3. Harding paper, thick.

Letzteres ist von weicherer Beschaffenheit, als die Whatman-Papiere,

und verleiht vermöge seiner milden Textur den Lufttönen eine überaus

zarte Leuchtbarkeit. Hinreichend nass behandelt, lassen sich auf keinem

andern Papiere breite Farbenlagen so fleckenlos herstellen.

Eine dünnere Gattung desselben Namens ist für kleine Dimensionen gut

anwendbar. Beide haben im Gegensatze zu den oben genannten Papieren

einen warmen, gelblichen Ton.

4. Creswick paper, ein gelbliches, mässig dickes Papier mit starkem und

etwas weicherem Grain, als das Whatman, besonders geeignet für grössere

Dimensionen.

5. Griffin paper von Windsor & Newton, ohne Zweifel das beste aller

Aquarellpapiere, aber auch das theuerste.

Um bequemer und sauberer zu arbeiten, ist es nöthig, das Papier auf ein

Bret zu spannen. Solche Bretter lässt man am besten von starker oder

doppelter Pappe anfertigen: dieselbe wirft sich nicht und ist, weil

ohne Querleisten, leicht zu transportiren.

Hinsichtlich der Fabrikation der Aquarellfarben sind die Engländer

wiederum Meister. Nicht dass ihre Pigmente besser wären als die

unsrigen, aber die englische Präparation für den Gebrauch ist die

zweckmässigste und trotz mancher Versuche von unsern Fabrikanten leider

noch nicht erreicht.

Die beste Gattung Farben sind die unter dem Namen Moist colours von

_Windsor & Newton_ in London verfertigten, und unter diesen die in

kleine Porcellankästchen (Pans) gefüllten. Sie sind in Blechkästen

von verschiedener Grösse, je nach der Anzahl der Farben, gelegt. Der

geöffnete Kasten enthält in seinem Deckel drei oder vier Vertiefungen,

welche man zum Mischen der grösseren Farbentöne gebraucht, und auf der

andern Seite eine Blechplatte, welche als Palette dient.

Diese Kasten sind leicht zu transportiren; die Farben bröckeln

nicht, wie alle andern Gattungen, welche man für den Gebrauch erst

in Tuschnäpfchen einreiben muss, und geben bei der leichtesten

Berührung des genässten Pinsels an. Die gebräuchlichsten und in ihrer

Haltbarkeit gegen die Einwirkung des Lichts erprobten sind:

1. Yellow Ochre.

2. Indian Yellow.

3. Mars Yellow.

4. Raw Sienna.

5. Gamboge.

6. Rose Madder.

7. Light Red.

8. Indian Red.

9. Brown Madder.

10. Cobalt.

11. French Blue.

12. Indigo.

13. Burnt Sienna.

14. Vandycke Brown.

15. Sepia.

16. Brown Pink.

17. Ivory Black oder Lamp Black.

18. Olive Green.

Seltner gebraucht, aber doch in gewissen Fällen unentbehrlich sind

Minium oder Rouge de Saturne und Cendre verte, welche beide man am

besten in kleinen trockenen Tafeln aus der Fabrik von _Chenal_ bezieht,

Permanent Chinese White von _Windsor & Newton_, in Zinnbüchschen,

feucht präparirt.

Gänzlich zu vermeiden sind folgende, leider sehr gebräuchliche Farben:

1. Preussisch Blau. Es dunkelt und blaut schon in kurzer Zeit sehr

nach und verzehrt die mit ihm gemischten Farben.

2. Carmin, Crimson-Lake, Purple Lake und alle aus Cochenille

fabricirten Farben; dem Lichte ausgesetzt, bleichen sie in

kurzer Zeit und verschwinden mit der Zeit ganz.

3. Gallstone, Dragon Blood, Hooker's Green, Italian Pink, Scarlet

sind gleichfalls undauerhaft.

Die vorzüglichste Art von Pinseln für die Aquarell-Malerei sind die

von _Windsor & Newton_ fabricirten Sable Brushes, rund in Federkiel.

Weniger gut, wiewohl immerhin brauchbar und für den zehnten Theil des

Preises käuflich sind die gewöhnlichen französischen Aquarell-Pinsel.

Neben ihnen wird man mit Vortheil die braunen Marderpinsel, in Blech

gefasst, anwenden, welche sich durch eine ungleich grössere Elasticität

auszeichnen.

Sehr zu empfehlen sind Camel-Hair-Pinsel von _Windsor & Newton_, die

in Güte und Preis zwischen den Sable Brushes und den französischen

Aquarell-Pinseln stehen.

Betrachtung der einzelnen Theile einer Landschaft.

Um die Entstehung eines Aquarell-Gemäldes, wie es seine verschiedenen

Phasen, zu immer grösserer Vollendung fortschreitend, durchläuft, zu

veranschaulichen, wird es nothwendig sein, zuvor auf seine einzelnen

Theile specieller einzugehen. Um dies mit Erfolg zu können, reicht es

nicht aus, die Technik als völlig isolirten Theil der Arbeit allein zu

betrachten; es wird, zum näheren Verständniss derselben, oft auf die

künstlerische Auffassungsweise der Natur hingewiesen werden müssen.

Gar häufig ist der Künstler geneigt, wenn die Arbeit nicht nach

Wunsch gelingen will, die Schuld der mangelhaft bewältigten Technik

beizumessen, während in den meisten solcher Fälle die unrichtige oder

unklare Auffassung des Natureindrucks, den er geben will, der Grund

ist, dass die angewendeten technischen Mittel ihre Wirkung versagen.

Alle Technik muss aus einer innern Nothwendigkeit entspringen; sie

soll die Dienerin des malerischen Gedankens sein; ihm soll sie sich

unterordnen als das von ihm abhängige Wesen, wie in der Musik die

Melodie von den begleitenden Stimmen nicht übertönt und verdunkelt

werden darf. Diese Forderung schliesst keineswegs aus, dass auch der

Technik ein gewisses Recht auf Selbständigkeit zuerkannt werde; sie

wird immerhin ein Spiegelbild der individuellen Eigenthümlichkeit jedes

einzelnen Künstlers bleiben, und wie sollte man nicht mit Vergnügen

und Bewunderung einer geistreichen und ausdrucksvollen Pinselführung

bis in die kleinsten Details folgen, sobald sie nicht mit der koketten

Prätension moderner Virtuosität auftritt, die nur dazu dient, das

eigentliche Wesen und die Innerlichkeit des Kunstwerks zu verwischen,

oft sogar zu vernichten. _Rembrandt_, _Teniers_, _Ruysdael_, _Hobbema_

sind wahrlich auch Techniker gewesen, nirgend aber tritt in ihren

Werken das Machwerk überwiegend auf; überall dient es nur, um den

malerischen Gedanken auf's Kräftigste in die Erscheinung treten zu

lassen.

In der Landschafts-Malerei, für welche sich bei kleinen Dimensionen

vorzugsweise die Aquarell-Technik eignet und welche somit bei

der folgenden Entwickelung zur Grundlage dienen mag, ist es in

unendlich vielen Fällen die Luft, welche sich unserm Auge vor allem

Andern bemerkbar macht. Ihre Stofflosigkeit im Verhältniss zu der

körperlichen Erde und ihren Erzeugnissen scheidet sie wesentlich von

letzterer. Sie ist für uns das Bild der Unendlichkeit und stellt

sich hin als stärkster Gegensatz zu den festbegrenzten greifbaren

Formen der Erdrinde. In der Luft und ihren Veränderungen liegen

die grossartigsten, ergreifendsten Natureindrücke, welche die

menschliche Seele aufzufassen fähig ist. Das eigentliche, innerste

Wesen des malerischen Gedankens ist zwar niemals durch Worte völlig

wiederzugeben, -- es wäre dann ja auch unnütz zu zeichnen, zu malen, zu

meisseln, das Wort würde ausreichen; aber es lässt sich im Allgemeinen

sagen, dass die unendliche Reihe unserer Gemüthsstimmungen von der

harmlosen Heiterkeit bis zur tiefsten Schwermuth eine Ausdrucksweise

im atmosphärischen Leben unsers Erdballs findet, oder richtiger, die

Seele für ihre verschiedensten Stimmungen entsprechende Wiederklänge

in den Wandlungen unserer Atmosphäre. Nicht hoch genug kann die

Vorsicht sein, mit der der Künstler an diesen Theil seines Werkes

geht. Ein richtig angeschlagener Ton der Luft wird ihm der Führer für

die Harmonie des Ganzen. Selbstverständlich gilt dies nur für solche

Vorwürfe, welche einen besondern Accent der Wirkung der Luft erfordern

und in denen diese dann immer einen verhältnissmässig grossen Raum

einnimmt, wie bei Darstellungen des Meeres, des Strandes, der flachen

Haide, von Wiesengründen mit Gewässern etc. Im andern Falle, wo die

festen Gegenstände den grössten Theil des Bildes decken, wird die Luft

nur von secundärer Wirkung sein.

