Zu den wahrhaftigsten und mich aufrichtig rührenden Opfern, die ein Mann
einem geliebten Weibe bringt, rechne ich es immer, wenn er beim
Nierenbraten die Niere _ihr_ überläßt, vorausgesetzt natürlich, daß er
sie selbst gern ißt. Aber wer äße die Niere nicht gern?! Diese Niere ist
überhaupt so ein sicherer Thermometer in Liebessachen. Zum Beispiel:
„Otto, weshalb ißt du denn die Niere nicht?!“ — „Ich esse sie, und noch
dazu am liebsten, deshalb lasse ich sie mir für zuletzt!“ — „Ach so,“
erwidert Hermine enttäuscht. Oder: „Max, du ißt ja die Niere doch
nicht!“, und hat sie schon in ihr Mündchen gesteckt, während Max nichts
im Halse stecken bleibt als das Wörtchen: „O doch!“ Oder: „A schöne
Lieb’, frißt die Niere selber auf, da schau’ der an da!“ Diejenigen
Herren jedoch, die „das Opfer der Niere“ bringen, tun es auch meist
ziemlich _geschmacklos_, indem sie innerlich sich anstellen, als hätten
sie jetzt Anspruch auf Dankbarkeit und Treue ihr ganzes Leben lang!
Nein, dem ist _nicht_ so. Die Damen nehmen gern die Leckerbissen an, die
man ihnen spendet, aber sie haben die richtige Idee, daß solche
Selbstlosigkeiten sich durch das Gefühl eines höheren Wertes, das man
von sich selbst bekommt, reichlich belohnen! Wozu also die Sache
überzahlen?!