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MEIN BESUCH AMERIKA'S IM SOMMER 1824.
Ein Flug durch die Vereinstaaten Maryland, Pensylvanien, New-York
zum Niagarafall, und durch die Staaten Ohio, Indiana, Kentuky und
Virginien zurück.
Von S. v. N.
Aarau, 1827.
Bei Heinrich Remigius Sauerländer.
1.
Die Abreise.
(20. bis 28. Mai.)
»Aber um aller Welt willen, Vetter, warum wollen Sie doch in alle Welt?«
riefen mir Vettern, Muhmen, Basen zu, als mein Entschluß bekannt ward.
-- Die vereinten Staaten von Nordamerika sind ja nicht alle Welt! -- war
meine Antwort.
»Wir sehen Sie in diesem Leben nicht wieder.«
-- Hm, ich denke, noch vor Weihnachten. Es ist von hier bis Amerika nicht
gar weit. Morgen reis' ich ab. In sechs, acht Wochen geh' ich in Amerika
schon spazieren.
»Und, Vetterchen, bedenken Sie doch die tausend Gefahren auf dem Meere!«
-- Ich sehe da deren nicht mehr, als auf dem Lande; nämlich, allenfalls ums
Leben zu kommen. Gut, diese Gefahr ist die einzige, und wir bestehen sie
vom Morgen bis zum Morgen alle Tage bei uns auf festem Boden.
»Ach, und Sie sind noch so blutjung.«
-- Sieben- bis achtundzwanzig Jahre, glaub' ich. In dem Alter hatte
Napoleon schon Italien erobert.
»Nun, warum machen Sie nicht lieber eine Lustreise nach Italien?«
-- Erstlich lasse ich mich schlechterdings nicht im Piemontesischen mit
meinen Paar Büchern als Transitgut plombiren; zweitens mich in Mailand
schlechterdings nicht auf die Polizei schleppen, wenn unglücklicherweise
an meiner Weste Carbonari-Farben zu sehen wären; drittens hab' ich einen
Abscheu vor Stileten und Dolchen der Weglagerer, die im Kirchenstaat wieder
mit der guten, alten Ordnung zurückgekehrt sind.
»Oder meinethalben gehen Sie nach Petersburg, wenn Sie etwa Berlin und Wien
gesehen haben.«
-- Petersburg ist von hier so weit, als Boston und Philadelphia, und die
chinesische Mauer der Paßordnung ist am Fortkommen hinderlicher, als der
Ocean. Ich möchte nicht, wegen der versäumten Unterschrift irgend eines
Paßschreibers, ein Vierteljahr lang in einem russischen oder polnischen
Gränzdorf verweilen.
»Reisen kostet Geld, Vetterchen!«
-- Ein Paar tausend Gulden für die Lustfahrt, mehr nicht. Andere verlieren
das noch behender und geschmackloser in Lotterien, am Spieltische,
beim Weintische, in kaufmännischen Spekulationen, durch lockere Weiber,
ungerathene Kinder, niederträchtige Falliten, übelberechnete Baupläne und
allerlei Neukäufe.
»Aber welchen Nutzen können Sie von der Reise haben?«
-- Der liebe Nutzen ist nicht Alles in der Welt; es gibt auch Anderes und
Besseres, wofür man lebt, z. B. das Gute, oder das Schöne, oder das Wissen
und Kennen. Dies abgerechnet, ist nicht auch Gesundheit und Lebensgenuß
etwas Nützliches? Dafür reisen Engländer und Franzosen in die Schweiz,
Deutsche nach Paris, Russen nach Neapel. Ich könnte auch wohl noch einen
Nebenzweck beifügen.
»Und der wäre? Eine Handelsspekulation? Unterwegs eine Braut finden? Ihren
Oheim in Amerika sehen?«
-- Nein, für alle Nothfälle auch gelegentlich zu erfahren, ob Amerika für
unser eins einmal zum Vaterlande taugen könnte?
»Behüt' uns der Himmel! Sie denken doch nicht an's Auswandern?«
-- Gerade jetzt nicht. Aber nehmen Sie mir nichts übel, es wird mir
allgemach ein wenig unheimlich und unfrei hier zu Lande.
»Wie? wo können Sie freier leben, als hier im freien Vaterlande?«
-- Wo? das weiß ich eben nicht, drum möcht' ich's gern wissen. Uebrigens
räum' ich willig ein, wir sind hier, Gott sei Dank, so frei, als man irgend
sein kann, wenn man sich mit Namen, Worten und Liedern begnügt; jeden
Rathsherrn sein Nabobchen spielen lassen muß; mit Nationalehre und
Nationalunabhängigkeit von Fremden es nicht genau nimmt; und es über sich
bringt, dem gesunden Menschenverstande zuweilen ein Auge zuzudrücken. Läg'
unser liebes Vaterland nicht in Europa, wäre es gewiß um die Hälfte mehr
werth.
»Was geht Sie denn Europa an?«
-- Hm! doch etwas. Man lebt nicht blos in seinem Hause, sondern auch im
Städtlein mit den Leuten. Und gebildete Menschen leben heutiges Tages nicht
blos in ihrem Ländlein, sondern auch im Welttheil, zu dem dasselbe gehört.
Wenns in Spanien brennt, fliegen Funken bis Rußland; und wenn man in London
spricht, hört mans gut in Berlin und Neapel. Ich gebe zu, Europa ist
sehr glücklich für viele, viele seiner vortrefflichen Bewohner;
für Geisterseher, Absolutisten, Ultra's, Mönche, Restauratoren,
Gebetbuchmacher, Inquisitoren, Wetterhähne, Censoren, Polizeispione,
Einnehmer, Zionswächter u. s. w. Leider hab' ich nicht die Ehre, zu einer
dieser Zünfte zu gehören. --
Als alles Zureden der lieben Vettern und Bäschen eitel blieb, liessen sie
mich gehen. Ich packte ein. Es kostete uns Allen beim Abschiede einige
köstliche Thränen. Ich bestieg den Postwagen.
Nichts von meinem Flug durch Frankreich bis Paris. Ich sprach unterwegs
den und diesen. -- »Seid ihr glücklich, Leutchen?« -- Jeder antwortete
mit einem zusammengesetzten Gesicht, das meistens etwas in's Süßlichsaure
schillerte: »=Mais oui.= So, so!« und dann gab's zu dem =«Mais oui»=
Anekdoten, Bemerkungen, gar Flüche, die insgesammt wie ein Kommentar zu dem
Sprüchwort aussahen: Vom Regen in die Traufe. Einige von den Pfiffigsten
hielten mich offenbar für einen Mouchard, oder Agent Provocateur. O die
glücklichen Leutchen!
Ich fand meinen Bruder in Paris. Er wollte mich bis _Havre_ begleiten. Am
27. Mai Abends 5 Uhr fuhren wir die Barrieren hinaus ins Freie. Die Natur
war von der Hand des Frühlings mit dem höchsten Zauber bekleidet. Von Zeit
zu Zeit schimmerte zwischen artigen Landhäusern und kleinen Gehölzen
der gekrümmte Strom der Seine. Etwas weiter hin stiegen St. Cloud und
Versailles mit den prachtvollen Schlössern empor. Nicht minder mannigfaltig
prangten die Gegenden zu unserer Rechten. Die letzten Strahlen der Sonne
hüllten die Kirchthürme von St. Denis in Gold. Dann ließ die Nacht ihren
halbdurchsichtigen Schleier nach und nach über das schöne, große Bild
niedersinken.
