TESTAMENT

Er hatte in sein Testament (der Ertrag seiner neun Bücher nach seinem

Tode) die 12jährige Schönheit mit der jauchzenden, klingenden,

bezaubernden Stimme eingesetzt. Aber da sie Millionärstöchterlein war,

hatte er bestimmt, daß von dem Gelde sogenannte „Geschenke eines

Verstorbenen“ zu kaufen seien, _außergewöhnliche_ Dinge, z. B. eine

besondere Bergkristalldruse, oder ein besonderes holzgeschnitztes

Christuskreuz. Da erfuhr er, daß man eine Kollekte gemacht hatte im

intimen Kreise für einen Winterrock seines Bruders, eines modernen

Diogenes. Da stieß er das Testament um, bestimmte nur, daß der Bruder an

jedem 9. April, dem Geburtstage seiner kleinen Heiligen, derselben eine

exzeptionelle Sache als „Geschenk eines Verstorbenen“ zu senden habe!

Der Bruder dachte Tag und Nacht über solch ein Geschenk nach. Da schrieb

die Heilige: „Ich will Ihnen Ihre Mission erleichtern. Schenken Sie mir

nur das Manuskript des „Ein schweres Herz“. Er nahm es aus dem Schreine

von gelbem Eibenholz, küßte es innig, und schickte es fort. Er fühlte:

„Ich bin der Vermittler eines _letzten Willens_. Sie hat mir meine

Aufgabe _erleichtert_, indem sie sie erschwert hat! Nur _Opfer belohnen_

sich! Ich hatte schon eine herrliche Bergkristalldruse aus den Tauern

erstanden, mit Kristallen wie geschliffenes, gefrorenes Bergwasser. Aber

das ist nun also für den nächsten 9. April!“

"Semmering 1912" · 第 221 / 325 题