1755 kam Prinz August Wilhelm von Preußen, ältester Bruder Friedrichs
des Großen, mit seiner Schwester der Prinzessin Amalie nach Spandau.
Bei dieser Gelegenheit besahen sich die beiden Königlichen Geschwister
auch das Innere der Nikolai-Kirche. Bei der Begräbnistafel des Grafen
Schwarzenberg blieb der Prinz erstaunt stehen, indem er zu seiner
Umgebung äußerte: „Wie? Ist der Graf nach dem Tode George Wilhelms
nicht nach Wien gegangen und dort verstorben? Diese Tafel ist wohl
nur zum Schein hier angebracht?“ Aller Gegenversicherungen ungeachtet
blieb der Prinz auf seiner Meinung bestehen und um sich vollständig von
dem Sachverhalt zu überzeugen, befahl er, das Grab zu öffnen. Nachdem
dies geschehen, erhielt der Page von Dequede von dem Prinzen die
Weisung hinabzusteigen und zu sehen, ob sich wirklich ein Leichnam im
Gewölbe befinde. Der beherzte Page kam nach einiger Zeit mit dem halb
vermoderten Kopfe eines Menschen wieder zum Vorschein. Der Prinz besah
den Kopf genau und rief dann unwillig: „Ja, das ist er. Man werfe ihn
nur wieder hin!“
Diesem Befehle folgte der Page buchstäblich und als unmittelbar darauf
Kirchendiener und Maurer in die Kirche kamen, um das Grab wieder zu
schließen, bemerkten sie, _daß der Kopf auf der Brust des Leichnams
lag_. Daraus entstand das Gerücht, daß Graf Schwarzenberg _enthauptet_
worden sei. 1777 ließ der Prediger des damals zu Spandau in Garnison
liegenden Regiments Prinz Heinrich einen Aufsatz drucken, in dem
er die Enthauptung bereits als ausgemachte Tatsache hinstellte. Er
beschrieb sogar den Ort in der Spandauer Heide, wo die Hinrichtung
stattgehabt hätte und fügte noch hinzu, daß man „im Jahre 1755 bereits
den Körper des Grafen ohne Sarg, nur zwischen einigen Brettern liegend,
vorgefunden habe.“
Aber durch eben diesen Aufsatz wurde auch die Anregung gegeben, näher
nachzuforschen und das Gerücht auf seine Grundlosigkeit zurückzuführen.
Oberst _von Kalkstein_, der ehemalige Kommandeur des Regiments, wollte
Gewißheit haben und ließ am 20. August 1777 abermals das Gewölbe
öffnen, wobei außer dem Herrn Obersten noch folgende Personen zugegen
waren: Regiments-Chirurgus Laube, der Garnison-Prediger, Justizrat
Lemcke, Adjutant von Bardeleben, Konrektor Dilschmann, Inspektor Schulz
und ~Dr.~ Heim (der spätere „alte Heim“, damals, von 1776 bis 1783,
Arzt und Physikus in Spandau).
Den Deckel fand man neben dem Sarge sehr zertreten; der Sarg selbst
war mit violettfarbenem Samt ausgeschlagen und mit goldenen Tressen
besetzt; der Leichnam ruhte auf Kissen von weißem Taft. Bekleidet
war der Graf mit einer langen spanischen Weste von Silberstoff, an
der Seite hatte er einen bereits verrosteten, mit goldener Tresse
verzierten Degen, seidene, fleischfarbige Strümpfe bedeckten die
Beine, und auf den Füßen trug er schwarzlederne Schuhe mit sehr dicken
Sohlen. Ein schwarzsamtner, mit einer goldenen Rundschnur besetzter,
niedergeschlagener Hut lag auf dem Körper und neben demselben der Kopf.
~Dr.~ Heim nahm den Kopf in die Hand, um ihn genau zu untersuchen;
hierbei fand sich, daß derselbe mit Kräutern angefüllt und
einbalsamiert war. Die Knochen waren noch nicht vermodert und die
_sieben Halswirbel fanden sich im Sarge sämtlich unverletzt vor_.
Heim erklärte: „Der Graf _ist nicht_ enthauptet worden, sondern
eines natürlichen Todes gestorben.“ Auch wurde eine Urkunde darüber
ausgestellt, die sich bis diesen Augenblick in einem verschlossenen
Kasten des Spandauer Kirchen-Archivs befindet.