DER ANFANG

Der Anfang, der Anfang ist immer das Interessanteste, Wahrhaftigste,

wirklich Merkwürdigste und eigentlich noch niemals Dagewesene, trotz

hunderttausend Beispielen derselben Art. Später haspelt sich alles ab,

wie es muß, und das Ende ist immer, immer verlogen und komödiantenhaft.

Aber der Anfang, der Anfang, da ist noch keinerlei Routine, und da ist

der schöne merkwürdige Zufall, daß man überhaupt in diesem Ozean des

Lebens sich kennen lernte!

Man sagte mir immer: „Gehe doch hin zu ihr ins Sekretariat, sie fragt

immer nach dir — — —.“ Endlich ging ich hin. Sie saß bei der

elektrischen Lampe und las „Pasqual“. Ich dachte: „Da du es nicht wissen

konntest, daß ich kommen würde, ist es eine bedeutsame Lektüre für eine

Siebzehnjährige.“ Da ich aber nur den Namen des Autors kannte, sprach

ich wie immer über Verdauungshygiene. Plötzlich entstand Kurzschluß und

es wurde im ganzen kleinen Palais finster. Ich sprach weiter und

erklärte, daß der „obstipierte“ Mensch unmöglich irgendwelche besondere

geistige und seelische Qualitäten besitzen könne und daß Pasqual, der da

aufgeschlagen vor ihr läge, jedenfalls und unbedingt, seinen Geist,

falls er einen besonderen und hervorragenden gehabt habe, nur durch

„Tamar Indien Grillon“ sich habe erwerben können, es wäre denn, daß ein

gütiges Schicksal ihm von Natur aus unter die Arme gegriffen hätte! Der

Kurzschluß wurde repariert; es wurde wieder licht, und die junge Dame

sagte:

„Ich habe schon längst bemerkt gehabt, daß Sie tadellose Frauenhände

besäßen, so verklärte. Gestatten Sie, daß ich dieselben berühre?!“

„Bitte sehr — — —“ erwiderte ich.

Das war der Anfang.

"Semmering 1912" · 第 321 / 325 题