Alle Luft, mag sie noch so bewölkt sein, erfordert vermöge ihrer

leichten, körperlosen Natur eine andere technische Behandlungsweise,

als feste Gegenstände; auch in ihren stärksten Gegensätzen wird sie

immer weich und zart bleiben müssen.

Im klaren Aether sind die Uebergänge von einem in den andern Ton

ohne bestimmte Grenze. Dunstschichten durchziehen sie in scheinbarer

Willkür, sie verschwinden und verlieren sich als leichter Hauch. Die

Schatten der Wolken sind mit Lichtern und Halblichtern durchwebt,

welche weich in dieselben verlaufen. Solchem Wenig körperhaften Wesen

gegenüber liegt für den Darsteller die Gefahr nahe, formlos zu werden

und aus Furcht vor Härten sich in Verblasenheit zu verlieren. Hier ist

es die Aufgabe, bestimmt im Unbestimmten zu sein, die Form fest und

sicher zu zeichnen, aber mit den verwandtesten Mitteln, mit gering

unterschiedenen Tönen. Abgesehen vom Aquarell finden wir hohe Beispiele

dieser Art bei Claude de Lorrain; seine Lüfte schwimmen im Sonnenglanz,

nichts Compactes und Erdiges mischt sich in sie hinein, und dennoch

können wir jedes Wölkchen in seinen Umrissen verfolgen. Angewendet auf

die Aquarell-Malerei wird es zur Erreichung dieses Zweckes rathsam

sein, die Luft mit sehr hellen Tönen zu beginnen, die Form der Wolken

von vorn herein fest zu bestimmen und nach und nach die Töne zur

beabsichtigten Kraft zu steigern. Durch diese allmähliche Verstärkung

des Tones erreicht man am leichtesten den nothwendigen ätherischen

Hauch; die Poren des Papieres werden gleichmässiger gedeckt, die

Farbe vergeistigt sich. Indess kann man dasselbe Resultat auch auf

die entgegengesetzte Weise erreichen: man setze die ersten Lagen der

Luft um einen starken Grad kräftiger ein, als sie sein sollen, mit

voller Beobachtung der Form; nachdem das Papier gut trocken geworden,

passire man das Ganze, mit einem breiten Pinsel, wiederum mit Wasser

und bearbeite dann die einzelnen Töne mit einem weichen Schwamm der

Art, dass der ganze Ton vermindert wird und alle Härten und Schärfen

schwinden. Nachdem das Papier wieder trocken geworden, wird man an den

zu matt gewordenen Stellen noch einige Kraft nachzusetzen haben; das

Ganze aber wird hauchig und zart geworden sein.

Einige Beispiele mögen das Gesagte noch deutlicher machen. Die

einfachste, wiewohl keineswegs die leichteste Aufgabe ist, eine heitere

blaue Tagesluft ohne Gewölk darzustellen. Dem ungeübten Auge erscheint

das Blau des Tageshimmels eine einfache Abschattirung von Dunkel nach

Hell; nach genauer Prüfung wird aber gefunden werden, dass es dreimal

seine Natur wechselt, und um dies recht entschieden zu erkennen, neige

man den Kopf tief auf die Seite: diese ungewohnte Stellung zeigt die

Farben-Unterschiede am deutlichsten. Man beginne mit reinem Blau

(Cobalt, Indigo) und stelle durch wiederholte schwache Lagen eine zarte

Abschattirung von oben nach unten her, so dass dasselbe am Horizont

ganz verschwindet. Dann nehme man zwei Töne von Yellow Ochre, den einen

viel heller als den andern, gebe dem Bret eine etwas schräge Lage von

oben nach unten, bediene sich eines möglichst grossen Pinsels und

beginne mit einem Strich reinen Wassers vom Zenith abwärts, setze den

hellen Ton ein und mische, weiter nach unten vorschreitend, mit jeder

Pinsellage ein wenig vom Dunkleren zum Helleren, so dass, am Horizont

angekommen, das Gelb allmählich an Intensität zugenommen hat.

Diese Operation lässt sich auch in entgegengesetzter Weise herstellen,

indem man das Bret umdreht, mit dem starken Ton am Horizont beginnt

und, durch stetiges Zusetzen von reinem Wasser, ihn nach dem Zenith

zu in grösster Zartheit auslaufen lässt. Nachdem er trocken, übergehe

man die ganze Luft mit einem breiten Pinsel mit reinem Wasser, um alle

Unreinheiten noch fortzunehmen. Diese Waschungen mit reinem Wasser,

nach den einzelnen Farbenlagen angewendet, sind sehr zu empfehlen und

dienen wesentlich zur Erreichung von Glanz und Duft.

Sodann mische man einen leichten Ton von Light Red und Rose Madder,

setze ihn am Horizont ein und verwasche ihn nach dem Mittelgrunde der

Luft; einen andern Ton von Rose Madder rein, aber sehr hell, setze man

am Zenith ein und lasse ihn abwärts zart auslaufen. Wenn alles dies

fleckenlos geglückt, wird die Luft immerhin noch einen blauen Eindruck

machen, aber sie wird den sonnigen Hauch der Natur erlangt, den

Eindruck der Fläche verloren und den der Wölbung gewonnen haben.

Um die Mittagszeit, wo die Luft bei vollständiger Klarheit am meisten

blau, werden die farbigen Töne nur von äusserster Zartheit angewendet

werden dürfen. Je mehr die Stunde von der Mittagszeit entfernt ist,

nimmt das Blau an Ausdehnung und Intensität ab und macht den gelben

und rothen Tönen mehr und mehr Platz.

Erfordert der Vorwurf Wolken in der Luft, so beginnt man am besten mit

dem blauen Aether und spart die Wolken in ihrem ganzen Umfange mit

bestimmten Contouren aus. Nachdem das Blau in seiner ganzen Abstufung

tadellos hergestellt ist, mische man einen Ton von Yellow Ochre und

Brown Madder, sehr hell, und übergehe das ganze Papier eintönig

mit demselben, nur mit Auslassung absolut weisser Gegenstände des

Vorgrundes; dieselben sind positiv heller als die Lichter der Wolken.

Dieser allgemeine Ton mildert die Rohheit und Schärfe des weissen

Lichts und steigert die Transparenz und Duftigkeit der Luft. Für die

Schatten der Wolken mische man einen Ton von Cobalt mit Light Red oder

von Brown Madder, Yellow Ochre und Cobalt, sehr hell, und modellire

die Wolken indem man mit demselben ihre Mitteltöne und Schatten

gleichmässig bedeckt; an einigen Stellen wird der Ton durch Auswaschen

zart und ohne sichtbare Grenze in das Licht hinein zu ziehen sein. Ein

zweiter Ton aus Light Red und Cobalt, oder Cobalt und Brown Madder,

oder Cobalt und Rose Madder, je nachdem die Mitteltöne warm oder kalt

sind, diene für die Kernschatten.

Sehr zu beachten für das Gelingen einer weithin ausgedehnten Luft ist

die Veränderung des Tons der Lichter und Schatten, je nachdem sie sich

vom Vorgrunde entfernen; sie wechseln in weitester Ferne geradezu

ihr Verhältniss: während die zunächst über uns schwebenden Wolken

die hellsten und kältesten Lichter neben warmen Schattentönen haben,

nehmen die Lichter in dem Masse wie sie sich in die Ferne ziehen, einen

wärmeren und tieferen Ton an, der sich bis zum röthlichen steigert;

die Schatten dagegen verlieren an Wärme und neigen sich dem Grau zu.

Selbstverständlich kann diese Veränderung des Farbenverhältnisses nur

für eine und dieselbe Wolkenschicht gemeint sein.