Am Morgen schwamm die Stadt _Rouen_ vor uns im Hintergrunde mit ihren
Thürmen und Schiffsmasten, halb und halb im Rauch der Schornsteine
verloren. Rouen hat viele protestantische Einwohner und vielen
Gewerbsfleiß. Dadurch ward es blühend. Man ist jetzt sehr eifrig daran, die
Kirchen besser zu bevölkern und durch Missionäre den Glauben zu stärken.
Die Fabriken fangen an zu kränkeln und mit dem Glauben will der Kredit
nicht wachsen.
Das Land, auch hinter Rouen, als wir von einer Anhöhe niederfuhren, ist
herrlich. Die Seine verliert sich in zahllosen und weiten Windungen durch
fruchtbare Gefilde in die blaue Ferne. -- Vier Uhr Nachmittags sahen wir
Havre und das Meer; um sieben Uhr saßen wir im Hotel _Bienvenu_ an guter
Tafel.
2.
Am Ufer des Meers.
(29. Mai bis 1. Juni.)
Ausgeschlafenen Sinnen ist das ganze Weltall frischer, lebendiger,
lachender. Alle Müh' und Noth, welche ich mit den Spediteurs und Zollratzen
in Havre wegen meines schon dahin vorausgesandten Reisegepäcks hatte, ward
mir wieder durch den Genuß versüßt, welchen jeder hat, der zum erstenmal am
Gestade eines Meeres steht.
Als wir dahin gingen, kamen wir in ein sonderbares Feldgelager. Alles war
mit Männern, Weibern, Kindern in fremden Trachten, alten Leuten mit Bärten,
Karren, Kisten und Pferden bedeckt. Gleich den Horden der Nomaden wohnten
sie Tag und Nacht im Freien; der Himmel war ihr Dach und die nächtliche
Finsterniß der Umhang ihres Bettes. Ich erkannte sie bald für Elsasser
und Schweizer. Die Bartmänner mochten zu jenen stillen, gutmüthigen
Wiedertäufern gehören, die Keinen beleidigen und so oft der Gegenstand
der Bedrängung sind. Man sagte mir, daß auch wohl nach und nach alle
jene Wiedertäuferfamilien, welche die wilden Berge des Münster- und
St. Imerthals fruchtbar machten, ihre Einsamkeiten verlassen würden, um
eine freiere Heimath zu suchen.
Die ganze Schaar, die wir hier sahen, waren Auswanderer nach Amerika.
Die Männer hatten mit Geschirr, Wagen und Kasten zu schaffen. Andere
schmauchten harmlos ihr Pfeifchen. Berner und Baseler Bäuerinnen, in ihrer
Landestracht, hingen Wäsche an Seilen auf zum Trocknen.
Ein so ausserordentliches Schauspiel mochten die Leute von Havre wohl
lange nicht gehabt haben. Sie standen zahlreich gaffend da. Ein Haufe
muthwilliger, kleiner Buben hatte ein kleines Bernermädchen zwischen sich,
das noch, wie in der Heimath gewohnt, die Haare seines Hauptes in zwei
langen, mit Bändern durchflochtenen Zöpfen niederhängen ließ, während
am Ende der Haarflechten unterwärts die Bänder bis fast zu den Waden
niederflatterten. Nun hatte einer der Knaben beide Band-Enden erhascht und
ließ das arme Mädchen, wie am Leitseil, bald rechts, bald links trotten.
Ich machte dem Auftritt ein Ende.
Als ich von den Auswanderern einige deutsch anredete, riefen sie: »Ach myn
Gott, syd'r au ne Schwyzer? Ganget'r au in Amerika?« Ich gab denen, welche
wegen der Ueberfahrt noch nichts auf den Schiffen bedungen hatten, den
wohlthätigen Rath, ganz unmittelbar mit einem Schiffskapitän den Vertrag
selbst abzuschliessen, und keinem jener dienstfertigen Negozianten und
Kommissionäre zu trauen, sie möchten Landsleute sein oder nicht.
Denn dergleichen Personen kennen selten, ausser ihrem Handels- und
Kommissions-Ertrag, etwas Erträglicheres; das Kontobuch ist die wahre
Heimath ihres Herzens und Geistes; das Soll und Haben ihr Vaterland und
Ausland.
Wir kamen zum Hafen. Die Unermeßlichkeit und Majestät der ersten
Erscheinung des uferlosen, lebendigen Meeres überfiel uns mit wunderbaren
Schauern. Wir standen unverabredet plötzlich still, wie gebannt, und
verloren die Sprache. Unser ganzes Wesen ward Auge; und doch ward mir, als
wären meine Augen viel zu klein, das Bild der Unendlichkeit aufzunehmen.
Wir bewanderten nun den Hafen von einem Ende zum andern, indem wir dem
Becken folgten, welches drei Viertel der Stadt einfaßt. Von Schritt zu
Schritt lag der Weg verrammelt: Seile, Holzbiegen, Kohlhaufen, ungeheure
Ankertaue, Steine, Schiffsmasten, Sandhaufen, Fässer, umgekehrte Nachen und
Kähne, Kisten von aller Form und Größe, Waarenballen aufeinandergethürmt,
Alles durcheinander. In den Zwischenräumen aufqualmendes Gewölk von
Theerkesseln. Links und rechts Hämmern und Klopfen von hundert Schlägeln,
Beilen, Aexten. Zwischendurch das Geschrei und Rufen der Matrosen am Ufer,
wie auf Fahrzeugen, die über den Wellen tanzten.
Wie wir Nachmittags wieder dahin kamen, sahen wir eine überraschende
Verwandlung. Das große Wasserbecken war geschlossen; der übrige Theil des
Hafens bis zum Meere lag trocken. Mehrere kleine Schiffe ragten aus dem
Sand hervor, andere ruhten mit einer Seite auf den beschlammten Steinen.
Anfangs standen wir bei dem unerwarteten Anblick voll Erstaunens da;
besannen uns aber bald, dies sei das Werk der _Ebbe_. In _Havre_ betragen
Fluth und Ebbe, vom höchsten zum tiefsten Punkt, 22 Fuß; so wechseln sie
binnen 25 Stunden zweimal. Zu _Liverpool_ ist ein Unterschied des tiefsten
Ebbe- und höchsten Fluthpunktes von 29 Fuß. In Amerika ist er weit
geringer; in _Philadelphia_ z. B. 6 Fuß, in _Newyork_ nur 5 Fuß, in
_Baltimore_ nur einen einzigen. Alles hängt davon ab, ob das Meer minder
oder mehr eingeschlossen und beengt ist.
Wir befanden uns bald auf dem Mola, der seine Erdzunge weit in die See
hinausstreckt. Eine unzählbare Menge Schiffe schwebte in allen Richtungen
vor uns über dem dunkeln, beweglichen Wasserspiegel und dem Horizont.
Majestätisch, wie Schwäne, zogen Dreimaster durch die Fluthen. Einige
Rauchstreifen über fernen Wellen ließen uns Dampfschiffe erkennen.
