem,« die Zunahme derselben in Ceylon bei
freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500
Tonnen für Java, 35,000 T. für Ceylon angegeben. Beide Ursachen
haben seitdem fortgewirkt und Niederländisch-Indien erzeugte 1866
nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000
T. mehr). [102]
Während meines gezwungenen Aufenthalts in Darága brachten mir
die Eingeborenen Muscheln und Käfer zum Kauf und eine Anzahl
meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie »Beruf zum
Naturforscher in sich fühlten«. Ich hatte ihrer endlich eine ganze
Küche voll. Täglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich
waren sie gewöhnlich nicht glücklich, desto munterer ging es aber
bei den Mahlzeiten zu. Fast täglich erhielt ich freundliche Besuche
von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Würdenträger und
Mestizen besuchten mich, selbst aus grösserer Ferne, nicht sowohl um
mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich über die Grenzen
der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die
landesübliche zweckmässige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum
Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren
Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer
Löthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche
tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im
Dunkeln als höchst zweckmässig.
Im benachbarten Puéblo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff
Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel,
und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend
zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es
dauert günstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet
wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht
möglichst lange Stücke zwischen zwei Blattansätzen aus, spaltet sie in
4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des
Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest
aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rücken, die Schärfe gegen
den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der
Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zähen Theilen befreit
und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde
Arbeit. Geflochten wird über eine zwei Fuss lange zylindrische,
nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden
Endfläche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der
dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so
wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der
Tasche gepresst, die ihn während des Flechtens der Seitenwand festhält.
Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legáspi, wo die Indier
Abends Theater spielten. Ein aus politischen Gründen verbannter Spanier
hatte die Anordnung übernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblättern
überdachten Bühne befanden sich erhöhte bedeckte Gallerien für die
Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war
oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte
gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostümen. Da das Theater an
einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes
bildete, so war der Lärm so gross, dass man nur hin und wieder ein
Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen
ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden,
von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten;
am Rande der Bühne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren
Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen
den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen,
wie Automaten. Hätte man wenigstens den Text verstehn können, so
wäre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen
gewiss drollig gewesen; Lärm, Hitze und Qualm waren aber so gross,
dass wir nur kurze Zeit blieben.
Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Gepräge
der Schlaffheit und Gleichgültigkeit, des unverstanden
Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Fröhlichkeit bei den
Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der
Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem
Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden.
Derselbe Mangel an Fröhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch
höherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus
einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklärt, daher auch der
wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht
des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen,
dass der Europäer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck
deuten lernt. Beide Ursachen mögen zusammenwirken. Wenn aber auch
lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet
doch der Indier grosses Vergnügen schon an den wochenlang dauernden
Vorbereitungen zur Ausschmückung des Dorfes, noch grösseres bei dem
Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz
oder den Abzeichen seiner Würde erscheint. Der Kampf um den Vortritt,
um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfüllt den also Begünstigten
mit dem höchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen
nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus
und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift
Obsequio del puéblo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen
wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe für geistige
Getränke; selbst junge Mädchen berauschen sich gelegentlich gern. Für
die Nacht finden die fremden Gäste die entgegenkommendste Aufnahme
in den Häusern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft
bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem
offen. In den grösseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bällen,
es tanzen aber gewöhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen;
blos ausnahmsweise wird eine begünstigte Indierin aufgefordert. Unter
sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber
einmal einen nicht ungraziösen, angeblich einheimischen Tanz aufführen,
zu dem »improvisirte« Strophen gesungen wurden: der Tänzer verglich
seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er möge sich hüten sie
zu berühren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin
reizend geklungen hätte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der
Improvisation verrieth.
Das müssige Leben in Darága gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen
Freunden so gut, dass sie es gern so lange als möglich geniessen
wollten. Sie wählten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles
zum Aufbruch für den nächsten Morgen gerüstet war, wurden Nachts
meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein
Indier eine schwere Last zu befördern, oder einen anstrengenden Ritt zu
machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenährten Gaul eines Castila,
und lässt ihn dann ungefüttert laufen, bis ihn jemand auffängt und
in das nächste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss
so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten
Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd,
obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit für einen Dollar
Reis genascht haben sollte.
Kleine Diebstähle kamen sehr häufig vor, werden aber, wie mich ein
freundlicher Gönner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend
klagte, nur gegen neue Ankömmlinge verübt; lange dort angesessene
Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen
Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter
Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nächsten
Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen
hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen,
da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hühnerstall ausgeräumt hatte.
Montag und Freitag Abend war Markt in Darága, -- bei gutem Wetter immer
ein hübscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich
den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von
Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhängen der Berge bei
Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie
tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide,
Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jüngern fehlt es aber
selten an Liebhabern, die ihnen die Mühe abnehmen.