Befinden wir uns beim Sinken der Sonne in freier Natur, so wendet

sich der Blick unwillkürlich dem Westen zu. So tausendfältig wir

dieses Schauspiel beobachtet haben, behauptet es doch immer auf's Neue

seinen unbeschreiblichen Zauber. Die Sonne ist in unsern Gesichtskreis

getreten; unverhüllt ist unser Auge nicht im Stande, ihre Strahlen zu

ertragen, wir schützen es durch die vorgehaltene Hand und schwelgen

in der tiefer liegenden Farbenpracht. Ein thörichtes Unternehmen wäre

es, im klaren Aether die unverhüllte Sonne selbst malen zu wollen; was

wir nicht ohne Schmerz im Auge sehen können, ist auch für die Malerei

nicht darstellbar. Dagegen wird uns die ganze Farbenscala vom Zenith

bis zum Horizont bequem sichtbar, wenn ein Gewölk oder Dunstmassen

die Sonnenkugel verdecken. Wir sehen ihre Wirkung auf Aether, Wolken

und Erde und ahnen nur den hellsten Fleck, der hinter der Wolke

steckt. Solche Augenblicke sind annähernd darstellbar und wir können

wohl sagen, dass sie das Aeusserste von Schönheit und Pracht in sich

schliessen, was unsere Erde zu bieten vermag. Unwillkürlich wird sich

der Künstler aufgefordert fühlen, seine Kräfte an dieser Aufgabe

zu erproben, aber auch dem Geschicktesten und Begabtesten gelingt

es nur selten, eine glückliche Darstellung dieser Naturstimmung zu

erreichen. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt, und

neben dem höchsten Grad von Schönheit liegt die Karikatur; der höchste

Farbenglanz um einen Grad übertrieben, fällt aus der Harmonie und wird

Rohheit. Je entschiedener und intensiver die Farben auftreten, um so

schwieriger wird es, das rohe Material der Palette zu überwinden und zu

vergeistigen, so dass an die Stelle farbiger Flecken und Uebergänge der

Eindruck des Lichts entsteht.

Leicht ist es, alle pikanten Natureffecte skizzenhaft so wiederzugeben,

dass der Beschauer erkennt, was man gewollt; aber einen Abend oder

Morgen in seiner ganzen Pracht und Erhabenheit darzustellen, erfordert

die höchste Sammlung und Anspannung der malerischen Kräfte. Es ist ein

gewaltiger, lang austönender Accord der reichsten Harmonie.

Danach wird der Versuch, mit Worten die technische Art und Weise

zu beschreiben, wie derartige Wirkungen herzustellen sind, immer

unzulänglich sein. Nur der einfachste Vorwurf kann einigermassen

den Weg zeigen, wie man zu verfahren hat; bei reicheren Aufgaben

mit verschiedenen Wolkenschichten kommt zuviel auf die individuelle

Auffassungsweise des Künstlers an, als dass man die Entstehungsweise

genau beschreiben könnte. Die Aufgabe sei: eine klare Abendluft,

die Sonne links ausserhalb des Bildes, etwa eine halbe Stunde vor

Sonnenuntergang.

Man präparire einen hellen Ton von Yellow Ochre und ein wenig Rose

Madder, und übergehe das Papier gleichmässig mit demselben. Sodann

drehe man dasselbe um und beginne am Horizont mit einem leichten Ton

von Brown Madder, treibe denselben etwa bis zu einem Drittel in den

Mittelgrund und lasse ihn daselbst zart verlaufen. Nachdem er trocken,

bringe man das Papier wieder in die ursprüngliche Lage, präparire einen

Ton von Yellow Ochre und einen zweiten von Yellow Ochre und Light Red,

übergehe das Papier von oben mit reinem Wasser, beginne im Mittelgrunde

den ersten Ton einzusetzen, mische dann nachgerade von dem zweiten dazu

und gehe nach unten ganz in ihn über. Alsdann lege man reinen Cobalt

über den oberen Theil der Luft, lasse ihn nach dem Mittelgrunde zart

verlaufen, steigere ihn dagegen nach oben mit Rose Madder.

Die Reihefolge von Tönen, welche sich auf diese Weise erzeugt haben,

ist folgende: Der obere Theil beginnt mit einem gebrochenen Blau, geht

durch einen grünlichen Hauch in Gelb über; dann steigert sich das Gelb

an Intensität und geht in Orange über; dem untersten Theil gebe man

durch eine Lage Rose Madder und ein wenig Permanent Chinese White mehr

Tiefe und Duft.

Waschungen, mit reinem Wasser und einem breiten Pinsel ausgeführt,

werden, zwischen den verschiedenen Farbenlagen angewendet, der Harmonie

und Zartheit des Ganzen einen höheren Grad verleihen.

Wirken die verschiedenen Farbenlagen nicht ausreichend, so wiederhole

man sie in helleren Mischungen. Je näher die Sonne am Sinken ist, desto

mehr wird der untere Theil der Luft an Intensität der Farbe zunehmen

müssen, während das Blau nach oben einem fast farblosen Perlgrau weicht.

Der glänzendste Theil einer solchen Luft ist der Mittelgrund, der aus

einem fast reinen gelben Ton besteht; er nimmt verhältnissmässig nur

einen sehr kleinen Raum ein, steigert sich abwärts nach stärkerem Gelb,

Orange und Purpur, verliert sich dagegen aufwärts durch Apfelgrün nach

Perlgrau.

Ohne besondere Schwierigkeit kann man in eine so gestimmte Luft einiges

Gewölk bringen, sobald sich dasselbe in allen Theilen als dunklerer

Ton auf dem dahinter liegenden Aether absetzen soll. Als Lichtton wird

Light Red und Yellow Ochre, Light Red und Rose Madder dienen, je nach

der Lage der Wolken, und als Schattenton Cobalt mit Light Red oder Rose

Madder. Ist das Gewölk sehr verschwimmend gedacht, so thut man gut,

den ganzen Aether mit Wasser zu passiren und wenn dasselbe abgedampft

ist, den Lichtton einzusetzen, der sich dann auf das Zarteste verziehen

lässt. Die Schatten sind besser in's Trockene zu setzen und an einigen

Stellen zu verwaschen.

Leichte, helle Wölkchen im oberen Theil der Luft sind durch

Herauswaschen zu erzeugen; man bezeichnet dieselben mit reinem Wasser,

trocknet die genässten Stellen mit feinem Löschpapier sorgsam ab und

reibt alsdann mit Brodkrume leicht darüber hin.

Die auf diese Weise hell gewordenen Flecken colorirt man mit einem

entsprechenden Ton, doch muss man hierbei vorsichtig die Conturen inne

halten, um nicht dunklere Ränder zu erzeugen.

Bei Weitem schwieriger wird eine Abendluft, wenn dieselbe mit starkem

Gewölk, welches sich hell und dunkel gegen den Aether absetzt,

beabsichtigt ist. Der sicherste Weg hierbei wird der sein, bevor man

an irgend einen Farbenton denkt, die ganze Luft in Blau (Cobalt oder

Indigo) fertig zu modelliren. Die grösste Zurückhaltung ist dabei

anzuwenden, um den farbigen Tönen, die man nachher darüber legt, ihre

volle Lichtwirkung zu bewahren.

Eine zweite Aufgabe sei: eine neblige Abendluft nach Westen; die Sonne

in der Mitte des Bildes, etwa zwischen dem ersten und zweiten Drittheil

der Luft von oben.

Man gebe dem ganzen Papier nach oben beschriebener Art eine Lage Gelb,

am oberen Rand sehr hell anfangend, nach unten gleichmässig an Kraft

zunehmend. (Indian Yellow und Indian Yellow mit Yellow Ochre.) Sodann

markire man die Stelle der Sonnenkugel durch einen Kreis leicht mit

Bleistift und präparire darauf einen sehr hellen Ton von Mennige und

Rose Madder. Nachdem man mit reinem Wasser einen etwa pinseldicken

Kreis concentrisch um die Sonne gezogen hat, beginne man, den genannten

Ton von oben über das Papier zu legen, so dass er die Sonne bis auf

einen schmalen Gürtel Gelb, in welchen er sich zart verlaufen muss,

kreisrund einschliesst, und treibe ihn dann gleichmässig durch das

ganze Papier.

Einen Ton von Brown Madder lege man alsdann vom Horizont beginnend bis

in die Gegend der Sonne, wo er sich unmerklich verlieren muss. Mit

einem andern sehr hellen Ton von Cobalt töne man beide oberen Ecken

des Papiers ab und nähere sich mit demselben kreisförmig der Sonne in

verschwimmender Weise; links und rechts lasse man ihn da verschwinden,

wo der Ton von Brown Madder sein Ende gefunden hat, so dass zwischen

beiden ein schmaler Raum mattes Gelb übrig bleibt. Um nun den unteren

Theil der Luft die dieser Stimmung eigenthümliche Undurchsichtigkeit zu

geben, präparire man einen Ton von Cobalt, ein wenig Rose Madder mit

einem Zusatze von Weiss, setze ihn am Horizont ein und lasse ihn nach

oben zu verschwinden.

Zur Vollendung der Wirkung fehlt noch die hellste Stelle der Sonne.