Folgendes Tags, es war Sonntag, neues Schauspiel. Eine bunte Volksmenge
füllte das Ufer des Hafens, beim herrlichsten Wetter. Ein neugebautes,
großes Schiff sollte zum erstenmal in sein künftiges Element
hinausgeschleudert werden. Wir gelangten zu dem gewaltigen Gebäu. Ein
Dampfschiff mit Musik und vielen Neugierigen war bereit, das todte
Ungeheuer in den Hafen zu schleppen. Tausend und tausend Menschen drängten
sich herbei; ihrer hundert wenigstens stiegen in's zu weihende Fahrzeug. --
Das Zeichen ward gegeben und bei zwanzig Mann, mit großen Aexten, schlugen
Gerüst- und Sperrwerk ein, welches dem Abrollen des Schiffs entgegenstand.
Es hing nur noch schwach mit dem Boden zusammen. Die Lage schien in der
Ordnung. Ein zweites Zeichen, und der Balken, welcher den Schiffrumpf noch
festhielt, stürzte zu Boden. Der Kiel, in einer Art Trag-Leitung, die
wohl mit Seife bestrichen war, glitschte langsam vor, bald mit wachsender
Geschwindigkeit, immer schneller, daß ein schwarzer Rauch hinten nachfuhr.
-- Plötzlich Geschrei um mich her: »Das Schiff stürzt auf die Seite!« Ich
stand mit meinem Bruder fünf Schritt von der Bahn. Das Schiff kömmt. Alles
schreit im Gewimmel, wo wir waren; alles flieht, stolpert über Seile,
Fässer, Holz, fällt, reißt andere fallend mit sich. -- Welch' ein
Schlachtfeld, welche Niederlage! -- Als ich aufstand -- die ganze
Verwirrung dauerte zwei Sekunden -- und mich umsah, schwamm das Schiff
schon stolz im Meere hin.
3.
Hyperion.
Denselben Abend reisete mein Bruder nach Paris zurück. -- Ich hatte mir
schon ein Schiff zur Ueberfahrt nach Amerika gefunden und die Bedingungen
abgeschlossen.
Es lagen eben drei Schiffe im Hafen segelfertig nach Amerika; der _Bayard_
und die _Elisabeth_ zur Fahrt nach Newyork, der _Hyperion_ nach Baltimore.
Ich wählte mir den Hyperion aus, diesen mythischen Vater des Sonnengottes,
mein Heil mit ihm zu versuchen. Es kamen noch andere kleine Umstände dazu,
die mich zu seinen Gunsten stimmten. Zwar der Bayard war das größte Schiff,
aber Hyperion stand ihm an Schönheit nicht nach. Und wie ich an sein Bord
ging, mit dem Schiffskapitän, einem Amerikaner, zu unterhandeln, hieß er:
_Albert de Valengin_. -- Von Valengin? was? Also eine Art Landsmann? --
In der That. Er erzählte mir, sein Vater, von _Neuenburg_ in der Schweiz
gebürtig, habe sich nach Amerika begeben gehabt, weil er mehr oder minder
Theil an einem Bürgeraufstande genommen hatte, der ihm mehr oder
minder gerecht geschienen. Denn in den letzten Jahrhunderten der
Eidsgenossenschaft, als diese durch innere Zwiste schwach in sich selbst,
daher feige gegen das Ausland, daher friedliebend im Uebermaaß gegen
Fremde, aber trotzig, herrisch und unterthansüchtig im eigenen Ländchen
geworden, wären der Unruhen und Aufstände so viel geworden, daß man sie
eher für etwas Gerechtes als Ungerechtes hätte ansehen mögen.
Was gings mich an? Ich ließ den Mann bei seinem Glauben. Er gefiel mir.
Er mochte kein Schweizer sein, blos freier Amerikaner. Er sprach auch nur
englisch. Er forderte für die Ueberfahrt nach Baltimore 600 Franken von
mir und begnügte sich mit 500, wenn ich für mein Bettgeräthe und den Wein
selber sorgen würde.
Die Kajüte war zierlich; alle Vertäfelung darin von Acajou-Holz; ebenso
Tisch und Stühle. Ein großer Spiegel, mit breitem Goldrahmen, füllte den
Raum zwischen beiden Fenstern im Hintergrund. In der Mitte des Zimmers
schwebte ein Kompaß an drei zierlichen Ketten hangend. Die Betten, in Form
sauberer Kleiderkisten, befanden sich hinter Umhängen, an den Seiten.
Die größte Sauberkeit war über Alles verbreitet. Schloß und metallische
Beschläge der Thür waren von glänzendem Messing. Ueber dem Fußboden lag
ein großer türkischer Teppich ausgespannt, und ein zweiter, sehr schmaler
deckte die Treppe.
Das Gefällige und Reinliche dieser kleinen Wohnung über den Wellen sprach
mich gar freundlich an. Das Anmuthige und Schöne gehört zu den ersten
Lebensgenüssen, und veredelt Leben und Gemüthsart. Das geistlose Thier hat
keine Fähigkeit, vom Schönen gerührt zu werden, eben weil es geistlos ist.
Es hat nur Sinn für Fraß und Durststillung. Der rohe, bildungslose Mensch
gleicht darin dem Thiere. Er kennt nichts Besseres, als was ihm in Gaumen
und Magen wohlthut. Der erste Federschmuck und Nasenring der Wilden ist
ein Zeichen vom Erwachen des Höhern. Das weibliche Geschlecht, immer früher
reifend, als das männliche, ist auch dasjenige, welches die Völker zuerst
und am meisten aus dem Schlamm des Thierthums hervor ins _Menschliche_
heben. Will man Wilde, Halbwilde, Leibeigene und rohe Bauern gesitteter
machen, bringe man den jungen Mädchen und Frauen Putzwaaren. Ein Hausirer
mit buntem Bänderkram, Halstüchern u. s. w. hat auf die Civilisation eines
wüsten Dorfes segensvollern Einfluß, als Pfarrer und Schulmeister. -- Das
wird freilich manchem Schulmeister unglaublich scheinen.
Alle seefahrende Völker haben ihre eigenthümliche Weise im Bau der Schiffe.
Es ist damit, wie mit Nationaltrachten, Sitten, Sprachen. Ein Seekapitän,
sobald er irgend ein Schiff nur deutlich erkennen mag, wird auch sogleich
sagen, welcher Nation es angehört. Die amerikanischen sind nach einer
andern Einrichtung geformt; allgemein anerkannt, daß sie die zierlichsten,
und dabei die feinsten Seegler sind. Aber sie haben auch die wenigste
Dauerhaftigkeit.
