Sie hatte eine kleine reizende Blumenhandlung im Berghotel. Das heißt,
sie hatte sie nicht, sondern sie war nur Verkäuferin. Die Besitzer waren
in Wien, reiche Leute.
Sie liebte die Blumen, die man ihr von den ungangbaren Felsgraten
brachte, sie liebte die Blumen, die man ihr aus Ziergärten schickte in
Watte und Holzbaumwolle. Alles, alles mußte sie aber doch verkaufen.
Ihre besten Kunden waren die „Hotel-Don Juans“ und die „Neuvermählten“.
Und sogenannte notwendige Abschiedsbuketts, von denen man dachte: „Ich
will _nicht_, aber ich _muß_!“ Diese verkaufte sie am liebsten, schlug,
so weit es ging, mit dem Preise auf, unerbittlich. _Abschied ohne
Abschiedstränen_ muß teuer bezahlt werden! Einmal kam ein Dichter,
bestellte für die sechsjährige Sonja Dungyersky einen Strauß von
hellrosigen „Rosa Crimson Rambler“. Diesen ließ sie sich nicht bezahlen.
„Weshalb denn nicht?!“ fragte der Dichter. „Wir wollen doch auch um
Gottes willen einmal eine Freude haben! Etwas miterleben!“ erwiderte die
Verkäuferin.