Nachdem der Bleistiftstrich, welcher die Sonnenkugel markirt, mit

Gummi entfernt, reibe man mit Radirgummi oder pulverisirtem Bimsstein

das Gelb der ersten Lage aus der Sonne selbst hinweg, der Art, dass

die Mitte der Sonne völlig weiss wird, der Lichtschimmer aber in den

Nebenton hineinstrahlt; Dasselbe ist mit einem sehr scharfen runden

Radirmesser zu erreichen. Der Effect ist überraschend blendend und

doch nicht beleidigend; ein leises Ueberreiben der nächsten Umgebung

der Sonne mit pulverisirtem Bimsstein oder geschabtem Leder steigert

noch die Zartheit der Wirkung.

Graue Lüfte wird man am leichtesten durch eine Mischung von Cobalt oder

Indigo, Sepia und Brown Madder in verschiedenen Abstufungen herstellen.

Das Gewölk zeigt sich in denselben an den hellsten Stellen in reinem

Weiss, d. h. in dem Papierton. Tiefer schwebende Wolken werden wieder

mit einem Ton von Sepia, Brown Madder und Indigo zu geben sein und ihre

Schattentöne aus Brown Madder und Cobalt. Die wärmeren Töne am Horizont

sind mit Yellow Ochre, Light Red und Indian Red herzustellen.

In unserm nordischen Klima spielt die graue und weisse Luft für die

Landschafts-Malerei eine grosse Rolle. Das viel und mannigfaltig

abgestufte Grün steht zu keinem andern Farben-Gegensatz so harmonisch,

als zu Grau und Weiss. Ein bedeckter feuchter Tag am schilfigen Ufer

eines Sees mit dunklen Wolkenschatten über einem und dem andern Theil

der Scene ist ein Thema, welches unendlich mannigfaltig bearbeitet

werden kann und immer wieder unser innerstes Gemüth ansprechen

wird. Diesen Gegensatz zu Grau und Grün hat schon Ruysdael auf das

Eminenteste ausgebildet. Seine schwarzgrünen Eichen erheben sich mit

heroischer Kraft in die Atlastöne der Luft und seine weissschäumenden

Wasserfälle sind aus demselben Harmoniegefühl entsprungen.

Es sei gestattet, an dieser Stelle Troyon zu nennen, einen unlängst

verstorbenen Meister in Paris, der in seinen Thierstücken mit grosser

landschaftlicher Umgebung an Glanz und Zartheit der Farbenwirkung

noch unübertroffen ist. Seine Lüfte sind meistens aus Silbergrau

gestimmt, welches er in den feinsten Combinationen und Abstufungen

zu seinem Zwecke verwendete, um dem Grün der Landschaft und dem

starkfarbigen Fell der Thiere den höchsten realen Glanz zu geben.

Diese hervorstechende Eigenschaft seiner Bilder, eine leuchtende

Realität ohne Rohheit, ist für alle Künstler von höchstem Interesse.

Begreiflicher Weise hat er einen Schwarm von Nachahmern hervorgerufen,

die ihr einziges Heil in Grau und Grün suchen, sich aber selten über

die gewöhnlichste Prosa erheben, weil ihnen eben die Ursprünglichkeit

ihres Vorbildes abgeht.

Es bleiben nun noch die Mondnächte zu erwähnen. Als künstlerischer

Vorwurf steht der Mondschein sicherlich hoch, sein Wesen ist Stimmung;

über seine Auffassung lässt sich aber wenig sagen, sie beruht eben auf

eigner innerer Empfindung. Technisch wird man wohlthun, zur Erreichung

der nothwendigen Tiefe der Luft sich nicht mehr des Cobalts zu

bedienen, sondern den Indigo und Ivory Black an seine Stelle zu setzen.

Dünne Lasuren von French Blue werden dem grünlichen Ton des Indigo, wo

derselbe nicht erwünscht ist, mit Erfolg entgegenwirken.

Als practische Regel ist auch hier wieder hervorzuheben, dass man

mit leichten Tönen beginnend, erst allmählich in die Tiefe geht und

stets im Auge behält, welche Kraft man im Vorgrund nöthig hat, um die

irdischen Gegenstände fest und stofflich wirken zu lassen.

Sehr häufig werden schön gedachte Mondschein-Darstellungen dadurch

wirkungslos, dass die Luft in ihrem Gesammtton zu dunkel gegen die

festen Gegenstände des Vorgrundes gehalten ist. Ebenso ökonomisch, wie

in den Tiefen, muss man im Licht verfahren. Leicht ist man geneigt, die

silbernen Bänder der Wolken glänzend hell zu geben, um sie eben recht

silbern erscheinen zu lassen; man bedenkt in solchem Falle aber nicht,

dass die Mondscheibe selbst unendlich viel heller ist, als irgend

eine, auch die am nächsten liegende Wolke. So wird es practisch sein,

gleich zu Anfang die ganze Luft mit Ausnahme der Mondscheibe und ihres

Lichtscheins (Hof) mit einem neutralen Ton zu bedecken, der den Grad

der Helligkeit der lichtesten Wolken hat. In diesen Ton setze man den

Aether mit einer leichten Lage von Indigo ein und weise den lichten

Wolkenmassen durch Aussparung ihre Stellen an. Dunststreifen setzen

sich in ihrer ganzen Ausdehnung hell gegen den Aether; ihre Schatten

nehmen einen wärmeren Ton an, als der Aether. Uns näher liegende

Wolkenschichten wirken wegen ihrer grösseren Dicke als dunklere

Flecken auf den Aether, und sind von hellen Rändern und Einschnitten

umgeben, die sich durch einen wärmeren Mittelton in den dunkelgrauen

Kernschatten verlieren. Sepia mit Brown Madder und Indigo sind mit

Erfolg dafür anzuwenden; zu den tiefsten Punkten setze man ein wenig

French Blue. Den Aether verstärke man mehr und mehr mit Indigo, Ivory

Black und French Blue.

Von der grössten Wichtigkeit für die Leuchtbarkeit einer Mondluft ist

das stetige Abnehmen der Intensität des Lichts auf den Wolkenrändern,

je mehr sie sich vom Monde entfernen, und dem entsprechend die

Verminderung der Dunkelheit in den Schatten der Wolken, so dass an

den am tiefsten und am meisten seitwärts liegenden Stellen Licht und

Schatten fast in einen Ton zusammen fliessen.

In unmittelbarer Verbindung mit dem Eindruck der Luft steht die

Ferne und meistentheils auch der Mittelgrund einer Landschaft. Für

die technische Behandlung dieser Theile des Werks ist hauptsächlich

anzuführen, dass man sich für sie derselben Farbenmittel als in der

Luft bediene; man wird dadurch am leichtesten in der Harmonie bleiben.

Cobalt, Rose Madder, Light Red und Yellow Ochre sind fast durchgängig

ausreichend dafür; an die Stelle des Rose Madder ist Indian Red fast

noch mehr zu empfehlen. Bei glänzenden Effecten, wie Sonnen-Untergang

und Dämmerung, wird noch Purple Madder und French Blue nöthig werden.

Waschungen mit reinem Wasser über den unteren Theil der Luft mit

der Ferne zugleich werden zu jener verschwimmenden Weichheit, die

hauptsächlich ihren Zauber ausmacht, viel beitragen.

Wenn die Ferne im Allgemeinen einen tieferen Ton hat, als die daran

reichende Luft, so ist es immer vortheilhaft, den Luftton zuvor durch

die ganze Ferne zu legen, dann den hellsten Ton der Ferne darauf, und

in diesen den Schatten, der an seinen dunkelsten Stellen fast immer

auch am kältesten wirkt. Um die Luftigkeit der Schatten in der Ferne zu

erreichen, wird es häufig nothwendig, dem aus Cobalt und Light Red oder

Rose Madder gemischten Ton ein wenig Weiss zuzusetzen.

Bei der Anlage des Mittelgrundes verfahre man ganz in derselben

Weise; da sich aber hier bereits Mitteltöne zu zeigen anfangen,

die, je weiter nach vorn, desto verschiedener werden, so wird man

wohl thun, dieselben, ehe man die Schatten einsetzt, zuvor über die

Lichtsilhouette zu legen. In die Schatten nehme man ebenfalls ein wenig

Weiss, um nicht durch die beiden darunter liegenden Töne zu schwer und

stofflich zu wirken.

Unter den Gegenständen, welche einer Landschaft Reichthum und Anmuth

verleihen, nehmen die Bäume stets einen Hauptrang ein. Ein kräftiger

Baumwuchs auf leicht bewegtem Terrain, ein stilles Wasser und ein Blick

in die Ferne sind Elemente, die eine unendliche Reihe eindrucksvoller

Zusammenstellungen zulassen.