Mir lag jetzt nicht viel an der letztern; desto mehr am Niedlichen und
Schnellen. Der _Hyperion_ war eine Brick von 400 Tonnen. »Wie lange können
wir damit unterwegs sein?« fragte ich den Herrn von Valengin. -- »Ein
Schiff,« sagte er, »das keine andere Mittel zum Fliegen hat, als seine
Segel, hängt von der Huld der Winde ab. Der Hyperion hat die Ueberfahrt
von Charlestown in Amerika nach Amsterdam in Holland auch schon in achtzehn
Tagen gemacht.«
Zu den schnellsten Fahrten zählt man diejenige einer amerikanischen
Goelette, die von Newyork nach Havre nur vierzehn Tage brauchte; und eines
Packbootes, das in dreizehn Tagen von Newyork nach Liverpool kam. Aber
das, was bisher in den Jahrbüchern der Seefahrer das Unerhörteste gewesen,
erzählte mir in Amerika einige Monate später Herr _Gallatin_, wie ich ihn
zu Geneva besuchte. Als er nämlich zu seinem Gesandtschaftsposten in Paris
von Amerika abreisete, machte die Fregatte, welche ihn führte, den Weg bis
Havre in vierzehn Tagen.
Uebrigens ist bekannt, man fährt von Europa nach Amerika nicht so
geschwind, als umgekehrt. Dazu tragen einerseits die Südwestwinde bei, die
das Meer während zwei Drittheilen des Jahrs beherrschen, anderseits die
Strömungen, welche vom mexikanischen Golf ausgehen, sich bis zum 45. Grad
nordwärts fühlbar machen, und in mancher Gegend des Ozeans zwei bis vier
Seemeilen in einer Stunde einbringen. Das Wasser dieser Strömungen ist auch
bei sechs Grad wärmer, als das Wasser an den Küsten.
Ich habe zwar nicht die Ehre, Seemann zu sein. Allein im Vertrauen auf das
tägliche Fortschreiten menschlicher Wissenschaft und Kunst, darf ich
mir, vielleicht mit größerm Recht, als mancher andere, die Ehre erlauben,
Prophet zu sein. Schon jetzt ist eine Reise von Europa nach Amerika und
wieder zurück nicht kostspieliger, nicht gefährlicher, nicht unbequemer,
als die Reise im Kasten einer Postkutsche zu Lande auf halb so langem Wege.
Man ist da nicht zum Ueberfluß noch von hungrigen Postillionen, groben
Postbeamten, prellenden und schnellenden Wirthen, rohen Mauthknechten,
Paßschreibern, Visitatoren, Zoll- und Weggelderforderern und anderm
Reise-Ungeziefer geplagt, das von der Polizei- und Finanzkunst des
überglücklichen Europa zum Besten der Menschheit erfunden worden ist. Es
wird eine Zeit kommen, da, wenn sich der Europäer erholen, zerstreuen,
frische Luft schöpfen will, und umhersinnt, wohin eine kleine Lustreise
thun? er kurz abbricht und sagt: »Ich will ein wenig nach Amerika, und
komme gleich wieder.«
Bis jetzt bewegen sich die Fahrzeuge über das Meer entweder mit Segeln,
oder Galeerenrudern, oder Dampfmaschinen. Im Allgemeinen sind die Segel
freilich die vortheilhaftesten Schiffsfittige, am wohlfeilsten und
raumsparendsten. Nur bei langen Windstillen machen sie traurige Miene.
Es wird nicht fehlen, man wird mit der Zeit den Schiffsbau dahin
vervollkommnen, daß man zu den Segeln noch die Dampfmaschinen beihilfsweise
gesellt, und sie in Fällen spielen läßt, wo der Wind seine Huld versagt.
4.
Haushaltung auf dem Meere.
(2. Juni bis 13. Juli.)
Ich war am Bord. Mittags den 2. Juni wurden die Anker des Hyperion
gelichtet, alle Flaggen und Wimpel aufgezogen. Die im Hafen bleibenden
Schiffe erwiederten auf dieselbe Art das Abschiedszeichen. Es blieb nicht
bei dieser stummen Sprache: »Hurrah!« brüllten unsere Matrosen; »Hurrah!«
scholl es links und rechts von den andern Fahrzeugen zurück.
Das Wetter war angenehm. Ein sanfter Wind strich furchend über die
spiegelnde Wasserebene. Mehrere kleinere Fahrzeuge folgten dem unsern.
Andere kamen uns entgegen, und zwar mit demselben Winde, und segelten dabei
nicht langsamer, manche geschwinder, als wir. Das amerikanische Packboot,
die _Queen-Maab_, kam so eben von New-York her. Mit entfalteter Flagge und
dem Hurrah-Gruß der Matrosen, fuhr es zehn Schritte weit an uns vorüber.
Das Verdeck desselben war voller Reisenden, deren Aeusseres schon
verkündete, wie vergnügt sie waren, am Ziel ihrer Fahrt zu sein. Das Land
wich hinter uns zurück. Der Zuschauer-Haufe am Ufer verschwand. Die Küsten
schienen sich auf den Wellen zu bewegen, und auf- und niederzusteigen.
Endlich wurden sie zu einem schwarzen Striche, der sich zwischen der
zitternden Wasser-Ebene und dem Himmel entlang zog.
Ich sah mich nun nach den Reisegefährten um, die mit mir im engen Raum
des Hyperion den Abgrund des Ozeans, von einem Welttheil zum andern,
überschiffen wollten. Der Kapitän, zwei Lieutenants, zehn Matrosen, ein
Stewart, ein Koch, ein Schiffsjunge, bildeten die Bemannung des Fahrzeugs.
Ich war der einzige Reisende in der Kajüte und am Tische des Kapitäns. Die
übrigen waren Auswanderer von Europa, Männer, Weiber, Kinder, 68 an der
Zahl, die unten im übrigen Schiffsraum herbergten und ihre Küche selbst
besorgten. Der Kapitän, die beiden Lieutenants und ich speiseten zusammen.
Man hält drei Mahlzeiten des Tags. Zum Frühstück gibt's schwarzen Kaffee,
Fleischschnitte, Geflügel, kleine Kuchen u. s. w. Mittags speist man um
1 Uhr, Fleisch auf verschiedene Art zubereitet und Gemüse; zum Nachtisch
Käse oder Früchte; Bier, Wein, gebrannte Wasser mit natürlichem verdünnt.
Sieben Uhr Abends nimmt man den Thee, wieder mit Nebengerichten von
Fleisch, Backwerk u. s. w. begleitet. Fast alle Schiffe haben lebendige
Schweine, Schafe, Hühner und Enten in Fülle an Bord. Einige Packboote,
zwischen Havre und New-York, halten auch der Milch wegen eine Kuh. -- Die
Matrosen speisen in ihrer Kajüte am andern Ende des Schiffes eine Stunde
früher, als der Kapitän.
Dieser hat wenig Langeweile. Er und einer seiner Lieutenants schreiben von
Stunde zu Stunde Richtung des Windes, Länge des zurückgelegten Weges, die
Höhe, welche man gefunden, die Schiffe, welche man gesehen oder gesprochen
hat und hundert andere Beobachtungen und Bemerkungen auf. Zu unbestimmten
Zeiten, des Nachts wie des Tags, ging der Kapitän aufs Verdeck und musterte
Sachen und Arbeiten.
