Ich habe mir das Buch schenken lassen vom Verlag J. J. Weber, Leipzig:
„_Rosen und Sommerblumen_“. Ich lese es, ich betrachte die 160
Photographien, wie ein Werk von Maeterlinck! Jede Rose erblüht mir, als
wandelte ich in einem Märchengarten. Alles wird Wirklichkeit. Ich sehe
die Kletterrosen über alle Mauern, Wände, Gitter sich hinaufschwingen,
blühend rosigweiße Pracht verbreitend über kahle, harte, notwendige
Dinge! Ich sehe das Kletterröschen: „Maidens blush, Mädchens Erröten“,
ich sehe die Immergrünrose: „Félicité et perpétuité“. Ich sehe „soleil
d’or“, goldgelb mit rosigen Rändern. Ich sehe „Memorialrose“, für
Grabdenkmäler, „Minnehaha“, die mich an Wedekinds herrliches Buch
erinnert, das von der Nackterziehung erlesener Geschöpfe handelt, ich
sehe die Rose „Katharina Zeimet“, mit _Wildrosencharakter_, wie manche
scheinbar zarte Frauen, die Rose „Konrad Ferdinand Meyer“, die „Beauty
of the Prairies“, die weiße Rose „Frau Karl Druschki“, die Bourbonrose
„Souvenir de la Malmaison“ (in der Todesstunde getauft der Kaiserin
Josefine). Ich sehe Rankrosen in düsterem Hohlweg glühen; Crimson
Ramblerrose in riesigen rostrot lasierten ausgebauchten Töpfen, Japan
vorzaubernd und seine Gärten; _vergeblich_ suche ich eine Rose
„Kronprinzessin Cecilie“! Rosenzüchter, _dichtet mir_ in der ganzen
weiten Welt eine Rose, die dieser _Herrlichsten_ wert wäre!
„Kronprinzessin Cecilie“, du müßtest einen Platz erhalten im Garten, daß
man schon von weitem deine deutsche und dennoch _internationale_ Pracht
verspürte!