Meine Kunst! Ich gestehe dir, daß dieses Possesivpronomen für mich etwas
Erstaunliches und Fremdes besitzt. Wenn ich mich ehrlich prüfe, so habe
ich eigentlich keine Kunst. Was mich zur Arbeit treibt, ist nicht der
Drang etwas zu vollenden, nicht der Wunsch von etwas außerhalb meiner
Sphäre Liegendem Besitz zu ergreifen, nicht oder doch nicht in erster
Linie die Sehnsucht nach farbigem Bild oder plastischer Gestalt oder
Deutung eines Schicksals, sondern es ist etwas anderes, seltsames. Es
ist eine tiefe, immer wachsende Unruhe in meinem Innern; es ist als ob
in meiner Brust ein Wesen verborgen wäre, das sich selbst kennen zu
lernen, über sich selbst Klarheit und Wahrheit zu erlangen wünscht und
für das die Arbeit meiner Hand, das Geschaffene, nichts ist als ein
Spiegel, in dem es sich betrachten kann und der es je mehr befriedigt
und beglückt, je ruhiger und ungetrübter er das Bild seiner vorigen
Verzweiflung um sich selbst wiedergibt.