Das Steuer führt ein Matrose, der alle zwei Stunden abgelöst wird; die
Augen stets auf zwei vor ihm befindliche Kompasse geheftet, die des Nachts
durch eine Lampe beleuchtet sind. Bei gutem Wetter hatten die Matrosen von
vierundzwanzig Stunden nur sechs zur Ruhe; bei bösem Wetter blieb Alles
auf den Beinen wach. -- In den meisten Reisebeschreibungen wird über die
Rohheit der Matrosen geklagt. Man schildert sie, wie einen Auswurf des
menschlichen Geschlechts. Ich fand das bei unsern Matrosen nicht. Sie
waren insgesammt Amerikaner, sehr gefällig, dienstfertig, sauber gekleidet,
sittsam und immer thätigen Gehorsam. Freilich man muß diese braven Leute
nicht wie Knechte und Bediente behandeln und ihnen Befehle zuherrschen
wollen. Aeusserte ich bittweise nur einen Wunsch, schnell sprangen zwei und
mehr, mir zu helfen. In Baltimore begegnete ich nachher einigen von ihnen
wieder auf der Gasse. Sie waren aber so zierlich gekleidet, daß ich sie im
ersten Augenblick nicht kannte. Einer lud mich sogar zu seinen Eltern ein.
Der Empfang überraschte mich durch das Anständige, Feine und Herzliche.
Wenn wir in der bürgerlichen Gesellschaft noch brutale, ekelhafte
Menschenklassen haben, wahrlich, so sind daran nur die höhern Stände mit
ihrer brutalen, ekelhaften Vorbildung schuld. Braucht nur häufig bei den
Kriegsleuten und Vaterlandsvertheidigern die Korporal-Fuchtel, in den
Schulen den Stock, werft die Juden mit Koth, und kehrt dem Handwerksmann
und Landmann hochmüthig den Rücken zu, wenn sie euch gleichgeboren zu sein
glauben, so habt ihr bald eine europäische Pariah's-Kaste gebildet. Dann
schreibt Bücher über Bücher über Verbesserung der Juden, über Schulwesen,
über Volksbildung; dann erlaßt Sitten- und Sonntagsmandate, Gesetze und
Dekrete zur Beförderung der Zivilisation! Das wird helfen, wie ein Pflaster
auf die Todeswunde des Erschlagenen. -- Wie treibt man's aber in jenen
Ländern, wo die Barbaren mit Titusköpfen und Fraks nach der neuesten Mode
wohnen?
5.
Die Seefahrt nach Baltimore.
(2. Juni bis 13. Juli.)
Ueber das spielende, wechselnde, gewaltige, majestätische Element der
Wellen, durch die Dienstbarkeit der Winde, wie von unsichtbaren Geistern,
hingetragen zu werden, ist ein Hochgenuß ganz eigener Art, besonders eh'
die Gewohnheit, die auch den stärksten Wein endlich verwässert, dafür die
Sinne stumpf macht. Verwunderung, Grausen und Stolz auf die Gewalt des
menschlichen Geistes, bemächtigen sich des ganzen Gemüths.
Leider verstimmte sich dies Hochgefühl bald durch die sogenannte
Seekrankheit, von welcher, mit Ausnahme der Kinder unter zwölf Jahren und
ganz alter Personen, alle Reisende ergriffen wurden, und ich, wie mirs
vorkam, am ärgsten. Es war ein bald widerlicher, bald lächerlicher,
Anblick, fünfzig bis sechszig Menschen um sich her die seltsamsten
Gesichter schneiden zu sehen, weil ihr Magen in beständiger Insurrektion
gegen Anstand und Sitte war. -- Ein Paar Tage lang mußten die Auswanderer
aller warmen Speisen entbehren, weil das Uebel ihre sämmtlichen
Kochkünstler ausser Stand setzte, den Herd zu besorgen.
Das Wetter blieb schön, der Wind günstig, zuweilen verwandelte er sich
sogar in sturmartige Stöße; wir befanden uns am vierten Tag der Abfahrt
schon weit ausser der Meerenge von Frankreich und England. Allein Lust
und Freude gingen im ewigen Uebelsein verloren. Man kann und mag sich mit
Niemandem unterhalten, nicht einmal lesen. Der Geist quält sich mit Denken
und Träumen. Aus den besten Träumen aber stört auch wieder das beständige
Krachen und Girren des vielbewegten Schiffes auf. Es ist einem zu Muthe,
als würde man, in einen großen hölzernen Kasten gesperrt, mit Schnelligkeit
über und zwischen Steingeröll fortgeschleppt. Man hält zuletzt keinen
Gedanken und Wunsch fester, als den, bald Land zu erreichen und ruhigen
Boden unter den Sohlen zu haben. Kein Essen erquickt; vielmehr es erneuert
nur den Jammer. Ich sehnte mich blos nach Mehlsuppe. Unser schwarzer
Schiffskoch aus Afrika machte sie nach meiner Angabe und endlich ziemlich
gut. Aber wenn er mich davon essen sah, bezeugte er mir sein herzlichstes
Mitleiden und betheuerte, weder in noch zwischen den drei Welttheilen
seiner Bekanntschaft je ein elenderes Essen gekocht zu haben.
Die Erhabenheit der unendlichen Wasserwüste, welche uns umgab, und mich
anfangs tief erschüttert hatte, ward, ich muß es gestehen, zuletzt mit
seiner majestätischen Einfalt mir sehr langweilig. Es wundert mich jetzt
gar nicht mehr, wenn die meisten Reisebeschreiber mit dem, wodurch sie sich
ihre Langeweile vertreiben, ihren Lesern die größte verursachen, nämlich
mit Aufzeichnung des Windes, der geblasen hat. Die einzige Abwechselung in
der weiten Einöde des Ozeans bringt entweder ein Schiff, das in der Ferne
erscheint, sich nähert und verschwindet; oder von Zeit zu Zeit das Spiel
der Fische auf der Oberfläche des ungeheuern Wasserbeckens. Die Delphine
bildeten da oft stundenlange Linien, indem sie regelmäßig einer nach
dem andern zwei bis drei Schuh über der nassen Fläche hoch sprangen. Die
Boniten und Doraden, mit allen Farben des Regenbogens geschmückt, schwammen
traulich neben dem Fahrzeug her; während der Haifisch unbeweglich auf dem
Wasserspiegel lag und die Beute erwartete, die seinem unersättlichen Rachen
zuschwimmen sollte. Der Spritzfisch blieb auch nicht aus, uns seine Künste
zu zeigen; und so stellten sich uns immer neue Arten von den Bewohnern des
feuchten Abgrundes dar. Eines Abends näherte sich sogar dem Schiffe einer
von den Riesen der Tiefe, ein Wallfisch. Dann und wann wieder flatterten
Tauben und Meerschwalben über und zwischen den Segeln umher. Die Schwalben
wandelten lustig über die Wogen und pickten mit den langen Schnäbeln nach
den Stückchen Zwieback, die wir ihnen hineinwarfen.
Der Wiedertäufer _Hermann_ versah bei den Ausgewanderten die Stelle eines
Schiffspredigers. Jeden Sonntag verrichtete er ein öffentliches Gebet und
hielt aus dem Stegreif über irgend eine Bibelstelle eine Rede, die darin
vor mancher Predigt gelehrter Pfarrer den Vorzug hatte, daß sie aus reinem,
frommem Gemüth hervorging, und verständig, kunstlos und erbaulich zum
Gemüth drang. Den Schluß dieser Andachtsstunde, die gewöhnlich zwei Stunden
dauerte, machte ein Psalmengesang. -- Dieser Wiedertäufer und seine Frau
zeichneten sich unter allen Ausgewanderten durch ihre feinen, geistvollen
Gesichtszüge aus.