Die Art, wie man Bäume und überhaupt Vegetation technisch am

leichtesten darstellt, ist folgende: Nachdem man die äussere Form

des Baumes durch einen leichten, in den Proportionen aber sehr

gewissenhaften Bleistiftcontur angedeutet, auch die hauptsächlichsten

inneren Laubpartien sowie den Gang des Stammes und der Hauptäste fest

hingestellt hat, beginne man mit dem allgemeinen Lichtton, und übergehe

mit demselben die ganze Masse des Baumes dergestalt, dass die lockeren

von der Luft durchblitzten Aussenpartien gleich in ihrer vollen

Charakteristik ausgedrückt sind. In den geschlossenen inneren Partien

führe man den Ton einfach durch, so dass hierdurch eine einfarbige,

in ihrem Aussencontur möglichst vollendete Silhouette des Baumes

entsteht. Mit einem leichten graubraunen Ton (etwa Sepia und Cobalt)

stelle man nun die Stämme und Aeste in ihren sichtbarsten Haupttheilen

fest. Sodann gehe man zum Mittelton über. Derselbe hat in der Regel

eine etwas wärmere, transparentere Natur; also zu einem Lichtton von

Olive Green würde ein Mittelton von Olive Green und Indian Yellow

stimmen. Mit demselben modellire man die Lichtsilhouetten in derselben

zeichnenden Weise, so dass nicht nur alle Mitteltöne, sondern auch

die Schatten davon bedeckt sind. In gleicher Weise verstärke man die

Stämme und Aeste mit einem tieferen Ton. Der dritte Ton, welcher die

eigentlichen Schatten markiren soll, muss um ein gut Theil neutraler

gemischt sein, als der Mittelton, etwa einfach aus Ivory Black oder

Indigo mit Indian Red, oder Light Red mit Cobalt.

Die Reflexlichter auf der Schattenseite des Baumes, welche einen

verhältnissmässig kälteren Ton haben, werden dadurch erzeugt, dass

man sie mit Wasser zeichnet und mit einem seidenen Tuch vorsichtig

herauswischt; die dadurch entstandenen hellen Stellen colorirt man mit

einem neutralen Ton von Indigo oder Cobalt mit einem leichten warmen

Zusatz.

Die gröbste Operation ist nun vollendet und wenn sie geschickt mit

Verständniss der Form und Modellirung ausgeführt ist, muss der Baum in

einiger Entfernung schon so eine plastische und charaktervolle Wirkung

machen. Aber es ist noch viel zu thun, ihm vollends den Ausdruck

des Lebens zu geben und ihn über die rein decorative Darstellung zu

erheben. Ueber diesen Theil der Durchbildung lassen sich kaum bestimmte

Regeln geben. Es ist der Takt und das Naturgefühl des Künstlers, der

hier und da ein zu starkes Licht herabdrückt, dagegen ein anderes

heraushebt und ihm einen wärmeren oder kälteren Ton giebt. Der feine

Glanz auf den Lichtpartien des Laubes muss durch Herausnehmen mit dem

Tuch und durch Einsetzen des Lufttones erzeugt werden.

Die harten Uebergänge vom Licht zum Schatten müssen an manchen Stellen

mit dem Pinsel und reinem Wasser zusammengewaschen werden, damit die

Kernpunkte um so energischer wirken. Die Ausladungen werden durch

Zusatz oder Wegnahme verfeinert, und alles Feste, was der Natur

des Laubes zuwider ist, muss aufgelockert werden. Oekonomie in der

Anwendung des sogenannten Baumschlags (ein abscheulicher Ausdruck, der

nur für Kinderschulen passt), oder besser, sparsame Entfaltung der

eigentlichen Blattform ist in hohem Grade anzurathen, wenn der Baum

nicht im nächsten Vorgrunde steht.

Eine andere, in vielen Fällen practische Methode, einem Baum möglichst

schnell seinen Charakter-Ausdruck zu geben, besteht darin, dass man in

dem ziemlich bestimmt gezeichneten Bleistiftcontur mit einem neutralen

Ton zuerst die tiefsten Schatten einsetzt, auch den Stämmen ihre

Dunkelheit giebt, darauf den ganzen Baum mit Einschluss der Schatten

mit seinem Lichtton übergeht und dann erst die verbindenden Mitteltöne

einsetzt. Dieser Weg ist besonders bei den Bäumen und Sträuchern

des Vorgrundes zu empfehlen, die sich durch entschiedene Dunkelheit

auszeichnen. Die Verfeinerung der Arbeit wird dann auch hier in der

oben beschriebenen Weise vor sich gehen müssen.

Was nun die Durchbildung des eigentlichen Vorgrundes betrifft, so

tritt mehr und mehr die Forderung der speciellen Kenntniss aller der

Dinge auf, die denselben bilden. Während für Ferne und Mittelgrund

oft ein lebendiges Naturgefühl ausreicht, verlangt der Vorgrund

neben diesem noch eine gründliche Wissenschaft. Hier ist es, wo sich

der durchgebildete Künstler am meisten zeigt. Jeder Gegenstand muss

plastisch, organisch und greifbar sein, und doch darf der Uebergang, wo

sich das Allgemeine zum Speciellen gestaltet, nicht besonders bemerkt

werden. In demselben Masse, wie der Luftton, in der Ferne beginnend,

nach vorn immer mehr von seiner Körperlosigkeit verliert und in den

wirklichen Localton übergeht, steigert sich auch die Deutlichkeit der

eigentlichen Formation der Gegenstände bis zur Greifbarkeit. Demgemäss

muss auch die Technik des Vorgrundes eine andere werden; sie muss

loser, gleichsam poröser werden, so dass sie jeden Gegenstand je nach

der Beschaffenheit seiner Oberfläche charakterisirt.

Nehmen wir als einfachstes Beispiel ein flaches, kiesiges Terrain.

In der Ferne erscheint es uns als ein geschlossener glatter Ton, im

Mittelgrunde bemerken wir seine Rauheit und in nächster Nähe treten die

einzelnen Unebenheiten, Steine und Steinchen, aus denen es besteht,

deutlich zu Tage. Um diese Stofflichkeit mit einer massenhaften

Behandlung wiederzugeben, ist eine andere Pinselführung nöthig, als bei

völlig glattem Ton. Man wird den Pinsel, der nicht allzu voll mit Farbe

überladen sein darf, seitwärts auf das Papier bringen und durch ein

leichtes Darüberfahren die Fläche porös übergehen. Die auf diese Weise

absichtlich hervorgerufenen Zufälligkeiten von Hell und Dunkel wird

man im Sinne der Sache ausbeuten, indem man den verschieden geformten

hellen Punkten kleine Schatten giebt und andere Stellen, die zu offen,

mit dem entsprechenden Ton mehr zusammen zieht. Das perspectivische

Gefühl muss den Künstler leiten, den Einzelheiten, je mehr sie sich ihm

nähern, grössere Dimensionen zu geben, und es ist hier der Punkt, wo

sich seine Phantasie in Hervorbringung mannigfacher charakteristischer

Formen zu bekunden hat. Was den Lichtern noch an Helligkeit fehlt, muss

mit dem Tuch herausgenommen und entsprechend colorirt werden.

In ähnlicher Weise ist ein mit Vegetation bedeckter Boden zu behandeln.

Eine Wiese oder Angerfläche, die uns in der Ferne wie weicher Sammet

erscheint, zeigt in grösserer Nähe die einzelnen Partien der Gras-

und Halmbüschel, bis zum deutlichen Erkennen der einzelnen Stauden

und Halme. Auch hier ist die Behandlung mit der Seite des Pinsels

vortheilhaft, die dann durch das Hervorheben einzelner bestimmter

Lichter und Schatten vollendet werden muss. Nicht jeder Pinsel thut

für diesen Zweck dieselben Dienste; besonders brauchbar sind dazu die

braunen Marderpinsel, lang gebunden, in Blech gefasst, die bei einer

grossen Elasticität sich vorn leicht spalten und hierdurch mehrere

Striche und Formen auf einmal hervorbringen.

Ein sehr dankbarer Theil der Behandlung des nächsten Vorgrundes ist

das Zeichnen einzelner Halme, Blätter und Ranken an den für ihre

Wirksamkeit passendsten Stellen. Ein scharf gespitzter Zobel- oder

Marderpinsel von schlanker Taille führt das reine Wasser so scharf

über die dunklere, darunter liegende Fläche, dass durch ein kurzes

und kräftiges Wischen mit dem seidenen Tuch oder Waschleder die

hervorgekommenen Formen die Präcision sorgsam aufgesetzter Lichter

haben. Die Punkte, welche man am glänzendsten wünscht, werden noch

einmal genässt, gut abgewischt und mit dem Gummi nachgerieben, wodurch

sie dann fähig sind, jede beliebige Farbe anzunehmen. Die zu breit und

ungeschickt gewordenen Lichter sind leicht mit dem daneben stehenden

Ton zu beschneiden und zu verbessern.

