Es ist merkwürdig, wie sich Familienangehörige in Kurorten begrüßen, die
vielleicht kaum acht Tage lang getrennt waren voneinander. Als ob sie
von einer _monatelangen_ Weltreise gekommen wären! Ein ganz neuer Ton
von zärtlicher Freude, von intensivstem Interesse wird angeschlagen.
„Findest du unser Püppchen besser aussehend, Papa?“ — „Na, ich bin noch
nicht so ganz zufrieden, sie ist halt ein ‚Zarterl‘, was, Minnerl?“ —
„Kinder, laßt euch in euren Gewohnheiten (von _acht_ Tagen) ja nicht
stören, ich werde mich allem akkommodieren (alter Jesuit!).“
„Baby will hier das zweite Ei zum Frühstück nicht essen, ich habe ihr
gedroht, ich würde es Papa melden (haste wichtige Meldung!), wenn er
kommt!“ — „Nun, das macht wahrscheinlich die Luftveränderung!“ In
besserer Luft kann man also kein zweites Ei essen? Auch die Bonne wird
netter, rücksichtsvoller behandelt als zu Hause. „Was, Marie, hier ist
es schön?“ — „Bitt’, gnä’ Herr, ja — — —.“ Eine ewige Sorge um Paletots,
Jacken, Schals, als ob alle plötzlich tuberkulös geworden wären. „Annie
häkelt hier (weshalb plötzlich hier?) schon so nett, sogar ohne
Aufforderung (sie scheint also hier zu verblöden!).“ — „Schlaft ihr hier
nach dem Speisen?“ Auf einmal weiß er nicht, ob seine Familienmitglieder
schlafen oder nicht. Die Luftveränderung scheint ihm nicht gut zu tun,
dem Erhalter und Ernährer.
Man verkehrt miteinander wie Fremde bei einer Jour-Jause. „Angenehme
Nachrichten?“ fragt man bei der Morgenpost. Der Kassier ist ihm
durchgegangen. „Alles in schönster Ordnung zu Hause, mein Täubchen!“ Der
Arzt hat nämlich gesagt: „Zwanzig Bäder kosten zweihundert Kronen. Aber
vor allem keinerlei Aufregung, darauf muß ich strengstens bestehen!“
Nämlich auf den zweihundert Kronen.