BOBBY

Ich habe sowieso nichts mehr zu verlieren, nichts mehr zu gewinnen, ich

stehe vor der „großen Abrechnung“ meines Lebens. Jetzt erkläre ich, daß

ich die weiße, hellbraungefleckte echtrassige Foxterrierhündin Bobby,

mit ihren acht rosigen Brust- und Bauchwarzen (selbst die edelsten Damen

haben nur deren zwei), für schöner, graziöser, liebenswürdiger,

herzlicher, menschenfreundlicher halte als die meisten Frauen. Sie

erregt nie in mir Eifersuchtsqualen und Verzweiflung, hat eine

unbeschreibliche Freude, wenn ich nett zu ihr bin, sagt nie bei einer

solchen feinfühligen Gelegenheit: „Zahl’ lieber an Kaviar und laß die

billigen Faxen — — —.“ Denn erstens frißt sie Gott sei Dank gar nicht

Kaviar, und zweitens „fliegt sie“ grad auf meine „billigen Faxen“, d. h.

meine seelische Verehrung, Anerkennung und Liebe!

Ich ziehe also Bobby allen Frauen vor, freilich sage ich das erst

öffentlich am Ende meiner sogenannten „Liebeslaufbahn“, mit einem Wort:

nach meiner Schlacht von Sedan. Bobby hat um mich geweint, gewinselt,

sich gekränkt, den Appetit verloren. Die übrigen Weibchen hatten gerade

in meiner Gesellschaft stets einen riesigen Appetit, während ich kaum

die Absicht hatte, ihnen ein „Kalbsgulasch“ zu bezahlen. Und dann, Bobby

hat noch einen großen Vorteil, sie gehört nämlich gar nicht einmal mir,

sondern einer reizenden bekannten Dame, der die Fürsorge für sie

obliegt. Ich selbst schmeichle mich nur bei Bobby ein, um ihre zärtliche

Freundschaft zu genießen. Ich will keine Spesen haben, und „äußerln“

führe ich auch nicht. Frauen haben immer irgendwelche Bedürfnisse! Aber

ich bin nicht in der Lage, sie zu befriedigen — — —. Das nimmt zu viel

Kräfte weg und Zeit! Liebe ohne alle Spesen ist meine letzte Erkenntnis

auf Erden.

"Semmering 1912" · 第 172 / 325 题