An dem adriatischen Meeresufer findest du morgens um sieben viele kleine
Bündel von angeschwemmtem zähen Grase vom Meeresgrund, und kleine
Muscheln in ganz modernen Farbennuancen, von grau in schwarz, von braun
in lila, von gelb in braun. Die Japaner scheinen von da ihre diskreten,
fast mysteriösen Farbentöne her zu haben. Die großen teuren Muscheln
stammen aus dem Indischen Ozean und sind wertvolle _wertlose_
Prunkstücke. Aber die kleinen Muscheln, hier umsonst, sind kleine
moderne erlesene Kunstwerkchen der Natur! Eine Dame sagte zu mir: „Eine
ist doch so wie die andere!“ — „Für _mich_ nicht!“ erwiderte ich. Die
kleinen, nach seitwärts gehenden Krabben sind entzückend. Sie suchen
herzig und ungeschickt das Weite, aber wenn sie es nicht mehr können, so
zwicken sie sanft mit ihren Miniaturscheren. Am Meeresufer ist ein
bewegtes Leben und Treiben; aber die Büschel von geheimnisvollen
dunkelgrünen zähen Gräsern, die herrlichen Muscheln und die Krabben sind
wie von tausend Jahren her, wo Menschen noch nicht das _Strandbad_
kannten. Auch du wirst einst nicht mehr sein, die du mich nun in
_jugendlich-lächerlichem_ Stolz abweisend mit den Blicken mißt, und
deine Brüste werden die Spannkraft eingebüßt haben, so oder so; und ewig
wird das Meer noch Grasbüschel auswerfen, Muscheln und Krabben. Und mein
_Leid_ wird vielleicht _leben_, denn sterblich ist das _Jauchzen_, es
verhallt; der _Seufzer_ aber ist unsterblich. Er dringt zu Gottes feinem
Ohr. Der schenkt ihn wieder der Welle, die ans Ufer klagend fällt. Gott
liebt das Leid; wieso es kommt, ich weiß es nicht; es muß wohl
„göttlich“ sein. Gott liebt das Leid, es _reinigt_! Die satte Freude
liebt er _nicht_!