PLAUDEREI

Ausspruch eines fünfjährigen Mäderls:

„Wenn man alleweil brav ist, wissen die Leut’ dann gar nicht mehr, ob

man noch auf der Welt ist!“

Die Eltern tragen mir ununterbrochen Anekdoten über ihre vergötterten

Kindchen zu. Sie sind tief überzeugt davon, daß es gerade mich

interessiere! Ich interessiere mich auch wirklich _dafür_, daß sie alle

_so tief überzeugt davon sind_, daß ich mich dafür _interessiere_! Denn

diesen schönen Schein zu erwecken, heißt eben ein Dichter sein! Und als

das möchte man doch gerne gelten, wenn man schon weder Beruf noch Geld

hat, nicht?!?

„Mein Knabe sagte mir gestern“, „mein Mäderl sagte mir vorgestern“, höre

ich alle Tage zehnmal. Ob eines dieser kleinen Mistviecherl einmal zu

der reichen Mama den genialen Ausspruch täte: „Mama, wenn du mich

wirklich lieb hast, dann gibst du diesem entzückenden alten kranken

Dichter eine Monatsrate von fünfzig Kronen — — —!“

Ausspruch eines sechsjährigen Mäderls beim Abschied vom Semmering: „Ach,

wie werde ich _fürder_ ohne meinen geliebten Pinkenkogel und

Sonnwendstein existieren können?!“

Ich hätte gerne geantwortet: „Sehr gut wirst du _fürder_ existieren

können, indem ich dir _fürder_ für jeden affektierten, verlogenen,

manierierten Ausspruch deinen Hintern aushauen werde — — —!“

"Semmering 1912" · 第 264 / 325 题