Gewiß, wenn es ein und dasselbe wäre, mündlich zu erzählen oder
schriftlich. Dazwischen liegt ein so tiefer Abgrund, daß ihn nicht
Geist, nicht Wissen, nicht Wahrhaftigkeit zu überbrücken vermögen,
sondern lediglich künstlerische Genialität. Es ist der Abgrund zwischen
Wesen und Schein, zwischen dem Spiegel und der Person, die davorsteht,
zwischen Leben und Erinnerung, zwischen der Minute und der Ewigkeit.
Deine lebendigen Zuhörer sehen dich, sie sehen dich ergriffen,
begeistert, bedrückt, das lebendig gesprochene Wort hat eine ganz
unabweisbare Zeugniskraft durch sich selbst. Wenn du dieselbe wahre und
erschütternde Erzählung deiner Reise mit denselben Worten deines
mündlichen Berichtes niederschreibst, kann sie abgeschmackt, verlogen
und sozusagen grundlos klingen. Es ist also wieder das scheinbar
Äußerlichste, das die Kunstwirkung hervorbringt: der Stil. Um dieselbe
Einfachheit, die der Hörer ohne dein besonderes Hinzutun spürt, sofern
du nur eine einfache und wahre Natur bist, dem Leser eines Buches
glaubhaft zu machen, dazu gehört ein halbes Leben unablässiger Versuche,
aufreibender Mühe, qualvollsten Ringens. Im Leben ist das
Selbstverständliche, oder wenden wir ein Fachwort an, das Naive eine
Voraussetzung, in der Kunst ist es eine letzte Konsequenz, ein Gipfel.