Havelland

Grüß Gott Dich, Heimat ... Nach langem Säumen

In Deinem Schatten wieder zu träumen,

Erfüllt in dieser Maienluft

Eine tiefe Sehnsucht mir die Brust.

Ade nun Bilder der letzten Jahre,

Ihr Ufer der Saône, der Seine, Loire,

Nach Kriegs- und fremder Wässer Lauf

Nimm, heimische Havel, mich wieder auf.

Es spiegeln sich in Deinem Strome

Wahrzeichen, Burgen, Schlösser, Dome:

Der _Julius-Turm_, den Märchen und Sagen

Bis Römerzeiten rückwärts tragen,

Das _Schildhorn_, wo, bezwungen im Streite,

Fürst Jakzo dem Christengott sich weihte,

Der _Harlunger Berg_, der an oberster Stelle

Weitschauend trug unsre erste Kapelle,

Das _Plauer Schloß_, wo fröstelnd am Morgen

Hans Quitzow steckte, im Röhricht verborgen,

Die _Pfaueninsel_, in deren Dunkel

Rubinglas glühte Johannes Kunckel,

Schloß _Babelsberg_ und „_Schlößchen Tegel_“,

Nymphäen, Schwäne, blinkende Segel, --

Ob rote Ziegel, ob steinernes Grau,

Du verklärst es, Havel, in Deinem Blau.

Und schönest Du alles, was alte Zeiten

Und neue an Deinem Bande reihten,

Wie schön erst, was fürsorglich längst

Mit liebendem Arme Du umfängst.

Jetzt Wasser, drauf Elfenbüsche schwanken,

Lücher, Brücher, Horste, Lanken,

Nun kommt die Sonne, nun kommt der Mai,

Mit der Wasser-Herrschaft ist es vorbei.

Wo Sumpf und Lache jüngst gebrodelt,

Ist alles in Teppich umgemodelt,

Ein Riesenteppich, blumengeziert,

Viele Meilen im Geviert.

Tausendschönchen, gelbe Ranunkel.

Zittergräser, hell und dunkel,

Und mitteninne (wie das lacht!)

Des roten Ampfers leuchtende Pracht.

Ziehbrunnen über die Wiese zerstreut,

Trog um Trog zu trinken beut,

Und zwischen den Trögen und den Halmen,

Unter nährendem Käuen und Zermalmen,

Die stille Herde, ... das Glöcklein klingt,

Ein Luftzug das Läuten herüberbringt.

Und an dieses Teppichs blühendem Saum

All die lachenden Dörfer, ich zähle sie kaum:

Linow, Lindow,

Rhinow, Glindow,

Beetz und Gatow,

Dreetz und Flatow,

Bamme, Damme, Kriele, Krielow,

Petzow, Retzow, Ferch am Schwielow,

Zachow, Wachow und Groß-Behnitz,

Marquardt-Ütz an Wublitz-Schlänitz,

Senzke, Lenzke und Marzahne,

Lietzow, Tietzow und Rekahne,

Und zum Schluß in dem leuchtenden Kranz:

Ketzin, Ketzür und Vehlefanz.

Und an Deinen Ufern und an Deinen Seen,

Was, stille Havel, sahst all _Du geschehn_?!

Aus der Tiefe herauf die Unken klingen, --

Hunderttausend Wenden hier untergingen;

In Lüften ein Lärmen, ein Bellen, ein Jagen,

„Das ist Waldemar“, sie flüstern und sagen;

Im Torfmoor, neben dem Kremmer Damme,

(Wo Hohenloh fiel) was will die Flamme?

Ist's bloß ein Irrlicht? . . . Nun klärt sich das Wetter,

Sonnenschein, Trompetengeschmetter,

Derfflinger greift an, die Schweden fliehn,

Grüß Gott Dich Tag von _Fehrbellin_.

Grüß Gott Dich Tag, Du Preußen-Wiege,

Geburtstag und Ahnherr unsrer Siege,

Und Gruß _Dir_, wo die Wiege _stand_,

Geliebte Heimat, Havelland!

_Potsdam_, im Mai 1872.

[Illustration]

~Die Wenden~

und die Kolonisation der Mark

durch die Zisterzienser

Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Dritter Teil Havelland · 第 29 / 149 题