Mauerwerk, helle Wände, altes Holz, grosse Steine, Baumstämme etc.

haben sämmtlich eine mehr oder weniger rauhe Oberfläche, je nach ihrer

speciellen Natur, und werden auf ähnliche Weise zur grössten Realität

zu bringen sein.

Erst durch strenge Beobachtung dieser Handgreiflichkeit des Vorgrundes

erhalten die weicheren und geschlossenen Töne der Ferne ihren vollen

Zauber.

Ein Element von hoher Wichtigkeit und phantastischem Reiz in der

Landschafts-Malerei ist Wasser. Vermöge seiner Bewegungsfähigkeit

bildet es einen natürlichen Gegensatz gegen das Starre. Sein

fortwährendes Bestreben, seine glatte Oberfläche herzustellen,

verleiht ihm die Eigenschaft des Spiegelns, und zwar in dem Masse

seiner eigenen Ruhe. Der schäumende Giessbach, der rinnende Strom,

der streifige Landsee, der schilfumgebene, mit Wasserblumen bedeckte

Weiher, dessen stille Buchten spiegelglatt in der Sonne brüten, können

an und für sich schon malerische Sujets von höchster Wirkung sein.

Ueber die poetische Auffassung entscheiden allein Tact und Naturgefühl

des Künstlers, jedes Wort darüber wäre unnütz; aber in Betreff der

technischen Behandlung lassen sich einige practische Regeln angeben,

die freilich wieder mehr in einem richtigen Erkennen der Ton- und

Farben-Verhältnisse bestehen, als gerade in besonderen technischen

Handgriffen.

Eine vollkommen farblose Spiegelfläche reflectirt die Gegenstände nach

den Gesetzen der Perspective mit absoluter Genauigkeit in Form, Ton und

Farbe.

Eine derartige Spiegelung existirt in der Natur nur höchst selten,

und wenn sie ja einmal vorkommt, ist ihre Wirkung die bei weitem am

wenigsten malerische. Durch die vollkommene Identität mit dem Sujet

wirkt sie mit derselben Kraft, als dieses, und nimmt ihm somit seine

Bedeutung, sein Auge. Das Wasser zeigt in dieser vollkommensten Ruhe

auch nicht seine Wesenheit, das Flüssige und Nasse.

Hat das Wasser bei vollkommener Ruhe dagegen einen dunkleren Localton,

so tritt schon eine entschiedene Unterordnung des Reflexes gegen die

Wirklichkeit ein und es wird somit malerisch berechtigter. Die Technik

hat dabei keine andere Aufgabe zu lösen, als die Töne der Wirklichkeit

herabzustimmen durch ein gemeinsames Medium, schwärzlich, grünlich,

bräunlich, je nach der Natur des Wassers. Zu bemerken ist nur, dass die

Schatten des Reflexes niemals dunkler werden, als die der Wirklichkeit,

weil mit dem dunkleren Localton des Wassers auch allemal ein gewisser

Grad von Trübheit verbunden ist.

Seinen vollen malerischen Werth aber gewinnt Wasser erst durch eine

Bewegung seiner Oberfläche, sei dieselbe durch Wind oder durch

Fliessen hervorgebracht. Erst durch Bewegung wird die Oberfläche als

horizontale Ebene sichtbar und es tritt für den Beschauer sofort der

Eindruck perspectivischer Verkürzung, das Gefühl des Raumes ein,

das Hauptwirkungsmittel aller Landschafts-Malerei. Mit der Bewegung

hört die Spiegelung keineswegs auf, aber sie mildert sich in ihrer

mathematischen Strenge: die Contoure verschwimmen und verzittern in

einander, die Töne und Farben brechen sich mit dem Luftton; der ganze

Reflex, in seinem Bau ein wenig länger gestreckt und in jedem Theile

gemildert, läuft der Wirklichkeit nicht mehr den Rang ab und bildet

ganz für sich jenes flüssige, räthselhafte Wesen, welches wieder und

wieder auf uns Menschenkinder seinen unwiderstehlichen Reiz ausübt.

Je stärker die Bewegung wird, je mehr verschwindet die Spiegelung und

es tritt an ihre Stelle der Luftton ein.

Die technische Behandlung eines vom Winde leicht bewegten Gewässers

würde etwa folgende sein: Nachdem man mit dem Bleistift die sich

spiegelnden Gegenstände nach den Regeln der Perspective in ihren

Hauptmassen festgestellt hat, beginne man damit, dem ganzen Wasser

einen leichten Localton zu geben, im Vorgrunde am kräftigsten, nach

hinten allmählich verschwimmend (Raw Sienna mit Cobalt oder Vandyck

Brown, oder Vandyck Brown mit Indigo). Hierauf lege man die sich

spiegelnden Gegenstände in ihrem Localton an, der ein wenig neutraler

gehalten sein muss, als in der Wirklichkeit; durch ein allmähliches

Verlaufenlassen desselben nach vorn in einer horizontalen Strichweise

deute man die zitternde Bewegung des Wassers an. Danach setze man in

ähnlicher Weise die entsprechenden Mitteltöne und Schatten ein und

verstärke dieselben nach dem Ansatz der Spiegelung hin mehr und mehr,

so dass sie der Wirklichkeit zunächst, ihr auch am ähnlichsten sind an

Kraft und Farbe, jedoch beide nicht völlig erreichen.

Wenn auf diese Weise die leicht bewegte Spiegelung hergestellt ist,

wird man die Luftlichter, welche durch Wind oder sonstige Bewegung der

Oberfläche an einzelnen Stellen als helle Streifen hervortreten, am

besten mit dem Tuch herausnehmen und mit dem entsprechenden Luftton

coloriren. Der Grundcharakter dieser Lichter ist die horizontale Linie,

die sich in leisen perspectivischen Verschiebungen über die Theile

der Spiegelung hinzieht, welche man für die malerische Wirkung am

günstigsten hält. An einigen Stellen werden sie scharf hervortreten,

an andern zart und unmerklich in den Grundton verschwinden müssen.

Schilfpartien des nächsten Vorgrundes, die nicht als Masse, sondern

als einzelne Halme wirken sollen, werden am besten zuletzt mit Farbe

eingesetzt, ihre hellen Theile danach mit dem Tuche herausgenommen und

colorirt.

Auf heftig fliessendem Wasser nehmen die Luftlichter statt des

streifigen Liniencharakters mehr die Form der sich vor einander

herschiebenden Wellen an. Ein immer erneutes Naturstudium ist nöthig,

um denselben die leichte rinnende Bewegung zu geben, und der Typus

ihrer Form wird sich wesentlich danach richten, ob das Wasser entgegen,

abwärts oder seitwärts fliesst. Bei stark bewegten Gewässern oder

Wasserfällen, wo sich Schaummassen bilden, thut man wohl, letztere in

ihrer Hauptform auszusparen und sodann mit dem Tuch oder einem scharfen

Radirmesser zu verfeinern.

Das völlig still liegende Meer ist eine seltene Naturerscheinung;

es spiegelt, wie jedes andere stille Wasser, die Wirklichkeit mit

perspectivischer Genauigkeit wieder. Ein leiser Windhauch zieht

leise Streifen darüber hin, welche den Ton und die Farbe der höher

liegenden Theile der Luft annehmen. Es ist hierbei gleichgültig, an

welcher Stelle des Meeres der Wind sich zeigt; wir sehen oft eine

glatte See mit einem oder mehreren dunklen Streifen am Horizont, die

eine Verwandtschaft mit dem Ton des Zeniths haben, ein Beweis, dass

der die Streifen erzeugende Wind ziemlich heftig sein muss. Steht

in solchem Falle die Sonne in oder über dem Bilde, so wird dieser

bewegte Streif senkrecht unter der Sonne glänzend hell, wie die

Sonne selbst, vorausgesetzt, dass die Bewegung stark genug ist, die

einzelnen Wellenflächen bis gegen die Sonnenhöhe zu kehren. Man nennt

dies häufig den Silberblick des Meeres. So ist denn, je nachdem der

Wind stärker oder schwächer, für die Farbe der bewegten Streifen die

ganze Farbenscala der Luft vom Horizont bis zum Zenith möglich. Bei

klarem Tageshimmel und leichtem Wind sieht man daher das Meer blau, je

stärker der Wind, je dunkler wird dasselbe. Technisch ist hierbei nur

zu bemerken, dass schmale, weiche Streifen sich am leichtesten mit dem

Tuch herausnehmen; sind sie dagegen scharf und bestimmt, so wird man

besser thun, sie auszusparen. Ein sehr gutes Mittel, aus einem dunklen

Meer einen hellen Streifen herauszuwaschen, besteht darin, dass man aus

einem starken Blatt Papier einen Streifen herausschneidet, dasselbe auf

die entsprechende Stelle der Malerei legt und mit dem gut ausgedrückten

Schwamm der Länge lang über die offene Stelle hinfährt. Die Wirkung ist

unfehlbar und man hat nachher nur noch den gleichmässig hell gewordenen

Ton zu modificiren.