Ich fand seine Frau eines Tages blaß und leidend sitzend, mit dem Rücken
gegen das Schiffsbord gelehnt. Ich bot ihr ein Glas Wermuth-Extract zur
Stärkung an. Sie trank es und stieg dann in's Zwischenverdeck hinunter.
Kaum zwei Stunden nachher verkündete mir ihr Mann die glückliche Entbindung
seiner Frau von einem Töchterlein. Ein Paar Tage später kam sie selbst aufs
Verdeck und zeigte mir ihren lieben Säugling. Auf meine Frage, wie es nun
um Taufe und Namen des Kindes stehen werde? erwiederte sie: »Wir weihen
unser Kind in das Christenthum ein, wenn es die Wichtigkeit und Heiligkeit
der Sache begreifen kann. Zu Ehren unsers guten Kapitäns wollen wir es aber
nach ihm _Albertine_ heißen. Wäre es ein Knäblein gewesen, würden wir es
_Hyperion_ oder _Ozean_ genannt haben.«
Wir waren schon zwanzig Tage auf dem Wasser. Die Hitze der Sonne ward
unausstehlich; das süße Trinkwasser in kleinern Portionen vertheilt, daß
es oft Streit darum gab. Wir hatten beständige Westwinde uns entgegen;
die Azoren südwärts gelassen, ohne sie zu erblicken, und uns der Bank von
Terre-neuve genaht. Sobald das Senkblei hier, bei 45 Klafter Tiefe, feinen
Sand fand, gab der Kapitän dem Schiffe die Richtung nach Süden. Wir kamen
ziemlich nahe bei den Bermuden vorüber.
Es ist auf dieser weiten, einsamen Wasserstraße den Schiffen Bedürfniß,
wenn sie einander begegnen, Frage und Antwort zu tauschen. Sie steuern sich
gegenseitig zu. Man hisst die Flagge; legt einige Segel bei, und fragt
sich durchs Sprachrohr, von wannen? wohin? welche Ladung? u. s. w. Am
gewissesten aber ist die Frage nach der Länge und Breite, unter der man
sich befindet. Ist zwischen den Berechnungen beider ein Unterschied, so
hält man sich gewöhnlich an die, welche auf dem Schiff gemacht ward, das
noch die kürzere Zeit unterwegs ist. Es ist noch nicht immer ganz leicht,
mit einander zu sprechen, besonders wenn der Wind stark, das Meer unruhig
geht; denn man kann sich dann einander nicht wohl gehörig nähern, ohne
Gefahr zu laufen.
Schon war es der 6. Juli und seit einigen Tagen die tiefste Windstille.
Kein Wimpel spielte. Das weite Meer stand unbeweglich und glatt, wie
spiegelndes Eis. Das Schiff schien angefesselt. Die entfalteten Segel
hingen schlaff nieder. Wolkenlos glühten Luft und Himmel um und über uns.
Die Sonne warf stechende Strahlen. Die Lebensmittel nahmen sichtbar ab.
Jeder theilte dem andern nur Furcht und Besorgniß mit. Ein Orkan auf dem
Meer ist das Fürchterlichste. Wir aber hätten jetzt lieber einen Orkan
bestanden. Die todte Ruhe währte schon acht Tage und das Leben der Segel
und Wogen wollte nicht wiederkehren. Ich stieg jeden Morgen sogleich auf
den Mastkorb, in Hoffnung, Küsten des Festlandes zu erblicken. Oft rief
mich die Ungeduld schon vor Tagesanbruch aufs Verdeck, wenn die Sterne
noch, in geheimnißvollen Ordnungen am Himmel, ihr blasses Licht durch das
stille Reich der Nacht ausgossen. Ich zitterte hoffend dem Tag entgegen;
ich fand mich immer getäuscht, doch immer durch die Herrlichkeit des
Sonnenaufgangs für die Täuschungen entschädigt.
Endlich, es war an einem Sonntage, gewann die Natur dieser ewigen Einöden
des Ozeans wieder Odem. Die Segeltücher wölbten sich nach und nach, und
wir flogen wieder acht bis neun Seemeilen in einer Stunde. Welche Freude
lächelte von allen Antlitzen; wie andächtig sprach der Wiedertäufer das
sonntägliche Abendgebet mit lauter Stimme, und mit welcher stummen Inbrunst
in allen Zügen beteten die Andern vor sich hin! Der glänzende Sonnenball
senkte sich den zitternden Wellen der Ferne entgegen. Das Schiff schien
ihm in heiterer Sehnsucht tanzend auf den Wogen nachzueilen, und das
Tagesgestirn selbst tändelnd seine Bahn und Stätte zu verlassen. Bald
verbarg es sich hinter dem Busen des einen, bald des andern Segels; bald
durchlief es der ganzen Breite nach die leichten Streifen des aufgespannten
Tauwerks und der Seile. Masten, Linnen und Wimpel, Bord und alles
Schiffsgeräth tauchten sich in wunderbaren Goldschimmer, von tiefern
Schatten begrenzt. Eine breite, blendende Lichtbrücke ging vom Hyperion
über das Meer bis zur Sonne, die zu zögern schien, aus diesem Tempel der
Schöpfungsherrlichkeit zu scheiden. Still sumsete zwischen Segeln und
Seilen der Wind sein Abendlied. Die Wogen brachen sich tönend am Schiff zum
Gesang. Die Menschen, in verschiedenen Stellungen, beteten. Der unendliche,
schweigende Himmel horchte.
Am 11. Juli sagte Herr _Valengin_: »Ich denke, wir werden morgen einen
Küsten-Lootsen am Bord sehen.« Frohe Botschaft. Wirklich entdeckte man ihn
folgendes Tages früh um neun Uhr vermittelst des Fernrohrs. Wir steckten
die Flagge auf. Nach zwei Stunden kam das leichte, winzige Fahrzeug bei uns
an, worin sieben Mann wie festgenagelt saßen, alles große, wohlgewachsene
Leute. Jede Welle schien das gebrechliche, niedrige Boot wie eine Nußschale
verschlucken zu wollen. Was doch der Mensch wagt; er der da weiß, was er
wagt! Welche Hingebung, zumal in stürmischen Wettern! Schiffe, welche durch
einen Windstoß gegen die Küste getrieben, oder auf langen Fahrten irre
wurden, sind oft schon durch diese unerschrockenen Männer gerettet
worden, die alle Untiefen und heimlichen Gefahren der Seegegend, und jedes
Anländeplätzchen des Gestades kennen.
Einer der Lootsen kletterte an einem ihm zugeworfenen Seil zu uns ans Bord
hinauf, grüßte uns freundlich, drückte dem Kapitän die Hand und jedem, der
ihm nahe kam, und fragte: »Wie stehts? Geht alles gut?« Diese herzliche
Frage, so natürlich in dem Verhältniß, und dabei so wohlwollend, hat für
den, der nach vielen Wochen wieder den ersten unbekannten Menschen sieht,
etwas Erquickendes. Es war die erste, unmittelbare Erscheinung eines
Bewohners der neuen Welt, die wir selbst noch nicht sahen.
