DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE.

Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir,

ein bequemes Haus in Darága zu miethen, [81] einem wohlhabenden

Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von

Legáspi. Dieser Vulkan galt für unersteiglich bis zwei junge Schotten,

Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach

ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europäer.

Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz

Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen

die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche

Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren

Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig

erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel

wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem

man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt

kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten;

auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein

kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie

bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen

und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende

Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach

allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure

und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu

können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden.

An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders

heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen

wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht

der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden

Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die

Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins,

unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele

regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel

früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse

Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe

Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814

(s. unten) bisher widerstanden hatten.

Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei

sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei,

dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.)

An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen,

waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe

Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene

Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite

war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen

lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die

Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar

eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6'

Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter

liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke

zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe

Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie

eine mehr als 40' lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge

zerborstene Platte von 45° Neigung.

Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als

es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere

Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig

und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns

endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch

Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier

veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute

waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer

Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den

Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen

zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein

Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug,

verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand

mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten

die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als

unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit

Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei

Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten

uns nach 29stündigem Fasten.

In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del

pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio

Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft

befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und

besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz

Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren,

denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung

des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt,

die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt:

»Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu

seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine

Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in

den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille

schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefährten), der 1823

den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen

letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen

1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff

des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam

nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den

Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die

blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene

zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den

Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des

Berges ausgesetzt gewesen.

In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in

andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo

man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht

erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen

des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen

Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach

meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte,

die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter =

8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.

Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey

verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij

ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua

sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis

montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure

(Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26

Francf. 1620 Fol.«

Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die

Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig,

Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen

anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil

II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug

aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6

Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide,

allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom

Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu

sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October

spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7

Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach

S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine

so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy

mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser

Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu

durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug

die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern

von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die

Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört,

fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen

bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet,

der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen

breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand

und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam,

Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im

SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben

worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname

gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere

Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .«

1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg

schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).

Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der

schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der

Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der

Berg plötzlich eine dicke Säule von Steinen, Sand und Asche aus,

die sich schnell bis in die höchsten Luftschichten erhob. . . Die

Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor

unsern Blicken. Ein Feuerstrom stürzte vom Berge herab und

drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die höchsten

Punkte auf. Das gewaltige Geräusch des Vulkans setzte alles in

Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum

Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Häuser

gewährten keinen Schutz, da die glühenden Steine sie in Brand

steckten. So wurden die blühendsten Ortschaften von Camarines

in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hörte das Herabfallen der grossen

Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr

liess das Getöse etwas nach, der Himmel klärte sich allmälig

auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in

der Kirche von Budiáo waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35

Personen umgekommen. Fünf Ortschaften in Camarines sind gänzlich,

Albay zum grossen Theil zerstört. Zwölftausend Personen kamen

um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles

verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich,

seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhänge sind mit Sand

bedeckt, furchtbar dürr . . die Schicht von Steinen und Sand ist

10 bis 12 Varas dick. Wo früher das Dorf Budiáo stand, sind die

Kokosbäume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Dörfern

ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die

Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, über

120 Fuss an Höhe verloren, an der Südseite entdeckt man eine

ungeheure Oeffnung; drei andre Mündungen haben sich in geringer

Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche

und Rauch aus . . . die schönsten Ortschaften von Camarines und

der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwüste

verwandelt.« -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift

eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobátan

von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach häufigen Erdstössen

am vorhergehenden Abend und starken Erschütterungen am Morgen

spie der Berg plötzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus,

das sich pyramidenförmig erhob, und die Gestalt eines schönen

Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewährte die

vernichtende Erscheinung verschiedene schöne Anblicke. Der Berg

war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwärts dunkel, in der Mitte

bunt, oben aschfarben. Während der Betrachtung des Schauspiels

wurde ein heftiger Erdstoss verspürt, gefolgt von starkem

Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, während

die Wolke, die er bildete, sich allmälig vergrösserte. Die Erde

wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze

und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares

Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von

grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie

trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine,

Sand und Asche. Dies währte über drei Stunden, die Dunkelheit etwa

fünf. Die Städte Camálig, Cagsáua, Budiáo, die Hälfte von Albáy

und Guinobátan wurden verbrannt und zerstört. Die Dunkelheit

verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilócos, die

Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen,

der Donner in vielen Theilen des Archipels gehört worden sein.

1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay,

der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93).

Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich

folgende Mittheilungen über die Ausbrüche des Vulkans, deren

Zeugen sie gewesen sind:

1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast

ununterbrochen in Thätigkeit. Aschenausbrüche wurden nicht

wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glühende Lava

von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen

Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker

Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6

Uhr früh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd

graue und weisse Säulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen

Säulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war

von starkem Donner begleitet.

Nach den Ausbrüchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845,

selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht

wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wäre

zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... »aber

viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay,

Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber

wenig Schaden im Verhältniss zu dem von 1814 ... er liegt 150

Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein.« --

Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter

Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog

ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch

zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): »In der

SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den

Eingeborenen Ysarog genannt.« -- Der fragliche Ausbruch kann wohl

nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwähnen.

Am 21. Januar 1845 verkündete starkes Donnergeräusch einen

Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten währte. Eine

Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte

abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten

Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getöse ein Aschen-Ausbruch

statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem

Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darága blieb es

hell und man konnte die schöne Erscheinung, die in Guinobátan

Alles in Schrecken setzte, ungefährdet betrachten. Der Ausbruch

hielt noch einige Tage an, aber schwächer; bei Tage gewahrte man

eine dunkle Aschensäule, Nachts erschien sie glühend. Auch sah man

dann glühenden Sand in den Schluchten sich abwärts schieben; dies

Schauspiel währte eine Woche lang. Zugleich hörte man Nachts ein

Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Geräusch

der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des

herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobátan, Ligáo

und Camálig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit

Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange überraschte

Büffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglücksfälle

zu beklagen.

1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camálig aus (im

S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehüllt, darüber eine

schwarze Aschensäule. Mehrere Nächte starker Feuerschein am Gipfel.

1851 zwei Aschenausbrüche, beide unbedeutend, der zweite im Juni.

1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser

Ausbruch von zwölf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch

starkes Donnern, aber ohne Erdstösse eingeleitet. Aus dem Gipfel

bricht eine hohe Aschensäule hervor, welche die Gestalt eines

Baumes annimmt; die Dörfer im Umkreise mehrerer Meilen werden

mit Asche bedeckt. Glühende Steine rollten bis an den Fuss des

Berges herab und zerstörten mehrere Häuser. 31 Menschen kamen in

einer Abacápflanzung um (33 nach Estado 318.).

Ein heftiger Ausbruch soll am 22. März 1855 während eines

Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach

einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.)

Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat

der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der

Umgegend getödtet wurden.

1858 war der Berg fast ununterbrochen thätig, doch fanden keine

grossen Ausbrüche statt, aber fast alle Nächte sah man am Gipfel

glühende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede

Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen,

Ausbrüche fanden nicht statt.

Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und

gewöhnlich wegen der Bauart der Häuser unschädlich. 1840 und 1846

fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogón

zum grösseren Theil zertrümmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung

von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angeführt, das am

19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstörte,

wobei die Orte Malináo und Tabáco von der See überschwemmt wurden.

Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte

Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch,

Steine und Lava aus.

Reisen in den Philippinen · 第 38 / 95 题