Die kleine 6jährige Tatarenkönigin Sonja D. sagte zu dem Dichter, der
sie anbetete: „Mein Bruder Bogdan und ich, wir schlafen immer mit einem
geöffneten Jagdmesser, einem Kindergewehre für Schrot und einer Pistole
mit echten Kapseln, unter dem Kopfpolster! Aber die Banditen wollen
nicht kommen, sich abschlachten zu lassen! Die Feiglinge!“ Der Dichter
nahm das vergötterte Königinchen in seine zärtlichen Arme — — —.
Der Maler kam. Da sagten die Damen:
„Was finden Sie denn so Besonderes an dieser 6jährigen Sonja Dungyersky,
die Sie jetzt malen für 500 Kronen? Sie ist doch viel unliebenswürdiger,
eigenwilliger, unsanfter als die meisten anderen reizenden Kindchen
hier?“
Der Maler: „Ich male sie von heute an _umsonst_, verstehen Sie mich,
_umsonst_! Für mich und für _die Welt_! Also ausnahmsweise diesmal
_nicht_ umsonst! Ich werde sie malen auf einem niedrigen,
schmiedeeisernen, schweren Throne, mit ihren braunen Gazellenbeinen und
ihren braungoldenen Locken! Umgeben von gebleichten Tatarenschädeln!
Einer muß an einer goldenen Kette herabbaumeln und in einer Ecke muß ein
Jüngling den grünen Giftbecher trinken und sie anblicken. Das Ganze
heißt: ‚Kleine winzige Tatarenkönigin, Wildkatze, Besiegerin!‘ Wie aus
einer entschwundenen Zeit von Kraft, Trotz, Schönheit, Unbesiegbarkeit
stammt sie, und dennoch könnte man über ihre Anmut, über ihre Stimme, ja
über ihre zarten Handbewegungen allein schon tagelang weinen und sich
momentan hinopfern!“
So sprach der Maler; und die Mütter der wohlerzogenen, folgsamen Kinder
erbleichten und schlichen fast krank von dannen!
Am nächsten Tage schrieben sie: „Wollen Sie unser Kindchen für 2000
Kronen malen?“