Der Lootse nahm vom Kapitän den Befehl über sämmtliche Matrosen und sagte:
wir wären noch ohngefähr 150 Seemeilen (etwa drei derselben bilden eine
Wegstunde) entfernt von der Chesapeak-Bai, und wenn der Wind, der gerade
günstig und stark blies, tapfer anhielte, würden wir den andern Morgen an
Ort und Stelle unsers Wunsches sein.
Und am folgenden Morgen um neun Uhr scholl das Geschrei: Land! Land! -- Ein
freudiges Schrecken fuhr Allen durch die Glieder. Die Vorufer des jungen
Welttheils stiegen aus dem Schoos des Ozeans.
6.
Die Landung.
Wir fuhren in die _Chesapeak-Bai_ mit vollen Segeln ein. Links hob sich
das _Kap Henry_, mit einem weißen Thurm, auf welchem allnächtlich den
Seefahrern ein Feuer brennt. In größerer Ferne rechts zeigte sich noch ein
Leuchtthurm, es war der des _Kap Charles_.
Das Gewässer der Bai fanden wir mit Holz, Kräutern und Stroh bedeckt. Wir
erfuhren, es habe auf dem Lande fünfzehn Tage lang anhaltend geregnet. Noch
befanden wir uns sechszig Wegstunden (oder 180 Seemeilen) von Baltimore.
Aber der Wind ging stark mit uns. Wir fädelten binnen einer Stunde zehn
Knoten ab, das heißt, legten 3½ Wegstunden zurück, und noch dazu gegen die
Strömung des Meers.
Es zeigten sich, seit wir Land sahen, der Schiffe immer mehr vor unsern
Augen und immer mehr, je näher wir den Ufern der Bai kamen. Schon
unterschied man von den Fluren ungeheure Waldungen; bald da und hie
angebautes Land mit einzelnen Wohnungen der Menschen. Fröhliches Schauspiel
für uns. Eine Viertelstunde fern von uns zog ein Dampfschiff vorbei. Ein
schwarzer Rauchstreifen bezeichnete durch die Luft den verlassenen Weg
desselben. Silberbrandung umgab die Dampfräder.
Die Nacht kam. Bald unterschied man nichts mehr. Das Schiff flog rasch
durch die Wogen. Wir machten eilf Knoten in der Stunde. Ein Matrose, an
der Schiffsseite draussen angebunden, warf beständig das Senkblei und rief
jedesmal an, wie tief. Das hielt uns, und auch die Freude, spät wach.
Kaum war es Tag, rief mir der Kapitän zu: »Wir sind in der Rhede von
Baltimore!« -- Ich wagte es kaum zu glauben, und doch stand das Schiff
unbeweglich. Ich sprang aus dem Bett und warf mich hastig in die Kleider.
Als ich aufs Verdeck kam, lag die Stadt Baltimore vor mir. Durch den
lichten Wald der Schiffsmasten unterschieden wir Kirchthürme und die
Wipfel hoher Pappeln in allen Theilen der Stadt. Die Thürme sind von weißem
Marmor, sehr zierlich; die Häuser von Backsteinen gebaut. Zwischen
dem schönen Grün der Pappelbäume, stellten sie sich mit ihrem gelben,
röthlichen, bläulichen Anstrich dem Auge gar gefällig hin. Wir sahen zu
unserer Rechten Felder mit Korngarben bedeckt. Das Glockengetön der Heerden
sang uns vom Ufer an, wo halb sichtbar zwischen Obstbäumen die Kühe in
den Wiesen weidend umherirrten. Der Himmel klärte sich auf und die ersten
Strahlen der Sonne rötheten alle Höhen und Berge.
Um sieben Uhr Morgens nahte sich uns ein Kanot. Es brachte einen Arzt, der
den Gesundheitszustand Aller auf unserm Schiff untersuchen mußte, das den
Tag zuvor, mehr als gewöhnlich, gesäubert und gewaschen worden war. Er
grüßte uns mit einem »guten Morgen!« ohne dabei den Hut abzuziehen. Es war
ein gefälliger, angenehmer Mann; sehr sauber gekleidet. Nachdem er in
der Kajüte beim Kapitän ein kleines Frühstück genommen, kam er nach zehn
Minuten wieder aufs Verdeck. Der Namensausruf Aller im Schiffe erfolgte.
Er beschäftigte sich mit jedem einzeln; untersuchte noch zwei Personen, die
unpäßlich in ihren Betten geblieben waren, und schied zufrieden von uns,
auf die nämliche Art grüßend, wie er gekommen war.
Ich vermuthete, unsere Quarantäne würde wenigstens noch vierundzwanzig
Stunden auf dem Schiffe dauern. Darum rief ich einem Seemann, der auf einem
Kanot mit Doppelsegel nicht weit von unserm Hyperion vorbeifuhr, zu, ob
er mich nicht zum nächsten Bauerhause fahren wolle, um Milch und einige
frische Nahrung einzukaufen. Er kam heran; ich stieg von der Seite des
Schiffs, wo man eine Treppe angebracht hatte, hinab zu ihm. Er änderte an
den Segeln, und obgleich kein fühlbarer Wind ging, flog doch das kleine
Fahrzeug schneidend durch den Wasserspiegel ans Ufer.
Ich sprang ans Land. Mir ward wunderbar zu Muth, da ich den langentbehrten
festen Grund unter meinen Füßen fühlte; einen Boden unter meinen Sohlen,
den der weite Ozean von meiner Heimath trennte; den der große Columbus die
Kühnheit hatte zu suchen und das Glück ihn zu finden; den Jahrhunderte lang
die Grausamkeit raubsüchtigen Kriegsgesindels, golddürstiger Kaufleute und
herrschlustiger, dummgläubiger Pfaffen mit Menschenblut besudelt hatte,
bis Muth und Gefühl der Menschenwürde das Joch zerbrach, welches der
europäische Despotismus für unvergänglich hielt.
Von meinen Gedanken und Empfindungen in diesen Augenblicken Rechenschaft
zu geben, ist mir unmöglich. Ich kam zu einem artigen Bauerhause. Eine Frau
trat mir entgegen. Sie sprach deutsch; sie stammte aus dem Bernerland in
der Schweiz. Nun richtete sie hundert und tausend Fragen an mich, daß mir
zuletzt bange ward, keine Milch zu bekommen. Sie gab mir endlich, was ich
begehrte; ich mußte ihr aber versprechen, sie noch einmal zu besuchen. Als
ich zum Schiff zurückgekommen war, und meinen Fährmann fragte: was ich
denn schuldig sei? antwortete er: »O durchaus nichts. Es machte mir ein
Vergnügen, Sie einen Augenblick ans Land zu führen.« Er lehnte sehr höflich
Alles ab.
Wie die Kinder auf dem Hyperion, es waren derer wohl zwanzig, meinen großen
Topf voller Milch erblickten, liefen alle auf mich zu. Ich konnte jedem
nicht geschwind genug davon geben. Um sie zu sättigen, hätt' ich viermal
mehr haben müssen. Aber das war auch eine Schwelgerei für die guten
Kleinen, und ein Genuß für mich ihre Freude!
