Wie könnte man Einsicht gewinnen ohne geirrt zu haben? Erinnerst du dich
unseres Gesprächs von damals über Wesen und Gesetze der Erzählungskunst?
Ich habe viel, habe oft darüber nachgedacht. Ich habe daraus in den
entscheidenden Punkten eine nicht mehr zu trübende Klarheit gewonnen.
Und doch, so bald ich nur eins dieser Gesetze, und wenn es das
lapidarste war, auf meine Arbeit anwenden wollte, so zerfloß es in
eitel Dunst. Es geht wie mit den aufgeschriebenen Paragraphen-Sammlungen
der Justiz gegenüber der lebendigen Menschenwelt. An sich betrachtet:
wahr, gerecht und klar. Auf das Ereignis, auf die Tat, den Augenblick
angewandt: nichtssagend, absurd, tot. Daraus schloß ich allmählich, daß
es kein andres Gesetz gibt, als dasjenige, das wir selbst durch die
Kraft unseres Werkes exemplifizieren. Jeder darf, was er kann.