Ich bin sehr _skeptisch_ in bezug auf _Empfindungen_. Festliche Stimmung
bei Geburtstagsjausen, bedenkliche Gesichter bei schweren
Krankheitsfällen können mir noch lange nicht imponieren. Ich kenne diese
„Rolle“ wohlerzogener Leute. Darüber mehr zu sagen, wäre eine Banalität,
obzwar auch dieses wenige schon eine beträchtliche ist. Aber _eine_
Empfindung gibt es, die _nicht_ unecht ist, das ist das klägliche
Aufheulen, ähnlich wie Hunde beim Klavierspielen, der allernächsten
Angehörigen, in _dem_ Augenblicke, da der Sarg aus dem Schlafzimmer
hinausgetragen wird. Da gibt es kein Schluchzen, kein adieu, kein
Lebewohl, kein _oh_ und kein _ach_. Da gibt es nur ein klägliches
erschreckendes Aufheulen, ein Winseln, wie wenn man den liebevollen Hund
aussperrt, ihm die Türe vor der Nase zuschlägt. Freilich „derfangt“ man
sich sogleich wieder, von den „nicht allernächsten“ Verwandten liebevoll
gestützt, und wankt zu Hut, Handschuhen und Schirm. Der Leichenwagen
wartet nämlich.
Aber dieser _eine_ kurze Augenblick ist _echt_, da der Tote sein
Schlafzimmer verläßt, getragen von vier fremden Männern. Da sagt man
nämlich wirklich Adieu und heult auf, und winselt und spürt es daß
eigentlich alles, alles auf der Welt nicht dafürsteht — — —.