DER JUNGE:

Meine Kunst! Ich gestehe dir, daß dieses Possesivpronomen für mich etwas

Erstaunliches und Fremdes besitzt. Wenn ich mich ehrlich prüfe, so habe

ich eigentlich keine Kunst. Was mich zur Arbeit treibt, ist nicht der

Drang etwas zu vollenden, nicht der Wunsch von etwas außerhalb meiner

Sphäre Liegendem Besitz zu ergreifen, nicht oder doch nicht in erster

Linie die Sehnsucht nach farbigem Bild oder plastischer Gestalt oder

Deutung eines Schicksals, sondern es ist etwas anderes, seltsames. Es

ist eine tiefe, immer wachsende Unruhe in meinem Innern; es ist als ob

in meiner Brust ein Wesen verborgen wäre, das sich selbst kennen zu

lernen, über sich selbst Klarheit und Wahrheit zu erlangen wünscht und

für das die Arbeit meiner Hand, das Geschaffene, nichts ist als ein

Spiegel, in dem es sich betrachten kann und der es je mehr befriedigt

und beglückt, je ruhiger und ungetrübter er das Bild seiner vorigen

Verzweiflung um sich selbst wiedergibt.

Imaginäre Brücken: Studien und Aufsätze · 第 97 / 106 题