Siehe, es sind schon Leute gestorben, denen ich hätte nachtrauern
sollen, und ich tat es nicht. Andere wieder sind noch am Leben und ich
wünsche ihnen — — — nur nicht gleich fluchen! Aber um einen mir
verhältnismäßig ganz Fremden trauere ich jetzt. Erstens sehe ich gar
nicht ein, weshalb gerade ein 24jähriger Millionärssohn weggerafft
werden soll, der genug Kultur hatte, Geld in _wirkliche_ Werte, ohne
Pflanz, umzuwandeln. Zweitens besaß er Humor, obzwar er wußte, daß es
mit ihm schief gehen könne bei einer zweiten Operation. Er war ein
„_Gentleman-Musical-Clown_“, so benannte ich ihn sogleich. Jeden Abend
nach dem Souper erfreuten er und Herr H., der es auch „nicht nötig“
hatte, das elegante Publikum des Sanatoriums „Wolfsbergkogel“ mit
ihren unübertrefflichen Knock-about-Einfällen, bei Klavier und
Violine. Sie ersetzten eine ganze Varietévorstellung. Die reichen
Damen vergaßen ihrer Leiden, was ihnen umso leichter fiel, als sie gar
keine hatten; die kranken Herren vergaßen, den kranken Damen den Hof
zu machen. Das Lachen war da, das Lachen, in diesen heiligen, ernsten
Gesundheitsräumen, und die Langeweile der _Liegekuren_, dieser neuen
Art, sich noch mehr auf sein armes Ich zu konzentrieren, war
vergessen, gelöscht! Ich bat den jungen Mann, doch ja als
„Gentleman-Champion“ in großen Varietés, ohne Gage, aufzutreten, und
er sagte es mir lächelnd zu. Nun ist er tot. Um den trauere ich. 24
Jahre alt, unabhängig, mit Humor gesegnet, begnadet, gutmütig,
bescheiden. Der hätte _bleiben_ dürfen! Nur der!