Und doch sind die meisten unter unsern jungen Dichtern Wortsucher, aber
was schlimmer ist, sie verstehen auch nicht in großem Atem zu erzählen.
Ich leugne nicht die Berechtigung des Schriftstellers, seine Sätze
auseinander zu haken und sie im stürmischen Tempo aufmarschieren zu
lassen, wenn ihn die Situation und seine Natur dazu auffordern. Aber so
wenig ein Mensch lange Zeit hindurch im Zustand der Atemlosigkeit
verweilen kann, so wenig verträgt dies ein Buch, ohne daß es Unbehagen
und Widerwillen erregt. Ich habe Bücher in der Hand gehabt, in denen
lauter enge und engbrüstige Sätzchen nebeneinander standen, stumpf und
traurig wie Soldaten bei der Parade. Einzelne Satzglieder schwammen wie
abgeschnittene Hände und Füße in einer Brühe überflüssiger
Interpunktionen, und jeder Rhythmus war zerfetzt, weil eine anständige
Mittelmäßigkeit des Schreibens weniger geachtet wird als ein gequälter
Unsinn, oder weil das Gefühl erweckt werden sollte, der Verfasser sei
tief ergriffen gewesen von dem, was er geschrieben. Von dem Verfasser
wird gar keine Ergriffenheit verlangt; Gott hat nicht jedem Baum und
jedem Berg einen Zettel umgehängt, auf dem zu lesen steht: wie schön,
wie gewaltig, wie charakteristisch bin ich. Gott ist bescheiden, er ist
unsichtbar in seiner Welt versteckt, und mit den großen Künstlern ist es
ebenso. Vom Erzähler wird Unsichtbarkeit verlangt, von dem, was er
erzählt, höchste Sichtbarkeit.