Zusammenwirkung.

Nach diesen Bemerkungen über die einzelnen Theile der Landschaft

und deren technische Behandlung will ich versuchen, den allgemeinen

Gang der Arbeit zu beschreiben, wie er für die Entstehung eines

Aquarellbildes am zweckmässigsten erscheint.

Während die Oelfarbe vermöge einer Anzahl von Eigenschaften für den

Beginn eines Bildes, ob derselbe im Vordergrunde, Mittelgrunde,

Hintergrunde oder bei der Luft erfolgt, jede Willkür gestattet, da

die Leinwand eine ziemlich rücksichtslose Behandlung mit dem Lappen

und dem Kratzmesser verträgt, erfordert das zartere Material der

Aquarell-Malerei eine grössere Vorsicht; unzweckmässiges Vorgehen

bringt Unsauberkeit und Zeitverlust mit sich und führt oft zum

gänzlichen Verwerfen des Bildes.

Es ist hier nicht die Rede von Skizzen und leichten Entwürfen, die nur

als Vorarbeit zu einem vollendeten Werke dienen sollen; hier wird der

Künstler, ohne alle Rücksicht auf Sauberkeit und Reinheit, nur die

Hauptwirkung im Auge haben und diese mit möglichst wenigen Farbenlagen

zu bewirken suchen. Ob ihm dabei Schwamm, Messer und Tuch Dienste

thun, die die Structur des Papiers völlig vernichten, oder ob er

deckende Farben für seine Lichter zur Hilfe nimmt, wer will ihm daraus

einen Vorwurf machen, sobald er nur zu seinem Zweck kommt? Handelt es

sich dagegen um ein durchgeführtes Bild, so tritt die Nothwendigkeit

ein, mit einiger Berechnung zu Werke zu gehen.

Es sind wesentlich zwei Prinzipien, welche von ausgezeichneten

Aquarellmalern für die Durchführung vollendeter Werke angewendet

werden. Die Einen beginnen mit dem Localton der Gegenstände, die

Andern mit dem Schatten derselben. Beide Arten haben ihre Vorzüge,

aber auch ihre Mängel, sobald man pedantisch an ihnen hängt. Mir

scheint die Verschmelzung beider am leichtesten zu einem Resultat zu

führen. Man wird immer gut thun, Gegenstände von starkem Localton mit

diesem zu beginnen, weil derselbe, abgesehen von seinem Schatten, als

auffallender und daher wirksamer Fleck im Bilde erscheint, während

Gegenstände von hellem Localton und bestimmtem Schatten am besten mit

diesem zu beginnen sind, da sie vorwiegend durch ihre Modellirung

wirken.

Einige Beispiele mögen den fortschreitenden Gang eines Aquarellbildes

klar machen.

Die Aufgabe sei eine ländliche Idylle einfachster Art. Auf einem

flachen grünen Anger erhebt sich zur Rechten des Bildes im nahen

Mittelgrunde ein ländliches Gehöft; mehrere hohe Bäume beschatten

einen Theil des vorderen Hauses; unmittelbar daran schliesst sich der

fernere Mittelgrund, bestehend aus Feld und Wiese mit Gesträuchen, in

der Ferne geschlossen von einem duftigen Höhenzug, der an mehreren

Stellen von fernen Bäumen durchschnitten wird. Zur Linken im Vorgrund

liegt ein Teich mit schilfigem Ufer; zwischen ihm und dem Gehöft weiden

einige Kühe und Schafe. Die Luft ist theils mit Gewölk bedeckt, welches

den Mittelgrund bis zur Ferne in Schatten legt, während Gehöft und

Vorgrund von der Sonne beschienen sind.

Nachdem die ganze Situation mit Bleistift leicht aber bestimmt

entworfen ist, beginne man mit der Luft und vollende dieselbe so gut

als möglich. Während die verschiedenen Lagen derselben trocknen, lege

man über das ganze Terrain und die Gebäude (mit Auslassung der hellsten

Lichter in letzteren) einen gemeinsamen Ton von Sepia, Light Red und

Cobalt, der etwa die Kraft der Lichter des Terrains hat; nach der Ferne

zu verwasche man ihn ein wenig. Es wird dadurch zunächst die Sonderung

des Stofflichen von der Luft erreicht. Hierauf gebe man den Häusern

ihre Schatten mit einem Neutralton von Cobalt und Light Red, etwa in

halber Kraft der Wirklichkeit, nur um sie zunächst auf ihren Plätzen

als Dinge zu zeigen. Das Nächste werden die Bäume sein. Jeden derselben

lege man in seinem Localton an und beginne hierbei mit dem vordersten.

Sodann setze man mit einem neutralen Grau den beabsichtigten

Wolkenschatten in den Mittelgrund und verwasche ihn da, wo er sich

weich verlieren soll.

Durch diese wenigen Lagen wird man eine Idee der Erscheinung des

Ganzen erreicht haben; die Luft ist von der Erde gesondert, Bäume

und Häuser stehen, die dunkle Masse ist von der hellen getrennt. Es

beginnt nun das genauere Coloriren der einzelnen Terrainpartien, von

der duftigen Ferne bis zum Vorgrund und umgekehrt. Die Gebäude bekommen

ihre Localfarbe, das Vieh auf dem Anger Farbe und Schatten, die Bäume

Mittelton und Kernschatten, der Teich den entsprechenden Luftton und

die Spiegelung der am Rande stehenden Gegenstände.

Nachdem dies bewirkt, wird sich zeigen, ob die Luft ausreichende Kraft

hat, oder ob man durch Zusatz von Blau im Aether oder durch stärkeren

Schatten in den Wolken ihre Plastik zu erhöhen hat.

Die nun folgende Arbeit ist das eigentliche Fertigmachen, das

Ausgleichen und Beseitigen aller unnützen, noch stehen gebliebenen

Lichtflecke, die der ruhigen Haltung des Ganzen Eintrag thun: die

Specialisirung des Vorgrundes durch Herausnehmen schärferer Lichter

und Zusatz stärkerer Schatten; das Zusammenwaschen fleckig gebliebener

Partien theils mit reinem Wasser, theils mit entsprechenden dünnen

Farbenlagen; das sorgsame Reinigen der Ferne und des Mittelgrundes von

allen störenden Flecken und Rändern, die von der Anlage her stehen

geblieben sind.

Man wird leicht erkennen, dass das Grundprincip dieser Arbeitsfolge aus

dem Bemühen entspringt, das Werk in allen Stadien seiner Vollendung

in möglichst gleichem Grade der Ausbildung zu erhalten. Das Bild,

welches der Phantasie vorgeschwebt hat, noch ehe ein Pinselstrich daran

geschehen, soll so wenig als möglich durch vorzeitige Ausbildung der

Einzelheiten abgeschwächt werden; ein gleichmässiges Fortschreiten in

allen Theilen soll das Gefühl für die Totalwirkung frisch erhalten und

keinen Augenblick der Ermattung oder des mechanischen Fortarbeitens

aufkommen lassen.

Schon die erste Anlage sondert die grossen Gegensätze von einander; der

zweite Zustand giebt allen Theilen ihre Localfarbe; der dritte bringt

die silhouettenhaften Massen zu voller Verständlichkeit; der vierte

gleicht die Mängel und Rohheiten aus. Selbstverständlich wird man diese

Zustände nicht pedantisch von einander trennen können; unwillkürlich

wird, aus technischen Rücksichten, der eine in den andern greifen.

Wo z. B. Bäume in eine helle Luft ragen, ist es wohlgethan, letztere

zuvor möglichst fertig zu machen, weil das Bessern mit breiten Tönen in

der Luft sehr leicht die Ausladungen der Bäume auflöst, die dann einen

grünlichen oder gelblichen Schein um sich verbreiten; nur durch grosse

Geschicklichkeit in der Pinselführung ist ein solcher Uebelstand zu

vermeiden. Bei dunkleren Lüften ist diese Vorsicht weniger nöthig.