Der Kapitän hatte den Arzt in die Stadt begleitet. Sein Nachen kam
Nachmittags zurück, aber ohne ihn; statt seiner ein Briefchen an mich,
worin er mir ankündigte, ich könne ans Land gehen, wann ich wolle; der
Nachen stehe zu meinem Befehl.
Ich säumte keinen Augenblick.
7.
In Baltimore.
(13. bis 24. Juli.)
Die ersten Schritte am Lande, durch die Straßen der Stadt, reichten hin, um
mich zu belehren, ich sei in einem fremden Welttheil. Ich konnte nicht
müde werden, diese Reihen zierlicher Gebäude, diese Handelsgewölbe und
Kaufläden, diese Gruppen von Negern und Mulatten zu sehen.
Baltimore war vor fünfundvierzig Jahren noch ein gar geringes Städtchen,
mochte kaum ein halbes hundert Häuser haben, viele noch von Holz. Jetzt
steht da, einer Hauptstadt ähnlich, eine regsame Welt. Baltimore zählt
schon 75,000 Einwohner. Die Straßen sind gepflastert und mit breiten
Trottoirs eingefaßt; reinlich, heiter, angenehm mit Pappelbäumen besetzt,
deren Gipfel mit den Kirchthürmen um die Wette in die Lüfte aufstreben.
Die Häuser sind meistens von Backsteinen, manche von Marmor gebaut,
geschmackvoll und edel ausgeführt, von zwei und drei Stockwerken. Die
grünen Fensterläden überall, die Hausthüren von Rothholz und Acajou, die
glänzenden Messingbeschläge daran, die hohe Reinlichkeit überall -- Alles
gibt diesen Wohnungen, diesen breiten, lichten, saubern Straßen, ein
gefälliges, freundliches, frisches Ansehen, wie ich mich dessen von keiner
europäischen Stadt erinnerte. Während der heißen Sommerzeit werden die
Straßen täglich mit Wasser besprengt. Die schönste und längste derselben
ist die _Baltimorestraße_, beinahe eine halbe Stunde lang. In der Mitte
derselben steht seitwärts die Douane, ein Gebäu von ausserordentlichem
Umfang, aus weißem Marmor aufgeführt. Zwölf mächtige Säulen tragen einen
Theil vom Innern des Gebäudes, welches hier von oben herab durch eine
sehr hohe Kuppole erleuchtet wird. Links und rechts sind die Amts- und
Geschäftzimmer, die Wohnungen der Angestellten u. s. w. Die Beamten
selbst, einfach, aber äusserst zierlich gekleidet, zeichnen sich durch ihr
zuvorkommendes, gefälliges Betragen aus. --
Mein erster Gang war in einen Gasthof. Man saß eben zum Mittagsessen. Ich
brachte eine Eßlust mit, als hätt' ich auf dem Meere vier Wochen gefastet.
-- Ländlich, sittlich! Ich mußte mich bequemen, um nicht auffallend zu
werden, mit dem Messer in der rechten, mit der Gabel stets aber in der
linken Hand zu essen, und beide queer über den Teller zu legen, wenn man
mir keine Speisen mehr darbieten sollte. Ich war noch nicht halb gesättigt,
als meine Tischgenossen schon Feierabend machten. Ueberhaupt bemerkte ich
durchgehends nachher auf meinen Reisen im Lande, daß die Amerikaner am
Tische sehr mäßig sind. Selten nimmt man beim Frühstück oder Nachmittags
mehr, als zwei Tassen Thee oder Kaffee. Aber beim Thee und Kaffee wird
jedesmal zugleich Geflügel, Fisch, Backwerk, Brod, Butter u. s. w.
aufgetragen. Die Frau des Hauses bedient die Gäste. Bei der Mittagstafel
wird Bier zum Trinken gegeben und guter Branntwein mit Wasser verdünnt.
Der Sauberkeit und Zierde der Straßen und des Aeussern der Häuser
entspricht überall das Innere der Wohnungen. Man wird wenig Wohnungen
finden, wo der Fußboden nicht mit einem schönen türkischen Teppich bedeckt,
und von der Hausflur bis zum obersten Gemach des Hauses nicht jede Treppe
es ebenfalls wäre.
Von den öffentlichen Denkmälern zeichnete sich das zu Ehren Washingtons,
und ein anderes, nicht weit von einem Brunnen, zum Gedächtniß jener Bürger
aus, die bei Vertheidigung der Stadt gegen die Engländer im letzten Kriege
das Leben fürs Vaterland opferten. Ihre Gebeine ruhen unter dem Denkmale.
Ihre Namen alle sind in den Marmor des Fußgestells eingegraben.
Die katholische St. Pauls-Kirche könnte neben den schönsten Tempeln
Europens aufgezählt werden. Der Kirchen für die andern christlichen
Konfessionen mögen etwa noch achtzehn sein. Zuweilen stehen sie dicht neben
einander. Jeder, ohne Groll gegen den Nachbar, geht in das Gotteshaus,
wohin ihn sein Herz und sein Glaube rufen. Das ist die Wirkung der wahren
Religionsfreiheit, während man in Europa höchstens in den gebildeten
Ländern nur die Duldung kennt und sich mit religiöser Toleranz, als wäre
sie eine große Tugend, brüstet. -- Das ist in Amerika die Wirkung einer
weisen, vernünftigen Gesetzgebung. Die Menschen sind sich hier, wie vor
dem weltlichen, so vor dem göttlichen Gesetz in ihren Rechten gleich. Die
Europäer werden noch lange Zeit große und kleine Bücher über das Verhältniß
der Kirche zum Staat schreiben, indem die einen den Staat in die Kirche,
als in das Höhere und Allumfassende, hineinstellen, andere die Kirche dem
Staat unterordnen, und wieder andere Staat und Kirche, Kaiser und Papst, in
gleichen Würden neben einander setzen.
Die Amerikaner haben die Streitfrage der europäischen Staatsmänner und
Professoren längst und auf die naturgemäßeste Weise gelöst. Der Staat,
diese große Anstalt für Rechtssicherheit und Entwickelung der bürgerlichen
Gesellschaft, hat kein Befugniß, über religiöse Ueberzeugungen, über das
innere Verhältniß des Menschen zur Gottheit zu entscheiden. Den Bürgern
ist es anheimgestellt, in derjenigen Form oder kirchlichen Ordnung
ihre gemeinschaftlichen Gottesverehrungen zu veranstalten, die ihren
Ueberzeugungen am meisten entspricht. Wie mannigfaltig und verschieden
dieselben sein mögen, der Staat hat nicht darüber zu entscheiden, welche
Form die bessere, welche Kirche die alleinseligmachende sei. Allein alle
Bürger sind Eigenthümer gleicher Rechte; der Staat ist da, um sie alle in
den kirchlichen Verhältnissen ihrer Wahl zu schützen. Von der andern Seite
aber darf auch keinerlei Kirchenthum zerstörend auf die öffentliche
Ordnung des bürgerlichen Lebens einwirken, noch weniger sich, durch
priesterschaftlichen Stolz geleitet, weltliches Recht und Ansehen in
Staatsverfassung oder Staatsführung anmaßen.
»Lauheit, Indifferentismus!« rufen dabei in Europa unsere geistlichen
_Herren_ (denn Herrn wollen sie gern sein!).