EWIGE ERINNERUNG

Von Kortina brachen wir auf, Automobil, 9 Uhr morgens, und schlängelten

uns hinauf, auf den Falzaregopaß, 2117 Meter. Hinter dem Hotel pflückte

ich „Speik“, diese weiße duftende Bergblume, Kindheitserinnerung. Der

Boden war schwarz, weich und feucht; und überall rieselte Schneewasser.

Und dann hinab ins Tal. Und von da aus sogleich wieder auf den

Pordoihjochpaß, Kristomanos-Schutzhaus, 2250 Meter. Da gab es gar keine

Blumen mehr, wie herrlich. Der starre Sturm verbat sich alles Blühen.

Er stöhnte und beherrschte! Wie wenn man als Kind eine große Seemuschel

ans Ohr dicht anlegt, so brauste es. Nur sagt man in jenem Falle,

das Tosen des Meeres sei in der Muschel eingefangen. Hier aber ist

nichts eingefangen; man sieht das Brausen über die kahlen gelb-braunen

Wiesen; ganz aus erster Hand vernimmt man den Sturm. Im wunderbar

warmen geschützten Speisezimmererker nahm ich ihr Bild heraus (Kl. P.),

betrachtete es lange. Ich dachte: „Mit dir hier zu sein!“ Aber es wird

nie, nie, nie, nie sein — — —. Wie schade.

"Semmering 1912" · 第 209 / 325 题