Die Oelmalerei thut geflissentlich das Gegentheil; das Gegenmalen der

Luft gegen die Bäume ist fast geboten, um deren Ausladungen weich und

plastisch zu machen.

Als ein anderes Beispiel diene folgende Aufgabe: Wir stehen in einem

Torfmoor; eine weite, theils grüne, theils mit Haidekraut bedeckte

Ebene liegt vor uns. Zur Rechten im fernen Mittelgrunde zieht sich

ein dunkler Waldsaum entlang, dessen letzte Bäume sich vereinzeln und

den Durchblick zwischen den Stämmen in Luft und Ferne gestatten. Der

Vorgrund wird von einer schilfigen Lache durchschnitten, an deren Rand

einige Reiher ihr Wesen treiben. Die Sonne ist seit einigen Minuten

hinter dem Walde untergegangen; schwere Dünste lagern über der Ferne,

während aufwärts der Himmel in glänzender Klarheit strahlt.

Stimmungen, wie die vorliegenden, hat Jeder oft erlebt; sie gehören zu

dem Ergreifendsten, was uns die Natur bieten kann. Zu keiner andern

Tageszeit ist der Gegensatz zwischen Luft und Erde energischer, als

vor Aufgang und nach Untergang der Sonne. Der Himmel glänzt in der

wärmsten Farbenscala, die Erde dagegen empfängt keinen Sonnenstrahl

mehr und nimmt deshalb, obwohl noch Tageshelle auf ihr herrscht, einen

sehr tiefen Generalton an. Die ersten Operationen müssen also darauf

gerichtet sein, diesen Gegensatz energisch und zweifellos herzustellen.

Nachdem das ganze Papier einen Ton von Yellow Ochre empfangen, der

oben beginnend, sich nach dem Horizont zu leise verstärkt, mische man

einen violettgrauen Ton (Brown Madder, Cobalt und Sepia), setze ihn

unterhalb der fernsten Höhenzüge ein und übergehe das ganze Erdreich

(mit Auslassung des Wassers) dergestalt, dass man ihn durch Zusatz

von Wasser nach vorn an Kraft vermindert. Dieser Ton ist geeignet,

jede tiefere Farbe, welche man darüber legt, wirken zu lassen und

dient nur dazu, das Dunkelheitsverhältniss von Erde zu Luft annähernd

herzustellen.

Man gehe nun an das weitere Vollenden der Luft, steige von dem sehr

schmalen glänzendgelben Theil des Mittelgrundes der Luft durch tieferes

Gelb, Orange und Roth nach dunstigem Grau nieder, dagegen aufwärts vom

Mittelgrunde durch einen Hauch Apfelgrün nach Perlgrau.

Die Wolken, wenn man deren anbringen will, werden in dieser Stimmung

gewöhnlich als tieferer Ton auf dem Aether stehen; man lege sie also

in ihrem Lichtton an und setze die Schatten mit Tönen von Rose Madder

und Cobalt, Light Red und Cobalt, Brown Madder und Cobalt hinein. Jeder

dieser Töne gewinnt an Zartheit, wenn man ihnen eine Kleinigkeit Weiss

beimischt.

Es werden alsdann alle Partien des Erdbodens ihre Localtöne empfangen

müssen, die, je weiter nach hinten, mehr und mehr einen Ton

neutral-violetter Dunkelheit in sich tragen. Nur im nahen Vorgrunde

treten die Farben in ihrer vollen Realität auf. Das Wasser spiegelt

den entsprechenden Ton der Luft und wo es bewegt sein soll, empfängt

es Töne der höher gelegenen Luftregionen. Der Wald im Mittelgrunde

des Bildes wird, als senkrecht stehende Masse, noch tiefer betont

werden müssen, als das horizontale Erdreich, welches vom Aether einen

erhellenden Reflex bekommt. (Cobalt und Indigo mit Brown Madder.)

Die materiell tiefsten Stellen des Bildes liegen in den Spalten und

senkrechten Flächen des Vorgrundes und sind mit dem saftigsten und

vollsten Braun wiederzugeben. Van-Dyck-Brown, Burnt Sienna, Brown Pink,

Purple Madder als Schatten, zu Lichtern von Indian Yellow mit Indigo,

Indian Yellow mit Burnt Sienna, Indian Yellow mit Indian Red.

Schlussbemerkungen.

Das Studiren in Aquarellfarben vor der Natur weicht in der

Behandlungsweise von dem Arbeiten im Zimmer wenig ab.

Ist es die Absicht, ein vollendetes, abgeschlossenes Kunstwerk vor der

Natur zu schaffen, so wird der Gang der Arbeit völlig derselbe sein.

Am häufigsten aber geht der Künstler in die Natur hinaus, um Studien

und Notizen zu sammeln, die er späteren Werken zum Grunde legt. In

diesem Falle tritt eine bei Weitem freiere Behandlungsweise ein: jedes

Mittel, welches möglichst schnell zum Zweck führt, ist das richtige; es

kann ihm nur darauf ankommen, die charakteristischen Töne und Accente

seines Motivs voll und deutlich wiederzugeben und zu Gunsten dieses

höheren Zwecks muss er abstehen von der Sauberkeit und Klarheit, welche

nothwendige Eigenschaften vollendeter Werke sind. Ganz besonders in

der Luft, wenn sie farbiger Natur ist, dürften sich Schwierigkeiten

herausstellen, die nur durch ein langsames und vorbedachtes

Vorschreiten mit einer Anzahl dünner Farbenlagen zu überwinden sind;

während des Trocknens derselben ist der Effect, der vor dem Künstler

steht, längst entschwunden. Will er aus unmittelbarer Anschauung eine

farbige, mit Gewölk durchwebte Luft schnell zu Papier bringen, so

bleibt nichts Anderes übrig, als statt der langsamen Präparation mit

über einander gelegten Tönen, die Farben direct zu mischen, nass in

nass neben einander zu stellen und zu verarbeiten. Es wird niemals

gelingen, auf diese Weise den Hauch der Natur zu erreichen; aber das

Resultat wird hinreichend sein, um nach demselben ein selbständiges

Werk zu beginnen.

Was das Mass der Kraft, welches einem Aquarellbilde zu geben ist,

betrifft, so kann man darin nicht vorsichtig und ökonomisch genug sein.

Die Mittel, welche unsere Palette bietet, sind unendlich geringer, als

die der Natur; daraus folgt, dass sie weise verwerthet werden müssen,

um einen der Natur sich annähernden Effect zu erreichen. Man arbeite

so lange als möglich mit Mitteltönen, auch in den tiefsten Stellen

des Bildes, und spare die äusserste Kraft, die die Farben bieten, für

wenige, wohl erwogene Stellen auf. Zu grosse Dimensionen energischer

Dunkelheit werden nicht mehr als Kraft, sondern als Schwärze wirken,

und wie die hellste Lichtpartie noch ihren Focus haben muss, ist auch

für den Schatten ein Kernpunkt wohlthuend. Das stumpfe Auftrocknen

der dunklen Farben lässt oft ihre Unterschiede nicht genug erkennen;

um sie zu verdeutlichen und saftiger erscheinen zu lassen, hat man

vielfach einen leisen Ueberzug von Gummi arabicum angewendet: ein nicht

besonders gutes Mittel. Es wirkt meist als ein zu glänzender Fleck

ohne zarten Uebergang, der aus der Tonscala fällt; man thut besser,

an seiner Stelle eine unbedeutende Kleinigkeit Leinöl zu nehmen,

die man mit dem Finger sanft auf die tiefste Stelle reibt und in die

Umgebung verbreitet.

Alle Technik, der glänzendste Vortrag, die meisterhaft ausgeführten

Einzelheiten werden werthlos, wenn sie nicht einem malerischen

Grundgedanken entsprungen und demselben untergeordnet sind. Ein solcher

lebt in dem Künstler von Beruf, gleichgültig ob bewusst oder unbewusst,

und wenn er es versteht, ihn durch künstlerische Mittel auszudrücken,

so werden seine Werke Kunstwerke. Niemand aber darf hoffen, durch das

Erlernen einer Methode Künstler zu werden; fehlt ihm die productive

Kraft, so dürfte der Inhalt dieser Zeilen für ihn von geringem Werthe

sein. Nur für das Copiren bereits vorhandener Kunstwerke wird er aus

ihnen einigen Nutzen ziehen können.

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Die Aquarell-Malerei Bemerkungen über die Technik derselben in ihrer Anwendung auf die Landschafts-Malerei. Dritte Auflage. · 第 6 / 7 题