HOTEL-STUBENMÄDCHEN

Ich sagte zu meinem Hotel-Stubenmädchen: „Johanna, Sie werden von Tag zu

Tag unaufmerksamer gegen mich. Gestern waren sogar keine Zündhölzer

vorhanden.“ Sie sagte: „Jetzt wird es schon wieder besser werden. Ich

habe nämlich meine Schwester, 27 Jahre alt, verloren, man hat ihr zum

Schluß das ganze linke Bein abgenommen. Sie hat gesagt: „Ich möchte auch

mit _einem_ Bein leben!“ Aber es ist doch nicht gegangen.“ Sie brachte

mir zehn Pakete Zündhölzchen. Sie sagte: „Wenn man nur wüßte, wofür man

so schwer bestraft wird!? Die Dame auf Nr. 32 hat sicherlich mehr

gesündigt als wir, und wie fein lebt sie?!“

Ich sagte: „Johanna, wenn es auf Erden richtig zuginge, brauchten wir ja

nicht die Hoffnung aufs Himmelreich — — —“

Sie sagte: „Entschuldigen Sie vielmals die zahlreichen Versäumnisse der

letzten Tage. Meine arme Schwester hat ausgerungen. Jetzt kann ich

wieder meine Pflicht erfüllen!“

"Semmering 1912" · 第 292 / 325 题