Und was könnt ihr, eurer Seits, hierauf antworten?
Brabantio.
Nichts, als daß es so ist.
Othello.
Erlauchte und Großmächtigste Herren, meine sehr edle, geliebte und
gnädige Gebieter; daß ich dieses alten Mannes Tochter entführt habe,
ist wahr; und wahr ist's, daß ich mit ihr vermählt bin--So weit
erstrekt sich die äusserste Linie meines Verbrechens, und weiter
nicht--Ich bin kein Redner, und wenig geübt in der friedsamen Kunst,
die Zuhörer durch Worte zu gewinnen--Seitdem diese meine Arme
siebenjähriges Mark hatten, bis izt, die leztverfloßnen neun oder
zehen Monate ausgenommen, sind die Arbeiten des Kriegs meine
einzige Beschäftigung gewesen--in diesen Kreis ist alle meine
Wissenschaft eingeschlossen, und das ist alles, wovon ich reden kan.
Ich werde also, indem ich für mich selbst rede, meiner Sache
wenig Vortheil verschaffen. Und doch will ich, mit eurer Erlaubniß,
eine aufrichtige ungeschminkte Erzählung von dem ganzen Hergang
meiner Liebes-Geschichte machen; damit ihr sehet, durch was für
Tränke, Zauber-Formeln, Beschwörungen und übernatürliche Künste,
(weil ich doch solche Mittel gebraucht zu haben beschuldiget werde,)
ich seine Tochter gewonnen habe.
Brabantio.
Ein unschuldiges junges Mädchen, die immer das zärtlichste,
schüchternste Kind von der Welt war; eine so sanfte und ruhige
Seele, das jede ihrer Bewegungen über sich selbst zu erröthen
schien--und sie sollte, troz Natur, Jugend, Geburt, Ehre, allem in
der Welt, in einen Mann verliebt werden, den sie zu furchtsam war
nur anzusehen--Was für eine Art zu schliessen muß der haben, der
sich vorstellen kan, daß die Natur so weit von ihren eignen Gesezen
abweichen sollte--Es ist unmöglich; aus der Hölle mußten die
verdammten Künste hergeholt werden, die das zuwegebringen konnten.
Ich behaupte also noch einmal, daß er sie durch Tränke, die das
Blut in gewaltsame Unordnung sezen, oder durch irgend ein andres
übernatürliches Mittel mißbraucht und zu Falle gebracht habe.
Herzog.
Behaupten ist nicht Beweisen--es gehören stärkere Beweisthümer
hiezu als die blossen nakten Vermuthungen, die ihr, in ein dünnes
Gewand einer schaalen Wahrscheinlichkeit gekleidet, gegen ihn
aufzustellen vermeynt.
1. Senator.
Redet dann, Othello; brauchtet ihr krumme und gewaltsame
Kunstmittel, die Neigungen dieser jungen Tochter zu erzwingen; oder
erhieltet ihr sie durch Bitten, und auf diejenige Weise, wie eine
Seele die andre anzuziehen pflegt?
Othello.
Ich bitte euch, laßt die junge Dame aus dem Schüzen herholen, und
sich selbst in Gegenwart ihres Vaters erklären; findet ihr, daß
ihre Erzählung seine Anklage rechtfertiget, so entsezet mich nicht
nur aller Ehren und Würden, die ich von euch empfangen habe,
sondern laßt mein Leben selbst der strengen Gerechtigkeit verfallen
seyn.
Herzog.
Holet Desdemona hieher.
(Zween oder drey gehen ab.)